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»Irdisches Dasein uno tenore«

Untersuchung zu Søren Kierkegaards Erinnerungsbegriff

Titel: »Irdisches Dasein uno tenore«

Seminararbeit , 2012 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Melanie Zimmermann (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Dem Begriff der Erinnerung (Erindring) kommt im Denken des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard tragende Bedeutung zu. Nicht zuletzt in den Schriften Die Wiederholung (1843), verfaßt unter Verwendung des Pseudonyms Constantin Constantius, und »In vino veritas« – »Eine Erinnerung nacherzählt von William Afham« – aus den Stadien auf des Lebens Weg (1845) dient die Erinnerung als Ausgangspunkt des entwickelten Gedankengangs.

In »In vino veritas« schreibt Kierkegaard: »Die Erinnerung wird einem Menschen den ewigen Zusammenhang im Leben bewahren und ihm sicherstellen, daß sein Leben uno tenore wird, ein einziger Atemzug […].« Und auch in der Wiederholung weist er auf die elementare Wichtigkeit der Erinnerung hin: »Hat man die Kategorie der Erinnerung […] nicht, dann löst sich das ganze Leben in einen leeren und inhaltslosen Lärm auf.« Beide Bestimmungen deuten darauf hin, daß der Erinnerung etwas Einheits- bzw. Identitätsstiftendes im Leben eines Individuums zukommt.

Um zu verstehen, warum und wie die Erinnerung den Lebenszusammenhang bewahren kann, ist es nötig, einen genaueren Blick auf Kierkegaards Bestimmung des Begriffs zu werfen. Die Kierkegaard-Forschung erfreut sich zwar sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene großer Beliebtheit und hat zu bestimmten Themen etliche sehr umfassende Werke zutage befördert, weist andererseits jedoch in Bezug auf einige der Kierkegaardschen Schriften – etwa Stadien auf des Lebens Weg – eine eher dürftige Auseinandersetzung mit grundlegenden Begrifflichkeiten wie »Erinnerung« und »Gedächtnis« und deren Verwendung auf. Der Erinnerungsbegriff des Kierkegaardschen Symposiums soll daher in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vor dem Trinkgelage – die »Vorerinnerung«

2.1 »Wahre Erinnerung«

2.2 Das »erotische Verstehen« – Exkurs zu Platons Symposion

2.3 Die Wein-Metapher

3 »Irdisches Dasein uno tenore«

4 Resümee

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das spezifische Verständnis des Erinnerungsbegriffs bei Søren Kierkegaard, insbesondere in dessen Werk »In vino veritas«, und analysiert dessen philosophische Abgrenzung vom bloßen Gedächtnis sowie die Bezüge zum platonischen Symposion.

  • Kierkegaards Konzept der »wahren Erinnerung«
  • Die Funktion der Reflexion für die Identitätsstiftung
  • Die Bedeutung des »erotischen Verstehens« als Bedingung
  • Die Wein-Metapher als Symbol für den Reifeprozess des Erlebens
  • Das Verhältnis von Individuum, Persönlichkeit und Erinnerung

Auszug aus dem Buch

2.1 »Wahre Erinnerung«

Kierkegaard unterscheidet die Erinnerung von schlicht im Gedächtnis Vorhandenem. »Das Gedächtnis ist lediglich eine dahinschwindende Bedingung, mit deren Hilfe Erfahrungen in die Erinnerung eingehen, Erlebnisse »ver-innerlicht« werden können. Die Erinnerung beinhaltet nur das Wesentliche aus dem Leben eines Individuums und verhilft dem Einzelnen deshalb, sein Leben sozusagen mit dem nötigen Abstand als Ganzes nahe- bzw. klarzusehen. Im Gegensatz zu im Gedächtnis Vorhandenem, auf das unmittelbar zugegriffen wird, ist das in die Erinnerung Eingegangene bereits reflektiert. Durch die Reflexion des zu Verinnerlichenden gewinnt das Individuum Distanz zu einer Erfahrung, tritt gewissermaßen in ein mittelbares Verhältnis zur selben und kann daher gerade aus dieser Art »Sicherheitsabstand« einen klareren Blick darauf werfen. Oder um es mit Blanchot zu sagen: »Sehen setzt Distanz voraus [...]. Sehen bezeichnet, daß diese Trennung dennoch Begegnung geworden ist.«

Man mag sich fragen nach einer prozessualen Reihenfolge des »Erinnerung-Werdens« eines Erlebnisses. Kierkegaard gibt keine offen ersichtliche Auskunft darüber, wann über einen Gegenstand der Erinnerung reflektiert wird, also ob vor oder nach dessen Eintritt in die Erinnerung.

In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, daß die Reflexion eines Gedächtnisinhaltes als Bedingung dafür betrachtet werden kann, daß eine Erfahrung überhaupt in die Erinnerung eingehen kann. Kierkegaard scheint das vorauszusetzen, wenn er schreibt, das Gedächtnis sei »lediglich eine dahinschwindende Bedingung«: Dahinschwindend sind nicht nur die Gedächtnisfertigkeiten im Laufe des Lebens, sondern besonders das im Gedächtnis Vorhandene, »[...] denn was im Gedächtnis ist, das wird auch vergessen.« Greift man einen Gedächtnisinhalt aber reflektierend auf, bevor er der Vergessenheit zum Opfer fällt, so wird er seinen Weg in die Erinnerung finden, denn »[m]ittels des Gedächtnisses stellt sich das Erlebte vor, um die Weihe der Erinnerung zu empfangen« Seine Antwort auf die Frage, was Heimweh sei, weist ebenfalls auf diese Abfolge des »Erinnerung-Werdens« hin, wobei hier Erinnern und Reflektieren ineinanderfließen: »Es ist etwas im Gedächtnis Vorhandenes, dessen man sich erinnert.«

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Hier wird die zentrale Rolle der Erinnerung in Kierkegaards Denken und die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung seiner Schriften aufgezeigt.

2 Vor dem Trinkgelage – die »Vorerinnerung«: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Vorbedingungen für eine »wahre Erinnerung«, inklusive der Abgrenzung vom Gedächtnis und einer Analyse erotischer Verstehensweisen.

2.1 »Wahre Erinnerung«: Es wird analysiert, wie Reflexion und Distanz notwendig sind, um Erlebnisse von bloßen Gedächtnisinhalten in eine identitätsstiftende Erinnerung zu überführen.

2.2 Das »erotische Verstehen« – Exkurs zu Platons Symposion: Dieser Teil untersucht Kierkegaards Rückgriff auf Platons Symposion, um das Streben nach dem Schönen und Vollkommenen als Bedingung für das Erinnern zu erklären.

2.3 Die Wein-Metapher: Die Metapher des Weines dient als Sinnbild für den Prozess, in dem rohe Erlebnisse durch Reflexion zu gereiften Erinnerungen veredelt werden.

3 »Irdisches Dasein uno tenore«: Das Kapitel verknüpft die bisherigen Erkenntnisse, um zu zeigen, wie Erinnerung das individuelle Dasein zu einem zusammenhängenden Ganzen formt.

4 Resümee: Die Arbeit fasst zusammen, dass Kierkegaards Erinnerungsbegriff wesentlich durch die persönliche Reflexion und die Abgrenzung vom bloßen Speichern von Fakten bestimmt wird.

Schlüsselwörter

Søren Kierkegaard, Erinnerung, Gedächtnis, In vino veritas, Reflexion, Platon, Symposion, Erotik, Identität, Bewusstsein, Verinnerlichung, Lebenszusammenhang, Subjektivität, Individuum, Existenzphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das philosophische Verständnis des Erinnerungsbegriffs bei Søren Kierkegaard, insbesondere innerhalb seiner Erzählung »In vino veritas«.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Differenz zwischen bloßem Gedächtnis und wahrer Erinnerung, der Rolle der Reflexion sowie der Bedeutung von Kierkegaards Rezeption platonischer Konzepte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die spezifische Bestimmung von Kierkegaards Erinnerungsbegriff herauszuarbeiten und zu klären, wie diese Erinnerung zur Identitätsstiftung des Individuums beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die Kierkegaards Schriften interpretiert und dabei Bezüge zum platonischen Symposion herstellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Bedingungen des Erinnerns, das erotische Verstehen, die metaphorische Verarbeitung durch den Vergleich mit Wein und die Frage, wie ein »irdisches Dasein uno tenore« durch Erinnerung entsteht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Kierkegaard, Erinnerung, Reflexion, Platon, Subjektivität und Identitätsstiftung.

Warum spielt das platonische Symposion eine so wichtige Rolle in der Analyse?

Kierkegaard nutzt das Symposion als strukturelle und inhaltliche Vorlage, um zu erläutern, wie der Mensch durch das Streben nach dem Schönen und Vollkommenen sein Leben in einen bewussten Zusammenhang bringt.

Was bedeutet Kierkegaards Metapher vom Wein für den Erinnerungsprozess?

Der Wein steht für das gereifte Erleben; wie Trauben durch einen Gärungsprozess zu Wein werden, wird rohes Erleben erst durch die aktive Reflexion zu einer gehaltvollen Erinnerung, die die Persönlichkeit formt.

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Details

Titel
»Irdisches Dasein uno tenore«
Untertitel
Untersuchung zu Søren Kierkegaards Erinnerungsbegriff
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Seminar für Philosophie)
Veranstaltung
Theorien der Erinnerung
Note
1,0
Autor
Melanie Zimmermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V197121
ISBN (eBook)
9783656233749
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dasein untersuchung søren kierkegaards erinnerungsbegriff
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Melanie Zimmermann (Autor:in), 2012, »Irdisches Dasein uno tenore«, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197121
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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