1. Einleitung
Gewalt in der Schule ist heute aktueller denn je, zumindest was das Sozialverhalten der Mitschüler untereinander betrifft. Vor allem die psychische Gewalt, das Mobbing, ist weit verbreitet. Nach einer Langzeitstudie von Psychologin Mechthild Schäfer, kann man davon ausgehen, „dass in Deutschland wöchentlich 500 000 Kinder und Jugendliche gemobbt werden.“ (Jannan, Mustafa: Das Anti-Mobbing Buch. Gewalt an der Schule – vorbeugen, erkennen, handeln. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 2008. S. 22). Grund dafür soll unter anderem der zu frontale und nicht schülerorientierte Unterricht sein. Jedoch ist es fraglich, ob eine Zusammenarbeit von Schülern, die nicht gut miteinander auskommen, immer förderlich für das kooperative Verhalten ist.
Mobbing führt oft dazu, dass Schüler Angst haben in die Schule zu gehen oder sogar an Depressionen leiden. In anderen Fällen führt es zu Gegengewalt. Eine erst harmlose Situation kann dann so hochgeschaukelt werden, dass es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kommt. Beängstigend ist dabei die immer höher werdende Rate an Waffen, wie Messer oder Schlagringe. Nach Tillmann et. Al (2000) berichteten 11% der hessischen Schüler der Sekundarstufe 1 davon, in den letzten 12 Monaten Waffen mit in die Schule gebracht zu haben...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gewaltdarstellung in der Kinder– und Jugendliteratur
2.1 Was ist Kinder– bzw. Jugendliteratur
2.2 Thema Gewalt an Schulen
3. Analyse der Lektüre in Bezug auf das Element ‚Gewalt‘
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Thema Gewalt an Schulen in der modernen Kinder- und Jugendliteratur verarbeitet wird. Anhand des sozialkritischen Romans „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie wird analysiert, wie sich das Schüler-Schüler-Verhältnis sowie psychische und physische Gewalt im schulischen Kontext darstellen und welche Funktion eine solche Literatur für die Sensibilisierung von Schülern und Eltern einnehmen kann.
- Wandel der Gewaltdarstellung in der Kinder- und Jugendliteratur (vom Lehrer-Schüler- zum Schüler-Schüler-Verhältnis)
- Mechanismen und Dynamiken von Mobbing unter Jugendlichen
- Analyse der Täter-Opfer-Strukturen und der Rolle von Mitläufern
- Realistische Darstellung von Gewaltpotenzialen im schulischen Alltag
- Pädagogische Relevanz und Nutzen der Lektüre für das soziale Lernen
Auszug aus dem Buch
3. Analyse der Lektüre in Bezug auf das Element ‚Gewalt‘
Der sozialkritische Roman „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie, beschäftigt sich mit dem Thema Mobbing und Gewalt zwischen ca. 13 jährigen Schülern der 7. Klasse. Er ist sowohl an Kinder bzw. Jugendliche als auch an Erwachsene gerichtet.
Die Handlung beginnt mit dem Epilog: „ Ich mach ihn tot. Ich bring ihn um, ich schwör, ich mach ihn tot, ich tret ihm so die Fresse ein, dass er niemals mehr… Ich mach ihn tot. Ich bring ihn um, ich schwör“ (Boie, Kirsten: Nicht Chicago. Nicht hier. 14. Auflage. München: dtv 2002. S. 5).
Durch diesen inneren Monolog wird der Leser direkt mit einer sehr wütenden, vielleicht sogar verzweifelten, aber vor allem gewaltbereiten Person konfrontiert. Es wirft gleich die Frage auf, warum jemand zu einer solchen Handlung bereit ist beziehungsweise was ihn dazu getrieben hat, so zu reagieren. Unklar ist anfangs, wer diese Aussage geäußert hat, da die Geschichte nach dieser Einführung erst beginnt.
Das Buch ist in zwei Erzählstränge strukturiert. Eine Handlung wird vor dem Kaninchenvorfall geschildert, die andere nach dieser Tat. So nimmt die Autorin dem Leser Informationen vorweg, lässt ihn gleichermaßen aber auch im Unklaren was vorher passiert ist. Besonders auffällig sind dabei die unterschiedlich verwendeten Schriftarten, die die wechselnden Erzählzeiten kennzeichnen.
Der erste Erzählstrang vermittelt die Gewaltentwicklung zwischen Karl und Niklas und die dabei entstehende Verzweiflung des Protagonisten. Boie veranschaulicht hier dem Leser, wie einer nicht aggressiven und gerechten Person Ungerechtigkeit widerfährt, gegen die er sich nicht schützen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Aktualität von Gewalt und Mobbing an Schulen sowie die Notwendigkeit, Schüler durch gezielte Lektüren für dieses Thema zu sensibilisieren.
2. Gewaltdarstellung in der Kinder– und Jugendliteratur: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Kinder- und Jugendliteratur und untersucht den historischen Wandel der Thematisierung von Gewalt an Schulen, weg vom Lehrer-Schüler-Verhältnis hin zur Schüler-Schüler-Beziehung.
3. Analyse der Lektüre in Bezug auf das Element ‚Gewalt‘: In diesem Hauptteil wird der Roman von Kirsten Boie analysiert, wobei besonders die verschiedenen Formen der Gewalt (psychisch, verbal, körperlich), die Täter-Opfer-Dynamik und die Erzählstruktur des Buches untersucht werden.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Empfehlung, solche Lektüren im Unterricht einzusetzen, um präventiv gegen Gewalt zu wirken und betroffenen Schülern Hilfe und Strategien anzubieten.
Schlüsselwörter
Kinderliteratur, Jugendliteratur, Gewalt an Schulen, Mobbing, Schüler-Schüler-Verhältnis, Kirsten Boie, Sozialkritik, Gewaltprävention, pädagogische Analyse, psychische Gewalt, körperliche Gewalt, Schulalltag, Täter-Opfer-Dynamik, soziales Lernen, Jugendschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Gewalt zwischen Schülern im Roman „Nicht Chicago. Nicht hier.“ von Kirsten Boie im Kontext der modernen Kinder- und Jugendliteratur.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Jugendlektüre, dem Wandel der Gewaltdarstellung in der Schulliteratur und der Analyse von Mobbingstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie der Roman Gewaltphänomene realistisch darstellt und welche Möglichkeiten der Sensibilisierung und Gewaltprävention sich daraus für den Unterricht ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung pädagogischer und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zum Thema Gewalt an Schulen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung und eine detaillierte Untersuchung des Romans, wobei insbesondere Erzählstränge, Gewaltstufen und die Psychologie der beteiligten Charaktere im Fokus stehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Gewalt an Schulen, Mobbing, Kinder- und Jugendliteratur, Täter-Opfer-Dynamik sowie soziale Lernprozesse.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in diesem Roman von klassischeren Schulgeschichten?
Während ältere Literatur oft das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler thematisierte, rückt Boie die horizontale Ebene der Gewalt zwischen Schülern in den Mittelpunkt, was dem modernen Realitätsbild an Schulen näherkommt.
Warum spielt die Rolle der Mitläufer im Roman eine wichtige Rolle?
Die Autorin zeigt durch die Figur des Rocky, dass Mitläufer oft aus Angst vor eigenem Opferstatus handeln, was die Dynamik der Überzahl und die Isolierung des Opfers Niklas verstärkt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der „kooperativen Zusammenarbeit“?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die pädagogisch oft geforderte kooperative Zusammenarbeit nicht in jeder Situation förderlich ist, da sie in der Geschichte dazu missbraucht wird, das Opfer weiterem Terror auszusetzen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Theobald (Autor:in), 2011, Gewalt an Schulen in der heutigen Kinder- und Jugendliteratur anhand Kirsten Boie's "Nicht Chicago. Nicht hier", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196946