War Catull's Lesbia die von der Forschung favorisierte Clodia?


Referat (Ausarbeitung), 2012
14 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Der Name Lesbia

2. Gaius Valerius Catullus

3. Der Lesbia Zyklus

4. Das Leben der Clodia

5. Ein Versuch der Rekonstruktion der Entstehungsdaten der Carmina

6. Das Zeitfenster in der Übersicht

7. Die Suche nach der Antwort in Sekundärliteratur

8. Zusammenfassung

9. Danksagung

10. Quellenangabe

1. Der Name Lesbia

Die erste Frage dreht sich um den Namen selbst. Warum Lesbia? Um die nächstliegendste Erklärung – nämlich ein Mädchen dieses Namens – auszuschließen, wurden die Inschriften von rund 150 Grabsteinen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus, welche man in der Nähe von Rom gefunden hatte, untersucht. Obwohl ein guter Querschnitt durch die Gesellschaft vorhanden war, fand sich keine Frau dieses Namens.

Da Lesbia also kein 'realer Name' war, ist es unwahrscheinlich, dass 'sie' tatsächlich diesen Namen trug. Das heißt noch nicht, dass Lesbia ein Pseudonym war, Catull könnte sie sich ausgedacht haben. Das kann man wie folgt ausschließen: „Ovid jedenfalls muss ihn (den wahren Namen Lesbias) gekannt haben; er hätte sonst nicht so sicher sagen können, dass Lesbia ein Pseudonym sei.“[1]

Heutzutage denkt man, wenn man Lesbia hört, an lesbisch, doch hat Lesbia in der Lateinischen Sprache nicht unbedingt etwas mit lesbisch zu tun. Kommt unser Wort doch von der griechischen Dichterin Sappho, welche im vierten vorchristlichen Jahrhundert auf der Insel Lesbos lebte und leidenschaftliche Gedichte über die Liebe zwischen Frauen schrieb. Catull kannte ihre Gedichte, er veränderte eines und baute den Namen Lesbia ein (c. 51). Einen offenkundigeren Zusammenhang kann man sich nicht wünschen. Wörtlich übersetzt bedeutet Lesbia 'Frau von der Insel Lesbos'. Das kann ihr sowohl dichterisches Talent, wie Intelligenz und Klugheit, als auch Gleichgeschlechtlichkeit unterstellen, war also sehr positiv, aber auch extrem negativ aufzufassen. Gleichgeschlechtlichkeit unter Frauen galt in der damaligen Zeit als äußerst unschicklich.

Doppeldeutigkeit ist in Gedichten dieser Epoche jedoch weit verbreitet und erwünscht, deshalb kann man davon ausgehen kann, dass Catull diesen doppelten Sinn wollte.

2. Gaius Valerius Catullus

In der Hoffnung, seine Gedichte besser verstehen zu können, werfen wir einen kurzen Blick auf Catulls Leben. Leider wissen wir nicht viel über ihn, noch nicht einmal, von wann bis wann er genau lebte. Doch wird angenommen, dass er zwischen 86 und 82 v.Ch in Verona zur Welt kam. Sein Vater war ein Equitus, also ein Angehöriger des Landadels. Das Haus seiner Eltern war so vornehm, dass sogar Gaius Julius Caesar bei ihnen übernachtete.

Irgendwann ging Catull dann nach Rom, vermutlich im Alter von 20 Jahren. Um Politiker zu werden? Vielleicht. Wir wissen erneut nicht wann, doch er erwarb eine Villa in Rom und einen Landsitz bei Tivoli. Im Jahre 57 v.Ch. verließ er Italien, um den Prätor C. Memmius mit Helvetius Cinna nach Bithynien zu begleiten. Im darauffolgendem Jahr kehrte er nach Italien zurück, nicht ohne die berühmten Städte Kleinasiens zu besichtigen. Doch: „In Rom wurde für Catull die Literatur wichtiger als Politik. Bei einem jungen Mann, der auf politischem Gebiet bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr nichts anderes unternommen hat, als einmal in der Begleitung eines Proprätors Aufgaben in der Provinz zu versehen, kann das politische Engagement nicht besonders groß gewesen ein.“[2]

Das heißt aber nicht, dass er kein politisches Interesse gehabt hat, wie in vielen seiner Gedichte deutlich wird. So c. 52, c. 54, und in c. 57 nennt er Caesar einen Stricher. Um nur ein paar der zahllosen Beispiele zu nennen.

Weiter wissen wir nicht genau, wann er starb, nach dem derzeitigen Stand der Forschung zwischen 54 und 50 v.Ch.

3. Der Lesbia Zyklus

Die ersten Gedichte, in denen von Lesbia die Rede sein könnte, sind die Sperlingsgedichte, in denen er von dem Sperling seines 'Mädchens' redet (c. 2 und 3). In c. 5 taucht dann der Name Lesbia zum ersten mal auf, er schreibt: „Leben wollen wir, meine Lesbia, und uns lieben.“[3]. In c. 7 antwortet er seiner geliebte Lesbia dann, wie viele Küsse ihm von ihr genug wären. Das Glück der beiden Liebenden scheint vollkommen. Doch in c. 8 schildert er den Schmerz, den ihm seine Liebe zu seinem 'Mädchen' eingebracht hat, und er appelliert an sich selbst, Abstand zu ihr zu nehmen. Der Name Lesbia wird aber nicht explizit erwähnt. (Gedichtinterpretationen, bei denen man nicht sicher sein kann, ob sich die Gedichte auf Lesbia beziehen, sollen im Folgenden zum besseren Verständnis kursiv geschrieben werden.)

Darauf folgt ein längeres Intermezzo bis c. 43, bei dem auch von der Liebe zu Frauen anderen Namens die Rede ist (z.B.: c. 25). In c. 43 zählt Catull die nicht schmeichelhaften Eigenschaften einer anderen Frau auf, die mit seiner Lesbia verglichen wird und empört sich über den infamen Vergleich; ein Aufflammen der Beziehung – sollte diese unterbrochen worden sein – ist aber nicht sicher. Das nächste Gedicht, in dem Lesbia Erwähnung findet, ist das zuvor bereits erwähnte c. 51, die Umdichtung Sapphos. Hier heißt es, dass zu viel Begehren schon ganze Städte, Könige zerstört hat und Lesbias betörende Wirkung auf ihn wird deutlich, nicht aber, dass seine Gefühle erwidert werden. Kurz darauf, in c.58, meint Catull voller Inbrunst, dass er sie mehr liebe, als sich selbst.

Nach einer längeren Unterbrechung (Nicht wegen der Anzahl der Carminae, sondern wegen der Länge) scheint seine Liebe in c. 70 endlich Erwiderung zu finden, denn 'Sie' will keinen mehr heiraten als ihn. Aber, so könnte man sich fragen, warum schreibt er nicht, dass 'Sie' ihn heiraten will? Darüber können wir nur spekulieren.

Fest steht hingegen, dass er in c. 75 am Boden zerstört schreibt, Lesbia habe ihm sein Herz gebrochen und doch liebe er sie noch, wofür er ihr die Schuld gibt. Leere Versprechungen? In c. 76 geht es mit seiner Verfassung nicht bergauf, denn er schreibt: „Oh ihr Götter...nehmt...diese verderbliche Pest von mir (gemeint ist die Liebe) . ...Nicht mehr bitte ich, dass sie mir Gegenliebe schenkt,...ich wünsche nur selbst, gesund zu sein und diese grässliche Krankheit abzulegen“[4]. Deutlich und glaubhaft schafft es der Dichter, seine tiefe Verzweiflung auch durch den Schleier der Zeit dem Leser zu vermitteln. Doch in c. 78a schreibt er, dass er 'Sie' immer noch hoch schätzt. Ob er über den Trennungsschmerz hinweg gekommen ist und nun auch der guten Zeiten gedenkt ist letzten Endes Interpretation. C. 79 ist insofern interessant, weil ein sog. Lesbius in Erscheinung tritt. Der Dichter schreibt 'Lesbius est pulcer', also Lesbius ist schön. Des weiteren dichtet er, dass Lesbia Lesbius lieber hat als Catull. Auf dieses Carmen soll im Folgenden noch weiter eingegangen werden, genau wie c. 83. Denn darin teilt Catull mit, dass Lesbia vor und mit ihrem Mann über ihn lästert, weswegen sie ihn immer noch lieben muss... hier wir deutlich, dass er sie immer noch liebt, denn die Begründung: 'deshalb liebt sie mich noch' wirkt wenig überzeugend. C. 86 erinnert von der Aussage her an c. 43, er spricht wieder von einer Frau, die seiner Ansicht nach nicht an Lesbias Klasse herankommt. In c. 87 erinnert er den Leser an die Größe seiner Liebe, indem er dichtet, dass keine Frau behaupten könne, jemals so geliebt worden zu sein, wie seine Lesbia von ihm. Dagegen kontrastiert c. 92, indem er beschreibt, wie ungerecht sie ihn beschimpft. Zugleich verflucht er seine Liebe zu ihr erneut, doch klingt er dieses mal optimistischer.

[...]


[1] Syndikus, Hans Peter: Catull. Erster Band,S. 26

[2] Syndikus, Hans Peter: Catull. Erster Band,S. 5

[3] Übersetzung von Michael von Albrecht: Catull Sämtliche Gedichte, S. 11 (Reclam Verlag)

[4] Übersetzung von Michael von Albrecht: Catull Sämtliche Gedichte, S. 146f. (Reclam Verlag)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
War Catull's Lesbia die von der Forschung favorisierte Clodia?
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V197192
ISBN (eBook)
9783656254911
ISBN (Buch)
9783656255758
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
so stößt man schnell auf eine gewisse Clodia. Die Frage, die erörtert werden soll ist die, ob Lesbia wirklich Clodia war. Für alle Interessierten, Lesbia, Clodia, Catull, Catullus
Arbeit zitieren
Andre Schätz (Autor), 2012, War Catull's Lesbia die von der Forschung favorisierte Clodia?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197192

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