Moderne Sklaverei - Ist Menschenwürde in einer globalisierten Gesellschaft möglich?


Facharbeit (Schule), 2012

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung: „Die Sklavin Karla“

3. Menschenrechte
3.1 Die Würde des Menschen
3.1.1 Zusatz: Die Würde nach Kant
3.2 Die Menschenwürde als Rechtsgrundlage
3.3 Zusatz: Begründung der Menschenrechte

4. Moderne Sklaverei
4.1 Sklaverei in der globalisierten Gesellschaft
4.2 Zusatz: Sklaverei im Vergleich zu früher

5. „Zwangsarbeit“
5.1 Beispiel: Foxconn
5.2 Zusatz: Beispiel: Sexindustrie

6. Fazit

7. Erklärung zur selbständigen Arbeit

8. Quellenverzeichnis

2. Einleitung: „Die Sklavin Karla“

Seit 2004 soll eine junge Deutsche bei einem Ehepaar in Bosnien als Haushaltssklavin missbraucht worden sein. Die Geschichte des Mädchens mit dem Decknamen Karla erinnert eher an das Leben eines Tieres als an das eines Menschen: Sie schlief in einem Stall, wurde laut Zeugenberichten vor einen Pferdekarren gespannt und musste unter Peitschenhieben schwere Feldarbeit leisten. Weil Karla nicht genug zu essen bekam, ernährte sie sich sogar teils aus einem Schweinetrog.

Dazu kommt, dass die 19-Jährige in den vergangen Jahren weder zur Schule gehen noch Kontakt zu anderen Personen haben durfte. Sie wurde sexuell missbraucht und unzählige Narben weisen auf regelmäßige Schnitte mit einem Messer hin, die nie versorgt wurden.

Erst am 17. Mai diesen Jahres entkam Karla aus den Händen der Sklavenhalter. Auch wenn bereits vor mehreren Jahren Ermittlungen in dem Fall stattfanden, konnten die Behörden das Mädchen nicht befreien. Es heißt, bei einer Hausdurchsuchung habe man Karla nicht gefunden. Den Nachbarn tat das Mädchen leid, aber großartig unternommen hatte keiner etwas.

Aktuell ermitteln neben der bosnischen Polizei sogar deutsche Behörden, denn: Karla soll von ihrer deutschen Mutter nach Bosnien übergeben worden sein.1

Die Geschichte von Karla ist kein Einzelfall und doch liest man über moderne Sklaverei nur sehr wenig. Und obwohl 90% aller Sklaven in Asien leben2, spricht die Europol noch immer „von Hunderttausenden Menschenhandelsopfern in der EU.“3 Der Handel mit Menschen nimmt somit in der Europäischen Union und auf dem ganzen Globus ein schwer vorstellbares Ausmaß an.

Fasst man den Fall Karla zusammen, die unwürdiger als ein Tier leben musste und wie eine Ware über eine Distanz von mehr als 1.000 Kilometern in ein fremdes Land ausgeliefert worden war, stellt sich die Frage, wie es um die menschliche Würde in einer zunehmend verflochtenen Welt steht. Ist Menschenwürde in einer globalisierten Gesellschaft möglich?

3. Menschenrechte

3.1 Die Würde des Menschen

Was versteht man überhaupt unter „Menschenwürde“? Im Allgemeinen bezeichnet

„Würde“ einen relativ schwer erfassbaren Komplex zwischen Werten, Wertbewusstsein und den damit verbundenen Erwartungen an ein Verhalten.4

Bezieht man die Würde auf den Menschen, nimmt jeder Mensch in der Gesellschaft eine gewisse Position ein. An jeden Menschen in seiner Position werden bestimmte Verhaltenserwartungen gesetzt. Und nur, wenn er diese Erwartungen erfüllen kann, lebt er „in Würde“ und kann von den anderen Menschen Respekt erwarten.

Menschenwürde heißt aber auch - und das ist noch viel grundlegender und wichtiger -, Erwartungen an sich selbst zu haben. In diesem Fall soll der Mensch „einfach nur Mensch sein“. Das steht jeder Person in gleichem Maße zu, sodass bezüglich der Menschenwürde alle Menschen gleich anzusehen sind. „Dieser Wert des Menschen als Zweck an sich selbst und damit seine spezifische Würde gründen letztlich in seiner Fähigkeit […] selbstbestimmt und eigenverantwortlich […] zu handeln. Mit anderen Worten: Freiheit ist die Bedingung der Möglichkeit von Würde überhaupt. Wer also dem anderen die Handlungsfreiheit beschneidet oder selbst auf die ihm eigene Autonomie verzichtet, der verletzt den fundamentalsten Wert des Menschseins.“5

3.1.1 Zusatz: Die Würde nach Kant

Unter anderen prägte der Philosoph Immanuel Kant mit seiner „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ von 1785 die heutige Vorstellung von Menschenwürde. Mit der Selbstzweckformel, einer Variation des kategorischen Imperativs, verbietet er die Instrumentalisierung und somit die Ausbeutung des Menschen:

„Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloßals Mittel brauchst.“ 6

Kant leitete die Menschenwürde aus seiner Eigenschaft als Person her, also einem freien, vernunftbegabten Wesen. Unter Freiheit versteht Kant die Fähigkeit des Willens, sich nur von dem selbst gesetzten Objekt der Vernunft bestimmen zu lassen.

Oder anders gesagt: „Entscheidend für die Begründung der Menschenwürde als oberstem Moralprinzip ist seine allgemeine Verbindlichkeit. In der Kantischen Ethik ist der Grund für die Menschenwürde die Vernunft und damit die spezifisch menschliche Eigenschaft, moralisch zu urteilen und zu handeln. "Menschenwürde" bedeutet in diesem Sinne die vernünftige Einsicht in die wechselseitige Verpflichtung, andere Menschen "niemals bloß als Mittel" sondern immer auch "als Zweck an sich selbst" zu behandeln.“7

3.2 Die Menschenwürde als Rechtsgrundlage

Der Besitz einer menschlichen Würde wurde vom deutschen Philosophen Samuel von Pufendorf im 17. Jahrhundert wie folgt begründet und machte aus der Menschenwürde letzten Endes einen juristischen Begriff:

„[Der Mensch hat] eine außerordentliche Würde, weil er eine Seele besitzt, die unsterblich ist und erleuchtet durch das Licht seines Verstandes und die Fähigkeit, die Dinge zu beurteilen und unter verschiedenen Möglichkeiten die richtige zu wählen, und die außerdem noch erfahren ist in vielen Künsten.“ 8

Bewunderung ernteten Pufendorfs Theorien unter anderem von John Locke. Die vom englischen Aufklärer formulierten ersten Menschenrechte Leben, Freiheit und Eigentum zogen 1776 in die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung als „ Life, Liberty and the pursuit of Happiness9 ein.

Durch den Einfluss der US-Amerikaner auf die Vereinten Nationen, finden sich letztlich Pufendorfs Ansätze zur dignatio, Würde, 1948 in der UN-Menschenrechtserklärung und 1949 im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wieder.

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen ist gleich im ersten Artikel manifestiert:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“10

Im Grundgesetz wurde die Menschenwürde ebenfalls an vorderster Stelle verankert:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ 11

3.3 Zusatz: Begründung der Menschenrechte

Menschenrechte sind nicht entziehbare Rechte und Freiheiten, die jedem Menschen in gleichem Maße zustehen.

In der Regel werden aus der Menschenwürde die Menschenrechte abgeleitet. Denn wer eine menschliche Würde besitzt, hat natürlich ein Recht auf Leben, freie Meinungsäußerung etc., da Freiheit die Bedingung der Möglichkeit von Würde ist, siehe Abschnitt 3.1.

John Locke begründet die Gültigkeit der Menschenrechte mit dem Naturzustand: Die Rechte ergeben sich aus dem Gesetz der Natur, das die Erhaltung der Menschheit verlangt und von jedem Menschen mit Hilfe seiner Vernunft erkannt werden kann.

Für Locke ist der Mensch von Natur aus im Zustand vollkommener Freiheit und Gleichheit, jedoch nicht im Zustand der Zügellosigkeit. Der Mensch ist demnach nur in dem Sinne nicht frei, dass er weder sich selbst noch ein Lebewesen, das er besitzt, vernichten darf. Dabei bildet beispielsweise die Notwehr eine Ausnahme, da sie der bloßen Selbsterhaltung dient. Zudem sind wir Menschen nach Ansicht von Locke das Eigentum eines „einzigen allmächtigen und unendlich weisen Schöpfers“. Deshalb müssen wir so lange leben, wie es unser souveräner Herr will; nicht wie wir wollen.12

Dagegen sieht der Philosoph Ernst Tugendhat die Menschenrechte nicht als etwas an, mit dem wir bereits zur Welt kommen. In seinen Augen ist die Begründung eine moralische: Aus unseren Bedürfnissen folgen Rechte und Pflichten. Zum Beispiel besteht das Recht auf körperliche Unversehrtheit daher, weil jeder jeden schützen muss. Schließlich verpflichten wir uns moralisch zur Schaffung einer legalen Instanz als einheitliche Vertretung aller, um unser eigenes Bedürfnis nach Sicherheit zu gewährleisten.13

[...]


1 Vgl. „Horror in Bosnien - Die Sklavin Karla“, Cathrin Kahlweit, sueddeutsche.de, http://www.sueddeutsche.de/panorama/horror-in-bosnien-die-sklavin-karla-1.1368278

2 Vgl. „Menschenhandel - Rückkehr der Sklaverei“, Thomas Schirrmacher, 2011 SCM Hänssler (ISBN: 978- 3-7751-5335-5): S.

3 „Menschenhandel: Europas neuer Schandfleck“, Armando García Schmidt, 2008 Bertelsmann Stiftung, [PDF] http://www.bertelsmann-stiftung.de/bst/de/media/xcms_bst_dms_24391_24392_2.pdf

4 Vgl. „Schülerduden - Die Philosophie“, 1985 Bibliographisches Institut (ISBN: 3-411-02206-X): „Würde“

5 Siehe4

6 „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, Immanuel Kant, http://gutenberg.spiegel.de/buch/3510/1

7 Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft, http://www.imew.de/index.php?id=229

8 „Informationen zur politischen Bildung Nr. 305/2009 - Grundrechte“: S.

9 „Declaration of Independence“, http://www.archives.gov/exhibits/charters/declaration_transcript.html

10 „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

11 Art. 1 Abs. 1 GG

12 Vgl. „Zwei Abhandlungen über die Regierung“, John Locke, [PDF] http://www.joachimschmid.ch/docs/PAzLockeJohZAbhaReg.pdf

13 Vgl. „Vorlesungen zur Ethik. Siebzehnte Vorlesung: Menschenrechte“, Ernst Tugendhat, 1993 Frankfurt a. M. (Suhrkamp)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Moderne Sklaverei - Ist Menschenwürde in einer globalisierten Gesellschaft möglich?
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V197243
ISBN (eBook)
9783656232209
ISBN (Buch)
9783656234395
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mein Vortrag bei der mündlichen Abiturprüfung wurde von dem Prüfungsvorsitzenden und den beisitzenden Lehrern als hervorragend eingestuft. Auf die Universität sei ich bestens vorbereitet. Die schriftliche Version des Vortrags sollte den Prüfern begleitend zur Präsentation ausführliche Informationen liefern.
Schlagworte
Menschenwürde, Globalisierung, Philosophie, Ethik, Sklaverei, Zwangsarbeit, Menschenrechte, Immanuel Kant, Samuel  von  Pufendorf, Ernst Tugendhat, Rechtsgrundlage, John  Locke
Arbeit zitieren
Kevin Weber (Autor), 2012, Moderne Sklaverei - Ist Menschenwürde in einer globalisierten Gesellschaft möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197243

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Moderne Sklaverei - Ist Menschenwürde in einer globalisierten Gesellschaft möglich?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden