Internetsuchmaschinen als Hüter des Wissens?


Hausarbeit, 2012

14 Seiten


Leseprobe

Gliederung:

1.Einleitung

2.Theoretischer Ansatz von Nico Stehr zur Wissensgesellschaft

3.Fallbeispiel: Internetsuchmaschinen als Hüter des Wissens?

4.Die außergewöhnliche Präsenz von Google in der „Wissensgesellschaft“

5.Fazit und Kritik

1. Einleitung

Wenn man den Begriff “Wissen“ in der Suchmaschine Google eingibt, also “googelt“ bekommt man als ersten “Treffer“ die Seite http://www.wissen.de/. Auf dieser Seite kann man unter verschiedenen Rubriken wie Reisen, Technik, Gesundheit, Unterhaltung usw. sich informieren. Mann kann sogar sich von dieser Seite aus mit dem sozialen Kommunikationsnetzwerk “Facebook“ verknüpfen, wenn man denn Mitglied ist in diesem Netzwerk und über einen Account verfügt und jedem mit dem man über dieses soziale Netzwerk verknüpft ist mitteilen, dass man an der so eben besuchten Webseite, also http://www.wissen.de/ gefallen findet.

Anhand dieses Beispiels kann man sehr gut erkennen, dass Google längst eine eigene Sprache entwickelt hat und wie das Prinzip Google im groben funktioniert. Aber dieses Beispiel zeigt auch, was für einen Stellenwert der Begriff Wissen in unserer Gesellschaft eingenommen hat und was für ein riesiges Netzwerk für den Informationsaustausch durch das Internet entstanden ist.

Ich möchte daher in dieser Arbeit anhand von Stehrs Theorie der Wissensgesellschaft erst den besonderen Stellenwert von Wissen in unserer heutigen Gesellschaft erläutern, um dann den Prozess der Umwandlung unserer Gesellschaft von einer Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft zu erklären.

Auf Basis dieser Theorie werde ich versuchen die Frage zu beantworten, ob Google als Hüter des Wissens bezeichnet werden kann.

Um das beantworten zu können werde ich zunächst mir die Fakten zu Google ansehen. Wie die Nutzungsquoten sind, wie weit Google in der Gesellschaft bekannt ist, wie die Suchmaschine Google funktioniert und ob das Wissen was durch Google zur Verfügung gestellt wird in irgendeiner Form “regiert“ wird. Dafür werde ich wieder auf Stehrs Theorie einer Regierbarkeit der Wissensgesellschaft zurückgreifen.

Ein weitere Aspekt meiner Arbeit wird es sein herauszufinden in wieweit Google eine monopolare Stellung auf dem Suchmaschinen- Markt einnimmt und was die Gründe dafür sind. Des Weiteren werde ich die Expansionsabsichten von Google und deren Folgen für den freien und objektiven Informationsfluss analysieren.

2.Theoretischer Ansatz von Nico Stehr zur Wissensgesellschaft

John Stuart Mill unterstreicht in seinem Buch “The Spirit of the Age“ seine grundsätzliche Überzeugung, dass ein gesellschaftlicher Fortschritt möglich sei und zwar aufgrund einer Kultivierung und Steigerung intellektueller Fortschritte.

Laut Stehr ist die Möglichkeit einer Gesellschaftlichen Aufwärtsentwicklung und Verbesserung sozialer Bedingungen nicht, wie Mill gleichermaßen betont, Ergebnis einer Zunahme an Weisheit oder kollektiver Fortschritte in der Wissenschaft, sondern Resultat einer sehr viel allgemeineren und umfassenderen sozialen Verbreitung des Wissens in der Gesellschaft.

Stehr geht davon aus, dass das Tempo und die Art des sozialen Wandels der modernen Industriegesellschaft und damit die soziale Struktur dieser Gesellschaft in wachsendem Maße an wissenschaftlichen und technischen Wissensfortschritt gebunden sind. Das heißt, dass Wissen immer mehr in der modernen Gesellschaft bestimmt. Alleine diese Entwicklung rechtfertig für Stehr die Kennzeichnung der modernen Gesellschaft als Wissensgesellschaft. Der bestimmende Mechanismus dieser Gesellschaft ist für ihn “Wissen“. Die Identität dieser Gesellschaft wird für ihn durch Wissen bestimmt.

Die Formation der Gesellschaft ist für ihn keine revolutionäre Entwicklung, sondern eher ein evolutionärer Prozess, in dessen Verlauf sich das Merkmal, welches die Gesellschaft definiert, ändert beziehungsweise ein neues hinzukommt.

Laut Stehr sind in der Regel Ende und Entstehung eines Gesellschaftstypen gleichermaßen langwierige Prozesse und trotz, dass bei diesem Prozess eingefahrene Verhaltensweisen gestört werden und Orientierungen an Bedeutung verlieren, bleibt es schwierig zu sagen, wann ein neuer Typus von Gesellschaft entstanden ist oder der alte Typus abgelöst wurde.

Wissensgesellschaften sind Stehrs Ansicht nach keine einheitlichen gesellschaftlichen Konfigurationen, weil Stehr zu Folge viele konkrete soziale und politische Wege zur Wissensgesellschaft führen. Aus diesem Grund sind Wissensgesellschaften keine einheitlichen gesellschaftlichen Konfigurationen, sondern nähern sich an, indem sie jeweils eigenen Entwicklungsmustern folgen und dabei in vielen Hinsichten verschieden bleiben.

Trotz neuerer Entwicklungen in der Kommunikations- und Transporttechnik, welche zur Überbrückung zwischen der Distanz von Individuen und Gruppen beitragen bleibt für Stehr die Isolation zwischen den Regionen, Städten und Dörfern bestehen.

Die moderne Gesellschaft wurde Stehrs Meinung nach bisher von den sozialen Merkmalen Arbeit und Eigentum beziehungsweise Kapital gekennzeichnet. Daher wurden diese Merkmale in der sozilogischen, politikwissenschaftlichen und ökonomischen Theorie eng miteinander in Verbindung gebracht. Arbeit wird demnach als Eigentum verstanden, besonders in der marxistischen Tradition, in der Kapital als objektivierte Arbeit verstanden wird, ist diese Verbindung sehr deutlich zu sehen.

Mit der Veränderung des gesellschaftlichen Stellenwerts ändern sich auch die sozialen Konstrukte Arbeit und Eigentum, aber sie verschwinden nicht im Verlauf der von Stehr erfassten Entwicklungsphase, es gesellt sich ihnen die neue Eigenschaft, das Wissen hinzu und konkurriert auf eine gewisse Art und Weise mit ihnen als Strukturierungsmechanismus der modernen Industriegesellschaft.

Anfangs war die bürgerliche Gesellschaft eine Eigentumsgesellschaft, dann wurde sie zu einer Arbeitsgesellschaft, die momentan von der Wissensgesellschaft abgelöst wird. Wissen hat laut Stehr schon immer eine Rolle für das menschliche Zusammenleben gespielt. Soziales Handeln, soziale Interaktion oder die soziale Rolle sind wissensgeleitet. Soziale Gruppierungen entstehen nicht bloß als Herdenbildung, sondern sie beruhen auf Wissen, also beruhen alle Beziehungen zwischen Individuen darauf, dass Menschen etwas voneinander Wissen. Auch Herrschaft hat sich nie nur auf physische Gewalt gestützt, sondern immer auch auf einen Wissensvorsprung sich aufgebaut. Und auch die gesellschaftliche Reproduktion ist nicht nur eine physische, sondern beim Menschen auch immer eine kulturelle Reproduktion, das bedeutet also eine Reproduktion von Wissen. Deshalb lassen sich Rückblickend auch vergangene Gesellschaftsformationen als frühe Formen von Wissensgesellschaften erkennen.

Durch das Vordringen der Wissenschaft in alle gesellschaftlichen Lebensbereiche haben wir laut Stehr Anlass die jetzigen entwickelten Industriegesellschaften als Wissensgesellschaften zu beschreiben. Wissen hat auch im Rahmen der wichtigsten Gesellschaftstheorien eine zentrale Bedeutung eingenommen, wie zum Beispiel in der marxistischen Gesellschaftstheorie, wo die kulturellen Produktionskräfte und Produktionsmittel stets einen besonderen Stellenwert für die gesellschaftliche Entwicklung gehabt haben, weil laut Marx, dass menschliche „Verständnis der Natur und die Beherrschung derselben, durch sein da sein als Gesellschaftskörper, als der große Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums“ erscheint, so dass Wissen zu einer allgemeinen Produktionskraft wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Internetsuchmaschinen als Hüter des Wissens?
Hochschule
Universität Bielefeld
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V197027
ISBN (eBook)
9783656230595
ISBN (Buch)
9783656231141
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politikwissenschaft, Global Governance, Wissenspolitik, Google, Wissensgesellschaft
Arbeit zitieren
Hilal Demirtas (Autor:in), 2012, Internetsuchmaschinen als Hüter des Wissens?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197027

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