Wenn man nicht nur nachts träumt… - Über die Funktionen und Wirkungen von Tagträumen in der Fernsehserie „Scrubs“


Hausarbeit, 2012
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Analyse der Figur JD
2.2 Analyse des Erzählverfahrens
2.3 Tagträume
2.4 Funktion und Wirkung der Träumerei

3. Abschließende Betrachtung

Literatur

Anhang

„Die im Wachen träumen, haben Kenntnis von tausend Dingen,

die jenen entgehen, die nur im Schlaf träumen.“

(Wols, 1949)[1]

1. Einleitung

Wer die Fernsehserie „Scrubs“ regelmäßig schaut, kennt und schätzt ein besonderes Merkmal der Hauptfigur John Dorian (JD[2] ): Er ist ein intensiver Tagträumer. Selbst Neulingen wird dieses schnell klar, denn seine Art zu träumen ist auffällig und vor allem komisch. Als Zuschauer wird man gnadenlos mitgerissen in die Gedankenwelt des Protagonisten.

Stellt sich die Frage nach dem Wie und dem Warum: Wie wird das Träumen inszeniert, wie wirkt es auf den Zuschauer und warum träumt JD in den entsprechenden Situationen? Diese Fragen gilt es nun zu beantworten.

Anhand der Folge „Mein Größenwahn“ (Staffel 2, Folge 19) werden mit Hilfe ausgewählter Kriterien die Figurenanalyse sowie die Analyse des Erzählverfahrens durchgeführt, woraufhin die Beantwortung obiger Fragen folgt.

Die Auswahl einer geeigneten Folge fällt bei der vorhandenen Menge nicht leicht. Exemplarisch wird die genannte Folge aus einer der ersten Staffeln gewählt, da das Träumen hier, im Vergleich zu späteren Staffeln, noch interessanter und aussagekräftiger ist. In dieser Folge ist das Verhältnis zwischen erzählter Geschichte und Tagträumen ausgewogen, wodurch die Geschichte nicht zu unrealistisch wirkt und die Analyse erschwert würde.

2. Hauptteil

2.1 Analyse der Figur JD

Zunächst soll die Figur JD mit Hilfe gewählter Kriterien der Figurenanalyse betrachtet und charakterisiert werden.

Bachorz (2004, S.57f.) legt Pfisters „Modell für die differenzierte Erfassung der Figurenkonzeption“ zugrunde und geht auf die vier Oppositionspaare ein. Wendet man diese auf die Figur JD an, lässt sich folgendes festhalten: JD ist eine mehrdimensional, dynamisch angelegte Figur. Dies zeigt sich bereits im Verlauf der gewählten Folge, in der sich JD vom idiotischen Internisten (Sequenz-Nr. 1) zu einem scheinbar coolen Chirurgen (Sequenz-Nr. 16) wieder hin zum „König der Vollidioten“ (Sequenz-Nr. 25) entwickelt. Trotz ihrer Mehrdimensionalität ist die Figur dennoch definiert, da ihre Innenwelt durch Monologe sowie Tagträume stets für den Zuschauer transparent ist. Die Einordnung in psychologisch oder trans-psychologisch bezieht sich vornehmlich auf das klassische Drama. Jedoch werden der Figur JD trans-psychologische Züge angehängt. So zum Beispiel tritt die Figur teilweise durch die Tagträume „aus dem Reich des Psychologisch-Nachvollziehbaren“ heraus oder warnt „das Publikum vor ihren eigenen Fehlern und den daraus resultierenden Handlungen“ (Bachorz, 2004, S. 59) in Form von monologischen Zusammenfassungen beziehungsweise Reflexionen gegen Ende einer Folge (Sequenz-Nr. 26).

Die Charakterisierung der Protagonisten ist für Faulstich (2008, S.109) der Beginn der Serienanalyse und bezieht „Aussehen, Kleidung und symbolisierende Accessoires [] die soziale Stellung im gesellschaftlichen Gefüge, ihre Körpersprache und ihr Auftreten in konkreten Situationen“ ein. Pfister (2001, S.252) fügt diese Kriterien in einem Schaubild zur Figurencharakterisierung unter den Aspekten figurale und auktoriale Charakterisierung mit jeweiliger Untergliederung in expliziter sowie impliziter Charakteristik zusammen.

Im Verlauf der gewählten Folge steht das „Idiotenimage“ der Figur JD im Vordergrund. Als Internist zählt JD sich zu den „Idioten“, die Chirurgen gelten hingegen als „cool“ (Sequenz-Nr. 1). Am Tisch der Internisten verlangt er: „Wir sollten einfach versuchen, uns ein bisschen weniger wie Vollidioten zu benehmen“ (Sequenz-Nr. 1). Durch die Chirurgie-Weiterbildung erhofft JD sich, „das Idiotenimage los[zu]werden“ (Sequenz-Nr. 25). Zu Beginn ist JD verunsichert und blamiert sich vor den neuen Kollegen: „aber ich wollt‘ euch nur sagen, dass ich euch alle als Aminos betrachte“ (Sequenz-Nr. 3). Aufgrund weiterer Kommentare werden ihm Streiche gespielt, wodurch sein Idiotendasein unterstrichen wird (Sequenz-Nr. 5/7). Im weiteren Verlauf passt JD sich dem Verhalten der Chirurgen an: Er begrüßt andere mit „High-Five“, spielt sich auf, verteilt neue Spitznamen, bedient sich ihrer Ausdrucksweise („Hey T-Doc, wen schlitzen wir denn heute auf?“, Sequenz-Nr. 16) und schreckt nicht mehr davor zurück, seinen besten Freund Turk mit der Ballett-Geschichte lächerlich zu machen (Turk: „Du warst so geil darauf, von diesen Vollidioten [den Chirurgen] akzeptiert zu werden, dass du mich einfach verraten hast“, Sequenz-Nr. 22). Permanent strebt JD also nach Anerkennung und Zugehörigkeit.

Es zeigt sich, dass es JD nicht gelingt, das Idiotenimage abzulegen. Ohne es zu bemerken wandelt er von einer Idiotengruppe zur anderen (Turk bezeichnet die Chirurgen in Sequenz-Nr. 22 ebenfalls als „Vollidioten“). Zwischenzeitlich wird deutlich, dass JD eigentlich gerne Zeit mit den Internisten verbringt („Komisches Gefühl, nicht zu meinem normalen Tisch zu gehen – besonders, weil heute Palm-Pilot-Synchronisations-Tag war“, Sequenz-Nr. 13). Und Turk sagt ihm sogar deutlich: „JD, du bist ein Idiot! [] Du warst es in jeder Sekunde, seit wir beide uns kennen“ (Sequenz-Nr. 25). Am Ende erkennt JD seine Situation und betitelt sich voller Stolz als den „König der Vollidioten“ (Sequenz-Nr. 26).

2.2 Analyse des Erzählverfahrens

Die Analyse des filmischen Erzählverfahrens erscheint mit Schwierigkeiten verbunden, da bisweilen kein Konsens darüber besteht, ob eine Erzählinstanz vorhanden ist (vgl. Leubner & Saupe, 2006, S.209). Es wird auf zwei namenhafte Forscher verwiesen, die unterschiedlicher Meinung sind: Chatman ist der Auffassung, dass „die filmische Erzählung auf einen Erzähler zurückzuführen ist. Dieser Erzähler sei zwar keine Figur mit der Fähigkeit, im Erzählakt Texte zu reproduzieren, aber eine Instanz, die über den Einsatz sämtlicher filmsprachlicher Verfahren verfüge und diese Verfahren im filmischen Zeigeakt nutze“ (ebd.). Laut Bordwell hingegen „gibt es zwar einen Empfänger der filmischen Narration, aber keinen Sender, weil die komplexe Konstruktion einer filmischen Darstellung nicht auf eine menschenähnliche Erzählinstanz zurückgeführt werden kann“ (ebd.).

[...]


[1] Gefunden unter http://www.zitate.de/kategorie/Traum/ (Zugriff am 07.01.12)

[2] Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Name John Dorian durch seinen Rufnamen „JD“ ersetzt.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wenn man nicht nur nachts träumt… - Über die Funktionen und Wirkungen von Tagträumen in der Fernsehserie „Scrubs“
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V197279
ISBN (eBook)
9783656234784
ISBN (Buch)
9783656235040
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wenn, über, funktionen, wirkungen, tagträumen, fernsehserie, scrubs
Arbeit zitieren
Anke Schepers (Autor), 2012, Wenn man nicht nur nachts träumt… - Über die Funktionen und Wirkungen von Tagträumen in der Fernsehserie „Scrubs“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197279

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