Der kategorische Imperativ in Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten"

3. Wichtige Begriffe zum Verständnis des kategorischen Imperativs
3.1. Hypothetischer und kategorischer Imperativ

4. Der kategorische Imperativ
4.1. Voraussetzungen für die Möglichkeit des kategorischen Imperativs
4.2. Die "Grundformel" des kategorischen Imperativs
4.3. Die zweite Version des kategorischen Imperativs
4.4. Die dritte Formulierung des kategorischen Imperativs
4.5. Die vierte Formulierung des kategorischen Imperativs
4.6. Die fünfte Version des kategorischen Imperativs

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Immanuel Kant (1724 bis 1804) war einer der größten Denker des Abendlandes und hat wie kaum ein anderer die Neuzeit geprägt. Er kam aus der rationalistischen Schulphilosophie seiner Zeit (Leibniz, Wolff), wurde aber durch den Empirismus Humes aus dem "dogmatischen Schlummer" geweckt. (vgl. Coreth, 1994: 22)

Kant zählte zu den führenden Köpfen der europäischen Aufklärung und legte die Grundlage für die große Entwicklung bis zu Hegel. (vgl. Wundt, 1992: 15) Er machte in der Geschichte der Philosophie Epoche, weil er die Frage stellte, wie Metaphysik möglich ist. Diese Frage legte den fragwürdigen Wahrheitsanspruch der bisherigen Philosophie bloß, leitete das sogenannte kritische Zeitalter der Philosophie ein und bestimmte den Problemzustand philosophischen Nachdenkens bis heute. Kants Diagnose bezüglich dieser Frage war, dass Metaphysik nicht möglich ist, eben weil sie Metaphysik sein will. Das bedeutet, dass sie ein Wissen beansprucht, das doch jenseits unserer faktischen Erkenntnismöglichkeiten liegt. Kant wandte sich mit dieser Feststellung jedoch nicht gegen eine Metaphysik, sondern wollte vielmehr ihr Scheitern erklären und ihrem Unternehmen neue Grundlagen verschaffen. (vgl. Grondin, 1994: 7ff) Denn nach Kants Auffassung können die Prinzipien der Moral nicht auf empirischem Wege eruiert werden. (vgl. Freudiger, 1993: 80)

Dies ist auch der Grund warum Kants Lehre vom kategorischen Imperativ mit seinem humanistischen, gesinnungsethischen Universalismusgebot zu einem der wichtigsten Meilensteine der Ethik geworden ist. (vgl. Grondin, 1994: 160)

In dieser Arbeit möchte ich auf Kants ,,kategorischen Imperativ", den er in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" entwickelt, eingehen.

Dazu werde ich von der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" ausgehen, danach Begriffe, die für das Verständnis des kategorischen Imperatives wichtig sind klären, um anschließend zum kategorischen Imperativ selbst zu kommen.

Soweit Zitate aus Kants Schrift "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" verwendet werden, wende ich mich an die Ausgabe vom Felix Meiner Verlag in Leipzig, die von Prof. Dr. Karl Vorländer herausgegeben wurde. Des weiteren werde ich diese Schrift mit "GMS" abkürzen.

Bei dem Zitat aus der "Kritik der praktischen Vernunft", die ich mit "KpV" abkürzen werde, beziehe ich mich auf die Originalpagnierung der Akademieausgabe.

2. Die "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten"

Die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785) gehört neben den drei Kritiken zu den wichtigsten Schriften Kants. Sie zeigt, auf was für eine Metaphysik Kant mit seinem kritischen Werk hinauswollte. (vgl. Grondin, 1994: 160) Er versucht den Grund, auf dem eine kritische Metaphysik der Sitten aufgebaut werden kann, freizulegen: als den Grund einer notwendigen Verknüpfung von Gesetz und Wille. (vgl. Wenzel, 1992: 130)

Die GMS zerfällt in drei Abschnitte: der erste führt von der gewöhnlichen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen, der zweite von da zur Metaphysik der Sitten, der dritte von dieser zur Kritik der praktischen Vernunft.

In der Vorrede zur GMS hält Kant fest, dass eine Kritik zur Verfügung stehen muss, die für die Metaphysischen Anfangsgründe der Rechts- beziehungsweise Tugendlehre die Basis liefert und das eine Kritik der reinen praktischen Vernunft die einzige wirkliche Grundlegung zur Metaphysik der Sitten wäre. Nun stellt sich die Frage, warum uns Kant stattdessen die GMS liefert. Er gibt die Antwort auf diese Frage in der Vorrede zur Grundlegung gleich selbst. Und zwar hält er dort explizit fest, dass die GMS nur deshalb nicht "Kritik der reinen praktischen Vernunft" heißt, weil sie nur einen Teil dessen leistet, was letztere seiner Auffassung nach leisten sollte. Der Konzeption nach ist also die Grundlegung nichts anderes als eine Kurzversion der Kritik der praktischen Vernunft. (vgl. Freudiger, 1993: 22ff) Des weiteren hält Freudiger fest, dass die GMS als Ersatz für eine Kritik der reinen praktischen Vernunft selbst nicht zur Metaphysik der Sitten gehört, und mit Fragen nach moralisch richtigem Handeln in konkreten Situationen direkt nichts zu tun hat. Sondern, wie schon angedeutet, offensichtlich als Teil des kritischen Geschäfts konzipiert ist. (ebd.: 14)

Kant wollte die Moral nicht erfinden, er ging vom gegebenen moralischen Befund aus, um das grundlegende rationale, mithin einer Metaphysik fähige Element herauszuheben. (vgl. Grondin, 1994: 112)

3. Wichtige Begriffe zum Verständnis des kategorischen Imperativs

Für das richtige Verständnis des kategorischen Imperativs ist es wichtig vorher folgende Begriffe zu klären: "Der gute Wille", "pflichtgemäße Handlung", "Handlung aus Pflicht", "Maxime" und "hypothetischer Imperativ". Es soll hierbei vor allem der Unterschied zwischen hypothetischen und kategorischen Imperativen beachtet werden.

Um zu bestimmen, was ein guter Wille ist, ist es notwendig zu wissen, was Kant überhaupt unter einem menschlichen Willen versteht. Im Unterschied zum tierischen Willen, der nur nach Naturgesetzen wirken kann, d.h. immer durch eine vorhergehende Ursache bestimmt wird, hat ein vernünftiges Wesen das Vermögen, nach der Vorstellung praktischer Gesetze zu handeln. Das bedeutet, dass der menschliche Wille nicht durch Gesetze bestimmt wird, sondern das er die Möglichkeit zur Selbstbestimmung hat. (vgl. Müller, 1996: 29) "Der Wille wird also nicht lediglich dem Gesetze unterworfen, sondern so unterworfen, daß er auch als selbstgesetzgebend und eben um deswillen allererst dem Gesetze (davon er selbst sich als Urheber betrachten kann) unterworfen angesehen werden muß." (GMS 56)

Die 'Grundlegung zur Metaphysik der Sitten' beginnt mit dem Satz: "Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille" (GMS 10).

Nach dieser wichtigen Feststellung Kants ist nichts gut außer dem guten Willen. Dieser ist aber nur insofern gut, wenn sein Wollen an sich gut ist. Das bedeutet, dass Kant den guten Willen nicht daran misst, ob dieser irgendeinen Zweck erreicht. Für ihn ist lediglich die Gesinnung des Handelnden wichtig. Ohne Einschränkung gut heißt dabei unbedingt oder absolut gut. Um guter Wille zu sein, muss demnach der menschliche Wille Bedingung seiner selbst sein. (vgl. Müller, 1996: 28) "Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet, nicht durch seine Tauglichkeit zur Erreichung irgend eines vorgesetzten Zweckes, sondern allein durch das Wollen, d.i. an sich gut [...]". (GMS 11)

Die Bedingung des guten Willens ist die Form der Gesetzlichkeit, die selbst unbedingt, weil selbstgegeben ist. (vgl. Müller, 1996: 30)

Nachdem Kant den Begriff des guten Willens eingeführt und erläutert hat, verknüpft er ihn mit dem Begriff der Pflicht. (vgl. Freudiger, 1993: 47) Zunächst behauptet Kant, dass der Begriff der Pflicht denjenigen eines guten Willens- wenn auch unter gewissen Einschränkungen- enthalte. (vgl. GMS 13) Bevor ich zu diesen gewissen Einschränkungen komme, ist es, um Widersprüche zu vermeiden an dieser Stelle wichtig festzuhalten, dass Kants Formulierung eindeutig besagt, dass es der Begriff der Pflicht ist, der den eines guten Willens enthält, und nicht umgekehrt. Worin bestehen nun diese Einschränkungen bzw. Bedingungen unter denen der Begriff der Pflicht denjenigen eines guten Willens enthält? Kant führt anhand von Beispielen eine Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Motivationen von Handlungen ein: sie können aus Pflicht erfolgen oder sie können aus Neigung erfolgen. Der gute Wille ist dann gut, wenn er allein durch die Pflicht bestimmt wird. Kant unterscheidet zwischen pflichtgemäßen Handlungen und Handlungen aus Pflicht. Eine pflichtgemäße Handlung liegt dann vor, wenn die Handlung aus einer Neigung heraus entstanden ist und per Zufall mit dem übereinstimmt, was Pflicht ist. Diese Handlung ist laut Kant nicht als moralisch sondern nur als legal anzusehen, da sie durchaus auf Neigungen oder Zwecke ausgerichtet sind. Über den moralischen Wert einer Handlung entscheidet also die subjektive Motivation. (vgl. Freudiger, 1993: 73f) Wenn ein Händler ehrlich ist, muss dies noch lange nicht bedeuten, dass er aus Pflicht handelt, er kann beispielsweise nur um den Ruf seines Geschäfts besorgt sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der kategorische Imperativ in Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar: "Das Böse"
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V19742
ISBN (eBook)
9783638237925
ISBN (Buch)
9783656209409
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Alle wichtigen Begriffe, die für das Verständnis des kategorischen Imperatives wichtig sind, sowie die fünf Formulierungen des Selbigen werden in dieser Hauptseminararbeit leicht verständlich dargestellt.
Schlagworte
Imperativ, Kants, Grundlegung, Metaphysik, Sitten, Hauptseminar, Böse
Arbeit zitieren
M.A. Petra Kunzendorf (Autor), 2001, Der kategorische Imperativ in Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19742

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