Über die ganze Welt verteilt gehen jährlich rund eine halbe Millionen Lawinen zu Tale. Dabei treten sie überall dort auf, wo sich schneebedeckte Gebirge befinden. Eine Gefahr stellen sie aber nur in besiedelten und touristisch genutzten Berggebieten dar. Lawinen fordern jährlich durchschnittlich 200 Menschenleben, wobei die Hälfte davon im Alpenraum verunglückt. Dabei sterben im Durchschnitt 26 Menschen in der Schweiz. Ein katastrophaler Lawinenabgang ereignete sich im Winter 1999 in Galtür, bei welchem 31 Menschen durch eine Schneebrettlawine ums Leben kamen. Aber Lawinen fordern nicht nur Leben, sondern sind auch für die Zerstörung von Siedlungsräumen, Infrastruktur und ganzer Wälder verantwortlich. War früher häufig die Bergbevölkerung durch Lawinen gefährdet, so stehen heute eher Touristen – Alpinisten, Skifahrer und Wanderer im Fokus. Der Grund dafür liegt in der touristischen Erschließung der gesamten Bergregionen. So haben diese ihre Priorität auf den Lawinenschutz gelegt. Neben der fachgerechten Verbauung gefährdeter Gebiete ist eine ständige Vorhersage der Lawinensituation von großer Bedeutung. Ein erhebliches Problem stellt die mangelnde Beurteilungskraft von Touristen für lawinengefährdete Gebiete dar.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Lawinen. Dabei soll in einem ersten Schritt der Begriff der Lawine definiert und eingegrenzt werden. Anschließend werden die verschiedenen Faktoren aufgeführt die im Zusammenspiel wirken, aber auch alleine das Ereignis eines Lawinenabgangs hervorrufen können. Im weiteren Verlauf sollen die einzelnen Lawinenarten anhand des natürlichen Ablaufes einer Lawine angesprochen, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede erläutert werden. Darauf folgt ein kleiner Exkurs zum Verlauf und der Entwicklung der Lawinenforschung mit einem besonderen Augenmerk auf die Schweiz. Den Abschluss der Arbeit soll eine Auflistung mit Erläuterungen von Lawinenschutzmaßnahmen bilden, um einen kompletten Überblick über das Thema Lawine bekommen zu können
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition der Lawinen
3 Lawinenentstehung
3.1 Schnee als Faktor
3.2 Gelände als Faktor
3.3 Witterung als Faktor
4 Lawinenklassifikation
4.1 Das Abbruchgebiet
4.1.1 Die Form des Anrisses
4.1.2 Die Lage der Gleitfläche
4.1.3 Die Feuchtigkeit des abgleitenden Materials
4.1.4 Die Art des Materials
4.2 Die Sturzbahn
4.2.1 Die Form der Sturzbahn
4.2.2 Die Form der Bewegung
4.2.3 Die Länge der Lawinenbahn
4.2.4 Die Art des Schadens
4.3 Das Ablagerungsgebiet
5 Lawinenforschung
6 Lawinenschutz
6.1 Permanenter Lawinenschutz
6.1.1 Technische Maßnahmen
6.1.2 Forstliche Maßnahmen
6.1.3 Raumplanerische Maßnahmen
6.2 Temporärer Lawinenschutz
6.2.1 Warnungen
6.2.2 Künstliche Lawinenauslösung
6.2.3 Sperrungen und Evakuierungen
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen fundierten Einblick in das Naturphänomen der Lawinen, analysiert deren Entstehungsbedingungen und klassifiziert verschiedene Lawinentypen. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Mechanismen von Lawinenabgängen zu vermitteln und die Bedeutung präventiver Schutzmaßnahmen in touristisch erschlossenen Gebieten aufzuzeigen.
- Faktoren der Lawinenentstehung (Schnee, Gelände, Witterung)
- Methodische Klassifikation nach Abbruchgebiet, Sturzbahn und Ablagerung
- Geschichte und Entwicklung der Lawinenforschung mit Fokus auf die Schweiz
- Permanente und temporäre Lawinenschutzkonzepte
- Herausforderungen im Risikomanagement für Tourismus und Bevölkerung
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Die Form des Anrisses
Die häufigste Differenzierung erfolgt nach der Form des Anrisses. Zeichnet sich dieser punktförmig ab, so wird dies als Lockerschneelawine klassifiziert. Ursache für einen Abgang ist bei dieser Lawinenart oft ein Anstoß von außen, der ein einzelnes Schneeteilchen in Bewegung versetzt. Ist dieses erst einmal in Bewegung, stößt es hangabwärts andere Schneeteilchen an. Dieser Vorgang setzt sich dann fort und nimmt im Laufe seiner Bewegung an Tiefe und Breite zu.
Kommt es zu einem linienförmigen Anriss, so kann, durch gleichzeitiges Abgleiten eines kompakten und flächigen Schneepaketes, eine Schneebrettlawine entstehen. Dabei kennzeichnet sich der Anriss häufig durch eine senkrecht zum Hang verlaufende Anrissstirn. „Der Initialbruch beginnt meist in einer kleinen Fläche oder an einem Punkt, wo die auftretenden Kräfte die Schneefestigkeit erreichen bzw. übersteigen[…]“(Lieb:2001:24). Danach ist eine seitlich Ausweitung charakteristisch. Schichtgrenzen oder entstandene Schwächezonen, wie Schwimmschnee, können als natürliche Gleitflächen fungieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung thematisiert die globale Gefahr durch Lawinen, besonders für den Bergtourismus, und skizziert den Aufbau der Hausarbeit.
2 Definition der Lawinen: Dieser Abschnitt definiert Lawinen als schnelle Abwärtsbewegung von Schneemassen ab einer Distanz von 50 Metern und erläutert verschiedene Sichtweisen auf den Begriff.
3 Lawinenentstehung: Hier werden die drei Hauptfaktoren – Schnee, Gelände und Witterung – als wechselseitiges Gefüge beschrieben, das für einen Lawinenabgang entscheidend ist.
4 Lawinenklassifikation: Dieses Kapitel unterteilt Lawinen systematisch anhand ihres natürlichen Ablaufs in Anbruchgebiet, Sturzbahn und Ablagerungsgebiet sowie deren spezifische Merkmale.
5 Lawinenforschung: Die Entwicklung der Lawinenforschung als wissenschaftliche Disziplin, insbesondere in der Schweiz, und die Rolle der SLF in Davos werden beleuchtet.
6 Lawinenschutz: Das Kapitel differenziert zwischen permanenten Schutzbauten sowie forstlichen Maßnahmen und temporären Schutzstrategien wie Lawinenauslösung und Warnberichten.
7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Lawinenschutz trotz moderner Technik lebenswichtig bleibt und persönliches, regelkonformes Verhalten das Restrisiko minimiert.
Schlüsselwörter
Lawinen, Schneedecke, Lawinenschutz, Lawinenentstehung, Schneebrettlawine, Lockerschneelawine, Staublawine, Fließlawine, Lawinenforschung, Gefahrenzonenplan, Lawinenlagebericht, Lawinenauslösung, Alpinismus, Gebirgskunde, Naturphänomen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Naturphänomen der Lawinen, ihre Entstehung, Klassifizierung und die Möglichkeiten des Schutzes für den Menschen im Gebirge.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die physikalischen Entstehungsbedingungen, die systematische Unterteilung der Lawinentypen und die verschiedenen Schutzmaßnahmen gegen Lawinenabgänge.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen fundierten Überblick über das Lawinengeschehen zu geben und die Bedeutung moderner Lawinenschutzmaßnahmen für die Sicherheit in Bergregionen zu unterstreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung bestehender wissenschaftlicher Konzepte sowie institutioneller Daten zur Lawinenkunde.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsfaktoren, die detaillierte Klassifikation der Lawinen sowie die Einteilung des Lawinenschutzes in permanente und temporäre Kategorien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Lawinenentstehung, Schutzmaßnahmen, Lawinenklassifikation, Schneedeckenstabilität und Risikomanagement.
Warum spielt das Gelände eine so entscheidende Rolle bei der Lawinenbildung?
Das Gelände beeinflusst durch Faktoren wie Exposition, Hangneigung und die Bodenbeschaffenheit die Stabilität der Schneedecke und kann als Auslöser oder Bremse für Lawinen fungieren.
Was unterscheidet eine Staublawine von einer Fließlawine?
Während die Fließlawine eher aus nassem Schnee besteht und große Zerstörungskraft am Boden hat, zeichnet sich die Staublawine durch ein Luft-Schnee-Gemisch aus, das durch extremen Luftdruck wirkt.
- Citation du texte
- Erik Schrenner (Auteur), 2010, Lawinen. Entstehung, Klassifikation und Schutz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197334