„Der Erzieherberuf ist nicht nur die am weitesten verbreitete soziale Berufsausbildung der Gegenwart, sondern weist auch die längsten geschichtlichen Entwicklungsstationen auf.“ (Amthor 2004)
Um die heutige Form der Erzieherausbildung nachvollziehen zu können, ist es erforderlich, die geschichtliche Entwicklung zu kennen.
In der vorliegenden Hausarbeit soll die Entwicklung der Erzieherinnenausbildung von 1919 bis 1970 in Deutschland beschrieben werden. Dabei werden die gesetzlichen Vorgaben, die Inhalte und Prüfungsordnungen sowie die praktische Arbeit innerhalb der Kindergärten vorgestellt. Auch die Einbindung der gesellschaftlichen und politischen Situationen soll Berücksichtigung finden.
Nicht berücksichtigt werden an dieser Stelle der Berufszweig der Heimerzieher und die Ausbildung in der ehemaligen DDR.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Berufsgeschichte in der Weimarer Republik
2. Die Kindergärtnerin im nationalsozialistischen Deutschland
3. Nach 1945: Auf dem Weg zur Fachschule für Sozialpädagogik
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Erzieherinnenausbildung in Deutschland im Zeitraum von 1919 bis 1970. Das primäre Ziel ist es, die gesetzlichen Vorgaben, Ausbildungsinhalte, Prüfungsordnungen sowie die Einbindung in die jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen nachzuvollziehen.
- Berufsgeschichtliche Entwicklung während der Weimarer Republik
- Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie auf Erziehung und Ausbildung
- Strukturelle Neuausrichtung und Professionalisierung nach 1945
- Reformprozesse und Entstehung der Fachschulen für Sozialpädagogik
- Bedeutung gesellschaftlicher Wandel für die Erzieherausbildung
Auszug aus dem Buch
2. Die Kindergärtnerin im nationalsozialistischen Deutschland
Während des Nationalsozialismus wurde den Erzieherinnen eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung zugeschrieben (vgl. Amthor 2004). Man hatte großes Vertrauen in die Aufgabe und Leistungsfähigkeit der Erziehung (vgl. Metzinger 1993: 125). Die vorschulische Erziehung wurde für die Verbreitung der nationalsozialistischen Weltanschauung genutzt. Werte und Zielsetzungen der nationalsozialistischen Ideologie waren totale Einsatzbereitschaft, blinder Gehorsam, Mut, Willens- und Entschlusskraft, Treue, körperliche Gewandtheit und Zähigkeit, Härte sowie psychische und physische Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg. Diese Ziele sollten durch Turnen und Gymnastik, sportliche Wettkämpfe, Kampfspiele und das Einhalten hygienischer Vorschriften erreicht werden. In einigen Kindergärten wurden die Leistungen der Kinder von den Erzieherinnen gemessen, um festzustellen, ob die Kinder die zu erwartenden Leistungen erreicht haben. Die militärisch ausgerichtete körperliche Ertüchtigung wurde im Nationalsozialismus überbetont. (Vgl. Metzinger 1993: 126ff.)
Neben den Turnübungen sollten die Kinder auch anhand von Bilderbüchern und Basteltätigkeiten mit dem Militarismus vertraut werden, indem Flugzeuge und Zeppeline hergestellt wurden und der Sandkasten genutzt wurde, um ein Segelfluggelände darzustellen (vgl. Metzinger 1993: 128).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel dar, die geschichtliche Entwicklung der Erzieherinnenausbildung von 1919 bis 1970 unter Berücksichtigung gesetzlicher und politischer Rahmenbedingungen zu analysieren.
1. Die Berufsgeschichte in der Weimarer Republik: Das Kapitel behandelt die Professionalisierung des Berufs, die Einführung von Ausbildungs- und Prüfungsordnungen sowie den Einfluss reformpädagogischer Ansätze wie der Montessori-Pädagogik.
2. Die Kindergärtnerin im nationalsozialistischen Deutschland: Hier wird beschrieben, wie die Erzieherinnenausbildung ideologisch instrumentalisiert wurde, um Werte wie Gehorsam und militärische Ertüchtigung im Sinne des Nationalsozialismus zu vermitteln.
3. Nach 1945: Auf dem Weg zur Fachschule für Sozialpädagogik: Dieses Kapitel erläutert den Wiederaufbau der Ausbildung nach dem Krieg, die Föderalisierung der Bildungsstrukturen und die spätere Reform hin zu einheitlichen Fachschulen für Sozialpädagogik.
Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Erkenntnisse über die Abhängigkeit der pädagogischen Arbeit und Ausbildung von den jeweiligen politischen Systemen und dem gesellschaftlichen Wandel.
Schlüsselwörter
Erzieherberuf, Ausbildung, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Sozialpädagogik, Erzieherinnenausbildung, Reformpädagogik, Bildungsgeschichte, Kindertagesstätten, Fachschule, Professionalisierung, Geschichte der Pädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung des Erzieherberufs in Deutschland zwischen den Jahren 1919 und 1970.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung abgedeckt?
Die zentralen Themen sind die Ausbildungsinhalte, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Prüfungen und der Einfluss gesellschaftlicher sowie politischer Systeme auf die Kindergartenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Entwicklung der Erzieherinnenausbildung nachzuvollziehen, um das heutige Verständnis und die heutige Form der Ausbildung besser einordnen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der Auswertung von Fachquellen zur Geschichte der Erzieherausbildung basiert.
Welche Inhalte werden schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Epochen: die Weimarer Republik mit ihren Reformansätzen, die Zeit des Nationalsozialismus mit der ideologischen Gleichschaltung und die Nachkriegszeit bis 1970 mit dem Weg zur einheitlichen Fachschulausbildung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Erzieherausbildung, historische Entwicklung, Sozialpädagogik, politische Ideologie und institutionelle Reformen.
Wie wurde die Montessori-Pädagogik in der Ausbildung der Weimarer Zeit integriert?
Ihre Prinzipien zur selbsttätigen Persönlichkeitsentwicklung beeinflussten die Ausbildung dahingehend, dass neben Fröbel-Materialien auch Montessori-Lehrmittel, Raumgestaltung und Inneneinrichtung in den Unterricht einbezogen wurden.
Was veränderte die Hamburger Reform von 1962 grundlegend für den Beruf?
Die Reform führte eine dreijährige Ausbildung ein, legte die Ausbildungsgänge von Kindergärtnerin und Hortnerin sowie Jugend- und Heimerziehern zusammen und öffnete den Beruf erstmals auch für Männer.
Warum kam es nach 1933 zu einem Stillstand pädagogischer Innovationen?
Da der Kindergarten als Instrument zur Verbreitung der nationalsozialistischen Weltanschauung genutzt wurde, wurden fortschrittliche und demokratische Erziehungsziele abgelehnt und die pädagogische Arbeit ideologisch gleichgeschaltet.
Welche Rolle spielte das Berufsanerkennungsjahr nach der Reform von 1967?
Das dritte Jahr der nun dreijährigen Ausbildung wurde als praktisches Berufsanerkennungsjahr definiert, um die theoretische Ausbildung enger mit der sozialpädagogischen Praxis zu verknüpfen.
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- Jasmin Drechsler (Author), 2009, Die Entwicklung des Erzieherberufes in Deutschland von 1919 bis 1970, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197147