Das Gehirn eines Neugeborenen und der Einfluss von Vernachlässigung und Misshandlung auf seine Entwicklung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

19 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Das menschliche Gehirn
2.1 Strukturelle und funktionale Elemente des Gehirns
2.2 Der Grundaufbau des menschlichen Gehirns

3. Lernen

4. Das Gehirn eines Neugeborenen
4.1 Was geht im Kopf eines Säuglings vor?
4.2 Der Einfluss von Vernachlässigung und Misshandlung auf die Gehirnentwicklung

5. Ausblick

Literatur

1. Vorwort

Das Seminar zur Gehirnforschung war eine der interessantesten und spannendsten Veranstaltungen, die ich während meines Studiums besucht habe. Die Vielzahl der in dem Seminar angesprochenen Themen machte es mir nicht leicht, mich für ein Hausarbeitsthema zu entscheiden. Da ich Kleinkindpädagogik studiere und mich demnach für die Belange der Kleinsten besonders interessiere, und nicht zuletzt, weil die Frage nach den Fähigkeiten des jungen Gehirns nicht erst nach den Ergebnissen der Pisa Studie zum Gegenstand, beispielsweise in der Kognitionsforschung, geworden ist, habe ich mich entschlossen, mein Wissen über die Entwicklung des neugeborenen Gehirns zu vertiefen.

Glaubte man vor einiger Zeit noch, dass Erinnern und kausales Denken bei Kindern erst im zweiten Lebensjahr, also mit Beginn der Sprache einsetzen, so stellt man sich heute die Frage danach, welche Fähigkeiten Säuglinge bereits besitzen.

Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick über den Aufbau und die Funktionen des menschlichen Gehirns geben, anschließend möchte ich darstellen, was Lernen ist und wie es funktioniert, dann möchte ich auf die Gehirnentwicklung bei Säuglingen und Kleinkindern eingehen und abschließend darauf aufmerksam machen, wie sich traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit auf die (Gehirn)entwicklung auswirken können.

2. Das menschliche Gehirn

2.1 Strukturelle und funktionale Elemente des Gehirns

Die wesentlichen Bausteine des Gehirns sind Neuronen und Gliazellen. Während Neuronen die Elemente der neuronalen Erregungsverarbeitung sind, haben Gliazellen Nähr- und Stützfunktionen, außerdem haben sie während der Gehirnentwicklung eine Leitfunktion. Neurone bestehen aus einem Zellkörper und einem Fortsatz. Diese Fortsätze unterscheiden sich in der Regel in zwei Typen, nämlich in Dendriten und in Axone.

Dendriten bestehen aus mindestens einem dicken Ast, der sich in der Umgebung der Zelle immer feiner verzweigt. Dendriten dienen dem Neuron zur Aufnahme von Erregungen, die von anderen Zellen ausgehen (vgl. Otto, B., 1995, S.24f.).

Axone sind gleichbleibend dünne Neuronenfortsätze, mit denen das Neuron anderen Nervenzellen seine Erregung zusendet. Axone haben oft eine Myelinisolierung, die eine besonders schnelle Erregungsleitung ermöglicht (vgl. Otto, B., 1995, S.25).

Als Kontaktstelle zwischen den Nervenzellen, bzw. zwischen den Nervenzellen und den Rezeptoren, gibt es die Synapsen. An Synapsen werden entweder elektrisch oder chemisch neuronale Erregungen übertragen, wozu es teilweise bestimmter Transmitter bedarf.

Transmitter sind chemische Übertragungsstoffe, die in der Regel kurzfristig wirksam sind und meist eine erregende Eigenschaft haben. Zu den Erregenden Transmittern gehören u.a. Dopamin und Serotonin, zu den Hemmenden gehört z.B. Glycin. Transmitter können aber auch eine Doppelfunktion haben, nämlich eine schnelle erregende oder eine langsame hemmende (vgl. Otto, B., 1995, S.26).

Neuronen verfügen über unterschiedliche Aktivitätsmuster. Die elektrische Erregung eines Neurons äußert sich entweder in einem abgestuften, kurzreichweitigen Signal, dem so genannten graduierten Potential, oder in einem Aktionspotential, welches langreichweitig ist.

Aktionspotentiale werden über Axone weitergeleitet, graduierte Potentiale hingegen finden sich an Dendriten und breiten sich von dort aus zum Nervenzellenkörper aus. Wenn sie am Ursprungsort des Axons angekommen sind, werden sie in Aktionspotentiale umgesetzt (vgl. Otto, B., 1995, S.26f).

2.2 Der Grundaufbau des menschlichen Gehirns

Das menschliche Gehirn gliedert sich in fünf Teile: Nachhirn, Kleinhirn, Mittelhirn, Zwischenhirn und Vorderhirn. Das Nachhirn ist eine direkte Verlängerung des Rückenmarks. Es enthält die motorischen und sensorischen Kerngebiete und ist somit für die motorische Kontrolle des Gesichts, des Hörempfindens und des Gleichgewichtssinns zuständig. Weiterhin ist es zuständig für alle Bereiche, die innerhalb des Mundes liegen, wie z.B. die Zähne, die Zunge, den Geschmacksinn.

Zusätzlich befinden sich im Nachhirn Nervenzentren, die mit der Kontrolle einiger wichtiger Körperfunktionen wie Schlafen und Wachen, Atmung und Blutkreislauf beschäftigt sind (vgl. Otto, B., 1995, S.27f).

Das Kleinhirn läßt sich als allgemeines motorisches Koordinationszentrum sehen. Hier wird die Regulierung der Muskeln betrieben, und es ist der Ort für motorisches Lernen, da es Impulse vom Gleichgewichtssystem, den Hautsinnesrezeptoren, dem Auge und dem Ohr empfängt (vgl. Otto, B., 1995, S.28f).

Das Mittelhirn untergliedert sich in einen oberen Teil, das Mittelhirndach und einen unteren Teil, das Tegmentum. Im Mittelhirndach befinden sich wichtige auditorische und visuelle, sowie somatosensorische Zentren. Das Tegmentum enthält Zentren, die für die Übersetzung sensorischer in motorische Erregung wichtig sind (vgl. Otto, B., 1995, S.29).

Das Zwischenhirn unterteilt sich in den Epithalamus, den Thalamus und den Hypothalamus. Der Epithalamus enthält die Epiphyse, die für die Kontrolle des Tag-Nacht-Rhythmus wichtig ist. Im Thalamus befindet sich eine große Anzahl von Kernen, die mit der visuellen, auditorischen und somatosensorischen Erregungsverarbeitung zu tun haben, weiterhin sind im Thalamus Zentren angegliedert, die für die Bewegungssteuerung zuständig sind.

Im Hypothalamus werden lebenswichtige Körperfunktionen und Verhaltensweisen wie Schlafen, die Atmung, Sexualität und Emotionen geregelt (vgl. Otto,B., 1995, S.29)

Das Vorderhirn gliedert sich in Basalkerne und Rinde. Die Basalkerne setzen sich aus dem Nucleus caudatus, dem Putamen und dem Globus pallidus zusammen, wobei alle drei Bestandteile mit der Bewegungssteuerung zu tun haben. Die Vorder- bzw. Großhirnrinde besteht aus dem Palaecortex, dem Archicortex und dem Neocortex, wobei der Palaeocortex das Riechhirn und den Mandelkern umfasst, welche die olfaktorische Erregungsverarbeitung und emotionale Verhaltensbeeinflussung und –steuerung beinhalten.

Der Archicortex ist mit dem Hippocampus Teil des limbischen Systems, zu dem auch neocorticale Anteile, archicortiale Anteile und Zwischenhirnanteile gehören. Das limbische System ist neben emotionaler Verhaltensbeeinflussung und –steuerung auch für die Speicherung- und den Abruf von Gedächtnisinhalten zuständig.

Der Neocortex ist der größte Teil des Vorderhirns und des gesamten Gehirns. Er setzt sich aus primären und sekundären sensorischen und motorischen Arealen und aus assoziativen Gebieten, in denen die sensorischen Erregungen integriert werden, zusammen. Obwohl der Neocortex sehr vielfältig in seiner Funktion ist, ist er sehr gleichförmig aufgebaut. Er besteht aus sechs Schichten, die horizontal liegen und sich durch unterschiedliche Nervenzellen und Zellfasern charakterisieren. Der Neocortex gliedert sich in den Stirn- bzw. Frontallappen, den Scheitel- oder Parietallappen, den Schläfen- oder Temporallappen und den Hinterhauptslappen (vgl. Otto, B., 1995, S. 30f).

Im Hinterhauptslappen sind primäre und sekundäre visuelle Areale enthalten, der Schläfenlappen enthält in seinem oberen Teil auditorische Areale, und in seinem mittleren und unteren Teil assoziative Areale, die sich mit der komplexen Verarbeitung von auditorischer und visueller Erregung beschäftigen. Ebenfalls im mittleren Teil des Scläfenlappens befindet sich das sogenannte Wernicke Zentrum, ein Zentrum, das mit dem Verstehen von Sprache zu tun hat (vgl. Otto, B., 1995, S. 31f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Gehirn eines Neugeborenen und der Einfluss von Vernachlässigung und Misshandlung auf seine Entwicklung
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Sozialisationsforschung/Sozialisation und Lernen)
Veranstaltung
Hirnforschung und Sozialisation
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V19721
ISBN (eBook)
9783638237741
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gehirn, Neugeborenen, Einfluss, Vernachlässigung, Misshandlung, Entwicklung, Hirnforschung, Sozialisation
Arbeit zitieren
Kathrin Rogas (Autor), 2003, Das Gehirn eines Neugeborenen und der Einfluss von Vernachlässigung und Misshandlung auf seine Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19721

Kommentare

  • Gast am 19.11.2009

    Enttäuschend.

    Tolles Thema,leider viel zu allgemein gehalten. Dafür, dass die Arbeit auf ein ganzes Seminar gründet, finde ich die Ausführung mangelhaft. Hatte mir mehr erwartet, sowohl inhaltlich als auch quantitativ. Die Textformatierung ist sehr großzuügig. Hätte auch alles auf 7 Seiten gepasst.

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