Viele Kinder kennen sie, die Geschichten von „Pippi Langstrumpf“, „Karlsson vom Dach“, „Emil und die Detektive“, „die Spürnasen“ u.v.a. Geschrieben von Kinderbuchautoren wie ASTRID LINDGREN, ERICH KÄSTNER und ENID BLYTON, um nur einige zu nennen. Ebenfalls zu den erfolgreichsten und bekanntesten Kinderbüchern gehört neben den Märchen der GEBRÜDER GRIMM auch heute noch der „Struwwelpeter“, 1844 von DR. HEINRICH HOFFMANN geschrieben und veröffentlicht.
Betrachtet man die sogenannte Kinderliteratur genauer, versucht (fast) jedes Buch für sich einen Erziehungsauftrag zu erfüllen und den Kindern zu vermitteln, was gut und richtig ist. Vor allem im „Struwwelpeter“ kommt dies unmittelbar zur Geltung.
Jedoch wird der „Struwwelpeter“ auch scharf kritisiert. Es gibt einen Teil der Erziehungswissenschaftler, der begeistert ist von der Moral, die im „Struwwelpeter“ vermittelt wird und der gleichfalls die Belehrungen dieses Buches als wichtig erachtet, um ein angemessenes Verhalten bei Kindern zu erzielen. Der andere Teil der Pädagogen lehnt das Buch wegen seiner angsteinflößenden Strafen und den ebenso erschreckenden Folgen der kindlichen Tat ab.
Im Weiteren sollen einige der Struwwelpetergeschichten auf ihre
Erwartungen bezüglich des kindlichen Verhaltens untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Kinderbücher und das Für und Wieder des „Struwwelpeters“
1.2 Aufbau und Gestaltung des „Struwwelpeter“ – Bilderbuches
2. Hauptteil
2.1 Die Geschichte vom bösen Friederich
2.2 Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug
2.3 Die Geschichte von den schwarzen Buben
2.4 Die Geschichte vom Daumen- Lutscher
2.5 Die Geschichte vom Suppen- Kasper
2.6 Die Geschichte vom Zappel- Philipp
2.7 Die Geschichte vom Hans Guck- in- die- Luft
2.8 Die Geschichte vom fliegenden Robert
3. Schluss
3.1 Erziehung und Verhaltenserwartungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die im klassischen Kinderbuch „Struwwelpeter“ von Dr. Heinrich Hoffmann vermittelten Verhaltenserwartungen an Kinder. Ziel der Analyse ist es aufzuzeigen, wie durch die pädagogischen Motive der Sammlung – oft basierend auf der Androhung drakonischer Strafen bei Regelverstößen – Vorstellungen von Gehorsam, Disziplin und gesellschaftlicher Normierung konstituiert werden, die auch in der heutigen Erziehungspraxis noch Relevanz besitzen.
- Historische Einordnung des Struwwelpeters als Erziehungsmedium
- Analyse der Text-Bild-Kombination als kindgerechtes Vermittlungsmittel
- Untersuchung von ausgewählten Einzelgeschichten hinsichtlich moralischer Erziehungsziele
- Vergleich zwischen den expliziten Regelverstößen und den resultierenden Konsequenzen
- Diskussion über die Bedeutung von Disziplin und Normerfüllung in der Kindheitserziehung
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Geschichte vom Daumen- Lutscher
Konrad wird von seiner Mutter ermahnt, nicht am Daumen zu lutschen während sie weg ist, da sonst der Schneider kommt und ihn abschneidet. Sobald die Mutter das Haus verlassen hat, widersetzt sich Konrad dem mütterlichen Verbot und steckt den Daumen in den Mund. Die angedrohte Strafe folgt sogleich. Der Schneider kommt herein und schneidet Konrad beide Daumen ab.
Mit dem bloßen Verbot, nicht am Daumen zu lutschen, können Kinder nichts anfangen. Ihnen fehlt die Begründung, denn sie schaden mit ihrem Handeln niemandem. Hier geht es vielmehr darum, dass die Kinder ein Verhalten erlernen sollen, dass von den Erwachsenen akzeptiert wird. Dazu gehört, wie es die Mutter in dieser Geschichte sagt, dass man „ordentlich und fromm“ ist. Das Daumenlutschen wird verachtet, da es kein bürgerlich anerkanntes anständiges Verhalten ist. Die Bestrafung, das Daumenabschneiden, wird von HOFFMANN mit Hilfe von Lautmalerei („klipp und klapp“) und schmerzimplizierenden Sätzen („Weh! jetzt geht es klipp und klapp /.../ Hei! da schreit der Konrad sehr.“) gestaltet. Das Kind soll abgeschreckt werden. Ihm wird gezeigt, dass es wahrlich unangenehme und schmerzhafte Folgen haben kann, widersetzt man sich den Verboten von Autoritäten.
Als aufmerksamer Pädagoge könnte man bei Konrad in dem Verhalten des Daumenlutschens eine Ersatzbefriedigung oder Frustrationsbekämpfung erkennen. Der Junge ist traurig, fühlt sich vernachlässigt, weil er allein gelassen wird und aus Frust lutscht er am Daumen. Hierauf wird in der Geschichte jedoch keine Rücksicht genommen. Konrad hat gegen ein Verbot verstoßen und wird dafür bestraft. Der Grund seines Fehlverhaltens bleibt unberücksichtigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die literarische Bedeutung des Struwwelpeters und diskutiert die kontroversen pädagogischen Sichtweisen auf die im Buch dargestellten Erziehungsziele und Strafmaßnahmen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert acht ausgewählte Geschichten des Struwwelpeters im Hinblick auf die vermittelten Verhaltensnormen und die Rolle von Autorität, Bestrafung und kindlicher Vernunft.
3. Schluss: Im Schlussteil werden die Erkenntnisse zusammengefasst, wobei das Prinzip der „wenn-dann“-Erziehung im Kontext heutiger pädagogischer Herausforderungen kritisch reflektiert wird.
Schlüsselwörter
Struwwelpeter, Heinrich Hoffmann, Erziehung, Verhaltenserwartungen, Kinderliteratur, Disziplin, Moral, Normen, Bestrafung, Autorität, Kindheitsgeschichte, Sozialisation, Pädagogik, Regelkonformität, Verhaltensregulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Verhaltenserwartungen, die durch das Bilderbuch „Struwwelpeter“ an Kinder vermittelt werden, und untersucht, wie diese Geschichten als Erziehungsmittel fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Erziehungsauftrag in der Kinderliteratur, die moralische Ausrichtung des Werkes, die Bedeutung von Gehorsam sowie der Einfluss von Bestrafungsszenarien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzudecken, welche Verhaltensweisen das Werk als „artig“ definiert und wie Verstöße durch drastische Konsequenzen diszipliniert werden sollen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine analytische Herangehensweise, bei der ausgewählte Geschichten unter pädagogischen und literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden acht spezifische Geschichten des Buches analysiert, darunter der „Suppen-Kasper“, der „Zappel-Philipp“ und der „Daumen-Lutscher“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialisation, Normierung, Erziehungsziel, Autorität, kindliche Disposition und bürgerliche Moral.
Warum spielt die Autorin das Szenario des Daumenlutschens als Frustrationsbewältigung durch?
Die Autorin hebt hervor, dass heutige Pädagogen das Verhalten des Kindes als Ausdruck von Vernachlässigung oder Frust deuten würden, während das Buch rein sanktionierend reagiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Eltern in den Geschichten?
Die Arbeit kritisiert, dass in vielen Geschichten – etwa beim Suppen-Kasper – die Bedürfnisse der Kinder vernachlässigt werden und die Eltern primär als Instanzen zur Durchsetzung von Normen auftreten.
- Quote paper
- Christine Schub (Author), 2004, Verhaltenserwartungen im "Struwwelpeter", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197390