Vor einigen Wochen reisten die ersten chinesischen Pauschaltouristen nach Hamburg. Die Anwesenheit
von Touristen an sich stellt kein besonderes Ereignis dar. Kommen diese jedoch aus
China so ist die Frage nahe liegend, warum ist Deutschland plötzlich für Asiaten als Urlaubsziel
interessant und welche allgemeinen Veränderungen in den chinesischen Bedürfnissen sind für
westeuropäische Unternehmer von Bedeutung.
Die Seminararbeit versucht die wesentlichen Unterschiede in den Bedürfnisstrukturen zwischen
China und westlichen Industrieländern in folgender Weise aufzuzeigen: Zunächst wird, um die
Vorraussetzungen für das weitere Verständnis zu schaffen, der Begriff „Bedürfnis“ und seine
Auswirkung auf die Einstellungen und Werte der Menschen erläutert. Da die Kultur eine
wichtige Rolle in der Bildung von Einstellungen spielt, soll auch auf diese zu erst allgemein eingegangen
werden, sodass anschließend darauf aufbauend spezielle Unterschiede in den Regionen
dargelegt werden können.
Die eigentlichen Bedürfnisstrukturen werden mit direktem Bezug zur Region nachgewiesen. In
den westlichen Industrieländern wird dabei hauptsächlich nach Einkommensklassen und in
China zwischen städtischer bzw. ländlicher Bevölkerung unterschieden. Mit dieser Unterteilung
werden aus dem in der Literatur beschriebenen Konsumentenverhalten die groben Bedürfnisse
der Bevölkerung abgeleitet und ihre heutige Gültigkeit mit Hilfe der aktuellen statistischen Jahrbücher
belegt. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen und die Unterschiede zu verdeutlichen erfolgt im
letzten größeren Kapitel die Gegenüberstellung der zuvor erörterten Bedürfnisstrukturen.
Abschließend wird ein Ausblick auf die Entwicklung der Bedürfnisse in China und deren Bedeutung
für Anbieter auf diesem Markt gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Bedürfnisse und deren Strukturen
2.2 Einstellungen und Werte
2.3 Kulturspezifische Einflüsse
3. Kulturunterschiede zwischen China und der westlichen Welt nach Hofstede
4. Bedürfnisstrukturen in den westlichen Industrieländern
4.1 Abgrenzungen
4.2 Wesentliche Veränderungen in der deutschen Gesellschaft
4.3 Unterschiede bei der Einkommensverwendung zwischen arm und reich
4.4 Die Bedürfnisstrukturen anhand verschiedener Beispiele
4.4.1 Der Dienstleistungsmarkt
4.4.2 Der Lebensmittelmarkt
4.4.3 Der Markt für Multimedia und Information
4.5 Der zukünftiger Bedarf an Gütern
5. Grundzüge chinesischer Bedürfnisstrukturen
5.1 Wesentliche Veränderungen für die chinesischen Konsumenten
5.2 Unterschiede zwischen Stadt und Land bezüglich der Einkommensverwendung
5.3 Der chinesische Lebensmittelmarkt
5.3.1 Lebensmittelkonsum der städtischen Bevölkerung
5.3.2 Lebensmittelkonsum der ländlichen Bevölkerung
5.4 Langlebige Gebrauchsgüter
5.5 Weitere wichtige „Trends“ und zukünftiger Bedarf
6. Gegenüberstellung wesentlicher Unterschiede
6.1 Allgemeine Erkenntnisse
6.2 Lebensmittelmarkt
6.3 Markt langlebiger Gebrauchsgüter
6.4 Markt der Dienstleistungen
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Unterschiede in den Bedürfnisstrukturen zwischen der Volksrepublik China und westlichen Industrieländern (fokussiert auf Deutschland). Das Ziel ist es, ein Verständnis für das Konsumentenverhalten in diesen Regionen zu schaffen, um westeuropäischen Unternehmen Orientierung für den Markteintritt und die Marktanpassung zu bieten.
- Grundlagen des Konsumentenverhaltens, Bedürfnisse und Werte.
- Kulturdimensionen nach Hofstede im Vergleich zwischen China und dem Westen.
- Analyse der Bedürfnisstrukturen in Deutschland und China unter Berücksichtigung von Einkommen und Wohnort (Stadt/Land).
- Gegenüberstellung zentraler Marktunterschiede (Lebensmittel, Gebrauchsgüter, Dienstleistungen).
- Ableitung von Zukunftstrends für Anbieter auf dem chinesischen Markt.
Auszug aus dem Buch
3. Kulturunterschiede zwischen China und der westlichen Welt nach Hofstede
Dieses Kapitel soll kurz die bereits in den Grundlagen erwähnten fünf Kulturdimensionen Hofstedes und deren Ausprägungen in der Volksrepublik China mit denen in der westlichen Welt vergleichen. Hierbei sei noch einmal darauf hingewiesen, dass das Verhalten von Käufern Rückschlüsse auf deren Bedürfnisstrukturen erlauben, da das Beschaffen eines Konsumgutes einen Willen, also ein Motiv, voraussetzt dieses Gut besitzen zu wollen.
Wenn es um die Betrachtung von Individualismus versus Kollektivismus geht, lässt sich feststellen, dass in westlichen Industrieländern die freie Entfaltung der Persönlichkeit und die individuelle Selbstbestimmung eine sehr große Rolle spielen. Das hat zur Folge, dass jeder Mensch auf seinen eigenen Lebensstil viel Wert legt und dieser sich natürlich auch in seinem Kaufverhalten niederschlägt. Im Gegensatz dazu verlassen sich Konsumenten im kollektivistisch geprägten China mehr auf die Meinung der Masse und sind deshalb beispielsweise einer Marke gegenüber bedeutend treuer, wenn diese bei einer Mehrzahl von Käufern beliebt ist.
Ein weiterer Erklärungsansatz für die Unterschiede der Bedürfnisstrukturen liegt in der stark unterschiedlichen Ausprägung der Machtdistanz. Während für Chinesen Gehorsam und Respekt wichtige Tugenden sind, also eine hohe Distanz besteht, behandeln sich Menschen in der westlichen Welt eher als Partner und werden ermutigt ihren eigenen Weg zu gehen. Das bedeutet, dass die Bevölkerung Chinas sich eher sagen lässt, was gut oder schlecht ist und sich somit an das Verhalten der Masse anpasst. Hier wird der starke Zusammenhang zwischen Individualismus und Kollektivismus auf der einen und Machtdistanz auf der anderen Seite deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, begründet den Fokus auf Deutschland und China und umreißt die methodische Vorgehensweise zur Analyse der Bedürfnisstrukturen.
2. Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Bedürfnisse, Motive nach Maslow, sowie die Bedeutung von Werten und kulturellen Einflüssen für das Konsumentenverhalten definiert.
3. Kulturunterschiede zwischen China und der westlichen Welt nach Hofstede: Dieses Kapitel vergleicht die kulturellen Unterschiede zwischen China und dem Westen anhand der fünf Dimensionen von Hofstede.
4. Bedürfnisstrukturen in den westlichen Industrieländern: Eine detaillierte Untersuchung der Bedürfnisstrukturen in Deutschland, unterteilt nach Einkommensgruppen und analysiert anhand von Beispielen wie Dienstleistungen und Multimedia.
5. Grundzüge chinesischer Bedürfnisstrukturen: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen Bedürfnisstrukturen in China mit Fokus auf die Unterschiede zwischen Stadt- und Landbevölkerung sowie Trends bei Lebensmitteln und Gebrauchsgütern.
6. Gegenüberstellung wesentlicher Unterschiede: Eine zusammenfassende Analyse, in der die Bedürfnisstrukturen Chinas und des Westens direkt gegenübergestellt und ausgewertet werden.
7. Ausblick: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt und die Bedeutung für westliche Anbieter auf dem chinesischen Markt unterstrichen.
Schlüsselwörter
Bedürfnisstrukturen, Konsumentenverhalten, China, westliche Industrieländer, Kulturdimensionen, Geert Hofstede, Individualismus, Kollektivismus, Machtdistanz, Einkommensverwendung, Lebensmittelmarkt, Gebrauchsgüter, Dienstleistungsgesellschaft, Marktanpassung, Konsumententrends.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede in den Bedürfnisstrukturen von Konsumenten in der Volksrepublik China im Vergleich zu den westlichen Industrieländern, insbesondere Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den theoretischen Grundlagen von Bedürfnissen und Werten, den kulturellen Unterschieden nach Hofstede sowie der praktischen Analyse des Konsumverhaltens in verschiedenen Marktsegmenten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die spezifischen Unterschiede im Konsumverhalten zu identifizieren, um westlichen Unternehmen die Vorraussetzungen für ein besseres Verständnis des chinesischen Marktes und die notwendige Anpassung ihrer Produkte zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Daten aus nationalen Jahrbüchern, um die Bedürfnisstrukturen auf Basis des Konsumentenverhaltens nachzuweisen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der deutschen Bedürfnisstrukturen (nach Einkommensgruppen) und der chinesischen Strukturen (unterteilt in Stadt und Land) sowie einen direkten Vergleich dieser Märkte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Bedürfnisstrukturen, Konsumentenverhalten, China, Kulturdimensionen, Marktanpassung und Konsumententrends.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Stadt- und Landbevölkerung in China so wichtig?
Die Infrastruktur und das Einkommensniveau unterscheiden sich in China massiv zwischen den modernen Ballungszentren und den ländlichen Gebieten, was zu völlig unterschiedlichen Bedürfnissen bei Konsumgütern führt.
Welche Rolle spielt die Ein-Kind-Politik für das Konsumverhalten in China?
Die Ein-Kind-Politik beeinflusst die Familienstruktur und führt dazu, dass Eltern ihre Ressourcen verstärkt auf den Konsum für das einzelne Kind konzentrieren, was die Nachfrage nach bestimmten Produkten erhöht.
Warum reicht es für westliche Unternehmen nicht aus, Produkte unverändert in China anzubieten?
Aufgrund kultureller Unterschiede, unterschiedlicher Kaufkraft und variierender Bedürfnisse bevorzugen chinesische Konsumenten Produkte, die speziell auf ihre Wünsche angepasst sind und bei denen ein vertrauenswürdiges Verhältnis zum Anbieter besteht.
- Quote paper
- Mattes Decker (Author), Mario Sass (Author), Kai Unruh (Author), 2003, Bedürfnisstrukturen: Unterschiede zwischen westlichen Industrieländern und dem chinesischen Markt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19687