Südostasien als Handelsraum zwischen China und Indien vor Beginn der europäischen kolonialen Expansion


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung
1. Einführung
2. Fragestellung

II. Hauptteil
1. Südostasien als Raum zwischen Indien und China – historische, strukturelle und wirtschaftsgeographische Rahmenbedingungen
2. China – Ostasien
3. Indien - Südasien
4. Der arabische Raum - Westasien
5. Südostasien als Handelsplatz zwischen China, Indien und Arabien

III. Schlussteil
1. Zusammenfassung und Ergebnisse

IV. Literaturnachweis

I. Einleitung

1. Einführung

Der im 15. und 16.Jahrhundert einsetzende Prozess der europäischen Expansion und Kolonisation veränderte und erweiterte für den europäischen Kontinent tiefgreifend das geographische Weltbild. Die zu Grunde gelegenen Seeexpeditionen auf der Suche nach dem Weg nach Asien, unter Umgehung des bis dahin dominierenden osmanischen Zwischenhandels der arabischen Welt, boten Raum für eine machtpolitische Ausdehnung und weitreichende ökonomische Entwicklungsmöglichkeiten der Staaten Südwesteuropas. Neben den Spaniern in Amerika im Westatlantik, waren der Eintritt der Portugiesen in den asiatischen Raum über den Seeweg um Afrika herum die dominierenden Expansionsrichtungen für den Prozess der europäischen kolonialen Expansion der folgenden Jahrhunderte. Diese bahnbrechenden Entdeckungen markierten in der historischen Entwicklung Europas den Übergang in die Frühe Neuzeit.

Der portugiesische Versuch einer langfristigen Implementierung in den asiatischen Wirtschaftsraum gelang dabei nur durch die Anwendung von massiven militärischen Mitteln. Man drang dabei in seit Jahrhunderten bestandene Strukturen des süd- und südostasiatischen Raums vor und eröffnete einen neuen Kontakt von unterschiedlichsten Kultur,- Wirtschafts- und Gesellschaftsräumen. Auf dem Weg nach Osten hatte sich dabei der südostasiatische Raum als eine Schnittstelle zwischen dem Handel Indiens mit China dargestellt. Diese Region war neben ihrer strategisch-zentralen Lage sowohl ein bedeutender Handelsplatz als auch selbst Produzent von vielfältigen Naturprodukten und Rohstoffen. Portugal verfolgte hier mit einer gezielten Implementation in das machtpolitische Gefüge das Ziel diese Region aufgrund ihrer geographischen Lage und Rohstoffressourcen als überregionalen Stützpunkt im asiatischen Raum auszubauen. Um den Eintritt und das weitere Interesse der europäischen Expansion an der Region Südostasien – auf dem See- und Landweg eine Zwischenstation auf dem intendierten Weg nach China - zu verstehen, erscheint es zunächst als notwendig diese Region unter der Perspektive ihrer Bedeutung als einem indigen, intraregionalen Handels- und Wirtschaftsraum zu betrachten.

2. Fragestellung

Ziel soll hier daher eine Analyse und Bestandsaufnahme einer Region in ihrer europäisch-nichttangierten historischen Ausgangssituation sein. Mit dieser Fragestellung bewegt sich der Betrachter im Spannungsfeld zwischen zwei kulturkreisdefinierten Sichtweisen in Ausführung und Perzeption der europäischen und asiatischen Geschichtsschreibung. Beiden Forschungsrichtungen ist dabei die jeweilige Zentrierung auf den eigenen individuell und zumeist national geprägten historischen gesellschaftlichen Hintergrund zu eigen. Neue transnationale Betrachtungsweisen bilden hier die Grundlage für globalhistorische überregional vergleichende Betrachtungsweisen.

Eine Fragestellung ist hier, wie sich dieser Raum in der Zeit vor dem direkten Eintritt der europäischen Expansion durch die Portugiesen (im späteren gefolgt von Engländern, Niederländern, u.a.) in diese Region als ein Raum von wirtschaftlichen und technologischen Austausch konstituierte. Ein Erkenntnisinteresse ist dabei wie sich dieser Handelsraum zwischen den überregional dominierenden Einflüssen Indiens und Chinas der Spannungsfelder der Indiisierung zum einen und der Siniiesierung zum anderen entwickelte. Darüber hinaus soll die Frage nach anderen weiterreichenden Einflüssen aus dem arabisch-islamischen Raum auf die Region geklärt werden. Hierbei ist ein Fragepunkt inwieweit das Handelssystem anhand seiner Rohstoffe, Produkte und Waren Grundlage für eine weitere Expansion nach Asien und Ostasien bot. Diese Studie dient damit für eine Betrachtung des Zustandes vor dem Beginn der Implementierung der Europäer in das Handelsystem im Indischen Ozean und dem südchinesischen Meer. Ziel dieser Arbeit ist damit eine Bestandsaufnahme dieses indigenen Wirtschaftsraums bis zum Beginn der europäischen Expansion und Kolonisation in Asien. Hiermit soll die Region Südostasien als Handelsraum in ihrer eigenen Konstitution ohne die folgenden europäischen Einflüsse charakterisiert werden. Ziel ist dabei die Erstellung eines Regionalprofils mit den wichtigsten Charakteristika und Entwicklungslinien für diesen Raum in einer wirtschaftshistorischen Betrachtungsweise.

II. Hauptteil

1. Südostasien als Raum zwischen China und Indien - historische, strukturelle und wirtschaftsgeographische Rahmendaten

Südostasien wird zunehmend erst seit der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts politisch, historisch und zunehmend ökonomisch (`Tigerstaaten´) als ein zusammenhängender Raum gesehen. Die Region gliedert sich auf dem Festland in die heutigen Staaten Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Myanmar/Birma, Malaysia und Singapur. Das insulare Südostasien erstreckt sich über Indonesien, Osttimor, Kalimantan, Brunei und die Philippinen. Die Malaysische Halbinsel hat historisch eine Brückenfunktion zwischen diesen beiden Bereichen inne.[1]

Historisch war hierbei insbesondere die eingefasste Lage zwischen den ungleich grösseren Kultur- und Wirtschaftsräumen von Indien und China für diese Region eine Gemeinsamkeit. Neben kommunal organisierten Herrschaftsformen, wie beispielsweise auf den Philippinen, existierten im Südostasiatischen Raum vorrangig die zwei unterschiedlichen Modelle des sich auf den Reisanbau stützenden Agrarstaats und des sich auf eine Kontrolle des Seehandels basierenden Handelsstaats.[2] Deren Entwicklung aus einer regionaler Königsherrschaft mündete hierbei oftmals in einer weiteren Evolution hin zu einem zentralisierten Flächenstaat.

Insgesamt ist bereits für das ganze erste Jahrtausend unserer Zeit von einer Intensivierung von Landwirtschaft und überregionalen Handel für diesen Raum auszugehen, in dessen Folge eine frühe Urbanisierung und ersten Staatsbildungsprozessen einsetzte.[3] Von besonderer Bedeutung war hierbei die Lage zum zu dieser Zeit bereits konsolidierten Staatsgebildes der chinesischen Dynastien. China betrieb in Bezug auf seine südlichen Nachbarn und Einflussgebiete eine aktive Protektoratspolitik. In dieser Folge wurde der Buddhismus als protegierte Religion etabliert und als Element eines Kulturtransfers neben vielen anderen regional-tribalen Gottheiten eingeführt. Es ist von einer Intensivierung des Seeverkehrs in den Küstengebieten Südostasiens auszugehen. In der Beziehung zwischen dem dominierenden China und seiner Peripherie wurde im Gebiet Dai Viet (heutiges Vietnam) gegen 1080 erstmals eine feste chinesisch-vietnamesische Festlandsgrenze anerkannt.[4] Neben machtpolitischen Vorteilen blieb China auch aufgrund von technologischen Vorteilen bei einer ökonomischen Durchdringung seiner südlichen Peripheriestaaten. Im Gegensatz dazu erfolgte im Westen und Süden dieser Region dieser Prozess noch einmal dazu gespiegelt ausgehend von dem dominierenden Kultur- und Marktplatz des Subkontinents und überregionalen Territorialstaats Indien. Aus der Genesis kleinerer Fürstentümer entwickelten sich unter diesen Einflüssen regionale Vormächte als sogenannte mandala-staaten, aus denen durch Zentralisierung und Territorialisierung imperiale Königreiche entstehen konnten. Insgesamt konsolidierten sich auf diese Weise die regionalen Mächte Pagan in Birma, der Angkor in Kambodscha/Thailand, Champa im Süden Vietnams und der Dai Viet in Nordvietnam /Süden Chinas und das Reich Srivijaya auf Indonesien.[5] Eine gemeinsame Bedrohung durch die im späten 13.Jahrhundert vorrückenden Mongolen aus dem Norden wirkte für die Staaten in der Region vorübergehend phasenweise auch bündnisbildend.[6]

[...]


[1] Krieger, 2003, S.218.

[2] Krieger, 2003, S.219.

[3] Krieger, 2003, 220.

[4] Krieger, 2003, 221.

[5] Krieger, 2003, S.225.

[6] Wolters, 1982, S.25.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Südostasien als Handelsraum zwischen China und Indien vor Beginn der europäischen kolonialen Expansion
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Blockseminar Südostasien - Exkursion an die Universitäten Singapore und HaNoi
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V197055
ISBN (eBook)
9783656232650
ISBN (Buch)
9783656234555
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
südostasien, handelsraum, china, indien, beginn, expansion
Arbeit zitieren
Thomas M. Scholz (Autor), 2004, Südostasien als Handelsraum zwischen China und Indien vor Beginn der europäischen kolonialen Expansion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197055

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