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Die Brüder Grimm und die Märchentradition: Arbeitsmethoden und Bedeutung der Brüder Grimm

Titel: Die Brüder Grimm und die Märchentradition: Arbeitsmethoden und Bedeutung der Brüder Grimm

Masterarbeit , 2012 , 182 Seiten , Note: 1 (12 auf der dänischen Skala)

Autor:in: Henrik Petersen (Autor:in)

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Aus dieser Studie geht hervor, dass die offiziellen Behauptungen der Brüder Grimm zu ihrer Sammeltätigkeit und Vorgehensweisen in offensichtlichem Widerspruch zu ihren tatsächlichen Arbeitsmethoden stehen. Ein kritischer Blick auf Inhalt und Aufbau der Vorrede zu „Kinder- und Hausmärchen“ lässt bereits erahnen, dass die Grimms nicht die ganze Wahrheit erzählten, sondern lediglich Bruchstücke ihres großen Fachwissens vermittelten, die sich mit der romantischen Auffassung von einer sich im Absterben befindlichen deutschen Erzähltradition und den Forderungen des angehenden Biedermeiers deckten.

Das Ideal der Brüder Grimm bestand aus der romantischen Vorstellung einer reinen und unmittelbaren Volksdichtung, die sich seit einer zeitlich unbestimmbaren Vergangenheit unter einfachen und ungebildeten Menschen auf dem Lande erhalten hätte. Weil die Grimms ihre Märchen für ihre eigene Gegenwart vermittelten, spielte die romantische Trauer darüber, dass der naiv-kindliche Glückszustand inzwischen vergangen sei, für sie eine entscheidende Rolle. Dabei erkennt man ebenfalls bei den Brüdern Grimm die dem Romantiker auszeichnende wundersam herablassende Einstellung zur reinen Volksüberlieferung: Was ihnen fragmentarisch und unvollkommen vorkam, wurde ausgetauscht oder aus Fragmenten verschiedener Herkunft zu einer neuen Ganzheit zusammengeschrieben.

Die Brüder Grimm sind jedoch niemals – wie z.B. ihr dänischer Nachfolger Evald Tang Kristensen – Märchen sammelnd von Dorf zu Dorf gewandert. Entgegen ihrer eigenen Behauptungen erhielten sie die bekanntesten Stoffe nicht aus dem einfachen Volke, sondern aus dem frankophilen Bildungsbürgertum ihrer Heimatstadt Kassel oder von den Adelsfamilien Haxthausen und Droste-Hülshoff. Die verlorene Tradition, die sie bewahren wollten, mussten die Brüder Grimm daher zuerst selbst erschaffen. Durch ihren Einsatz ist auf diese Weise zwar eine unschätzbare deutsche Erzähltradition noch rechtzeitig schriftlich festgehalten worden; sowohl ihr Qualitätsanspruch als auch ihre literarischen Ambitionen bewirkten jedoch, dass das Unmittelbare der mündlichen Erzählungen, wie sie in ihrer Märchensammlung präsentiert wurden, für immer verloren ging.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einführung in die Thematik

1.1. Märchen und Märchentradition

1.2. Traditionen deutscher Märchenforschung vor Grimm

1.3. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

1.4. Traditionen deutscher Märchenforschung nach Grimm

1.5. Unvereinbare Hauptrichtungen und unbeantwortete Fragen

1.6. Methode und Gliederung der Studie

2. Das Märchen vom Märchen

2.1. Naturromantik, Volksdichtung und Vorbilder

2.1.1. Das romantische Ideal

2.1.2. Volksdichtung und Fakten

2.1.3. Das Vorbild Philipp Otto Runge

2.2. Die Brüder Grimm und ihre Quellen

2.2.1. Junge Frauen aus Kassel

2.2.2. Die Märchenfrau

2.2.3. Mündliche Quellen

2.3. Gattung Grimm: Kinder- und Hausmärchen als Erziehungsbuch

2.3.1. Reinheit in der Wahrheit

2.3.2. Jugendfreie Märchen

2.3.3. Mutterpädagogik und Familienwerte

3. Beispiele der Arbeitsmethoden der Brüder Grimm

3.1. Beispiel Froschkönig

3.1.1. Das Mädchen und der Frosch

3.1.2. Entwicklung des Froschkönig-Märchens

3.1.3. Der Froschkönig bei Grimm

3.2. Beispiel Rotkäppchen

3.2.1. Das Mädchen und der Wolf

3.2.2. Entwicklung des Rotkäppchen-Märchens

3.2.3. Rotkäppchen bei Grimm

3.3. Beispiel Schneewittchen

3.3.1. Das Mädchen und die Stiefmutter

3.3.2. Entwicklung des Schneewittchen-Märchens

3.3.3. Schneewittchen bei Grimm

4. Der Mythos vom Volksmärchen

4.1. Ein Mythos entsteht

4.2. Eine jahrhundertelange volkskundliche Tradition

4.2.1. Elias Lönnrot

4.2.2. Karl Felix Wolff

4.2.3. Evald Tang Kristensen

5. Zusammenfassung

6. Resümee in dänischer Sprache

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Arbeitsmethoden der Brüder Grimm bei der Erstellung der "Kinder- und Hausmärchen" sowie deren maßgebliche Rolle bei der Begründung des Mythos über das "deutsche Volksmärchen". Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den Behauptungen der Grimms über ihre Sammeltätigkeit und den tatsächlichen, oftmals literarisch bearbeiteten Quellen aufzuzeigen.

  • Analyse der Grimmschen Arbeitsmethoden und Quellenverarbeitung
  • Untersuchung der Entstehung des "deutschen Volksmärchen"-Mythos
  • Vergleich der Erstfassung mit späteren Ausgaben (insbes. "Ausgabe letzter Hand")
  • Bedeutung der Märchensammlung als bürgerliches Erziehungsbuch des Biedermeiers
  • Einordnung in die internationale Märchenforschung und Vergleich mit anderen Sammlern wie Lönnrot, Wolff und Kristensen

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Entwicklung des Froschkönig-Märchens

Die Brüder Grimm geben zuerst an, ihr Märchen Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich stamme aus Hessen. Es ist durchaus anzunehmen, dass die ursprüngliche Niederschrift durch die Grimms sich auf einer Tradition im Hause Wild in Kassel basiert. Im Anmerkungsband vergleichen die Grimms ihre Version mit einem weiteren hessischen Märchen über einen König, der seine drei Töchter nacheinander zum Wasserholen an einen Brunnen schickt. Die Parallelen nicht nur zum Grimmschen Froschkönig, sondern ebenfalls zum alten schottischen Märchen sind auffällig: Auch in der zweiten hessischen Version konzentriert die Handlung sich auf die jüngste Prinzessin, den Brunnen und den Frosch, der dem Mädchen hilft und als Gegenleistung darum bittet, ihr Geselle bzw. ihr Schätzchen zu werden. Die Brüder Grimm greifen demnach auf eine alte Tradition zurück:

Das Märchen gehört zu den ältesten in Deutschland, man kannte es unter dem Namen Von dem eisernen Heinrich nach dem treuen Diener, der sein kummervolles Herz in eiserne Bande hatte legen lassen.

Dem Motiv des gebändigten Herzens folgen die Grimms anhand von Sprichwörtern und Beispielen in deutschen Volksliedern bis ins Hochmittelalter zurück. Nicht nur die Motive dieses Märchens scheinen demnach uralt zu sein; es besteht der Eindruck, dass ebenfalls der Titel Froschkönig – der Georg Rollenhagens 1595 erschienenen Tierepos Froschmeuseler entlehnt wurde – weitaus älter als die übrigen Grimmschen Märchentitel ist. Die in Verse gefasste Bitte des Frosches um Einlass – „Königstochter, jüngste, mach mir auf!“ – ist ebenfalls keine Erfindung der Brüder Grimm; diese Zeilen finden sich sowohl in den hessischen und schottischen Parallelversionen als auch bei dem Philologen Friedrich David Gräter und scheinen demnach ein altes, kollektives europäisches Kulturgut zu sein.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es wird die Forschungsfrage skizziert, ob die "Kinder- und Hausmärchen" lediglich ein statisches Produkt oder ein über Ausgaben hinweg wandelbares, ideologisch geprägtes Erziehungsbuch sind.

1. Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel verortet die Grimmsche Sammlung im Kontext der damaligen Märchenforschung und hinterfragt die Authentizität des Grimmschen Märchenbegriffs.

2. Das Märchen vom Märchen: Hier wird untersucht, wie die Grimms den Mythos einer "deutschen Volksdichtung" konstruierten und wie stark sie dabei tatsächlich auf literarische Vorbilder zurückgriffen.

3. Beispiele der Arbeitsmethoden der Brüder Grimm: Anhand der konkreten Fallbeispiele Froschkönig, Rotkäppchen und Schneewittchen wird aufgezeigt, wie Wilhelm Grimm Texte für das Biedermeier-Publikum umformte.

4. Der Mythos vom Volksmärchen: Dieses Kapitel reflektiert, wie der "Mythos vom deutschen Volksmärchen" entstand und vergleicht das Vorgehen der Grimms mit anderen europäischen Sammlern.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die Grimms ein "Erziehungsbuch" schufen, das bewusst literarische Bearbeitung und mündliche Überlieferung verschmolz.

6. Resümee in dänischer Sprache: Eine zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse auf Dänisch.

Schlüsselwörter

Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Volksmärchen, Märchenforschung, Biedermeier, Philologie, literarische Bearbeitung, Volksdichtung, Wilhelm Grimm, Jacob Grimm, Froschkönig, Rotkäppchen, Schneewittchen, Mündliche Überlieferung, Erziehungsbuch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch die Arbeitsmethoden der Brüder Grimm bei der Ausarbeitung ihrer "Kinder- und Hausmärchen" und analysiert, wie diese Märchen gezielt als Erziehungsinstrument für das Biedermeier-Publikum umgestaltet wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Zentral sind die Konstruktion des "deutschen Volksmärchen"-Mythos, die Diskrepanz zwischen offiziellen Behauptungen der Grimms und ihrer tatsächlichen redaktionellen Praxis sowie die Einordnung ihrer Arbeit in einen literatur- und kulturgeschichtlichen Kontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, den Mythos der "naturwüchsigen" Volksdichtung zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie Wilhelm Grimm aus fragmentarischen Stoffen eine abgerundete, pädagogisch wertvolle Ganzheit schuf.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen textnahen, hermeneutischen Ansatz, der verschiedene Ausgaben der Märchen vergleicht und mit kulturhistorischen Fakten sowie zeitgenössischer Literaturkritik in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert drei bekannte Märchen – Froschkönig, Rotkäppchen und Schneewittchen – und zeigt auf, wie durch Eingriffe, Tilgungen und Hinzufügungen ein spezifischer "Gattung Grimm"-Stil entstand.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Volksmärchen, Grimm-Forschung, Biedermeier-Moral, philologische Redaktion und literarische Konstruktion geprägt.

Warum spielt Philipp Otto Runge eine so wichtige Rolle?

Philipp Otto Runge gilt den Brüdern Grimm als stilistisches Vorbild, da seine Märcheninterpretationen bereits die von den Grimms angestrebte, abgerundete Form des Volksmärchens vorwegnahmen.

Inwiefern beeinflusste das Biedermeier-Publikum die Märchen?

Das Biedermeier-Publikum forderte moralische und jugendfreie Unterhaltung. Daher mussten die Grimms anstößige oder zu "derbe" Inhalte tilgen und die Märchen zu einem pädagogisch wertvollen "Erziehungsbuch" formen.

Ende der Leseprobe aus 182 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Brüder Grimm und die Märchentradition: Arbeitsmethoden und Bedeutung der Brüder Grimm
Note
1 (12 auf der dänischen Skala)
Autor
Henrik Petersen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
182
Katalognummer
V197124
ISBN (eBook)
9783656232254
ISBN (Buch)
9783656233114
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wünschen über arbeitsmethoden brüder grimm ausarbeitung kinder- hausmärchen rolle begründer mythos volksmärchen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Henrik Petersen (Autor:in), 2012, Die Brüder Grimm und die Märchentradition: Arbeitsmethoden und Bedeutung der Brüder Grimm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197124
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