Zentral planen, anordnen und kontrollieren – das klassische Comand-and-Control-Management wurde vor rund 100 Jahren in unsere Gesellschaft etabliert und gilt auch heute noch als fester Bestanteil in unserer Kultur der Unternehmensführung. Einst war es das Managementerfolgszrezept. Dass Unternehmen mit einer immer dynamischer und komplexer werdenden Umwelt konfrontiert sind und dass der Wandel der Zeit hin zum Zeitalter des Wissensmanagements somit u. A. auch ein Umdenken in der Unternehmensführung erfordert, haben allerdings erst wenige Pioniere begriffen. Schließlich sind Unternehmen in erster Linie immer noch Menschen. Die Diskrepanz zwischen der ideellen und tatsächlich existierenden Führungspersönlichkeit ist meist sehr groß. Aktuelle Studien belegen sogar, dass zwischenmenschliche Schwächen auf Führungsebene für rund 70 Prozent für das Scheitern von Projekten verantwortlich sind. Viele Führungskräfte sehen sich dem Druck nicht mehr gewachsen und suchen nach Orientierung und Hilfe. Die Angebote von Führungsseminaren sind zwar heute vielfältig, doch die Diskrepanz bleibt.
Erweitert man jedoch seine Perspektive, wagt den Blick auf die letzten drei Jahrtausende zurück - denkt man nur an Namen wie Alexander der Große, Napoleon oder seines erbitterten Gegners, den Feldherren Wellington - und stellt sich die Frage: Was hatten all jene Persönlichkeiten, die sich erfolgreich in ihrer Führung bewährt haben, einst gemeinsam? Bald wird man auf die Namen Bukephalos, Marengo und Copenhangen stoßen.
Denn sie alle verbindet genau ein Nenner: Das Pferd. Von frühester Kindheit an sind die größten Führer aller Zeiten mit ihrem Pferd auf- sowie zusammengewachsen. Ihnen war bewusst, dass nur wer im Einklang mit seinem Pferd war, die Chance hatte erfolgreich zu führen. Wem dies gelang, der ließ sich für die Nachwelt verewigen. Ausnahmslos alle ließen sich zusammen mit ihren Pferden malen, in Stein meißeln oder in Bronze gießen. Ziel der Darstellung – nämlich „Kraft, Würde, Schönheit, Mut, Stärke und Heldentum“ zu demonstrieren, übernahm in erster Linie dabei immer das Pferd. Doch was nützt uns diese Rückbesinnung? Gibt es auch heute noch eine Parallele zwischen Führungskraft und Pferd? Können wir immer noch etwas von Ihnen lernen und ist das Gelernte auf unser Führungsverhalten transformierbar? Die Antwort auf diese Fragen erlebt man in einer noch sehr jungen Workshop Form für Führungskräfte: Dem pferdeunterstützten Führungsseminar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Führung?
2.1. Definition von Führung und was Führung wirklich bedeutet
2.2. Die besondere Eigenschaft eines arrivierten Führungsstils – die Emotionale Intelligenz
3. Führung lebendig erleben durch pferdeunterstützte Führungsseminare
3.1. Warum das Pferd?
3.1.1. Das Wesen des Pferdes
3.1.2. Historische Betrachtung der Mensch – Pferd Beziehung
3.1.3. Interaktion zwischen Mensch und Pferd - das Pferd als gnadenloser Spiegel der menschlichen Persönlichkeit
3.2. Zielgruppen pferdeunterstützter Führungsseminare
3.3. Internationale Dachinstitution EAHAE – European Association for Horse Assisted Education
3.4. Seminarkonzept und Zielsetzung von pferdeunterstützten Führungskräfteseminaren
3.5. Seminarübungen – ein Überblick
4. Transfer vom Pferd zum Menschen – von der Herde zum Unternehmen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Seminarkonzept der pferdeunterstützten Führungskräfteentwicklung. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe dieser Methode zu durchleuchten und durch die Analyse der Interaktion zwischen Mensch und Pferd zu verdeutlichen, wie Führungskräfte ihre emotionale Intelligenz und soziale Kompetenz durch ein authentisches, durch das Tier gespiegeltes Feedback nachhaltig weiterentwickeln können.
- Grundlagen der modernen Führung und Bedeutung der emotionalen Intelligenz
- Die Rolle des Pferdes als Spiegel der menschlichen Persönlichkeit
- Historische und wissenschaftliche Einordnung der Mensch-Pferd-Beziehung
- Methodik des pferdeunterstützten Führungskräftetrainings
- Transfer der im Seminar erlernten Kompetenzen in den Unternehmensalltag
Auszug aus dem Buch
3.1.3. Interaktion zwischen Mensch und Pferd - das Pferd als gnadenloser Spiegel der menschlichen Persönlichkeit
Stehen sich ein Mensch und ein Pferd zum aller ersten Male gegenüber, so formt sich in nur einem Bruchteil von einer Sekunde ein Bild im Kopf des Pferdes. Erscheinungsbild, Mimik, Gestik, Haltung, Atmung, Bewegungsablauf, u. a. fließen in die Bewertung mit ein. Während sich Menschen jedoch von Statussymbolen leicht beeindrucken bzw. in ihrer Meinung beeinflussen lassen, ist Pferden dies fremd – sie reagieren einzig und allein auf die Körpersprache ihres Gegenübers. Zwar können sie vergangene Erfahrungen mit ihrer Kontaktperson in die Beurteilung mit einbeziehen, sie reagieren jedoch immer auf die momentane Situation. Dabei sind sie bestrebt, ihre Rangordnung nicht grundlos aufzugeben. Qualifiziert der Mensch sich als ranghöher, so sind sie auch dazu bereit ihn als ranghöheres Herdenmitglied zu akzeptieren. Ist der Mensch verunsichert oder verstellt er sich gar, so durschaut ihn ein jedes Pferd sofort. Als unmittelbare Konsequenz wird es sich ihm nicht anvertrauen, denn das Gesamtbild des Menschen/Leittieres steht zu jedem Zeitpunkt auf dem Prüfstand.
Will ein Pferd nicht, dann bewegt ein Mensch dieses auch nicht. Kein Ziehen am Strick nützt, kein Bitten und kein Betteln. Nur wenn die Führungsrolle authentisch verkörpert wird, sprich der Mensch überhaupt gewillt ist, diese zu verkörpern, wird das Pferd sich ihm unterwerfen. Dabei machen sie dem Menschen begreiflich, ob er das im Hier und Jetzt, unter den gegebenen Umständen, in der spezifischen Interaktion gerade tut oder nicht. Anders als der Mensch, ist das Pferd nämlich darauf geschult, den mentalen Zustand seines Interaktionpartners augenblicklich zu erfassen und zu analysieren. Ein Pferd, welches der menschlichen Sprache nicht fähig ist, hilft uns also den Unterschied zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten besser zu verstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Diskrepanz in der modernen Unternehmensführung und stellt pferdeunterstützte Seminare als innovative Methode zur Persönlichkeitsentwicklung für Führungskräfte vor.
2. Was ist Führung?: Es werden Definitionen von Führung erörtert und die Bedeutung der emotionalen Intelligenz sowie verschiedener Führungsstile im Arbeitskontext erläutert.
3. Führung lebendig erleben durch pferdeunterstützte Führungsseminare: Dieses Hauptkapitel untersucht das Wesen des Pferdes, die historische Mensch-Pferd-Beziehung und die methodischen Ansätze, Konzepte und Zielgruppen der Seminare.
4. Transfer vom Pferd zum Menschen – von der Herde zum Unternehmen: Das Kapitel beleuchtet den Transfer der nonverbalen Erfahrungen aus dem Training in den beruflichen Alltag und die Wichtigkeit von Respekt und Vertrauen.
5. Fazit: Die Studie schließt mit der Erkenntnis, dass authentisches Führen bei sich selbst beginnt und pferdeunterstützte Seminare effektiv dazu beitragen, soziale Kompetenzen nachhaltig zu stärken.
Schlüsselwörter
Führung, Führungsethik, pferdeunterstützte Führungsseminare, Emotionale Intelligenz, Mensch-Pferd-Beziehung, Führungspersönlichkeit, Team-Entwicklung, Nonverbale Kommunikation, Selbstwahrnehmung, Authentizität, Managementtraining, Führungskompetenz, Horse-Sense, Spiegelung, Personalentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz pferdeunterstützter Führungsseminare als Methode zur Entwicklung von Führungspersönlichkeiten und deren sozialer Kompetenz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definition von Führung, die Bedeutung emotionaler Intelligenz, das Verhalten von Pferden und die psychologische Spiegelung menschlichen Handelns durch das Tier.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Konzept der pferdegestützten Führungskräfteentwicklung theoretisch zu fundieren und aufzuzeigen, wie Führungskräfte durch das direkte Feedback der Pferde ihre Führungsqualität verbessern können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Studie, die auf Fachliteratur, bestehenden wissenschaftlichen Analysen und dem Transfer von pferdepsychologischen Erkenntnissen in das Management basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Wesen des Pferdes, die historische Beziehung zwischen Mensch und Pferd, das Seminarkonzept, verschiedene Übungsformen und den Transfer dieser Erfahrungen auf die Unternehmensführung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Führung, emotionale Intelligenz, Selbstwahrnehmung, Authentizität, nonverbale Kommunikation und pferdeunterstützte Managementtrainings.
Warum wird das Pferd als „Spiegel“ der Persönlichkeit bezeichnet?
Pferde reagieren als Fluchttiere instinktiv und unmittelbar auf die Körpersprache und den inneren Zustand eines Menschen, wodurch Inkongruenzen zwischen Denken und Handeln sofort sichtbar gemacht werden.
Inwieweit lässt sich das Führungstraining vom Pferd auf den Mitarbeiter übertragen?
Das Training lehrt Führungskräfte, durch authentisches Auftreten, Klarheit und eine gewaltfreie, aber bestimmte Haltung Vertrauen aufzubauen, was direkt auf die Mitarbeiterführung übertragbar ist.
Welche Rolle spielt die emotionale Intelligenz bei diesem Training?
Die emotionale Intelligenz ist laut Arbeit die entscheidende Eigenschaft arrivierter Führungskräfte; das Training fördert die Selbstwahrnehmung und das soziale Bewusstsein, um emotionale Signale besser deuten zu können.
Wie gehen die Seminare mit der Nachhaltigkeit des Gelernten um?
Nachhaltigkeit wird durch die starke emotionale Verankerung der Erlebnisse mit den Tieren und zusätzliche Feedbackebenen erreicht, die den Transfer in den Berufsalltag unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Miriam Dick (Autor:in), 2012, Führung lebendig erleben durch pferdeunterstützte Führungsseminare, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196941