Nach zehn Jahren relativer Stabilität wurde die europäische Währungsverfassung durch die Verabschiedung umfangreicher Rettungspakete erschüttert. Den vorläufigen Höhepunkt stellt das im März 2011 verabschiedete Maßnahmenpaket zum Europäischen Stabilisierungsmechanismus (ESM) dar.
Für die Befürworter des ESM ist er eine notwendige Rückversicherung um zukünftig flexibler und entschlossener auf Krisen des Finanzsystems reagieren und effektiv Staaten mit vorübergehenden Hilfeleistungen unterstützen zu können. Kritiker bezeichnen schon die bilateralen Hilfskredite für Griechenland als Verletzung des
Maastricht-Vertrages und sehen im ESM eine klare Weichenstellung in Richtung Transferunion.
Zweifelsohne würde eine fortschreitende Europäisierung von Haushaltsdefiziten eine Abkehr vom Stabilitätsgedanken der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) bedeuten. Die daraus resultierende Transferunion würde im Widerspruch zum bisherigen Verständnis der Währungsunion stehen.
Ziel dieser Seminararbeit ist es, einen Überblick über die Entwicklung der Währungsunion zu geben und festzustellen, ob sie bereits heute eine Transferunion ist oder Entwicklungstendenzen in diese Richtung aufweist.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entwicklung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion
- Der Vertrag von Maastricht
- Der Stabilitäts- und Wachstumspakt
- Entwicklung der Stabilitätsvorgaben
- Gegenwärtige Situation der EWWU
- Transferunion
- Wirtschaftliche Auswirkungen
- Politische Auswirkungen
- Die EWWU als Transferunion
- Einordnung der gegenwärtigen Situation
- Entwicklungstendenzen der EWWU
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Entwicklung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) und analysiert, ob sie bereits heute eine Transferunion ist oder ob Entwicklungstendenzen in diese Richtung zu beobachten sind.
- Entstehung der EWWU und die zentralen Elemente des Vertrags von Maastricht und des Stabilitäts- und Wachstumspakts
- Entwicklung der Stabilitätsvorgaben und die Herausforderungen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise
- Wirtschaftliche und politische Folgen einer Transferunion
- Analyse der EWWU im Hinblick auf ihre faktische oder potentielle Funktion als Transferunion
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 bietet einen Überblick über die Entstehung der EWWU, beginnend mit dem Vertrag von Maastricht und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt, bis hin zur gegenwärtigen Situation. Es werden die Konvergenzkriterien und die Entwicklung der Stabilitätsvorgaben im Laufe der Zeit beleuchtet.
Kapitel 3 befasst sich mit den wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen einer Transferunion. Hier werden die potenziellen Folgen für die Mitgliedsstaaten und das europäische Finanzsystem untersucht.
Kapitel 4 analysiert, ob die EWWU bereits heute eine faktische Transferunion ist oder ob diese Entwicklung in Zukunft zu erwarten ist. Es werden die Argumente für und gegen eine Transferunion betrachtet.
Schlüsselwörter
Die Seminararbeit fokussiert auf die Themen Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU), Transferunion, Vertrag von Maastricht, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Konvergenzkriterien, Staatsverschuldung, Finanz- und Wirtschaftskrise, Rettungspakete, Europäischer Stabilisierungsmechanismus (ESM).
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Währungsunion und einer Transferunion?
In einer Währungsunion teilen Länder eine Währung; in einer Transferunion werden Finanzmittel dauerhaft zwischen Mitgliedstaaten umverteilt, um wirtschaftliche Unterschiede auszugleichen.
Was regelt die No-Bail-out-Klausel im Vertrag von Maastricht?
Sie besagt, dass weder die EU noch andere Mitgliedstaaten für die Verbindlichkeiten eines anderen Mitgliedstaates haften sollen.
Welche Rolle spielt der Europäische Stabilisierungsmechanismus (ESM)?
Der ESM ist ein permanenter Rettungsschirm, der Euro-Ländern bei Finanzierungsproblemen unter strengen Auflagen Kredite gewährt.
Warum wird die EWWU oft als „unvollständig“ bezeichnet?
Weil sie zwar eine gemeinsame Geldpolitik (EZB) hat, aber keine gemeinsame Fiskal- oder Haushaltspolitik der Mitgliedstaaten existiert.
Führen Rettungspakete zwangsläufig zu einer Transferunion?
Kritiker sehen in den dauerhaften Rettungsmechanismen den Beginn einer Transferunion, während Befürworter sie als notwendige Solidaritätsinstrumente zur Systemstabilität betrachten.
- Citation du texte
- Benjamin Köstler (Auteur), 2011, Von der Währungsunion zur Transferunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196923