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Die Sprichwörtersammlung Johannes Agricolas - Kurzweil?

Title: Die Sprichwörtersammlung Johannes Agricolas - Kurzweil?

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 13 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Christina Wagner-Emden (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der vorliegenden Arbeit soll die Sprichwörtersammlung Johannes Agricolas in Hinsicht auf den Aspekt der Kurzweil untersucht werden. Im Vorfeld der Untersuchung wird zunächst der Begriff des Sprichworts geklärt und auf seine spezifischen Merkmale hin definiert werden.
Zwischen 1529 und 1548 gibt Johannes Agricola insgesamt vier Bände gesammelter Sprichwörter heraus, wobei die Ausgabe von 1534 eine verbesserte Neuauflage der ersten beiden ist.
Im Humanismus entstehen, angeregt durch Erasmus von Rotterdam und seine Adagia, mehrere Sprichwortsammlungen, die erläuternde Auslegungen beinhalten. Auf diesen Kommentaren, die auch Agricola seiner Anthologie hinzufügt, wird der Schwerpunkt der Analyse liegen.
Die Betrachtungsweise impliziert zum einen den Blick auf die tatsächliche Kürze der Texte im Sinne »Kleiner Prosa«. Bei lediglich der Feststellung, daß Agricola sich bei der Kommentierung der zusammengestellten Proverbien kurz faßt, soll es natürlich nicht bleiben. Stattdessen wird in diesem Kontext auf seine theoretischen Überlegungen zur Kürze der Sprichwörter und den sich seiner Ansicht nach daraus ergebenden Nutzen einzugehen sein. Hierzu wird die von Agricola der Sammlung vorangestellte und mit dem Titel »Warzu die sprichwortter dienen« versehene Abhandlung herangezogen werden.
Zum anderen soll anhand ihrer Funktionsweise dargestellt werden, welchen Gedanken oder welche Wahrheit die Texte möglicherweise transportieren, ob der Begriff der Kurzweil auch im Sinne eines Bedeutungsverzichts auf die Sprichwörtersammlung anwendbar ist.
Nicht sämtliche 750 Sprichwörter der Ausgabe von 1534 können in die Untersuchung einbezogen werden, die hier behandelte Auswahl kann lediglich einen gewissen Einblick in die Sammlung geben. Die vorliegende Arbeit ist begleitend zum Seminar »Kurzweil. Kleine Prosa der Frühen Neuzeit« entstanden, weswegen sich die Untersuchung auf die Sprichwörter beschränken wird, die sämtlichen Teilnehmern als Lektüre zur Verfügung stehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Sprichwort

III. »Warzu die sprichwortter dienen«

IV. Die Darstellung der Welt

V. Der theologische Aspekt

VI. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprichwörtersammlung von Johannes Agricola unter dem Aspekt der "Kurzweil" und analysiert, wie Agricola durch theoretische Vorüberlegungen und Kommentierungen eine bestimmte Weltsicht sowie theologische Positionen vermittelt.

  • Struktur und Definition des Sprichworts als Gattung.
  • Agricolas theoretische Rechtfertigung kurzer Texte in »Warzu die sprichwortter dienen«.
  • Die Funktion von Schwänken und Historien in den Sprichwortauslegungen.
  • Die Darstellung des göttlichen Willens und die Rolle des Menschen in der Welt.
  • Die Spannung zwischen der Kürze der Proverbien und ihrer inhaltlichen Tiefe.

Auszug aus dem Buch

III. »Warzu die sprichwortter dienen«

Seiner Sprichwortsammlung stellt Agricola eine theoretische Abhandlung voraus, die er mit dem Titel »Warzu die sprichwortter dienen« überschreibt. Seine sich anschließende Argumentation zielt zunächst weniger auf eine konkrete Beantwortung der aufgeworfenen Frage, als darauf, anhand einiger Beispiele die Vorteilhaftigkeit kurzer Texte aufzuzeigen. Zum Beweis führt Agricola verschiedene Grundsätze ethischen Verhaltens auf: die zehn Gebote der Juden, die »drey ding« der Heiden sowie die zwölf Tafeln der Griechen.

An diesen hebt er insbesondere ihre Kürze hervor, die die Prinzipien richtigen Verhaltens präzise hervortreten läßt und sie im Gedächtnis zu halten ermöglicht. Agricola kommt zu dem Schluß, daß die Anzahl von Gesetzen in direktem Zusammenhang zur Eigenmoral steht, wobei er die Notwendigkeit vieler Worte und Gesetze als Anzeichen dafür deutet, daß die natürliche Ordnung gestört ist: »Ja mehr gesetze/ ia mehr untugent«. So befürwortet er eine Reduktion auf das Wesentliche, eine Dezimierung der Vorschriften gerade in Bezug auf ihre Länge. Seine Ansicht stellt er in konkreten Zusammenhang mit dem Wirken Gottes. Auch dieser, so argumentiert Agricola, habe in der Kürze der zehn Gebote »nichts vergessen […] alles des/ das ein mensch Gott und den menschen schuldig ist zuthun.«

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit führt in die Untersuchung von Johannes Agricolas Sprichwörtersammlung hinsichtlich des Aspekts der Kurzweil ein und erläutert die methodische Herangehensweise.

II. Das Sprichwort: Dieses Kapitel definiert das Sprichwort als volkstümliche Gattung und beleuchtet dessen allgemeinmenschliche Orientierung sowie den immanenten resignierenden Charakter.

III. »Warzu die sprichwortter dienen«: Der Autor analysiert hier Agricolas theoretisches Vorwort, in dem dieser die Kürze und den Nutzen von Sprichwörtern als Mittel gegen eine Überregulierung und für eine ethische Reduktion preist.

IV. Die Darstellung der Welt: Hier wird untersucht, wie Agricola durch die Hinzufügung von Schwänken und Geschichten die Wirksamkeit von Sprichworten in der Lebenswelt illustriert, ohne dabei zwangsläufig moralisieren zu wollen.

V. Der theologische Aspekt: Dieses Kapitel widmet sich der theologischen Ausdeutung der Sprichwörter, bei der Agricola den Menschen als ein vom göttlichen Willen gelenktes Wesen ohne eigenen Einfluss auf sein Schicksal zeichnet.

VI. Schluß: Das Fazit fasst zusammen, dass Agricolas Sprichwörtersammlung durch Quantität und Kürze eine Orientierung in einer instabilen Welt bietet, in der der Mensch sich in den göttlich vorherbestimmten Lauf der Dinge fügen muss.

Schlüsselwörter

Johannes Agricola, Sprichwörter, Kurzweil, Frühe Neuzeit, Humanismus, Volkstümliche Aussage, Proverbium, Theologie, Gottes Wille, Moral, Lebensweisheit, Literaturanalyse, Reformationszeit, Didaktik, Weltbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Sprichwörtersammlung des Reformators Johannes Agricola unter besonderer Berücksichtigung des Aspekts der „Kurzweil“ und der theoretischen Einbettung durch den Autor.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Gattungsmerkmale des Sprichworts, die Funktion von Kürze in der Literatur der Frühen Neuzeit sowie die theologischen Deutungen Agricolas.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Untersuchung zielt darauf ab, zu ergründen, ob Agricola die Kurzweil lediglich als stilistisches Mittel versteht oder ob sie mit einem Bedeutungsverzicht einhergeht, und wie er die Sprichwörter nutzt, um Gottes Wirken in der Welt zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Agricolas Vorwort sowie ausgewählte Sprichwortkommentare im historischen Kontext des Humanismus und der Reformation untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Agricolas theoretischem Ansatz, die Analyse von beigefügten Schwänken und Historien zur Illustration der Wahrheit sowie die theologischen Interpretationen der Sprichwörter.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Johannes Agricola, Sprichwörter, Kurzweil, Gottes Wille, Reformation und ethisches Verhalten charakterisieren.

Wie bewertet Agricola laut der Arbeit die Länge von Gesetzestexten?

Agricola sieht in einer großen Anzahl von Gesetzen ein Anzeichen für eine gestörte natürliche Ordnung und plädiert stattdessen für eine Reduktion auf das Wesentliche, wie er es in den zehn Geboten verwirklicht sieht.

Welche Rolle spielen die "Schwänke" in den Kommentaren?

Sie dienen laut der Analyse nicht primär der moralischen Belehrung, sondern schildern konkrete Situationen aus der Wirklichkeit, in denen sich die Wahrheit eines Sprichworts zeigt.

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Details

Title
Die Sprichwörtersammlung Johannes Agricolas - Kurzweil?
College
University of Münster  (Institut für Deutsche Philologie II (Neuere deutsche Literatur))
Course
Hauptseminar: Kurzweil. Kleine Prosa der Frühen Neuzeit
Grade
2,0
Author
Christina Wagner-Emden (Author)
Publication Year
2000
Pages
13
Catalog Number
V197095
ISBN (eBook)
9783656230922
Language
German
Tags
Agricola Sprichwörtersammlung Sprichwort Kurzweil Frühe Neuzeit Prosa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Wagner-Emden (Author), 2000, Die Sprichwörtersammlung Johannes Agricolas - Kurzweil?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197095
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