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Die Novellen Pirandellos zwischen Verismus und Surrealismus

Title: Die Novellen Pirandellos zwischen Verismus und Surrealismus

Term Paper , 2012 , 18 Pages

Autor:in: Conny Dohse (Author)

Romance Studies - Italian and Sardinian Studies
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Dass Goethe und Schiller gemeinsam über den Sturm und Drang die Deutsche Klassik begründet haben, Marinetti Futurist und Breton Surrealist war, steht außer Frage. Mit Pirandello jedoch tut sich die Literaturgemeinschaft schwer. Trotz der konstanten Hauptthematiken - der Identitätsproblematik, der sozialen Determination, dem Traumhaften und Wahnhaften, unterscheiden sich frühes und spätes Werk. Die anfangs eher veristisch anmutenden Erzählungen, die von einem distanzierten Erzähler objektiv wiedergegeben werden, formen sich mehr und mehr zu losen Assoziationsketten oder zusammengefügten Fragmenten ohne Personenmarkierungen und Handlungsstrang, was wiederum Parallelen zur ecriture automatique des Surrealismus aufweist. Oft fällt das Wort "Moderne", wobei Pirandellos Werk anhand kafkaesker, nietzscheanischer und freudscher Ansätze beschrieben wird.
Anhand zweier Novellen Pirandellos, einer aus seinem frühen Werk, einer anderen aus den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, soll hier die unterschiedliche Darstellungsweise seiner Poetik beschrieben und mit Hilfe des direkten Vergleichs mit einem zeitgenössischen Text eine Annäherung an die Problematik des Einordnens gewagt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verga und Pirandello – Ein Vergleich

2.1 Der Weg nach unten - Rosso Malpelo

2.2 Der Weg nach oben - Ciàula scopre la luna

3. Pirandellos »surrealistische Novellen«

3.1 Untersuchungen zur Leib-Seele Thematik in Di sera, un geranio

3.2 Der Traum als Textkonzept

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlicher Determination und individueller Freiheit im Werk Luigi Pirandellos, indem sie dessen Novellen sowohl in einen veristischen als auch in einen surrealistischen Kontext einordnet und die Dialektik von vita und forma analysiert.

  • Die Entwicklung von Pirandellos Erzählstil von der veristischen Phase zum surrealistischen Spätwerk.
  • Der Vergleich zwischen Giovanni Vergas Naturalismus und Pirandellos eigener, von Zufall und Identitätsproblemen geprägten Poetik.
  • Die Rolle von sozialen Milieus und gesellschaftlichen Hierarchien als formgebende Instanzen.
  • Die Bedeutung des Zufalls als Ausweg aus der sozialen Determination.
  • Die Untersuchung der Leib-Seele-Problematik in den späten Novellen mittels traumartiger Textkonzepte.

Auszug aus dem Buch

3.1 Untersuchungen zur Leib-Seele Thematik in Di sera, un geranio

Die 1934 veröffentlichte Novelle Di sera, un geranio beschreibt den Sterbevorgang eines Protagonisten, dessen Seele sich, vom Körper gelöst, auf eine Reise begibt, die sie vom Haus, in den Garten führt. Im Mittelpunkt steht die stufenweise Loslösung des immateriellen Ichs vom Körper. Dem körperlosen Ich wird der Verfallsprozess durch ein Nachlassen seiner Sinnesorgane bewusst vor Augen geführt, was in ihm einen inneren Zwiespalt auslöst und dem Willen nach Auflösung ein letztes Festklammern an der materiellen Welt entgegensetzt.

„S'è liberato nel sonno, non sa come; forse come quando s'affonda nell'acqua, che s'ha la sensazione che poi il corpo riverrà su da sé, e su invece riviene solamente la sensazione, ombra galleggiante del corpo rimasto giù.“ (UG, S. 813) Hier nutzt der Erzähler das Bild des Ins-Wasser-Gleitens, um den Vorgang des Sterbens zu umschreiben. Er vergleicht sein Erwachen, seine Befreiung mit dem Akt des An-die-Wasseroberfläche-Tretens, der Körper bleibt in der Tiefe, Seele und Körper sind getrennt. „[...] no può dire che si sia svegliato; e in che cosa ora sia veramente […] è come sospeso a galla nell'aria della sua camera chiusa.” (UG, S. 813)

Der Leser folgt dem Geschehenen aus der Sicht einer immateriellen Seele. Jene zeigt ihre Verwirrung, strahlt jedoch unter Anbetracht des gerade Geschehenen eine erstaunliche Ruhe aus. „Alienato dai sensi [...]” (UG, S. 813) - spürt sie lediglich noch eine leichte Erinnerung daran, wie es war zu fühlen und zu hören. Die Seele sucht nach ihrem Körper und entdeckt ihn leblos auf dem Bett liegend.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Pirandellos grundlegende Dialektik von vita (dem Lebensfluss) und forma (der sozialen Fassung) ein und stellt die Frage, ob sein Werk der literarischen Einordnung entzogen ist.

2. Verga und Pirandello – Ein Vergleich: Das Kapitel untersucht anhand von Vergas "Rosso Malpelo" und Pirandellos "Ciàula scopre la luna" die Auswirkung sozialer Determination und die Rolle des Zufalls auf die Identität der Charaktere.

3. Pirandellos »surrealistische Novellen«: Hier wird der Übergang von veristischen Erzählweisen hin zu surrealistisch anmutenden, fragmentarischen Texten analysiert, wobei der Fokus besonders auf Sterbeprozessen und dem Konzept des Traums liegt.

4. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass Pirandellos Werk keine starren Lösungen bietet, sondern die Notwendigkeit des modernen Individuums unterstreicht, trotz der Unvereinbarkeit von Lebensfluss und Lebensform durch Humor eine Kompromisshaltung zu finden.

Schlüsselwörter

Luigi Pirandello, Giovanni Verga, Verismo, Surrealismus, Identitätsproblematik, vita und forma, soziale Determination, Literaturgeschichte, Novellen, Leib-Seele-Problematik, Zufall, Moderne, écriture automatique, Sentiment del contrario, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Entwicklung Luigi Pirandellos von seinen frühen, eher veristisch geprägten Erzählungen bis hin zu seinen späten Novellen, die oft als surrealistisch bezeichnet werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Konflikt zwischen dem fließenden Leben (vita) und den starren sozialen Formen (forma), die Identitätsproblematik sowie das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Determination und individueller Selbstbestimmung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist zu klären, wie Pirandello in seinem Werk das Ideal der Auflösung von vita und forma erreicht und warum sich sein Werk der Einordnung in feste literarische "Ismen" entzieht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt den direkten komparativen Vergleich zwischen den Novellen von Pirandello und seinem Zeitgenossen Verga sowie eine philologische Analyse der narrativen Strukturen in Pirandellos Spätwerk.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Novellen wie "Rosso Malpelo", "Ciàula scopre la luna" und "Di sera, un geranio", um anhand der Texte die Entwicklung von der äußeren Milieudarstellung zur inneren, traumartigen und existenzphilosophischen Perspektive aufzuzeigen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen den Verismo, Surrealismus, die Dialektik von vita und forma, soziale Determination, Identität, Zufall und das Pirandell’sche Konzept des "Sentimento del contrario".

Wie unterscheidet sich die Rolle des Zufalls bei Pirandello von der fatalistischen Sichtweise bei Verga?

Während Vergas Figuren bei ihm als Marionetten an der Gesellschaft scheitern und ihr Schicksal als unveränderlich gilt, bietet Pirandello seinen Charakteren oft den "Zufall" als einen Ausweg oder eine Öffnung an, die einen Moment der Menschlichkeit ermöglicht.

Welche Bedeutung kommt dem Element "Wasser" in der Novelle "Di sera, un geranio" zu?

Das Wasser fungiert in der Novelle als zentrales Todessymbol sowie als Metapher für den Lebensfluss. Es symbolisiert den Wandel der Lebensstadien und schließlich das Einmünden in die Ewigkeit, was das immaterielle Ich im Prozess des Sterbens reflektiert.

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Details

Title
Die Novellen Pirandellos zwischen Verismus und Surrealismus
Author
Conny Dohse (Author)
Publication Year
2012
Pages
18
Catalog Number
V197023
ISBN (eBook)
9783656230632
ISBN (Book)
9783656231714
Language
German
Tags
novellen pirandellos verismus surrealismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Conny Dohse (Author), 2012, Die Novellen Pirandellos zwischen Verismus und Surrealismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197023
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