"Blühen ist ein Nomen, weil man das sehen kann." - Über eine beispielhafte Untersuchung von Groß- und Kleinschreibstrategien bei Grundschülern


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Welches Konzept wird verfolgt?
2.2 Die Bestandsaufnahme
2.2.1 Beobachtungen bei Zweitklässlern
2.2.2 Beobachtungen bei Viertklässlern
2.2.3 Rückschlüsse auf die Denkprozesse
2.3 Funktioniert das vermittelte Konzept?
2.4 Eine Idee zur Verbesserung

3. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Wer kennt ihn nicht – den Werbespot, in dem ein Chef seinen Mitarbeiter über alle Maße anschreit, während dieser völlig eingeschüchtert alles über sich ergehen lässt und immer wieder das zusammengebrochene Lagerregal anschaut. Daneben hängt ein Schild: „Beladen verboten“. Erst, als sich ein Kollege einschaltet wird klar: Der Mann kann nicht lesen. Die Werbung endet mit der Aussage: „Über vier Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben“ (vgl.Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.). Das klingt erschreckend und kaum vorstellbar.

Eine neuere Studie legt allerdings ebenfalls dar: „Die Rechtschreibung von Kindern und Jugendlichen ist so schlecht wie nie“ (Scheufler, 2010).

Das Themengebiet Rechtschreibung ist ein äußerst komplexes und weitläufiges. Daher wird sich diese Arbeit auf ein Teilgebiet beschränken,nämlich auf die offenbar rechtproblembelastete Groß- und Kleinschreibung.

In einem Vortrag über Rechtschreibleistungen in Schülertexten berichtet Grund (2008), dass Fehler in der Groß- und Kleinschreibung ein erhebliches Problem darstellen und zugenommen haben. Auch Günther und Nünke (2005) verweisen auf massive Schwierigkeiten und heben hervor, dass die Großschreibung durchweg den ersten Rang in Fehlerstatistiken einnimmt.

Um herauszufinden, welche Fähigkeiten Grundschüler auf Ebene der Groß- und Kleinschreibung besitzen und welche Konzepte bzw. Strategien sie bei der Anwendung verfolgen, wird beispielhaft eine praktische Untersuchung durchgeführt und ausgewertet. Es wird untersucht, wie Schülerinnen und Schülern[1] erklärt wird, wann sie ein Wort großzuschreiben haben, wie sie es aufnehmen und anwenden und schließlich, ob sie dann auch artikulieren können, was sie tun.

Im Anschluss wird festgehalten, ob das Vermittelte funktioniert, wo Probleme liegen und wie diese Probleme aus der Welt geschaffen werden könnten.

2. Hauptteil

Für die Untersuchung stellen sich zwölf Schüler einer emsländischen Grundschule zur Verfügung. Fünf von ihnen besuchen zur Zeit der Testdurchführung die zweite Klasse, die übrigen sieben besuchen die vierte Klasse.

Um einen Eindruck von der Umsetzung der Groß- und Kleinschreibung zu erhalten, ist die Aufgabe der Schüler einen Text richtig abzuschreiben und dabei vor allem auf die Groß- und Kleinschreibung zu achten. Die Schüler erhalten jeweils einen Text, der dem Schwierigkeitsgrad nach ihrer Klassenstufe entspricht und dem eingesetzten Schulbuch entnommen ist. Im Anschluss an das Schreiben werden einige Schüler nach Begründungen für ihre Entscheidungen (groß- oder kleingeschrieben schreiben) befragt.

Bevor auf den Test eingegangen wird, soll zunächst gesichtet werden, welche Grundlagen die Schüler haben. Es wird geklärt, über welches Wissen die Schüler bereits verfügen und auf welche Art und Weise dieses vermittelt wird.

2.1 Welches Konzept wird verfolgt?

In dieser Grundschule wird als Schulbuch das Jo-Jo Sprachbuch des Cornelsen Verlags eingesetzt. Die Lehrer arbeiten ausschließlich mit diesem Buch und greifen nicht auf Unterrichtsmaterialien aus anderen Lehrwerken zurück.

Im Verlauf des Buches für die zweite Klasse werden mehrere Regeln bzw. Merksätze aufgestellt. So werden Wortarten wie Nomen, Verben und Adjektive mehr oder weniger definiert und mit Beispielen versehen. Um näher auf das Konzept zur Vermittlung der Groß- und Kleinschreibung für die zweite Klasse eingehen zu können, sollen die Merkkästchen des Buches präsentiert werden:

„Wörter für Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge nennt man Nomen. Nomen werden immer großgeschrieben: das Kind, der Tiger, die Tulpe, der Ball, … “ (Jo-Jo Sprachbuch, 2006, S.11).

Darauf folg die Erklärung: „Nomen haben Begleiter. Sie heißen Artikel. Unbestimmte Artikel: einTeller, eineGabel. Bestimmte Artikel: derTeller, dieGabel, dasGlas “ (ebd., S.17). Etwas später wird darauf eingegangen, dass Nomen in der Einzahl und in der Mehrzahl existieren. In der Mehrzahl werden aus Selbstlauten Umlaute (Bsp.) und der dazugehörige Artikel ist immer die (vgl. ebd., S.49f.).

Der Begriff Verb wird in dem Buch folgendermaßen erläutert: „Wörter, die sagen, was Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge tun, nennt man Verben: rennen, fressen, fliegen “ (ebd.,S.25). Erst recht weit gegen Ende des Buches wir der Begriff Adjektiv eingeführt: „Wörter, die sagen, wie etwas ist, nennt man Adjektive: rot, klein, alt, lustig, … Die Murmel ist grün. – Die grüne Murmel“ (ebd., S.60).

Ob Verben und Adjektive groß- oder kleingeschrieben werden, dazu gibt es keine pauschale Äußerung. Die Mehrzahl derBeispiele präsentiert allerdings die Kleinschreibung dieser beiden Wortarten.

Das Sprachbuch der vierten Klasse weist im Vergleich zu dem Buch für Zweitklässler weniger Merksätze auf. Hier wird zu Beginn erklärt: „Wörter mit den Wortbausteinen -ung, -nis, -heit und –keitsind Nomen und werden großgeschrieben. Sie lassen sich aus Verben und Adjektiven bilden“ (Jo-Jo Sprachbuch, 2010, S.11). Gegen Ende des Bucheserscheinen beispielhaft eine Lernkarte sowie zwei weitere Informationen zur Groß- und Kleinschreibung. Die Lernkarte enthält folgende Informationen:

„Groß oder klein?

Am Satzanfang ® groß

Nomen ® groß.

So erkenne ich Nomen:

1) Nomen sind Wörter für Menschen, Tiere, Pflanzen, Dinge, Gefühle.
2) Nomen haben Artikel: ein, eine – der, die, das.
3) Wortbausteine von Nomen sind: -ung, -nis, -heit, -keit“ (ebd., S.96).

Zudem wird mit Beispielen erläutert, dass sich Artikel in anderen Wörtern verstecken können, gemeint sind dabei Präpositionen (vgl. ebd., S.102). Schließlich wird erwähnt und an einem Beispiel (Das Fahren) gezeigt, dass Verben zu Nomen werden können und dass man diese am Artikel erkennt (vgl. ebd., S.109).

Auffällig ist, dass in beiden Klassenstufen für die Definition des Begriffs Nomen der semantische Ansatz im Vordergrund steht. Das heißt, es wird vermittelt, dass die Großschreibung an Sehen- und Anfassenkönnen geknüpft ist. So wird weder das feste Genus, noch der Rand der Nominalgruppe (selbstverständlich kindgerecht) erwähnt.

[...]


[1] Für eine bessere Leserlichkeit wird fortan der Begriff Schüler für beide Geschlechter verwendet.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
"Blühen ist ein Nomen, weil man das sehen kann." - Über eine beispielhafte Untersuchung von Groß- und Kleinschreibstrategien bei Grundschülern
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V197275
ISBN (eBook)
9783656234814
ISBN (Buch)
9783656234999
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
blühen, nomen, über, untersuchung, groß-, kleinschreibstrategien, grundschülern
Arbeit zitieren
Anke Schepers (Autor), 2012, "Blühen ist ein Nomen, weil man das sehen kann." - Über eine beispielhafte Untersuchung von Groß- und Kleinschreibstrategien bei Grundschülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197275

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