Die Befreiung von Rosenberg (OS)

Oder: Wahrheit, die weh tut


Essay, 2012

16 Seiten


Leseprobe

Die Befreiung von Rosenberg (OS)[1]

Oder: Wahrheit, die weh tut[2]

Von Andreas Pawlik[3]

„Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Johannes, 8,32)

Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes (02.10.1944), als Stalins Plan aufgegangen war, Warschau und seine Bewohner mit Hilfe der deutschen Mächte zu vernichten, begann die große Offensive der Roten Armee, die den in Unfreiheit lebenden Völkern die Befreiung bringen sollte. Die Soldaten der I. Ukrainischen Front begannen den Angriff aus der Region von Sandomierz an der Weichsel (12.01.1945) mit der Weichsel-Oder Operation. Die Hitlerführung begann, unter Berücksichtigung einer Annährung der Front an die Grenzen Deutschlands, mit dem Ausbau von Befestigungsanlagen zwischen Weichsel und Oder. Auch im Kreis Rosenberg, wo sich entlang der ehemaligen deutsch-polnischen Grenze alte Befestigungsanlagen befanden, wurde damit begonnen, diese zu erneuern oder zu modernisieren. Innerhalb der Stadt wurden kleine Sperren errichtet, u.a. neben dem Gefängnis und am Eisenbahnviadukt nach Landsberg. Bei diesen Arbeiten setzte man die Zivilbevölkerung, überwiegend ältere Menschen (auch Frauen), ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rosenberg (OS) vor seiner Zerstörung[4]

Auf Grund des Hitlerdekrets vom 25.09.1944 (veröffentlicht am 18.10.1944) wurde der Volkssturm ins Leben gerufen, der sich aus männlichen Personen im Alter von 16 bis 60 Jahren rekrutierte, welche vorher als nicht für den Militärdienst mit der Waffe geeignet ausgemustert worden waren. Ein in Rosenberg aufgestelltes Volkssturmbataillon, wurde in der Nähe von Tschenstochau in Olsztyn ausgebildet, ein Teil davon auch in Rosenberg auf dem Gelände der Tischlerei „Pluschke und Bracht“. Die Mitglieder dieser Einheit wurden überwiegend an italienischen Waffen ausgebildet und zur „Verteidigung der Ehre“ des III. Reiches eingesetzt. Während sich die Front blitzartig an die Grenze Deutschlands vorschob und Gerüchte über barbarische Ausschreitungen der Roten Armee nicht verstummten, erwiesen sich die Befestigungen der Stadt als nicht ausreichend. Die Bewohner von Rosenberg, desorientiert und verloren, begannen die Stadt zu verlassen.

Noch am Sonntag, dem 14. Januar 1945, hatten die Bediensteten der Gestapo und der lokalen NSDAP versucht, die Rosenberger Bevölkerung am Verlassen der Stadt zu hindern. Trotzdem verließ am nächsten Tag, dem 15. Januar, die erste Gruppe vom Bahnhof aus Rosenberg. In der Stadt selbst wohnten damals etwa 3.700 Personen. (Am 17.05. 1939 hatte Rosenberg mit der näheren Umgebung von Schönwald und Rosenhain zusammen 7.263 Einwohner.) Einige nahmen die wertvollsten und nützlichsten Gegenstände mit sich, andere jedoch ließen viele wertvolle Gegenstände zurück, die in den Gärten oder auf dem Feld vergraben wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der damalige Pfarrer von Rosenberg Paul Foik[5]

Am Dienstag, dem 16. Januar, verließ der damalige katholische Pfarrer von Rosenberg Paul Foik[6] (Pfarrer von 1916 bis 1945) die Stadt und am Tag darauf der hiesige evangelische Pastor Gotthard Halm (Pastor von 1931 bis 1945). Am 17. Januar um 6.45 Uhr hatten die örtlichen Behörden die zwangsweise Evakuierung der Bevölkerung von Rosenberg angeordnet. Man versuchte mehrere –zig Fahrzeuge zu organisieren, die zu angegebenen Sammlungsorten um 9.00 Uhr erscheinen sollten. Doch nicht überall erschienen die Fahrzeuge - und so kam es, dass sich die durchgefrorenen Menschen gegen 15.00 Uhr wieder nach Hause begaben, entweder entschlossen, da zu bleiben, oder es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen. Der sichere Weg der Evakuierung war die Eisenbahn, mit welcher ein Großteil der Rosenberger Bevölkerung die Stadt verließ. Ein anderer Teil der Rosenberger suchte Schutz in den umliegenden Dörfern.

Vor dem Verlassen von Rosenberg nahm fast jeder an einer Heilige Messe teil und erhielt den Segen des Pfarrvikars Hugo Jendrzejczyk (1943 bis 1946), der in Rosenberg verblieb. Dieser Geistliche, Zeuge der „Befreiung“ Rosenbergs, Beobachter und Teilnehmer vieler Denkwürdigkeiten, die sich in den ersten Monaten des Jahres 1945 ereigneten, schrieb alles nieder, was er erlebte. Dank dieser Tatsachen, können wir heute die Wahrheit erkennen.

[...]


[1] Oberschlesien, heute Olesno, eine Kleinstadt mit etwa 10.000 Einwohnern im Südwesten Polens. Sie ist Kreisstadt des Powiat Oleski und gehört zur Woiwodschaft Oppeln.

[2] Der vorliegende Text beruht im Wesentlichen auf den Erinnerungen des Pfarrvikars Hugo Jendrzejczyk. Zur Person siehe: Michael Hirschfeld (2002): Katholisches Milieu und Vertriebene, S. 406 u. 540.

[3] Aus dem Polnischen übersetzt von Klaus Willmann, bearbeitet von Dr. Michael Schlese.

[4] Postkarte aus dem Archiv des Autors.

[5] Das Foto von einem unbekannten Fotografen befindet sich im Archiv des Autors.

[6] Geboren am 9. Dezember 1878 in Gleiwitz, gestorben am 12. Januar 1953 in Breslau.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Befreiung von Rosenberg (OS)
Untertitel
Oder: Wahrheit, die weh tut
Hochschule
Freie Universität Berlin
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V197205
ISBN (eBook)
9783656243830
Dateigröße
2971 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schlesien, Zweiter Weltkrieg, Oberschlesien, Rosenberg, Olesno, Aussiedler
Arbeit zitieren
Andreas Pawlik (Autor:in), 2012, Die Befreiung von Rosenberg (OS), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197205

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