Die Humoralpathologie im Umfeld der Medizin und Heilkunst


Seminararbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medizin im Mittelalter

3. Gesundheit und Krankheit

4. Humoralpathologie

5. Diätetik
5.1 Res nonnaturales
5.2 Diätetische Schriften
5.3 Klostermedizin
5.4 Hildegard von Bingen

6. Textanalyse

7. Resumen

8. Bibliographie

1. Einleitung

Das Thema dieses Seminars war: Medizin als Anthropologie: der frühzeitliche Erfolg des „Examen de los ingenios“ des Juan Huarte de San Juan. Um sich mit diesem Thema näher auseinandersetzen zu können haben wir uns zuerst einmal mit den Grundlagen der Medizin vertraut gemacht. Dazu haben wir uns mit Themen beschäftigt, wie dem Ursprung und der Entwicklung der Humoralpathologie, Die Humoralpathologie im Umfeld von Medizin und Heilkunst, Der Examen und das staatliche Konstrukt, Huartes Examen und die Religion, Geist und Wissenschaft sowie Berufswahl und Berufseignung, und noch einigen anderen Themen wie dem Text als pädagogischer oder philosophischer Text bis hin zur Rezeption und Übersetzung von eben diesem.

In einer Arbeit werde ich auf den Aspekt der Humoralpathologie im Bezug auf Körper, Krankheit, Gesundheit sowie der richtigen Ernährung um dies alles zu gewähren oder behandeln, eingehen. Ein Großteil meiner Arbeit wird sich mit dem Thema der Diätetik auseinandersetzen, die sich eben damit beschäftigt eine richtige und ausgewogene Ernährung vorzuschreiben um Krankheiten zu verhindern, oder falls diese doch eingetreten sind, die Gesundheit durch eine gesunde Ernährung wiederherzustellen. Zudem ist auch noch zu erwähnen, dass die Diätetik sich nicht nur ausschließlich mit der Ernährung beschäftigt, sondern auch noch mit Regeln zu einer gesunden Lebensweise, da auch diese wichtig ist um die Gesundheit zu gewähren. Der Körper muss nämlich in einem Gleichgewicht stehen damit er gesund ist, bei einem Ungleichgewicht erliegt er einer Krankheit.

Auch in Huartes Text findet man häufig Hinweise darauf, was man essen solle, damit man gesund bleibt, oder was man meiden solle, da es für den Körper nicht sehr bekömmlich ist. Er gibt auch Anweisungen was man essen müsse um sein Gedächtnis, sein Verstand und seine Vorstellungskraft zu fördern.

Im Folgenden nun möchte ich diese Themen präzisieren und sie ein wenig ausführlicher darstellen.

2. Die Medizin im Mittelalter

Medizin als allgemeine Naturkunde (physica) basiert auf den Formalwissenschaften (logica) und verweist auf eine verbindliche Verhaltenslehre (ethica); sie dient sowohl der Erhaltung des Körpers (ars conservandi) als auch der Heilung von Krankheiten (ars restituendi sanitatem).

Die Heilkunde im Mittelalter unterlag der griechisch-römischen Medizin, die durch Hippokrates von Kos im vierten Jahrhundert vor Christi begründet, der die ersten Begriffe für die Theorie von der Medizin schuf. Er war auch der Begründer der Säftelehre, in welcher die vier Elemente zu den vier Körpersäften: Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle, gekocht werden. Die Säfte sind an ihre natürlichen Eigenschaften gebunden, sprich: warm, kalt, trocken und feucht. So ist Blut zum Beispiel warm und feucht, wohingegen die schwarze Galle trocken und kalt ist.

Die Säftelehre erfuhr durch Galen, ein in Kleinasien geborener Arzt, eine Erweiterung. Er entwickelte das Viererschema von den Elementen, Säften und Qualitäten weiter und baute noch die vier Kardinalorgane, Lebensalter, Jahreszeiten und Tageszeiten mit ein und setzte diese alle in Beziehung miteinander.

Durch die Verbindung dieser beiden Theorien, sprich der des Hippokrates sowie der des Galens, entstand nun die Theorie der vier Temperamente. Daraus ergab sich, dass beim Sanguiniker (lat. sanguis) das Blut vorherrscht, beim Phlegmatiker (griech. phlégma) der Schleim, beim Choleriker (griech. chlolè) die Galle. Nach diesem Modell entstanden Krankheiten bei einem Ungleichgewicht der Körpersäfte und gesund war man, wenn alle im Gleichgewicht standen.

Überdies hinaus begründete Galen auch noch das Haus der Heilkunde. Dieses basierte auf drei Pfeilern:

1.) Physiologie: die Lehre von natürlichen Lebensvorgängen (res naturales)
2.) Pathologie: die Lehre von krankhaften Veränderungen im Organismus (res contra naturam) Beschäftigungen mit der Ursache von Krankheiten nennt man Ätiologie und die Beschreibung der Krankheiten nennt man Nosologie.
3.) Therapie: Beschäftigt sich mit der Heilung und Behandlung von Krankheiten. Sie ist zudem noch unterteilt in die Diätetik, Pharmazeutik und Chirurgie.

Im 11. Jahrhundert folgte dann die Gründung der Schule von Salerno. Hier wurden in Klöstern antike Schriften einfach kopiert, aus dem griechischen übersetzt und zudem noch mit christlichen Ansichten versehen. Eine wichtige Rolle hierbei spielte das Kloster Montecassino, das von Benedikt von Nursia gegründet wurde. Er erhob die Regula Benedicti die sich mit der Fürsorge für Kranke, Arme und Schwache nach dem Gebot der christlichen Nächstenliebe zu einem Ordnungsprinzip herauskristallisierte.

Im 6. Jahrhundert zählte Aurelius Cassiodorus, Gründer des Klosters Vivarium, in seinen Instiutiones die Medizin noch nicht zu den Septem artes liberales zu denen die Rhetorik, die Dialektik, die Grammatik, die Geometrie, die Arithmetik, die Astronomie und die Musik gehören. Trotzdem wies er ausdrücklich darauf hin, dass man der Medizin eine besondere Sorgfalt zu Teil kommen lassen müsse.

Kurz darauf nannte Isidor von Sevilla die Medizin secunda philosophia. Hier gliedert sich die Medizin in nur zwei Bereiche auf:

1.) Gesundheitsschutz (tuitio corporis)
2.) Krankheilung (restauratio salutis), wobei hier dann noch zwischen inneren Leiden (morbi) und äußeren Verletzungen (vulnera) unterschieden wird.

3. Gesundheit und Krankheit

Gesundheit versteht sich als positiver Weg und kreativer Prozess. Eukrasie = Gleichgewicht wohltemperierter Säfte und Temperamente. Jede medizinische Technik (entleerende Maßnahmen: Aderlass, Brechen, Abführen; medikamentöse Therapie: Behandlung mit Gegensätzlichem) dient der Harmonisierung des labilen Fließgleichgewichts. Ein Arzt hat die Aufgabe, die Gesundheit zu bewahren (conservatio sanitatis) und auf Lebensführung einzuwirken (perfectio vitae). Dabei bietet sie Stufenleiter, auf welcher der Mensch aufsteigt zu den Grenzen seiner natürlichen Fähigkeit, seiner virtus.

Krankheit wird als Entgleisung aus der Harmonie der natürlichen Gleichgewichte gewertet die es durch spezielle Heilmaßnahmen wiederherzustellen gilt. Als störende Veränderungen gelten Mangel (defectio), Überfluß (abundantia), Verdorbenheit (corruptio) der Säfte. Störung äußert sich allgemein durch Fieber oder lokal durch Entzündungen.

4. Humoralpathologie (Vier-Säfte Lehre)

Die Humoralpathologie beschäftigt sich mit den vier Säften des menschlichen Körpers. Der Ursprung stammt aus der Antike und Empedokles hat schon damals vier Kategorien unterschieden: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Weiter geführt hat das nun Zenon von Elea und hat diesen noch ihre Primärqualitäten hinzugefügt: heiß, kalt, feucht und trocken.1

Für Galen war die Gleichwertigkeit von Elementen und Lebenssäften als Bausteine für Makro- und Mikrokosmos wichtig. Nach seiner Theorie beruhten Krankheiten auf Dyskrasien, den sogenannten Fehlmischungen von Säften die dann pathogene Verhältnisse von heiß, kalt, feucht und trocken hervorrufen.

Basierend auf dem Corpus hippocraticum gab es dann bestimmte Zuordnungen von Farben, Organen, Jahreszeiten und Lebensaltern, abgestimmt auf die vier Elemente und ihren Primärqualitäten.

Die Medizin entwickelt sich nun ausschließlich rund um die Körpersäftepathologie, vollkommene Gesundheit liegt dann vor, wenn sich die Körpersäfte im richtigen Verhältnis zueinander befinden, wenn ihr Mischungsverhältnis ganz richtig ist. Krankheit liegt dann vor, wenn sich einer der Säfte in zu kleiner oder zu großer Menge absondert, dann wird nicht nur die Körperstelle, die er verlassen hat krank, sondern auch die, wo er sich ansammelt.

Die bisher vorherrschenden Diagnostikmethoden, wie die schon in der Antike bekannte Pulskontrolle und die Überprüfung der Zunge wird nun von einer völlig neuen Technik überflügelt, der Uroskopie oder Urinkontrolle, die von den Byzantinern und der Universität Salerno verbreitet und dann von Gilles de Corbel perfektioniert wird. Daneben wird die Blutuntersuchung verbreitet und systematisch vorgenommen.

Den Körper für sich allein gibt es im Mittelalter nicht, er ist immer von der Seele durchdrungen, deren Heil den absoluten Vorrang hat. Deshalb ist die Medizin in erster Linie eine Medizin der Seele. Erst im 17. Jahrhundert gelingt es der Medizin unter gänzlich neuen geistigen Rahmenbedingungen als dezidiert wissenschaftliche Disziplin für den menschlichen Körper betrachtet zu werden.

Vor allem auf dem Gebiet der Chirurgie bringt die mittelalterliche Medizin auch wichtige technische Neuerungen, wie das Wiedereinrichten von Knochenbrüchen, das Abbinden von Hämorrhoiden und Blutstillen durch Verätzen hervor.

Im Mittelalter gelten Beistand und Krankenpflege als selbstverständliche Pflicht jedes Bürgers. Caritas, die Menschenliebe und Infirmität, die Gebrechlichkeit treiben entscheidend die Entstehung des mittelalterlichen Hospitals voran, das grundsätzlich allen Menschen offensteht.

Aus Respekt vor dem Körper der Toten wagt man lange Zeit keine Leichenöffnungen zu wissenschaftlichen Zwecken. Jedoch ist die medizinisch begründete Sektion niemals verboten. 1477 wird sie in Paris regulär in den Lehrplan aufgenommen.

5. Diätetik

Unter dem Begriff Diätetik, oder manchmal auf Diätologie genannt, erfasst man alle Maßnahmen die zu der körperlichen und seelischen Gesunderhaltung ebenso wie der Heilung beitragen sollen, dank einer geregelten Lebensweise.

Der Terminus stammt von dem griechischen Wort diatia ab, das so viel bedeutet wie Lebensweise. Im Lateinischen wird es unter ars diaetetica geführt, dass übersetzt die Kunst der gesunden und vernunftgemäßen Lebensweise heißt, häufig wird es aber auch als Eubiotik bezeichnet. Im engeren Sinne versteht man unter diesem Begriff die Ernährung des gesunden sowie des kranken Menschen, im weiteren Sinne erfasst dieser Begriff die Kunst vernünftiger Lebensführung.

Eine große Rolle spielte die Diätetik in der Klostermedizin, in der sie unter die Begriffe ordo und regula gestellt wurde und somit Begriffe für die scholastische Diätetik geprägt hatte die später unter regula vitae und ordo vitalis zum Schluß als ars vivendi gefasst wurde.

[...]


1 Lexikon des Mittelalters Band V, K.Bergoldt/G. Keil (S. 211)

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Details

Titel
Die Humoralpathologie im Umfeld der Medizin und Heilkunst
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
SE Literaturwissenschaft Spanisch – Medizin als Anthropologie: der frühzeitliche Erfolg des "Examen de los ingenios" des Huarte de San Juan
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V196939
ISBN (eBook)
9783656230366
ISBN (Buch)
9783656231769
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Humoralpathologie, Diätetik, Diätologie, Hildegard von Bingen, Juan Huarte, Examen de los ingenios, Vier-Säfte-Lehre, Medizin im Mittelalter, Galan, Klostermedizin, Diätetische Schriften, Antike, griechische Medizin, Viersäftelehre, Uni Wien, Romanistik, Sophie Houriez
Arbeit zitieren
Sophie Houriez (Autor), 2010, Die Humoralpathologie im Umfeld der Medizin und Heilkunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196939

Kommentare

  • Sophie Houriez am 11.7.2012

    Gute Arbeit, echt interessant, hat mir einige neue Informationen geliefert.

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