Der Wandel der Familie als Teil des Modernisierungsprozesses


Hausarbeit, 1997
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Dimensionen der Modernisierung
1. Politik und politischen Entwicklung
a) Ausdifferenzierung von Familie und Politik
2. Wirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung
3. Gesellschaft und soziale Mobilisierung
a) Der Erziehungs- und Bildungssektor
b) Die Rolle der Frau
c) Verstädterung
d) Soziale Ungleichheit
3. Kultur und kulturelle Entwicklung
a) Die Emanzipation der Frau
b) Kirche versus Freizeit
c) Das Problem der Vergesellschaftung
4. Person und psychische Mobilisierung
a) Individualisierung

III. Pluralismus der Familie

IV. Alternativen zu Ehe und Familie
1. Kommunen
2. Lebensgemeinschaften
3. Homosexuellenfamilien
4. Alleinstehende
5. Alleinerziehende

V. Zusammenfassung

VI. Bibliographie

I. Einleitung

Der Wandel der Familie zur Kernfamilie, die sich aus vormals bestehenden erweiterten Verwandtschaftszusammenhängen, der bürgerlichen Großfamilie und der patriarchalischen Mehr-Generationen-Familie entwickelte, erfolgte durch die Modernisierung der unterschiedlichen Subsysteme der Gesellschaft. „Unter Modernisierung verstehen wir die sich wechselseitig beeinflussenden Strukturveränderungen in den verschiedenen Bereichen (Subsystemen) der Gesellschaft [...].“[1] Die Modernisierung findet in speziellen Dimensionen statt, die in dem jeweiligen Teilbereich Umwandlungen hervorrufen, und erst als Ergebnis dieses gesamten Komplexes entstehen neue Familienformen.

Als Familie bezeichnet man eine Lebensgemeinschaft oder eine Sozialgruppe. Ihre Merkmale und Funktionen lassen sich unter folgenden Gesichtspunkten zusammenfassen:

- Reproduktions- und Sozialisationsfunktion
- ein besonderes Solidaritätsverhältnis der Gruppenmitglieder untereinander
- die Generationsdifferenzierung

Die Familie als Institution ist in ihrer grundlegenden Bedeutung für das menschliche Zusammenleben anerkannt. Als soziale Institution verändert sie sich aber ebenso wie alle anderen Institutionen. Ein solcher Institutionsumbruch ist generell nur so zu erklären, dass sich die sozialen und kulturellen, und damit die personalen Ankerpunkte wandeln. Doch sind es nicht allein die Umdeutungen der ideellen, sondern auch die der materiellen Grundlagen, welche die neue Existenz der Familie prägen.

II. Dimensionen der Modernisierung

Man kann versuchen, die Modernisierung als ein interdependentes System von Wandlungsprozessen zu begreifen, und sie nach mehreren Dimensionen unterscheiden. Im folgenden sollen diese Modernisierungsdimensionen des politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und personalen Bereichs, den Wandel der Familie verdeutlichen.

1. Politik und politischen Entwicklung

Die Wandlung der Familienstruktur ist unter anderem eine Folge der politischen Revolutionen des 18.Jahrhunderts. Die ersten Stadien der politischen Entwicklung in diesem Zusammenhang sind die Staaten- und Nationenbildungen mit politischer Partizipation, welche eine allgemeine Demokratisierung mit sich brachte.

a) Ausdifferenzierung von Familie und Politik

Aus der Vielfalt vormoderner Herrschaftsformen entwickelten die Eliten gut strukturierte Staaten mit einem Gewalt- und Steuermonopol, politischer Partizipation, speziellen Organisationen und Verwaltungen. Diese Staatenbildung wurde erleichtert und stabilisiert durch die Herausbildung einer nationalen Identität. Auch die zunehmende Demokratisierung prägte den modernen Staat. Die bürgerlichen, persönlichen, politischen und sozialen Grundrechte mussten auf Chancengleichheit beruhen.

Dieser Trend bezieht sich ebenfalls auf Staat und Gesellschaft, sowie deren Institutionen, zu welchen die Familie gehörte. Die wohlfahrts- und sozialstaatliche Absicherung der Daseinsbedingungen und Lebensrisiken nimmt der Familie eine ihrer zahlreichen Funktionen ab. So etwa die Alterssicherung, die zuvor durch die Familie erbracht wurde, und die dann in die Hände staatlicher Instrumentarien gelegt wurde. Der Verlust der Altersfürsorge bedeutete, dass die Leistungen der Großeltern für die Kindererziehung und Beaufsichtigung der Kinder nicht mehr länger benötigt wurden. Für die älteren Generationen entstand so die Gefahr einer Isolierung durch Ausgliederung und Vereinsamung.

2. Wirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung

Gesamtwirtschaftliche Wandlungen im 18. und 19.Jahrhundert, vor allem durch die industrielle Revolution, veränderten die Bedingungen für die Gestaltung der Familie entscheidend.

Zum Beispiel wurde schwere körperliche Arbeit durch die Mechanisierung und Automatisierung der Arbeitsprozesse ersetzt, und es gab einen Trend zu städtischen Formen der Siedlungs- und Lebensweise. In dieser Industrialisierungs- und Verstädterungsphase setzte sich die Trennung von Wohnbereich und Arbeitsplatz für immer breitere Schichten der Bevölkerung durch. Das bedeutete eine fortschreitende Entgegensetzung von Arbeitswelt und Freizeit, System und Lebenswelt. Allmählich fand eine Umstellung des Haushaltes von Vorrats- auf marktwirtschaftliche Versorgung statt. Diese Änderungen zeigten sich besonders in den Haushalten des Bürgertums und der stark zunehmenden Arbeiterschaft.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird beispielsweise von Jean Fourastié (1907-1990) beschrieben[2], der sich mit Problemen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und wirtschaftlichen Entwicklungsprozessen in der Industriegesellschaft auseinander setzte. Sein Begriff der Tertiärisierung unterscheidet den primären Sektor (Landwirtschaft, Rohstoffgewinnung), den sekundären Sektor (Industrie und Handwerk, verarbeitendes Gewerbe) und den tertiären Sektor (Dienstleistungen) voneinander. Durch den Fortschritt findet eine Umschichtung des Bedarfs statt. Es entwickeln sich neue Berufsstrukturen, auch die Frauenerwerbstätigkeit. All dies hatte wiederum Auswirkungen auf die Familienstrukturen.

3. Gesellschaft und soziale Mobilisierung

Zu den Wandlungsprozessen im Bereich der Sozialstruktur zählten die Demokratisierung und das gesellschaftliche Zusammenleben betreffende Einflüsse wie die Bildungsentwicklung, die Umwandlungen der demographischen Struktur sowie die steigende soziale und geographische Mobilität (Urbanisierung/ Suburbanisierung).

a) Der Erziehungs- und Bildungssektor

Wie im Verlauf des politischen Modernisierungsprozesses bereits erwähnt, entfiel die soziale Absicherung durch die Staatenbildung und Demokratisierung auf neugeschaffene Instanzen sozialer Bereiche. Diese staatlichen Organisationen kümmerten sich um die Bildung und die Erziehung der Kinder. Man kann eine Ausgrenzung der Kindheit als eigenständiger Erziehungs- und Verhaltensbereich aus der Familie erkennen. Die Erziehungs- und Ausbildungsfunktionen übernehmen nun Kindergarten, Schule und Betrieb.

[...]


[1] Bernhardt Schäfers (Hrsg.) Grundbegriffe der Soziologie S. 392

[2] Vgl. Jean Fourastié Die große Metarmophose des 20.Jahrhunderts

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Wandel der Familie als Teil des Modernisierungsprozesses
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Sozialer Wandel
Note
1,3
Autor
Jahr
1997
Seiten
15
Katalognummer
V19703
ISBN (eBook)
9783638237611
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Familie, Teil, Modernisierungsprozesses, Sozialer
Arbeit zitieren
M.A. Annett Rischbieter (Autor), 1997, Der Wandel der Familie als Teil des Modernisierungsprozesses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19703

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