Der Widerstand der Frauen gegen die Macht des männlichen Potentaten


Seminararbeit, 2008
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1 Die Figaro Trilogie

2 Le nozze di Figaro
2.1. Der Komponist
2.2 Mozart und Da Ponte
2.3 Libretto und Opergernre
2.4. Uraufführung und Rezipienten
2.5. lus primae noctis
2.6. Inhalt der Oper
2.7. LiedbeispielundAnalyse
2.8. Musik
2.9. Zusammenfassung

3 Il Barbiere di Siviglia
3.1. Komponist und Zeit
3.2. Libretto und Operngenre
3.3 Uraufführung und Rezipienten
3.4 Inhalt der Oper
3.5 Liedbeispiel und Analyse
3.6 Musik
3.7 Zusammenfassung

4 Allgemeiner Vergleich der beiden Opern im Bezug auf das Thema

5 Bibliographie

Einleitung

In Rahmen meiner Proseminararbeit möchte ich mich mit dem Thema Der Widerstand der Frauen gegen den männlichen Potentaten für den Kurs Zwischen Macht, Ohnmacht und Widerstand: Politik und Gesellschaft in der italienischsprachigen Oper, anhand von zwei ausgewählten Opern, näher befassen.

Diese Opern sind zum einen die Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart und zum anderen Il barbiere di Siviglia ossia l'inutile precauzione von Gioacchino Rossini. Die Wahl der beiden Opern ist nicht willkürlich getroffen worden, denn beide Libretti greifen auf die Figaro-Trilogie, die von dem französischen Autor Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais geschrieben worden ist, zurück.

Im Zusammenhang mit diesen Opern ist vor allem wichtig, in wie fern in diesen beiden Opern das Thema der Macht der Männer über die Frauen ausgedrückt und dargestellt wird, denn in einer dieser Opern spielt das Thema des Brauches der Ius primae noctis, dem Herrenprivileg der ersten Nacht mit der Braut eines Abhängigen, eine wichtige Rolle.

Im Folgenden möchte ich nun die beiden Opern unter folgendem Gesichtspunkt näher analysieren: auf welche Art und Weise die Macht der Männer ausgedrückt wird und ob und wie das Thema der Ius primae noctis in den beiden Opern behandelt wird. Einen weiteren Schwerpunkt wird auch noch die Analyse der Frauen betragen, da es hier zu untersuchen gibt wie die Frauen sich gegen ihre männlichen Potentaten wehren.

1 Die Figaro Trilogie

Wie eben schon erwähnt basieren die beiden Opern auf der Figaro Trilogie von Pierre- Augustin Caron de Beaumarchais. Die Trilogie setzt sich aus den folgenden drei Stücken zusammen: Le Barbier de Séville, Le Mariage de Figaro und Mère coupable.

Es lässt sich feststellen, dass im Laufe der Trilogie die Themen im Bezug auf Graf Almaviva immer ernster werden und sich so von einem heitern Stück bis zu einem moralisch anstößigen Stück hin weiterentwickeln.

Das erste Werk Le Barbier de Séville ist noch ein lustiges Werk, in dem es nur darum geht den Doktor Bartolo durch eine Falle außer Gefecht zu setzen, damit Rosina aus Liebe heiraten kann und nicht aus Raffgier ihres Vormundes.

In dem nächsten Stück geht es um dieselben Personen ein paar Jahre später.

In der Le Mariage de Figaro wird schon ein ernsteres Thema behandelt, es baut auf dem Stoff vom ersten Teil auf. So sehen wir nun Rosina, die eigentlich glücklich mit ihrem Grafen verheiratet sein soll. Jedoch ist dieser ihr alles andere als treu und so spielt hier nun das Thema der lus primae noctis, dem Herrenrecht des Grafen auf die erste Nacht mit einer Untergeben, eine große Rolle, obwohl dieses der Graf einige Jahre zuvor eigentlich abgeschafft hatte. Also müssen sich nun die betrogene Ehefrau sowie das Opfer, die Susanna, gegen ihn wehren, die alles andere als begeistert von der Idee ist, schließlich will sie Figaro heiraten und mit ihm glücklich werden.

Der dritte Teil La Mère coupable spielt weitere zwanzig Jahre später, indem es nun um die beiden Kinder des Grafen und der Gräfin geht, hier wird nun ein weiteres heikles Thema angesprochen, Inzest, denn Léon und Florestine haben sich ineinander verliebt und wollen heiraten. Jedoch handelt es sich nicht um ein Inzest Thema, wie man zuerst annehmen mag, denn im weiteren Verlauf stell sich heraus, dass es die Kinder des Grafen und der Gräfin mit jeweils anderen Partnern sind, so dass es kein Verwandtschaftsverhältnis zwischen ihnen gibt und somit der Weg zur Hochzeit für die Kinder freisteht.1

2 Le nozze di Figaro

2.1 Der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart

Der Komponist Wolfgang Amadeus Mozart wurde im Jahre 1756 in Salzburg geboren. Sein Vater war Geigenlehrer und stand im erzbischöflichen-salzburgerischen Hofdienst als Vizekapellmeister. Er erkannte relativ früh das Talent seines Sohnes und förderte dieses ausgiebig und so kam es, dass Wolfgang Amadeus Mozart schon im Kindesalter mit dem Komponieren begann. Anders ließe sich auch gar nicht die Vielzahl von seinen Werken erklären, die er im Laufe seines kurzen Lebens alle geschaffen hat. Schon in jungen Jahren wurde er als Wunderkind in ganz Europa präsentiert. Später unternahm er auch noch Reisen nach Italien um die großen Meister der italienischen Oper kennen zu lernen, aber auch um noch mehr über die Kontrapunkt Technik zu lernen.

Sein Vater versuchte ständig für ihn eine Anstellung zu finden, leider jedes Mal ohne Erfolg und so musste sich Mozart von einem Auftrag zum anderen hangeln ohne je irgendwo eine feste Anstellung bekommen zu haben, wodurch er keine Chance auf ein regelmäßiges Einkommen hatte. Im Jahre 1779 wird er schließlich zum Salzburger Hoforganisten ernannt, jedoch wider seinen Willen war. Kurz daraufkündigte er und begab sich schließlich auf den Weg nach Wien. Im Jahre 1781 beschloss er von nun an ganz dort zu bleiben, da er hier Constanze Weber zur Frau genommen hatte und diese kurze Zeit später schwanger geworden war. Mozart begründete seinen Entschluss in einem Brief an seinen Vater jedoch anders: „Wien sei ein herrlicher ort und für sein Metier der beste ort von der Welt.2 Jedoch war Wien für ihn ein gefahrliches Pflaster, da er sich immer wieder Ablenkungen jeglicher Art hingab und dadurch oft auch mehr Schulden machte, als er je an Einnahmen bekommen würde. Trotzdem entstanden hier seine weltbekanntesten Opern, wie: Die Zauberflöte, Die Entführung aus dem Serail, seine drei italienischen Opern Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Cosifan tutte , die er in Zusammenarbeit mit Da Ponte schrieb.

Mozart hat im Laufe seines Lebens insgesamt an die 300 Werke unterschiedlichster Art geschaffen. Jedoch hat er sich am besten in der Gattung Musikdramatik bewährt, mit den verschiedensten Formen vom Schulspiel, über Opera seria, Singspiel bis hin zur Opera buffa. Dies lag vor allem daran, dass er ein sehr ausgeprägtes Gespür für den dramatischen Effekt hatte.3

2.2. Mozart und Da Ponte

Der Librettist Da Ponte wurde eigentlich unter dem Namen Emmanuele Conegliano geboren und war jüdischen Glaubens, jedoch konvertierte er dann zum Katholizismus und wurde zudem von einem Bischof adoptiert. Nach dessen Tod entschloss sich Da Ponte für ein Leben als Priester, daher nannte er sich auch Abbate, welches dem deutschen Wort Abt entspricht. Jedoch wehrte sein Vorhaben nicht lange, denn es stellt sich bald heraus, dass er ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau hatte und wurde aus diesem Grund bald aus dem venezianischen Gebiet verbannt.

Durch verschiedenste Kontakte gelangte er nach Wien und bekam eine Stellung am Hofe, wo er zunächst nur für Antonio Salieri komponierte, später aber lernte er auch noch andere Komponisten kennen, unter anderem auch Mozart, und so begann bald die fruchtbare Zusammenarbeit von beiden.

Laut Da Ponte war es Mozart der ihm das Sujet der Le nozze di Figaro empfohlen hatte. Jedoch wollte der Kaiser es nicht genehmigen lassen, da er es anstößig fand, deshalb musste Da Ponte dem Kaiser versprechen das Stück literaisch etwas zu „entschärfen" und von allem Anstößigen zu befreien.4

2.3 Libretto und Operngenre

Mozart war erstmals Anfang des Jahres 1783 im Hause seines Gönners, des Bankiers Baron Wetzlar von Plankenstein, mit Da Ponte zusammengetroffen. Es verging noch einige Zeit, bis
es zur Zusammenarbeit kam, Anstoß dazu gab Da Ponte. Mozarts Wahl fiel auf das Schauspiel von Beaumarchais.

Die erste Aufführung des Schauspiels La folle journée ou Le marriage de Figaro, welches zwischen 1777 und 1780 entstanden war, fand am 27. April 1784 an der Comédie Française in Paris statt und Beaumarchais landete einen riesen Erfolg mit dieser Komödie. Es war seit den ersten Lesungen in privatem Kreis und bei Hofe mehrmals wegen des revolutionären Zündstoffs zu Aufführungsverboten (1781,1782) durch Ludwig XVI. gekommen, da dieser es abscheulich fand. Trotzdem war Ludwig XVI dagegen das Stück zensieren zu lassen, tat es aber später dann doch noch aufDrängen der Öffentlichkeit hin.

Auch in Wien wurde am 3.Februar 1785 die Aufführung der Komödie von der Theatergruppe Schikaneders im Kärntnertortheater von Kaiser Joseph II. kurzfristig verboten, da das Stück nur zum Druck freigegeben worden war, aber nicht zur Aufführung. Da Mozart mit Emmanuele Schikaneder bekannt war, wird vermutet das Mozart das Stück deshalb kannte. Mozarts Gönner, Baron Wetzlar, war bereit, im Falle eines Scheiterns den Textdichter zu honorieren. Man schmiedete Pläne für Aufführungen in London oder in Frankreich, sollte das Wiener Theater dem Werk verschlossen bleiben.

Doch bald kam es nun zu dem entscheidenden Gespräch zwischen Da Ponte und dem Kaiser. Es ging darum, die Erlaubnis zur Aufführung und zugleich eine Aufhebung des Verbots durchzusetzen. Da Ponte konnte den Kaiser überzeugen, indem er ihm versicherte, dass er ein dramma per musica und keine commedia verfasst und viele Szenen gestrichen und abgekürzt habe, eben alles so umgeändert, was als anstößig hätte empfunden werden könnte.5 Und somit war der Weg für Mozart nun frei eine Oper aus diesem Stoff zu komponieren.

Opera Buffa: (lustige Oper) in 4 Akten

Eine Opera buffa ist eine lustige und komische Oper. In diesem Fall besteht sie aus 4 Akten und auch die Personenzahl wurde von 16 reduziert, damit sie dem Schema von 11 Personen entspricht.

Typisch für eine Opera buffa ist, dass immer wieder bestimmte Elemente verwendet werden, wie Verkleidung, Verstellung und Überraschungseffekte, sowie das „Happy End", dem so genannten fine lieto. Auch werden volkstümliche und bürgerliche Gestalten verwendet und grenzt sich dadurch zur Opera seria ab, da in jener nur auf Helden und historische Figuren zurückgegriffen wird.

Anders als normalerweise jedoch üblich, werden die Charaktere hier, in der Opera buffa, nicht als fixe Typen/Charaktere dargestellt, sondern können ihre Individualität beweisen. Mit der Opera buffa betritt Mozart nun zum dritten Mal dieses Feld. Zuvor hat er nur zwei Jugendopern im Buffa Stil komponiert La finta semplice (1768) und La finta giardiniera (1774/75).6

2.4 Uraufführung und Rezipienten

Die Oper wurde am 1. Mai des Jahres 1786 in Wien am könig-kaiserlichen Nationalhoftheater, dem heutigen Burgtheater, uraufgeführt und wurde mit großem Erfolg ab der zweiten Vorstellung aufgenommen, obwohl versucht worden ist, einen Sturz der Premiere zu erlangen. Die Oper wurde in den folgenden Spielzeiten immer wieder - zu Mozarts Zeiten insgesamt 37-mal - auf das Programm gesetzt. Ein halbes Jahr später wurde das Werk von Bondinis Truppe in Prag einstudiert und auch dort wurde es ein riesen Erfolg.

Es lässt sichjedoch nicht feststellen ob Mozart der große Erfolg in Wien bei seiner Premiere gelang, oder erst Jahre später, nachdem es zu einer Wiederaufnahme des Stückes gekommen war, für das Mozart auch noch einige Stücke umkomponiert hatte. In diesem Punkt widersprechen sich mehrere Quellen leider.7

[...]


1 vgl. Osborne, Charles: TheBel Canto Operas ofRossini, Donizetti andBellini, Methuen, London 1994

2 Henneberg, F.: WolfgangAmadeus Mozart, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 2005, (S.106)

3 vgl. Henneberg, F.: WolfgangAmadeus Mozart, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 2005 (S. 112 ff)

4 vgl. Hanak, Werner: Mit Textbeitr. von Karl Albrecht-Weinberger.- Lorenzo da Ponte : Aufbruch in die Neue Welt ; [Mozart's poet ; ... anlässlich der Ausstellung "Lorenzo da Ponte, Aufbruch in die Neue Welt", Jüdisches Museum Wien, 22. März - 17. September 2006] / Jüdisches Museum Wien ..., Hatje Cantz, Ostfildern 2006 (S. 11-17)

5 vgl. Bletschacher, Richard : Mozart und da Ponte : (S. 98-109)

6 vgl. Brandenburg, Daniel, Vorlesung: Die italienische Oper im 18. Jahrhundert, Sommersemester 2007, Uni Wien

7 vgl. Henneberg, F.: Wolfgang Amadeus Mozart, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 2005 (S.115) und Klose, Dietrich: Die Hochzeit des Figaro / Le nozze di Figaro: KV 492. Opera buffa in vier Akten. Textbuch Italienisch/Deutsch von WolfgangAmadeus Mozart, Reclam, Ditzingen Januar 1990 (S.192)

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Details

Titel
Der Widerstand der Frauen gegen die Macht des männlichen Potentaten
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Literaturwissenschaftliches Proseminar II Italienisch: Zwischen Macht, Ohnmacht und Widerstand: Politik und Gesellschaft in der italienischsprachigen Oper
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V196876
ISBN (eBook)
9783656229377
ISBN (Buch)
9783656229568
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Le nozze di FIgaro, Il barbiere di Siviglia, Beaumarchais, Ius primae noctis, Mozart, Rossini, Figaro, Graf Almaviva, Die Hochzeit des Figaro, Der Barbier von Sevilla, Giaccomo Rossini, Wolfgang Amadeus Mozart, Da Ponte, Zensur, Wien, Uni Wien, Romanistik, Sophie Houriez
Arbeit zitieren
Sophie Houriez (Autor), 2008, Der Widerstand der Frauen gegen die Macht des männlichen Potentaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196876

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