Der Heilige Pantaleon

Leben und Wirken


Hausarbeit, 2008

19 Seiten, Note: 2,0

Josephine Ottersbach (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 Einleitung

Kapitel 2 Die Legende des Heiligen Pantaleon (1)

Kapitel 3 Der Weg der Pantaleonsverehrung

Kapitel 4 Zusammenfassung

Kapitel 1 Einleitung

In Rom brach in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 64 n.Chr. ein Feuer aus. Kaiser Nero (Regierungszeit: 54-68 n.Chr.) beschuldigte die Christen der Brandstiftung, worauf die erste Christenverfolgung der Geschichte einsetzte. Hierbei sollen auch die Apostel Petrus und Paulus hingerichtet worden sein. Nicht nur unter Nero und den nachfolgenden Regenten, sondern vor allem unter Kaiser Decius (Regierungszeit: 249- 251) und Valerian (Regierungszeit: 253-260) fand eine Ausrottung der Christen im Römischen Reich statt. Einen letzten Höhepunkt erreichte die Verfolgung unter Kaiser Diokletian (Regierungszeit: 284-305). Im Jahr 313 gewährte das 'Mailänder Toleranzedikt' (Vereinbarung zwischen Kaiser Konstantin und Kaiser Licinius) den Christen die Religionsfreiheit. Dennoch gab es später immer wieder vereinzelte Christenverfolgungen.

Viele Christen starben wegen des Festhaltens in ihrem Glauben und wollten eher sterben, als sich von Gott abzuwenden. Menschen, die trotz Verfolgung an ihrem Glauben festhielten und für ihn sogar den Tod erlitten, wurden seit dem Ende des 2. Jahrhunderts wegen ihres Glaubenszeugnisses „Märtyrer“ [aus dem Griechischen: μάρτυς = Zeuge] genannt. Viele Märtyrer zählen heute zu den Heiligen der katholischen Kirche und werden von den Gläubigen verehrt. Auch der Arzt Pantaleon aus Nikomedien (heutige Türkei) zählt zu den Märtyrern der Zeit der Christenverfolgung. Er wurde im Jahr 305 n.Chr. enthauptet.

In einigen Religionen, im Christentum seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts, entwickelte sich der Brauch, Heilige zu ehren, indem man ihre Reliquien [aus dem Lateinischen: reliquiae = das Zurückgelassene], das heißt Körperteile oder Teile ihres persönlichen Besitzes, verehrte. Über Behältnissen, die die Gebeine beinhalteten, oder auch Gegenständen, die mit dem Leben des Heiligen in Verbindung standen, wurden bereits im 4. Jahrhundert Altäre und Kirchen errichtet. Die ausgeprägte Reliquienverehrung artete im Mittelalter in Missbrauch aus, d.h. Reliquienhandel und Aberglaube fanden starke Verbreitung.

Die Verehrung des Heiligen und Märtyrers Pantaleon ist auch heute noch im europäischen Raum verbreitet. Daher ist es interessant, den Weg seiner Reliquien und somit seiner Verehrung zu untersuchen. Da eine Betrachtung des gesamten europäischen Bereichs den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde, soll die vorliegende Arbeit den Weg der Pantaleonsverehrung aus seiner orientalischen Heimat ins Rheinland mit dem Schwerpunkt auf dem Mittelalter behandeln. Am Beispiel der Pfarrkirche St. Pantaleon in Unkel soll in einem Exkurs anhand der dort auch heute noch vorhandenen Darstellungen des heiligen Pantaleon seine Verehrung im Rheinland aufgezeigt werden.

Kapitel 2 Die Legende des Heiligen Pantaleon

Pantaleon wurde in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts als Sohn des Heiden Eustorgios und der Christin Eubula (andere Version: Eukuba) in Kleinasien geboren (ca. 278 n. Chr.)1. Sein Vater war Arzt und Pantaleon tat es ihm gleich. Bereits im jungen Alter zeigte er Interesse für die Heilkunde; er wurde Schüler des kaiserlichen Leibarztes Euphrosynos in Nikomedien (heutiges Izmit in der Türkei). Er entwickelte bald ungewöhnliche Heilkräfte. Pantaleon ließ sich durch den Priester Hermolaos zum Christentum bekehren und taufen. Nach seiner Taufe gab er einem Blinden das Augenlicht wieder, der sich danach ebenfalls taufen ließ. Pantaleons Vater sah diese Heilung und ließ sich hierdurch seinerseits zum Christentum bekehren. Ferner soll Pantaleon einen Knaben, der durch einen Schlangenbiss getötet worden war, wieder ins Leben zurückgeholt haben2. Durch diese wundersamen Heilungen wurde Kaiser Diokletian, der zu dieser Zeit im Ostreich herrschte (Regierungszeit: 283-305), auf Pantaleon aufmerksam. Der Kaiser ernannte den jungen Arzt zu seinem Leibarzt. Die wundersame Heilungskraft des Pantaleon rief bei den Ärzten am Hof Neid hervor. Die Heilung des Blinden im Namen Christi nahmen sie zum Anlass, ihn als Christ beim Kaiser anzuzeigen. Nachdem Kaiser Diokletian von seinem Amt freiwillig zurückgetreten war und sich mit seiner Frau Prisca ins Privatleben nach Dalmatien zurückgezogen hatte, wurde sein Mitkaiser Galerius sein Nachfolger (Regierungswechsel: 1. Mai 305). Galerius ließ einen Wettstreit zwischen seinen Hofärzten und Pantaleon veranstalten, bei dem die Heilung eines Lahmen bestritten werden sollte. Pantaleon ging aus diesem Wettstreit als Sieger hervor, was ihm aber das Märtyrium nicht ersparte. Der Kaiser ließ ihn in den Kerker werfen und dort foltern. Man verbot, ihm zu essen und zu trinken zu geben. Doch er erduldete alle Qualen. Man warf ihn zu einem Löwen in die Arena, der ihn jedoch nicht angriff. Auch das Schwert des Henkers, den er bekehrt hatte, blieb stumpf. Schließlich band man ihn nach zahlreichen Torturen und missglückten Hinrichtungen an einen Ölbaum und schlug ihn so lange mit Dornen, bis er blutete. Man band ihm die Hände am Kopf fest und schlug ihm einen großen Nagel durch die Hände in sein Haupt. Pantaleon betete zu Gott und empfahl seinen Geist in Gottes Hände. Am 27. Juli 305 wurde er enthauptet3, nachdem er für seine Henker Barmherzigkeit erfleht hatte. Eine Stimme vom Himmel rief „Allerbarmer“ (παντελεήμων) und versprach, dass durch ihn viele Lebewesen Erbarmen finden würden. Aus seinem Körper sollen Milch und Blut geflossen sein4. In mehreren europäischen Kirchen gibt es Glasampullen, die das Blut des Heiligen beinhalten sollen. Heute ist Pantaleon Schutzpatron der Ärzte, Hebammen und Haustiere. Er wird bei Krankheiten von Vieh und Mensch angerufen; Kranke bitten ihn in ihrem Leiden, insbesondere bei Kopfschmerzen, Auszehrung und Verlassenheit, um Hilfen5. Dargestellt findet man ihn meist mit den Attributen Nägel, Salbenbüchse und Heilpflanzen.

Kapitel 3 Der Weg der Pantaleonsverehrung

Kapitel 3.1 Die Verehrung im Ostreich

Die lebhaften Schilderungen der Legende des heiligen Pantaleon sicherten ihm weit über Nikomedien hinaus eine vitale Verehrung in der östlichen Kirche, die ihm den Rang eines „Großmärtyrers“ (Megalomartyr) zuerkannte. Sein Leichnam wurde außerhalb der Stadt in das Landhaus seines Schülers Adamontos gebracht6. Dort errichtete man eine Kapelle, in deren Krypta die Gebeine des Heiligen ruhten, und ein Kloster7. Von dieser Grablege aus wurden die Reliquien des Heiligen später transferiert; dies geschah etwa seit Anfang des 6. Jahrhunderts8. Die Ruhestätte wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals zerstört und wieder aufgebaut9. Heute ist sie nur noch in geringen Resten erhalten10.

Die älteste Kirche, die diesem in der griechischen Kirche besonders beliebten Märtyrer geweiht wurde11, ist die im 4. Jahrhundert auf der Halbinsel Aphrodisias errichtete Basilika. Die dort festgestellte Ruinenstätte identifizierten die beiden Kleinasienforscher Rudolf Heberdy und Adolf Wilhelm im Jahre 1891 als antike Stadt Aphrodisias12. Sie ist durch Raubzüge des 5. und 6. Jahrhunderts zerstört und nicht wiederhergestellt wor- den. Einzelne Teile hat man später als Zisterne oder Badeanstalt weiterverwendet.

In Konstantinopel wurde Pantaleon seit Anfang des 6. Jahrhunderts verehrt. Im Jahre 550 weihte ihm Kaiser Justinian (Regierungszeit: 527-565) eine Kirche13. Auch ein General namens Narses, der der magister militium per orientem unter Kaiser Maurikios (Regierungszeit: 582-602) war, gründete eine Kirche in Konstantinopel, die in Verbindung mit einer Krankenanstalt stand. Diese wurde gegen Ende des 6. Jahrhunderts dem heiligen Pantaleon geweiht14. In ihr wurden sowohl das Gewand als auch der Kopf des Heiligen verwahrt15. Die Kirche und auch die Krankenanstalt verfielen im Jahre 1204 im Zuge des vierten Kreuzzugs und der Lateinischen Herrschaft. Nach dem Zusammenbruch der Herrschaft 1261 wurde die Kirche von einem Mönch mit Namen Niphon um 1340 wieder aufgebaut16.

Auch in Venedig kam die Verehrung des heiligen Pantaleons früh auf. Bereits 444 soll dort ein Gotteshaus errichtet und Pantaleon geweiht worden sein, wo heute die Kirche San Pantalon am Platz im Stadtteil San Polo steht17. Aber sicher kann man von der Verehrung des heiligen Pantaleon in Venedig erst im 11. Jahrhundert sprechen18. Vermutlich wurde die erste Pantaleonskirche in Venedig 1025 von den Familien Signolo und Dandolo errichtet. Sie stellten der Kirche bis ins 14. Jahrhundert mehrere Pfarrer und schenkten ihr Familiengüter19. Als die Kirche 1222 zur Pfarrei wurde, fanden sich auch andere Privatleute, die zur Förderung und zum Erhalt der Kirche beitrugen20. Im 12. Jahrhundert wurde in Venedig im Kalender erstmals ein Gedenktag des heiligen Pantaleon aufgeführt21.

In Rom ließ Papst Gregor der Große etwa ab 600 l den Gedenktag des heiligen Pantaleon alljährlich begehen und verschaffte der Kirche San Gregorio de Celio einige Pantaleonsreliquien22. Zur gleichen Zeit ist auch in der Jordanwüste ein Kloster aufzufinden, das sein Patrozinium trägt. In Nordafrika ist seine Verehrung bereits im 5. Jahrhundert vorzufinden23 ; von dort aus fand die Verehrung ihren Weg ins Frankenreich.

Kapitel 3.2 Die Verehrung im Westreich

Um 800 fand eine der ersten Translationen von Pantaleonsreliquien statt. In Bagdad herrschte zu dieser Zeit (786-809) der Kalif Harun al-Rashid. Dieser und Karl der Große pflegten rege Handelsbeziehungen. So überbrachten Gesandte bei der Rück- kehr von Bagdad (heutiger Irak) im Jahr 802 auf dem Weg über Nordafrika Karl dem Großen neben anderen Gütern Reliquien des Hauptes des heiligen Pantaleon24. Für das Jahr 807 ist überliefert, dass Reliquien vom Kopf des Heiligen nach Lyon weitergereicht worden seien25. Da enge Beziehungen zwischen Rheintal und Rhônege- biet nachgewiesen sind26, liegt dies nahe. Auch St. Peter und Paul zu Verdun, eine Stadt an der Maas in Lothringen im heutigen Nordosten Frankreichs mit Bischofssitz seit dem 4. Jahrhundert, St. Denis in Paris, eine Basilika, die im 4. Jahrhundert über dem Grab des heiligen Denis entstand, und die Stadt Troyes, die an der Seine und im heutigen Nordosten Frankreichs liegt und ebenfalls im 4. Jahrhundert Bischofssitz wurde, besaßen Pantaleonsreliquien27.

Weil es Beweise gibt, dass die Pantaleonsverehrung bereits in karolingischer Zeit in Köln zu finden ist28, kann man davon ausgehen, dass das Kölner Pantaleon Patrozinium auf ostfränkisch-deutschem Boden das älteste ist. Die Quellen legen nahe, dass die Gründung eines ersten Klosters mit Pantaleon Patrozinium unter Ludwig dem Frommen und Lothar I., also etwa zwischen 814 und 855, stattgefunden hat29. Dieses Kloster bestand bereits 866 nicht mehr, als eine ecclesia S. Pantaleonis erstmals in der Güterumschreibung Erzbischof Gunthars (Amtszeit: 850-869) genannt wird30. Der Kirche gehörte ein hospitale inibi ob pauperum receptionem31 (Armenhaus) an, das auch Hilfe im medizinischen Bereich zur Verfügung stellte32. Deshalb bot sich geradezu an, für die Einrichtung einen Ärzteheiligen als Patron zu wählen33. Um 881/82 wurde die Kölner Pantaleonskirche Opfer des Normannenüberfalls, bei dem sie stark beschä- digt wurde34. 883 wurden lediglich die Stadtmauern und Tore Kölns wiederhergestellt35. 891 erbat der Kölner Erzbischof Hermann I. (Amtszeit: 889/90-924) neue Reliquien für die Kölner Kirchen bei Papst Stephan V., der dieser Bitte nachkam. Auch Privilegien zur Förderung des Wiederaufbaus wurden gewährt36. Für einen Zeitraum von etwas mehr als sechzig Jahren gibt es keine konkreten Berichte über die Entwicklung des Wiederaufbaus der Pantaleonskirche. Erst mit Amtsantritt des Erzbischofs Bruno im Jahr 953 finden sich Überlieferungen.

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Heilige Pantaleon
Untertitel
Leben und Wirken
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Geschichte)
Veranstaltung
Heilige im mittelalterlichen Rheinland
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V196887
ISBN (eBook)
9783656229339
ISBN (Buch)
9783656230045
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heilige, pantaleon, leben, wirken
Arbeit zitieren
Josephine Ottersbach (Autor), 2008, Der Heilige Pantaleon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196887

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