Bram Stoker's "Dracula"

Die Titelfigur im Wandel vom Roman zum Film


Hausarbeit, 2011
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Die Analyse der Handlung
2.1.1 Die Handlung des Romans „Dracula"
2.1.2 Die Handlung des Films „Bram Stoker's Dracula"
2.1.3 Vergleich der Romanhandlung mit der Filmhandlung
2.2 Die Charaktere
2.2.1 Graf Dracula im Roman
2.2.2 Vlad Dracula im Film
2.2.3 Minas Beziehung zu Dracula
2.3 Bauformen
2.3.1 Kamera und Montage
2.3.2 Einsatz und Wirkung von Spezialeffekten
2.3.3 Licht, Schatten und Farben
2.3.4 Musik, Dialoge und Geräusche
2.4 Ideologie/Message
2.4.1 Blutsaugen als Symbol
2.4.2 Der Sieg der Wissenschaft über das Übernatürliche
2.4.3 Das Thema der Erlösung

3 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die Figur des „Graf Dracula" istjedermann bekannt, hat sie doch längst ihren festen Platz in der Populärkultur gefunden. Sie taucht nicht nur in unzähligen Filmen auf, sondern begegnet uns auch losgelöst von ihrem Kontext in allen möglichen Varianten. Als „Count Chocula" wirbt er auf Cornflakespackungen, in der Sendung „Sesamstraße" bringt er Kindern das Zäh­len bei, wird mal zum Gegner, mal zum Helden in diversen Videospielen und dient als Inspi - ration für eine Menge andere Vampirfiguren. Fragtjedoch einmal nach, wer den 1897 erschie­nen Roman „Dracula" von Bram Stoker eigentlich gelesen hat, sieht es meistens recht düster aus. Viele kennen ihn eben nur aus den Filmen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Vampirge- schichten und -Filme einen neuen Boom erleben und die Vampire darin fast immer als miss­verstandene, tragische Gestalten zum Sympathieträger gemacht werden, halte ich es für span­nend, zurück zum Quellmaterial zu gehen und Graf Dracula, den Archetypen der Vampire, mit seinen Neuinterpretationen zu vergleichen. Spätestens seit Friedrich Wilhelm Murnaus fil­mischer Interpretation „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" aus dem Jahr 1922 gibt es kein Jahrzehnt, in dem Dracula nicht in mindestens einem Film erschienen ist. Dabei halten sich nur sehr wenige Filme auch nur annähernd an die Romanvorlage.

Fast ein Jahrhundert nach der Erstveröffentlichung des Romans versucht sich Francis Ford Coppola am Stoff und ist so sehr von seiner Werktreue überzeugt, dass er sogar im Titel dar­aufhinweist. In dieser Hausarbeit möchte ich deshalb den Film „Bram Stoker's Dracula" aus dem Jahr 1992 mit der Romanvorlage „Dracula" vergleichen und untersuchen, wie sich die Figur des Dracula durch die Adaption verändert und wie sich das auf die Message der Ge­schichte auswirkt.

Es gibt etliche Werke, die sich mit den Dracula-Verfilmungen auseinandersetzen, jedoch geht es in den meisten nicht um einen einzelnen Film, sondern um den Vergleich mehrerer bzw. al­ler bisherigen Verfilmungen mit der Vorlage und miteinander. Zu nennen sind da beispiels - weise „Count Dracula Goes to The Movies" von Lyndon W. Joslin, „Die Dracula-Filme" von Karsten Prüssmann oder „Dracula in the Dark - The Dracula Film Adaptations" von James Craig Holte. Für die hier behandelte Verfilmung ist auch das Buch „In Search of Dracula - The History of Dracula and Vampires" von Raymond T. McNally und Radu Florescu inter - essant, da es sich mit der historischen Figur des Dracula auseinandersetzt, welche für die Hauptfigur des Films Pate gestanden hat.

2 Hauptteil

2.1 Die Analyse der Handlung

Da Filmsynchronisationen sich oft nicht an den deutschen Übersetzungen der Romanvorlagen orientieren, ist es schwierig, diese jeweiligen Werke miteinander zu vergleichen. Aus diesem Grund beziehe ich mich beim Roman wie auch beim Film auf die englischen Originalfassun- gen. Direkte Zitate aus denjeweiligen Werken sind daher ebenfalls aufEnglisch gehalten.

Im Folgenden stelle ich die Handlungen des Romans und der Verfilmung vor und vergleiche diese miteinander um schließlich Unterschiede herauszustellen, die einen bedeutenden Ein - fluss auf die Figur Dracula und damit letztlich der Ideologie haben.

2.1.1 Die Handlung des Romans „Dracula"

Bram Stokers Roman „Dracula" umfasst in der vorliegenden Fassung 327 Seiten und ist in 27 Kapitel unterteilt, die die Ereignisse aus Sicht der verschiedenen Charaktere in Form von Ta - gebuchauszügen, Briefen, Zeitungsartikeln und Phonographaufnahmen darstellen.

In einem nicht genau bestimmten Jahr des späten 19. Jahrhunderts reist der Anwalt Jonathan Harker nach Transsylvanien um mehrere Grundstückshandel mit dem Grafen Dracula abzu - schließen. Dort wird er von Dracula gefangen gehalten, während dieser England reist und dort zunächst Lucy Westenra, die beste Freundin von Jonathans Verlobten Mina, heimzusuchen. Nachdem ihr Freund und Arzt Dr. Seward ratlos ob ihres mysteriösen Blutverlustes ist, schal - tet er seinen Mentor Professor Abraham Van Helsing ein. Unterdessen gelingt Jonathan die Flucht und Mina reist nach Budapest um Jonathan nach Hause zu holen. Zusammen mit wei - teren Freunden versuchen Dr. Seward und Van Helsing, Lucy vor Dracula zu schützen, was aber nicht gelingt. Lucy wird zum Vampir und wird von der Gruppe um Van Helsing vernich­tet. Nun richtet Dracula seine Aufmerksamkeit auf Mina und will auch sie in einen Vampir verwandeln. Den Männern gelingt es jedoch, Draculas Zufluchtsstätten in London unbrauch­bar zu machen und so muss dieser zurück nach Transsylvanien fliehen. Die Gruppe um Van Helsing mit Mina und Jonathan verfolgen Dracula und stellen ihn schließlich vor seinem Schloss, wo sie ihn vernichten.

2.1.2 Die Handlung des Films „Bram Stoker's Dracula"

Der Film unter der Regie von Francis Ford Coppola ist 122 Minuten lang und obwohl er die Handlung an einigen Stellen deutlich verändert, wird er vielfach als eine der getreuesten Um - setzungen der Romanvorlage angesehen (vgl. Prüssmann 1993: 130).

Der Film beginnt mit einer Rückblende in das Jahr 1462 um die Vorgeschichte von Dracula zu erzählen. Hier ist er ein Feldherr, dessen Frau Selbstmord begeht. Aus Gram wendet sich Dracula von Gott ab und wir von ihm zum ewigen Dasein als Vampir verflucht. Jahrhunderte später, im Jahr 1897 wird Jonathan Harker als Nachfolger des wahnsinnig gewordenen Ren - field nach Transsylvanien geschickt und Grundstückshandel mit einem uralten Dracula abzu - schließen. Dort angekommen, fallt Draculas Blick auf ein Foto von Jonathans Verlobter Mina Murray. Diese sieht Draculas verstorbener Frau zum verwechseln ähnlich. Daraufhin wird Jo­nathan von Dracula auf dessen Schloss gefangen gehalten, während Dracula nach London reist um seine verlorene Liebe wieder zu finden. Zunächst wird dort aber Minas beste Freun- din Lucy sein Opfer. Der verjüngte Dracula trifft aufMina und beide beginnen, Zeit miteinan - der zu verbringen. Zwingen den beiden entsteht eine Romanze. Unterdessen zieht Lucys Arzt Dr. Seward seinen Mentor Professor Abraham Van Helsing zu Rate, da er selbst keine Erklä­rung für Lucys anhaltenden Blutverlust findet. Jonathan gelingt inzwischen die Flucht und Mina erfährt durch einen Brief von seinem Aufenthaltsort. Sie schreibt einen Abschiedsbrief an Dracula und reist nach Budapest um Jonathan Heim zu holen. Dracula gerät in Rage und verwandelt Lucy in einen Vampir. Van Helsing und die anderen Männer müssen sie töten. Nachdem Mina mit Jonathan zurück nach London gekehrt ist, will die Gruppe Dracula auf­spüren und vernichten. Während die Männer Draculas Zufluchtsort Carfax Abbey für ihn un­brauchbar machen, sucht dieser erneut Mina auf und die beiden trinken Blut von einander. Bevor Dracula Mina ganz zum Vampir machen kann, wird er von den Männern gestört und flüchtet zurück nach Transsylvanien. Dort kommt es zum Endkampf in dem Dracula tödlich verwundet wird. Mina zieht sich mit ihm in den Schutz des Schlosses zurück und erlöst ihn letztendlich.

2.1.3 Vergleich der Romanhandlung mit der Filmhandlung

Wenn man nun die Handlung der beiden Werke miteinander vergleicht, fallen einige Unter­schiede auf. Ich beschränke mich auf die Unterschiede, die Dracula selbst betreffen. Gleich zu Beginn des Films wird die Vorgeschichte von Dracula präsentiert. Hierbei wird die histori - sche Figur des Vlad Dräculea III. zum Vorbild des berühmten Vampirs (vgl. McNally & Flo- rescu 1994: 3). Als Grund für seinen Fluch wird der Suizid seiner Frau Elisabeta erfunden, wonach sich Vlad von Gott abwendet und schwört, nach seinem eigenen Tod wiederzukehren und ewig nach Blut zu dürsten. Im Film wird Draculas Interesse an Jonathans Verlobter und späterer Frau Mina damit erklärt, dass sie Draculas Verstorbener Frau Elisabeta gleicht und er sie für ihre Wiedergeburt hält. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass Mina sich sehr dunkel an Ereignisse aus ihrem vorherigen Leben erinnern kann (vgl. Dracula 1992: min. 01:02:20). Eine weitere bedeutende Änderung der Handlung sind deshalb die Sequenzen 11, 12, 15 und 18, in denen Dracula, in der attraktiven Gestalt des Prinz Vlad, romantische Zeit mit Mina in London verbringt. All dies findet im Roman nicht statt. Der Kreis schließt sich, als sich Mina nach dem Endkampf in Sequenz 29 schützend vor den tödlich verwundeten Dracula stellt und ihn in Sequenz 30, am Fuß desselben Altars, vor dem er Jahrhunderte zuvor zum Vampir wurde, von seinem Unleben erlöst (vgl. Holte 1997: 88).

Ebenfalls verändert wurde die Rolle des Renfield. Im Film ist er Jonathans Vorgänger und nach seinem Aufenthalt in Transsylvanien verrückt geworden. Es wird der Eindruck hervor­gerufen, Renfields Besessenheit der Lebenskraft des Blutes und sein Verzehr lebender Tiere und Insekten, sei direkt durch seine Erfahrungen mit Dracula ausgelöst worden. Im Buch ist er stattdessen einfach ein Insasse der Irrenanstalt, die von Dr. Seward geleitet wird. Draculas Einfluss auf ihn wird erst durch seine Krankheit und sein Verlangen nach Blut möglich und erklärt (vgl. Stoker 1997: 96; Joslin 2006: 7). Auch wird im Film an keiner Stelle erwähnt, dass Dracula ein Haus nur mit Einladung betreten kann und er durch Renfield auf diese Weise überhaupt erst die Irrenanstalt betreten konnte (vgl. Stoker 1997: 211). Joslin stellt daher in seinem Buch „Count Dracula Goes to the Movies" auch die Frage, warum Renfield überhaupt im Film auftaucht, da die Änderungen der Handlung zwar erklären, wie er in die Irrenanstalt gekommen sei, aber nicht, warum er überhaupt weiterhin erwähnt wird, da er keinerlei Ein­fluss auf den Handlungsverlauf nehme (vgl. Joslin 2007: 128)

Auch reisen im Film Mina und Lucy nicht über den Sommer in den Küstenort Whitby, wo es im Buch zur ersten Begegnung zwischen Lucy und Dracula kommt. Dies findet stattdessen in London statt.

Einige Nebencharaktere wurden für den Film weggelassen, so z.B. Lucys Mutter, die Auf­grund ihres schwachen Herzens beim Anblick eines Wolfs in Lucys Zimmer stirbt (vgl. Sto­ker 1997: 131). Auch fehlt die Figur des Mr. Swales, eines Seemanns in Whitby, der tot auf­gefunden wird, nachdem Dracula den Ort per Schiff erreicht hat.

Insgesamt findet durch die hinzugefügten Szenen mit Dracula in der Verfilmung eine Ver­schiebung des Fokus auf diese Figur statt. Zu berücksichtigen ist dabei auch Draculas Darstel - lung im Vorspann als Verteidiger des Christentums und damit westlichen Glaubens und Wer - tevorstellungen gegen eine muslimische Übermacht. Damit reflektiert der Film die zur Entste - hungszeit vorherrschenden sozialen und politischen Probleme der Vereinigten Staaten, welche sich damals im Konflikt mit einer islamischen Nation befanden (vgl. Holte 1997: 85f.). Wie sich diese Änderungen der Handlung auf die Charaktere und damit letztlich auch auf die Mes - sage auswirken, soll in folgenden Kapiteln untersucht werden.

2.2 Die Charaktere

Aus Platzgründen beschränke ich mich hier auf die beiden Hauptfiguren des Film: Dracula und Mina und ihre Beziehung zueinander. Wichtig ist neben Draculas Erscheinung und seinen Charakterzügen vor allem seine Motivation, da die Message des Films darauf aufbaut.

2.2.1 Graf Dracula im Roman

In Bram Stokers Roman verändert Graf Dracula im Verlauf der Geschichte sein Aussehen. Als Jonathan Harker im erstmals begegnet, beschreibt er den Grafen als hochgewachsenen al­ten Mann mit langem weißen Schnurrbart und schwarzem Anzug (vgl. Stoker 1997: 21). Er geht sogar noch genauer auf sein Gesicht ein.

„His face was a strong - a very strong - aquiline, with high bridge of the thin nose and peculiarly arched nostrils; with lofty domed forehead, and hair growing scantily round the temples, but pro­foundly elsewhere. His eyebrows were very massive, almost meeting over the nose, and with bushy hair that seemed to curl in its own profusion. The mouth [...] was fixed and rather cruel- looking, with peculiarly sharp white teeth; these protruded over the lips, whose remarkable ruddi­ness showed astonishing vitality in a man of his years. For the rest, his ears were [...] extremely pointed; the chin was broad and strong, and the cheeks firm though thin. The general effect was one of extraordinary pallor." (Stoker 1997: 23f)

Außerdem bemerkt Harker Draculas behaarte Handflächen, ein Detail, welches in so gut wie allen Verfilmungen fehlt. Dracula spricht mit Jonathan über die Geschichte Transsylvanien und zeigt sich stolz auf die glorreichen Siege seiner Ahnen. Später, in Kapitel 8, beschreibt Mina eine lange dunkle Gestalt mit weißem Gesicht und roten Augen, die sich über Lucy beugt. Als Jonathan in Kapitel 13 Dracula in den Straßen Londons sieht ist er ebenfalls groß und dünn und trägt diesmal einen schwarzem Schnurrbart und spitzem Bart. Er ist offensicht- lich verjüngt. Mina beschreibt Dracula als wild und widerlich. In der Szene starrt Dracula ei­nem hübschen jungen Mädchen hinterher, ein mögliches Opfer seiner Blutgier (vgl. Stoker 1997: 155). In Kapitel 19 betritt Dracula Minas Zimmer als Nebelgestalt mit roten Augen (ebd.: 227f.) Als die Männer um Van Helsing dem Grafen in Kapitel 23 erstmals gegenüber - stehen, beschreibt Dr. Seward dessen Bewegungen als pantherartig. Seine wachsartige Haut schimmert grün-gelb. Er fürchtet ein Kruzifix und eine Hostie, die man ihm entgegenhält. Als er am Schluss besiegt wird, zerfallt sein Körper zu Staub.

Stokers Dracula trägt insgesamt deutlich animalische Züge und ist ein ganz und gar übernatür­liches Wesen. Immer wieder wird er von den Figuren mit Tieren verglichen, angefangen bei seiner Adlernase und seiner auffallenden Haarigkeit und seine besonders scharfen Zähne (ebd.: 23), später liegt in seinem Blick eine löwenhafte Geringschätzung (ebd.: 266). Deut - lichstes Beispiel ist auch seine bereits beschriebene Fähigkeit, sich in verschiedene wilde Tie - re zu verwandeln. Auch Draculas übernatürliches, geradezu teuflisches Wesen im Buch her - vorgehoben. Er besitzt kein Spiegelbild und keinen Schatten und fürchtet heilige Symbole wie das Kruzifix. Dies macht ihn im Roman zu einer furchteinflößenden Figur, in der man an kei- nem Punkt etwas Gutes erkennen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Bram Stoker's "Dracula"
Untertitel
Die Titelfigur im Wandel vom Roman zum Film
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Veranstaltung
Literaturverfilmungen – Theorien und Beispiele zur Intermedialität von Buch und Film
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V197022
ISBN (eBook)
9783656230649
ISBN (Buch)
9783656231400
Dateigröße
1740 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bram Stoker, Dracula, Coppola, Literaturverfilmung
Arbeit zitieren
Norman Bos (Autor), 2011, Bram Stoker's "Dracula", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197022

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