Die Arbeit der gracchischen Agrarkommission fällt in eine Zeit, die durch erste Reformen letztlich mitentscheidend für das Ende der römischen Republik war. Fraglich ist jedoch, ob die Kommission selbst zu diesen Reformen beitragen konnte und wenn ja, inwiefern dies geschehen ist. Als Quelle dient vor allem Appian. In seiner Schrift über die Bürgerkriege beschreibt er recht genau die Vorgänge zwischen 133 und 111 v. Chr., die entscheidenden Jahre in Bezug auf die Agrarkommission. Plutarch schneidet das für diese Arbeit relevante Thema nur an, da er sich mehr auf die Gracchen als Personen bezieht. An einigen Stellen kann aber auch er Informationen beisteuern. Daß sowohl Appian, besonders aber Plutarch dem gracchischen Reformprogramm sehr positiv gegenüberstanden, ist für diese Arbeit nicht von großer Bedeutung. Zumal Appian rückblickend erkannte, daß die Durchführung der Agrargesetze scheitern mußte. Für die Forschung sind des weiteren die Grenzsteine (Cippi), die von der Tätigkeit der Kommission zeugen, sowie die inschriftlich teilweise erhaltene lex agraria von 111 v. Chr. wichtige Anhaltspunkte. Besonders letztere rekapituliert Tiberius Gracchus Gesetz noch einmal. Jedoch bestehen in der Übersetzung und Interpretation des epigraphischen Textes bis heute große Unstimmigkeiten. Teils resultieren sie aus dem Text selber, teils aus den fehlenden Teilen der Inschrift. Zu behandeln sind nun zunächst Entstehung und eigentliche Arbeit der Agrarkommission, um abschließend auf die Gesetze zu kommen, auf die diese Arbeit aufbaut und durch die sie schließlich eingestellt werden mußte.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Beginn der Kommission
a) Entwicklung der agrarwirtschaftlichen Verhältnisse vor 133 v. Chr.
b) Tiberius Gracchus Agrarreform
2. Wahl der Kommission
3. Mitglieder und Arbeit
a) Mitglieder der Kommission
b) Arbeit der Kommission
c) Zensuszahlen von 131 bis 125 v. Chr.
4. Gesetzesgrundlagen
a) Entziehung der Rechtsprechung
b) Gaius Gracchus Agrarreform
c) Die drei nachgracchischen Agrargesetze
III. Schluß
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Wirksamkeit und die institutionellen Rahmenbedingungen der gracchischen Agrarkommission sowie deren Scheitern im Kontext der römischen Reformpolitik. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit die Kommission tatsächlich zur Lösung der agrarwirtschaftlichen und sozialen Krisen der römischen Republik beitragen konnte.
- Historische Entwicklung der agrarwirtschaftlichen Verhältnisse vor 133 v. Chr.
- Strukturen und Arbeitsweise der gracchischen Agrarkommission
- Die Reformvorhaben von Tiberius und Gaius Gracchus
- Auswirkungen der Gesetzgebung auf die soziale Struktur und den römischen Zensus
- Rechtliche Grundlagen und das Ende der Kommission durch die nachgracchischen Gesetze
Auszug aus dem Buch
1. Beginn der Kommission
a) Zur Entwicklung der agrarwirtschaftlichen Verhältnisse, die schließlich zur Entstehung der gracchischen Agrarkommission führten, muß zunächst die lex Claudia aus dem Jahre 218 v. Chr. erwähnt werden. Hiermit ist dem Senatorenstand der Handel untersagt worden, wodurch Land die ihm angemessene Einkommensgruppe wurde. Ein verstärkter Zugriff der oberen Schichten auf den ager publicus war die Folge, große Güter bildeten sich heraus, die die Reichen vor allem von Sklaven bewirtschaften ließen. Die Kolonisationspolitik stockte, weil sie hauptsächlich militärischer Sicherheit gedient hatte und dies seit Oberitalien befriedet war, unnötig geworden war. Zudem waren die Bauern durch den Militärdienst im zweiten Punischen Krieg längere Zeit in Übersee. Sie verarmten und wanderten nach Rom ab. Der Mangel an assidui wuchs.
b) Im Krieg mit Numantia wurde Tiberius Sempronius Gracchus mit diesen Mißständen konfrontiert. 133 v. Chr. als Volkstribun begann er mit der Wiedereinsetzung der lex Licinia, einem alten licinisch-sextischem Gesetz, mit einigen Ergänzungen. Sein Agrargesetz bestimmte, daß jeder höchstens 500 iugera des ager publicus nutzen durfte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der gracchischen Agrarkommission für die römische Republik und stellt die methodische Vorgehensweise sowie die primären Quellen (Appian, Plutarch) vor.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Ursprünge, die Wahl und die Arbeit der Kommission, beleuchtet die Gesetzesgrundlagen unter Tiberius und Gaius Gracchus und diskutiert das Scheitern der Reformen durch die nachgracchischen Gesetze.
III. Schluß: Das Fazit bilanziert, dass die Kommission trotz ihrer Bemühungen scheiterte und die agrarwirtschaftlichen Probleme, insbesondere die Lage der Kleinbauern, langfristig ungelöst blieben.
Schlüsselwörter
Gracchische Agrarkommission, Tiberius Gracchus, Gaius Gracchus, Ager publicus, Lex agraria, Römische Republik, Landverteilung, Triumviri, Sozialgeschichte, Agrarreform, Senat, Volkstribun, Lex Licinia, Zensuszahlen, Siedlungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Gründung, die Arbeitsweise und den Wirkungskreis der gracchischen Agrarkommission in der Zeit zwischen 133 und 111 v. Chr. sowie deren Einfluss auf die römische Agrarpolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die agrarwirtschaftlichen Missstände des 2. Jahrhunderts v. Chr., die rechtliche Ausgestaltung der Reformen der Gracchen und die Auseinandersetzung zwischen Volk und Senat bezüglich der Landverteilung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Es soll geklärt werden, ob die Agrarkommission tatsächlich zur Lösung der sozialen und agrarwirtschaftlichen Probleme beitragen konnte oder ob ihr Scheitern unvermeidlich war.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, bei der primär auf antike Autoren wie Appian und Plutarch sowie auf moderne Forschungsliteratur zurückgegriffen wird.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der agrarwirtschaftlichen Ursprünge, die Wahl der Kommission, die konkrete Arbeit der Kommissionsmitglieder bei der Landvermessung und die rechtliche Entwicklung der Agrargesetze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Agrarkommission, Ager publicus, Tiberius und Gaius Gracchus sowie die lex agraria.
Warum war die Neubesiedlung des Landes mit so vielen Schwierigkeiten verbunden?
Es fehlte oft an geeignetem Agrarland, viele Kleinbauern scheuten die Umsiedlung und es mangelte an eindeutigen Eigentums- oder Pachtbelegen für das neu verteilte Land.
Welche Rolle spielten die nachgracchischen Gesetze für das Ende der Kommission?
Diese Gesetze, insbesondere die lex agraria von 111 v. Chr., festigten die bestehenden Besitzverhältnisse, hoben die Agrarreform faktisch auf und entzogen der Kommission ihre Arbeitsgrundlage.
- Arbeit zitieren
- Christina Wagner-Emden (Autor:in), 1997, Die Arbeit der gracchischen Agrarkommission, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197094