1 Einleitung
Die Wortstellung im Russischen wird oft fälschlicherweise als frei angenommen.
(...) Es stecken aber
durchaus Sinn und Regeln dahinter, nach denen die russischen Sätze konstruiert
werden.
Die Grundlage für die Bestimmung der Wortstellung bildet die
Informationsstruktur, also jeweils was mit einem Satz ausgesagt oder betont
werden soll; je nach dem unterscheidet sich die Wortstellung. Um das zu
verdeutlichen, gibt es zwei unterschiedliche Ansätze. Auf der einen Seite existiert
der traditionelle Ansatz, mit dem sich die Prager Schule beschäftigt und der die
Informationsstruktur als eindimensional betrachtet, d.h. der Satz wird nur in einen
Thema- und einen Rhema-Bereich eingeteilt. Dieser Ansatz soll in meiner Arbeit
jedoch in einem nur geringen Ausmaß behandelt werden. Der Schwerpunkt, und
auch das Ziel dieser Arbeit, besteht darin, die russische Wortstellung mit Hilfe der
generativen Grammatik zu erklären. Das „Leipziger Modell“ teilt die
Informationsstruktur in zwei Dimensionen ein. Es gibt einerseits die Topik-
Kommentar-Gliederung (TKG) und andererseits die Fokus-Hintergrund-
Gliederung (FHG). Zu beachten sei allerdings, dass diese zwei Dimensionen
keineswegs komplementär sind. Eine als Topik bezeichnete Konstituente kann im
selben Satz auch die Funktion des Hintergrunds übernehmen, und genau so kann
der Kommentar auch zu Fokus werden. Das kommt jeweils darauf an, was der
Sprecher in jenem Satz hervorheben möchte.
Im Folgenden werde ich mich in Abschnitt 2 mit den verschiedenen Arten
der Topiks im Russischen beschäftigen. Dazu gehören die internen (2.2) sowie
externen (2.3) Topiks und die abstrakten Topiks in thetischen (2.4.1) und
kategorischen Sätzen (2.4.2). Den Abschluss des zweiten Abschnittes bildet das
Wort éto als Topik (2.5). Anschließend werde ich den Fokus im Russischen
erläutern. Nach der Festlegung der Grundannahmen zur Struktur des russischen
Satzes (3.1), wird zuerst die Oberfläche der russischen Sätze untersucht (3.2) und im Anschluss deren Informationsstruktur (3.3).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Topik im Russischen
2.1 Einführung
2.2 Interne Topiks
2.3 Externe Topiks
2.4 Abstrakte Topiks
2.4.1 In thetischen Sätzen
2.4.2 In kategorischen Sätzen
2.5 Éto als Topik
3. Fokus im Russischen
3.1 Grundannahmen zur Struktur des russischen Satzes
3.2 Oberfläche des Satzes im Russischen
3.3 Informationsstruktur russischer Sätze
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die vermeintliche Freiheit der russischen Wortstellung zu widerlegen und nachzuweisen, dass sie durch die Informationsstruktur – unterteilt in Topik-Kommentar- und Fokus-Hintergrund-Gliederung – sowie durch grammatische Regeln der generativen Grammatik präzise gesteuert wird.
- Analyse der verschiedenen Topik-Arten im Russischen (intern, extern, abstrakt).
- Untersuchung des Einflusses des Leipziger Modells auf die Informationsstruktur.
- Erforschung der syntaktischen Grundannahmen und der Satzoberflächenstruktur.
- Betrachtung von Kontrastfokus und normalem Satzakzent zur Variantenbildung.
- Evaluierung der Rolle von „Éto“ als Topik-Marker.
Auszug aus dem Buch
2.2 Interne Topiks
Krylova/ Chavronina unterscheiden fünf Grundvarianten, bei denen das Thema jeweils an erster und das Rhema an zweiter Stelle steht (siehe oben), und fünf expressiv gefärbte Varianten, bei denen das Rhema immer an Satzanfang steht, z.B.:
Быстро приближается поезд.
Rhema Thema
Die Unterteilung in Thema und Rhema wird über einen Fragetest ermittelt, allerdings wird nichts über die Abfolge der Konstituenten innerhalb des Themas/ Rhemas ausgesagt (vgl. Junghanns/ Zybatow 1998: 9).
Deswegen versuchen Junghanns/ Zybatow die verschiedenen Arten von Topiks im Russischen mit grammatischen Mitteln zu erklären. Dabei gehen sie von folgenden „Grundannahmen zum Zusammenhang von Grammatik und Informationsstruktur“ aus (Junghanns/ Zybatow 1998: 14). Erstens macht die overte Morphologie des Russischen overte Bewegungen zur Identifikation syntaktischer Funktionen überflüssig. Zweitens wird die ursprünglich grammatische Struktur durch informationsstrukturell induzierte Bewegungen verändert. Dazu trägt eine Konstituente des Satzes das Topik-Merkmal [TOP] und eine Konstituente das Fokus-Merkmal [FOC]. Weiterhin verlassen die Argumente des Verbs und das Verb selbst die VP nur dann, wenn es ihre Diskursfunktion erfordert. Schließlich sind bestimmte syntaktische Positionen mit bestimmten Diskursfunktionen assoziiert, d. h. unterschiedliche Typen von Topik und Fokus haben unterschiedliche syntaktische und phonologische Enkodierungen (vgl. Junghanns/ Zybatow, 1998: 14-15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der russischen Wortstellung ein und erläutert die Forschungsziele auf Basis des „Leipziger Modells“.
2. Topik im Russischen: Hier werden verschiedene Topik-Konzepte definiert und anhand grammatischer Merkmale wie internen, externen und abstrakten Strukturen detailliert analysiert.
3. Fokus im Russischen: Dieses Kapitel behandelt die syntaktischen Bedingungen der Fokusbildung sowie die Auswirkungen von Informationsstruktur auf die Satzoberfläche und Variantenbildung.
4. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, um zu bestätigen, dass die russische Wortstellung regelgeleitet und nicht willkürlich ist.
Schlüsselwörter
Russisch, Wortstellung, Informationsstruktur, Generative Grammatik, Topik, Fokus, Leipziger Modell, Satzstruktur, Syntax, Kontrastakzent, Diskursfunktion, Satzakzent, Phonologie, Semantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Struktur der russischen Sätze und widerlegt die Annahme, dass die Wortstellung im Russischen völlig frei und willkürlich sei.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Topik-Kommentar-Gliederung, die Fokus-Hintergrund-Gliederung und die syntaktische Analyse mittels generativer Grammatik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass russische Wortstellungsvarationen durch spezifische linguistische Regeln und die Informationsstruktur des Sprechers bestimmt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das „Leipziger Modell“ der generativen Grammatik angewandt, um die Wechselwirkungen zwischen Grammatik und Informationsstruktur zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Arten von Topiks, deren Enkodierung sowie die Faktoren, die zur Änderung der Wortstellung und Fokussetzung führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Russisch, Informationsstruktur, Generative Grammatik, Topik, Fokus und Wortstellung.
Was unterscheidet interne von externen Topiks?
Interne Topiks bewegen eine Konstituente in eine ausgezeichnete Position, während externe Topiks eine eigenständige Nominalphrase außerhalb des eigentlichen Satzes bilden.
Wie werden thetische Sätze definiert?
Thetische Sätze besitzen kein overtes Topik und keinen Hintergrund; der gesamte Satzinhalt wird fokussiert, um ein Ereignis darzustellen.
Welche Funktion hat „Éto“ als Topik?
„Éto“ fungiert als hierarchisch hochstehender Strukturmarker, der die nachfolgende Konstituente als fokussiert kennzeichnet.
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- Anna Miller (Autor), 2011, Wortstellung in der generativen Grammatik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197066