Lawinen. Entstehung, Klassifikation und Schutz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition der Lawinen

3 Lawinenentstehung
3.1 Schnee als Faktor
3.2 Gelände als Faktor
3.3 Witterung als Faktor

4 Lawinenklassifikation
4.1 Das Abbruchgebiet
4.1.1 Die Form des Anrisses
4.1.2 Die Lage der Gleitfläche
4.1.3 Die Feuchtigkeit des abgleitenden Materials
4.1.4 Die Art des Materials
4.2 Die Sturzbahn
4.2.1 Die Form der Sturzbahn
4.2.2 Die Form der Bewegung
4.2.3 Die Länge der Lawinenbahn
4.2.4 Die Art des Schadens
4.3 Das Ablagerungsgebiet

5 Lawinenforschung

6 Lawinenschutz
6.1 Permanenter Lawinenschutz
6.1.1 Technische Maßnahmen
6.1.2 Forstliche Maßnahmen
6.1.3 Raumplanerische Maßnahmen
6.2 Temporärer Lawinenschutz
6.2.1 Warnungen
6.2.2 Künstliche Lawinenauslösung
6.2.3 Sperrungen und Evakuierungen

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Über die ganze Welt verteilt gehen jährlich rund eine halbe Millionen Lawinen zu Tale. Dabei treten sie überall dort auf, wo sich schneebedeckte Gebirge befinden. Eine Gefahr stellen sie aber nur in besiedelten und touristisch genutzten Berggebieten dar. Lawinen fordern jährlich durchschnittlich 200 Menschenleben, wobei die Hälfte davon im Alpenraum verunglückt. Dabei sterben im Durchschnitt 26 Menschen in der Schweiz. Ein katastrophaler Lawinenabgang ereignete sich im Winter 1999 in Galtür, bei welchem 31 Menschen durch eine Schneebrettlawine ums Leben kamen. Aber Lawinen fordern nicht nur Leben, sondern sind auch für die Zerstörung von Siedlungsräumen, Infrastruktur und ganzer Wälder verantwortlich. War früher häufig die Bergbevölkerung durch Lawinen gefährdet, so stehen heute eher Touristen – Alpinisten, Skifahrer und Wanderer im Fokus. Der Grund dafür liegt in der touristischen Erschließung der gesamten Bergregionen. So haben diese ihre Priorität auf den Lawinenschutz gelegt. Neben der fachgerechten Verbauung gefährdeter Gebiete ist eine ständige Vorhersage der Lawinensituation von großer Bedeutung. Ein erhebliches Problem stellt die mangelnde Beurteilungskraft von Touristen für lawinengefährdete Gebiete dar.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Lawinen. Dabei soll in einem ersten Schritt der Begriff der Lawine definiert und eingegrenzt werden. Anschließend werden die verschiedenen Faktoren aufgeführt die im Zusammenspiel wirken, aber auch alleine das Ereignis eines Lawinenabgangs hervorrufen können. Im weiteren Verlauf sollen die einzelnen Lawinenarten anhand des natürlichen Ablaufes einer Lawine angesprochen, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede erläutert werden. Darauf folgt ein kleiner Exkurs zum Verlauf und der Entwicklung der Lawinenforschung mit einem besonderen Augenmerk auf die Schweiz. Den Abschluss der Arbeit soll eine Auflistung mit Erläuterungen von Lawinenschutzmaßnahmen bilden, um einen kompletten Überblick über das Thema Lawine bekommen zu können.

2 Definition der Lawine

Unter dem Begriff der Lawinen wird ein schnelles Abstürzen oder Abgleiten von Material der natürlichen Schneedecke längs eines Berghanges über die Distanz von mindestens 50 Metern bezeichnet. Dabei bewegt sich der Schnee als fließende, gleitende oder rollende Masse oder als aufgewirbelte Schneemasse hangabwärts.

Allgemein bezeichnet der Begriff der Lawinen Schneelawinen, er findet aber auch seltener Anwendung bei Stein-, Schutt- oder Eislawinen. Weiterhin umfasst er den gesamten Bewegungsvorgang vom Lösen der Schneemasse im Anrissgebiet, bis zur Akkumulation des Lawinenschnees, welche durch das flacher werdende Gelände hervorgerufen wird. Charakteristisch für das Anrissgebiet sind in der Regel steile oder waldfreie Hänge. Die Vorgabe der Bewegung in der Sturzbahn erfolgt durch das vorliegende Gelände. Zu ergänzen wäre noch, dass es sich bei der Definition der Lawine um drei verschiedene Sachverhalte handeln kann. Zum einen wäre das der Vorgang des Abgleitens, zum anderen die abgelagerte Schneemasse oder auch das Gebiet in der eine Lawine häufig auftritt (Fischer:1999:41/Lieb:2001:2,22/OcCC:2003:77).

3 Lawinenentstehung

Damit es überhaupt zur Entstehung einer Lawine kommen kann, müssen eine Reihe von Rahmenbedingungen erfüllt werden, wobei diese den drei Hauptfaktoren Schnee, Gelände und Witterung zugewiesen werden können. Entscheidend ist außerdem, dass alle Faktoren in einem wechselseitigen Beziehungsgefüge zueinander stehen, wodurch sie nicht isoliert voneinander zu betrachten sind.

3.1 Schnee als Faktor

Die Mächtigkeit der Schneedecke ist ein entscheidender Faktor bei der Bildung von Schadlawinen. So wächst bei vielen winterlichen Schneefällen die Schneedecke an, wobei sich immer mehr interne Gleitflächen durch die verschiedenen aufeinanderliegenden Schneeflächen ausbilden können. Je höher die Zahl unterschiedlicher Gleitflächen steigt, umso größer wird auch die Gefahr eines Lawinenabganges. Neben der Entstehung der Gleitflächen bei starkem Schneefall stellt sich ein weiteres Problem dahingehend dar, dass die Setzung und somit die Verfestigung des Schnees möglicherweise nicht mit der Vergrößerung des Eigengewichtes der Schneedecke mithalten kann. Dadurch kommt es zur Überschreitung der Scher-, Zug- oder Druckfestigkeit, wodurch die Schneedecke instabil wird (Flaig:1955:73/Lieb:2001:22).

Ein weiterer zentraler Punkt für die Entstehung von Lawinen ist die Eigenschaft der Schneedecke und deren Aufbau. Dabei ist als erstes Fest- und Lockerschnee zu unterscheiden. Beim Festschnee sind die Schneeteilchen nicht frei beweglich. Der Aufbau der Schneedecke wird hauptsächlich durch den Untergrund bestimmt. An dieser Stelle spielen im Falle eines Lawinenabgangs weitere Faktoren, wie der Wasserhaushalt und die Druck- und Zugspannung in Kombination mit der Schichtung des Festschnees eine entscheidende Rolle. Besonders gefährlich sind die dabei entstehenden Schwimmschneeschichten wie in der folgenden Abbildung dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Durch Temperaturanstieg entstandene Schwimmschneeschicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (EAWS:2009)

Schwimmschnee, welcher auch als Tiefreif bezeichnet wird, entsteht durch Umkristallisation der Schneedecke in meist bodennahen Schichten. Diese Kristallneubildungen haben wenige Verbindungen untereinander und wirken so für die darüber liegenden Schichten wie ein Kugellager. Dabei ist die Schneebrettlawine das typische Beispiel (Albrecht:1983:156-189/Lieb:2001:22).

Beim Lockerschnee dagegen ist jedes einzelne Teilchen frei beweglich. So kommt es im Falle eines Lawinenabganges zum Aneinanderstoßen der einzelnen Teilchen die dadurch die dafür typische Lockerschneelawine auslösen (Albrecht:1983:157).

Ein weiterer Punkt ist die durch den Wind hervorgerufene Schneeverfrachtung. Sie spielt nicht nur bei der Schneeverteilung im Hochgebirge eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Entstehung von Lawinen. Selbst beim Ausbleiben der Windeinwirkung bei einem Schneefall wird der gleichmäßig verteilte Schnee beim ersten Einsetzen des Windes durch Deflation von den ausgeprägten Vollformen in Hohlformen umgewandelt. Dadurch besitzen Leehänge eine größere Mächtigkeit der Schneedecke und stellen somit eine größere Lawinengefahr dar (Lieb:2001:22/Wilson:2004:7).

3.2 Gelände als Faktor

Die Exposition ist ein sehr komplexer Faktor bei der Entstehung von Lawinen, da bei diesen Kombinationen verschiedenste Einflüsse berücksichtigt werden müssen. So werden bei ihr das Gelände, die Strahlungsverhältnisse und die Windverfrachtung vereint. Im Hochwinter kommt es durch hohe Einstrahlung zur Setzung des Schnees und damit zur Stabilisierung der Sonnenhänge. Im Gegensatz dazu birgt der Nordhang eine länger anhaltende Lawinengefahr, wobei an dieser Stelle wieder sich anreichernder Oberflächenreif eine Rolle spielt. Dieser wird bei erneutem Schneefall zu Tiefenreif, was zu Instabilität führen kann. Außerdem steigt das Gefahrenpotenzial durch die Windwirkung, welche die jeweiligen Leelagen schneereicher werden lässt (IGR:1999:12/Lieb:2001:23).

Die Hangneigung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da die Lawine als ein gravitatives Phänomen in flachen Gebieten gar nicht entstehen kann. Als sicher gelten Hänge mit einer Neigung von unter 20°, wobei es bereits vorkam, dass eine Lawine bei 14° Hangneigung ihr Abbruchgebiet hatte. Die große Gefahrenzone liegt zwischen 25° und 50° Hangneigung und ungefähr 30 cm Neuschnee. An Steilhängen mit einer Hangneigung von mehr als 55° nimmt die Lawinengefahr wieder ab, da hier nur wenig Schnee akkumuliert werden kann. Wichtig ist, dass diese Einteilung nur für das Abbruchgebiet einer Lawinen gilt und nicht für die Sturzbahn oder die Ablagerungsbereiche. Natürlich sind die Bereiche, in der sich die Lawine akkumuliert und zum Stillstand kommt, sehr flach ausgeprägt (Flaig:1955:80/Lieb:2001:23/Mackowiak:1997:101/Wilson:2004:27-29).

Die Geländeform stellt einen stabilen Faktor zu den sonst so variablen Größen der Lawinenentstehung dar. Eine genaue Differenzierung zwischen Formen mit Gefahrenpotenzial und Formen ohne ein solches sind kaum möglich. Als grobe Einteilung könnten Hohlformen, glatte Flanken, Rinnen und Gräben als lawinengefährdete Gebiete genannt werden. Dagegen könnten gestufte Hänge, Rücken, Terrassen und überhaupt ausgeprägte Vollformen als lawinensicher gelten. Die Bodenrauigkeit spielt nur solange eine Rolle, bis die Oberfläche vollständig mit Schnee bedeckt ist. Ein weiterer Punkt ist die sogenannte Reliefenergie. Beim Abgang einer Lawine an einem steilen Hang ist es natürlich entscheidend, ob der Hang 10m oder 500m lang ist. Die Länge hat dann Auswirkungen auf die Schadwirkung von Lawinen (BLW:1990:142-146/Lieb:2001:23/Mackowiak:1997:101).

Die Bedeckung des Untergrundes mit Vegetation kann Lawinen sowohl begünstigen als auch verhindern. Ein dichter Wald gilt als stabilisierend, lockere subalpine Bestände dagegen haben kaum Auswirkungen auf die Stabilität eines Hanges. Mehrstufiger, dichter Wald stützt mit seinen Stämmen nicht nur die Schneedecke, sondern verteilt durch sein Kronendach den Schnee relativ gleichmäßig. Hinzu kommt, dass der Wind kaum Schnee verfrachten kann, wodurch keine großen Schneeanhäufungen an Hanglagen entstehen können. Weiterhin rutscht Schnee von den Bäumen und deren Kronendach ab und verfestigt sich mit dem am Boden liegenden Schnee, was ebenfalls zur Stabilität beiträgt. Andere kleinere Vegetationsarten, wie Sträucher und Gebüschformationen, wirken nur so lange stabilisierend, bis sie komplett eingeschneit sind. Grasgesellschaften können je nach Art rau oder glatt ausgeprägt sein. Glatt ausgeprägte Wiesen können den Lawinen als Gleitbahnen dienen (Lieb:2001:23).

3.3 Witterung als Faktor

Die Temperatur kann sich auf die Entstehung von Lawinen auswirken. So kann es bei sehr niedrigen Temperaturen zur aufbauenden Metamorphose kommen, wodurch Schwimmschnee entsteht. Im Gegensatz dazu kommt es bei mäßig tiefen Temperaturen um den Gefrierpunkt zu abnehmender Metamorphose, wodurch Zustände, wie eine hohe Lawinengefahr, über den ganzen Winter konserviert werden können.

Ein weiterer Faktor ist die Strahlung, welche vor allem auf die Metamorphose des Schnees Einfluss hat. Hierbei wirkt sie in sonnenseitiger Lage als Schmelzfaktor, in schattenseitiger Lage unterstützt sie die Metamorphose. Weiterhin ist zumeist im Frühjahr eine Tagesperiodizität der Lawinenabgänge zu beobachten. Nachts hingegen werden durch die Abkühlung Gefrierprozesse hervorgerufen, welche die Schneedecke stabilisieren (BLW:1989:172-174/Flaig:1955:73-75/Lieb:2001:22-23).

4 Lawinenklassifikation

Der Umfang einer Lawine ist in der Größe variabel. Besonders im skitouristischen Bereich wird von einer kleinen Lawine gesprochen, wenn das Schneefeld nicht größer als 20m bis 30m ist und die Mächtigkeit unter einem Dezimeter liegt. Doch selbst eine Lawine von so einer Größe kann zur tödlichen Gefahr werden. Sie kann in den unterschiedlichsten Erscheinungen auftreten. Die folgende Einteilung orientiert sich am natürlichen Ablauf eines Lawinensturzes. Demnach wird die Lawine in drei Teile untergliedert. Der Anbruch im Einzugsgebiet der Lawine, auch Anrissgebiet genannt, bildet den oberen Teil der Lawine. Danach folgt die oft langgezogene Sturzbahn, auf welcher sich die Lawine abwärts bewegt. Den Abschluss bildet das Ablagerungsgebiet, auch Lawinenkegel genannt, welcher sich durch seine meist kegel- oder fächerförmige Akkumulation des Lawinenschnees auszeichnet. Auf der folgenden Abbildung ist noch einmal die Lage und Form der einzelnen Teilbereiche einer Lawine veranschaulicht (Fischer:1999:41-42/Flaig:1955:78).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Lawinen. Entstehung, Klassifikation und Schutz
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V197334
ISBN (eBook)
9783668715745
ISBN (Buch)
9783668715752
Dateigröße
1224 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lawinen, Lawinenentstehung, Lawinenklassifikation, Sturzbahn, Lawinenforschung, Lawinenschutz, Alpen
Arbeit zitieren
Erik Schrenner (Autor), 2010, Lawinen. Entstehung, Klassifikation und Schutz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197334

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