Wortstellung in der generativen Grammatik


Hausarbeit, 2011
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 TopikimRussischen
2.1 Einführung
2.2 Interne T opiks
2.3 Externe Topiks
2.4 Abstrakte Topiks
2.4.1 In thetischen Sätzen
2.4.2 In kategorischen Sätzen
2.5 ÉtoalsTopik

3 FokusimRussischen
3.1 Grundannahmen zur Struktur des russischen Satzes
3.2 Oberfläche des Satzes im Russischen
3.3 Informationsstruktur russischer Sätze

4 Schlussfolgerung

Literaturangaben

1 Einleitung

Die Wortstellung im Russischen wird oft fälschlicherweise als frei angenommen. Und tatsächlich kann man einen Satz mit fast jeder Konstituente beginnen, ohne dass dieser ungrammatisch klingt und ist. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Sätze vollkommen willkürlich gebildet werden können. Anders als im Deutschen oder Englischen, wo die Wortstellung recht starr ist und (in einem Hauptsatz) eine Subjekt-Verb-Objekt Reihenfolge verlangt, erlaubt das Russische eine freiere Wortstellung und ähnelt somit sehr stark der lateinischen Sprache. Es stecken aber durchaus Sinn und Regeln dahinter, nach denen die russischen Sätze konstruiert werden.

Die Grundlage für die Bestimmung der Wortstellung bildet die Informationsstruktur, also jeweils was mit einem Satz ausgesagt oder betont werden soll; je nach dem unterscheidet sich die Wortstellung. Um das zu verdeutlichen, gibt es zwei unterschiedliche Ansätze. Auf der einen Seite existiert der traditionelle Ansatz, mit dem sich die Prager Schule beschäftigt und der die Informationsstruktur als eindimensional betrachtet, d.h. der Satz wird nur in einen Thema- und einen Rhema-Bereich eingeteilt. Dieser Ansatz soll in meiner Arbeit jedoch in einem nur geringen Ausmaß behandelt werden. Der Schwerpunkt, und auch das Ziel dieser Arbeit, besteht darin, die russische Wortstellung mit Hilfe der generativen Grammatik zu erklären. Das „Leipziger Modell" teilt die Informationsstruktur in zwei Dimensionen ein. Es gibt einerseits die Topik- Kommentar-Gliederung (TKG) und andererseits die Fokus-Hintergrund­Gliederung (FHG). Zu beachten sei allerdings, dass diese zwei Dimensionen keineswegs komplementär sind. Eine als Topik bezeichnete Konstituente kann im selben Satz auch die Funktion des Hintergrunds übernehmen, und genau so kann der Kommentar auch zu Fokus werden. Das kommt jeweils darauf an, was der Sprecher in jenem Satz hervorheben möchte.

Im Folgenden werde ich mich in Abschnitt 2 mit den verschiedenen Arten der Topiks im Russischen beschäftigen. Dazu gehören die internen (2.2) sowie externen (2.3) Topiks und die abstrakten Topiks in thetischen (2.4.1) und kategorischen Sätzen (2.4.2). Den Abschluss des zweiten Abschnittes bildet das Wort éto als Topik (2.5). Anschließend werde ich den Fokus im Russischen erläutern. Nach der Festlegung der Grundannahmen zur Struktur des russischen Satzes (3.1), wird zuerst die Oberfläche der russischen Sätze untersucht (3.2) und im Anschluss deren Informationsstruktur (3.3).

2 TopikimRussischen

2.1 Einführung

Wie ich oben bereits erwähnt habe, gliedert das „Leipziger Modell" die russischen Sätze in zwei Dimensionen der Informationsstruktur, die Topik-Kommentar- Gliederung (TKG) sowie die Fokus-Hintergrund-Gliederung (FHG), die Gegenstand des dritten Kapitels sein soll. Die TKG zeichnet einen Teil des Satzes als Gegenstand der jeweiligen Aussage (als Topik) aus, auf den sich der Rest der Aussage als Kommentar bezieht.

Dieses Kapitel wird sich mit dem Topik im Allgemeinen und mit den unterschiedlichen Arten des Topiks beschäftigen. Das Topik kann aus drei Blickwinkeln der Linguistik definiert werden: Struktur, Phonologie und Semantik. So ist das Topik hinsichtlich der Struktur satzinitial und Bestandteil des Satzes. Das Topik ist par excellence das Subjekt. Hinsichtlich des Akzentmusters variiert die Topik-Phonologie in Abhängigkeit von der im Satz vorhandenen Fokusstruktur. Weiterhin referiert das Topik, ist bekannt und/ oder gegeben und meistens definit. Bei der zweidimensionalen Unterteilung besteht jedoch das Problem, dass verschiedenen Topiks viele verschiedene Funktionen zugeteilt werden und so kein einheitliches Topik-Konzept zulassen. Daher lassen sich Fokus-Hintergrund und Topik-Kommentar nur schwer auseinander halten (vgl. Junghanns/ Zybatow 1998: 3).

Am besten lässt sich dieses anhand des folgenden Satzes erklären:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es hängt ganz vom Sprecher ab, wie man die vier Diskursfunktionen verteilt. In der ersten Variante wird кольцо zum Topik und somit zum Ausgangspunkt des Satzes, der das aufgreift, worum es in der Frage des A ging. Der Rest des Satzes
ist die Prädikation über das Topik. Will Sprecher B Антон als wichtige Information hervorheben, so kann dieser Teil als Fokus gekennzeichnet werden und der Rest als Hintergrund, da dieser für den Sprecher weniger wichtig scheint. Man sieht in diesem Satz, dass ein und derselbe Satzteil sowohl Topik als auch Hintergrund sein können, bzw. sowohl Fokus als auch Kommentar, so dass diese beiden Dimensionen nicht komplementär sind (vgl. Universität Leipzig: 11).

Ein zusätzliches Problem entsteht dadurch, dass die Informationsstruktur eindimensional gesehen wird. Im Gegensatz zur Unterscheidung von FHG und TKG, teilt die Prager Schule den Satz in einen Thema-und Rhema-Bereich ein (vgl. Junghanns/ Zybatow 1998: 3). „Als Thema wird der Gegenstand der Mitteilung bezeichnet, und das Rhema enthält die eigentliche Mitteilung, die Information über das Thema. [...]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Interne Topiks

Krylova/ Chavronina unterscheiden fünf Grundvarianten, bei denen das Thema jeweils an erster und das Rhema an zweiter Stelle steht (siehe oben), und fünf expressiv gefärbte Varianten, bei denen das Rhema immer an Satzanfang steht, z.B.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Unterteilung in Thema und Rhema wird über einen Fragetest ermittelt, allerdings wird nichts über die Abfolge der Konstituenten innerhalb des Themas/ Rhemas ausgesagt (vgl. Junghanns/ Zybatow 1998: 9).

Deswegen versuchen Junghanns/ Zybatow die verschiedenen Arten von Topiks im Russischen mit grammatischen Mitteln zu erklären. Dabei gehen sie von folgenden „Grundannahmen zum Zusammenhang von Grammatik und Informationsstruktur" aus (Junghanns/ Zybatow 1998: 14). Erstens macht die overte Morphologie des Russischen overte Bewegungen zur Identifikation syntaktischer Funktionen überflüssig. Zweitens wird die ursprünglich grammatische Struktur durch informationsstrukturell induzierte Bewegungen verändert. Dazu trägt eine Konstituente des Satzes das Topik-Merkmal [TOP] und eine Konstituente das Fokus-Merkmal [FOC]. Weiterhin verlassen die Argumente des Verbs und das Verb selbst die VP nur dann, wenn es ihre Diskursfunktion erfordert. Schließlich sind bestimmte syntaktische Positionen mit bestimmten Diskursfunktionen assoziiert, d. h. unterschiedliche Typen von Topik und Fokus haben unterschiedliche syntaktische und phonologische Enkodierungen (vgl. Junghanns/ Zybatow, 1998: 14-15).

Mithilfe dieser Annahmen kann nun bestimmt werden, welche Konstituenten das Topik-Merkmal tragen können und in welche Position sich diese bewegen müssen. Junghanns/ Zybatow stellen anhand der Grundvarianten nach Krylova/ Chavronina fest, dass „bei rechtsperipherem Fokusexponenten offensichtlich alle Konstituenten des russischen Satzes satzinitial stehen können." (Junghanns/ Zybatow 1998: 15). Die folgenden Beispiele sollen dies verdeutlichen, wobei die Großbuchstaben den Fokusexponenten kennzeichnen: (vgl. Junghanns/ Zybatow 1998: 15)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese vier Beispiel zeigen, dass sowohl das Subjekt satzinitial stehen kann (a)), als auch das Objekt (b)), das Prädikat (c)) und eine Adverbialbestimmung (d)). Weiterhin kann man sagen, dass alle diese Konstituenten, bis auf das Prädikat открыл, auch Topik sein können. Jedoch fangen russische Sätze sehr häufig mit einem Verb an. Was kann man bei solchen Sätzen bezüglich des Topiks aussagen? Verbinitiale Sätze werden als Null-Thema-Sätze oder vollrhematische Sätze bezeichnet. Ihr kommunikatives Ziel ist die Behauptung der Existenz, des Auftretens eines Sachverhalts oder die Präsentation eines Sachverhalts. Dies hat wiederum zur Folge, dass alles Material Fokus und gleichzeitig Kommentar ist, d.h. es gibt keinen Hintergrund und kein Topik, sodass TKG und FHG hier zusammenfallen (vgl. Junghanns/ Zybatow 1998: 16-17).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wortstellung in der generativen Grammatik
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Syntax der Wortfügungen und des einfachen Satzes
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V197066
ISBN (eBook)
9783656232155
ISBN (Buch)
9783656233824
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wortstellung, grammatik
Arbeit zitieren
Anna Miller (Autor), 2011, Wortstellung in der generativen Grammatik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197066

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