„An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“
Dieses Zitat des deutschen Schriftstellers Erich Kästner veranschaulicht die Tatsache, dass die Existenz eines unliebsamen Machtverhältnisses stets von zwei Seiten zu betrachten sei. Zum einen seitens der Machthaber und zum anderen seitens jener Menschen, die Ungerechtigkeiten und Elend eines Machtverhältnisses nicht verändern oder verhindern. Überträgt man diese Gedanken auf die Geschehnisse im Dritten Reich unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Herrschaftsgewalt, wird deutlich, dass hier zum einen ein diktatorisches Machtverhältnis bestand und es auf der anderen Seite einige Menschen, wenn nicht sogar die breite Masse der Bevölkerung, gab, welche sich gegen ein solches Regime nicht zu wehr setzten oder zu setzten wusste.
Dass diese Tatsache mitunter in einer planvollen und manipulativen Politik begründet liegt, soll in diesem Kontext außen vor gelassen werden. Viel mehr geht es in der hier vorliegenden Arbeit um jene Gruppierungen und Individuen, die sich in irgendeiner Form gegen die Tätigkeiten der Nationalsozialisten zur Wehr setzten, sich ihrem Einfluss entziehen wollten und demnach ganz im Sinne des Kästnerischen Zitates gehandelt haben. Hierbei stellen sich jedoch die Fragen, was genau die Beweggründe für ein mögliches Widerstandsverhalten dieser Gruppierungen gewesen sein könnten und wie die widerständischen Aktivitäten in Erscheinung traten. Am Beispiel der Weißen Rose soll nun eine Widerstandsgruppe vorgestellt werden, die sich vom Nationalsozialismus bedroht fühlte und sich gegen ihn zur Wehr setzte. Im Kontext dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob Beweggründe für diese Widerstandstätigkeit identifizierbar sind und wenn dies der Fall ist, welche Gründe den Anlass zum Widerstand gegeben haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Widerstand
2.1 Begriffserklärung
2.2 Ziel
3. Widerstandsbewegungen
4. Die Weiße Rose
4.1 Die Geschwister Hans uns Sophie Scholl
4.2 Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst
4.3 Wie gestaltete sich der Widerstand der Weißen Rose?
4.4 Bedingungsloser Widerstand?
4.4.1 Judenfrage
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose" im Nationalsozialismus und geht der Forschungsfrage nach, welche Faktoren die Mitglieder zu ihrem Widerstand gegen das NS-Regime motivierten und wie sich dieser in ihren Aktivitäten äußerte.
- Biographische Analyse der zentralen Mitglieder (Geschwister Scholl, Schmorell, Graf, Probst)
- Entwicklungsprozesse und ideologische Distanzierung vom Nationalsozialismus
- Die Rolle der Flugblätter als Instrument des Widerstands
- Positionierung der Gruppe zur Judenfrage
- Vergleich der unterschiedlichen Widerstandsmotivationen
Auszug aus dem Buch
4.3 Wie gestaltet sich der Widerstand der Weißen Rose?
Die Widerstandstätigkeiten der Weißen Rose sind einige der wenigen deutschen Proteste gegen das Nationalsozialistische Regime, welche bereits vor Kriegsende bis in das europäische Ausland herausdrangen (vgl. Jahnke 1969, S. 12).
Nun stellt sich jedoch die Frage, wie genau sich der Widerstand der Weißen Rose äußerte und vor allem was die Beweggründe für solche Aktivitäten waren.
Im Juli 1942 verfassten Hans Scholl und Alexander Schmorell vier Flugblätter und verbreiteten sie hundertfach, indem sie diese in anonymen Briefen an Universitätsprofessoren, Persönlichkeiten von hohem öffentlichem Interesse aber auch Gastwirte versendeten (vgl. Jahnke 1969, S. 15). Ihr Ziel war es, dass diese Flugblätter durch alle Gesellschaftsschichten weitergegeben werden und dass über den politisch-kritischen anti-nationalsozialistischen Inhalt debattiert würde (vgl. Jahnke 1969, S. 15).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Widerstands im Nationalsozialismus ein und erläutert die Fragestellung nach den Beweggründen am Beispiel der Weißen Rose.
2. Widerstand: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen von Widerstand im NS-Staat sowie die ideologischen Ziele von Widerstandsbewegungen dargelegt.
3. Widerstandsbewegungen: Das Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene oppositionelle Gruppierungen im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkriegs.
4. Die Weiße Rose: Dieser Hauptteil analysiert biographische Hintergründe, die Form des Widerstands durch Flugblätter und die Auseinandersetzung mit der Judenfrage.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass der Widerstand der Weißen Rose primär als Entwicklungsprozess zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Widerstand, Weiße Rose, Nationalsozialismus, Flugblätter, Hans Scholl, Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst, NS-Regime, Opposition, Beweggründe, Jugendorganisationen, Zweiter Weltkrieg, Judenfrage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Aktivitäten und den Beweggründen der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gegen das nationalsozialistische Regime.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die biographische Entwicklung der Gruppenmitglieder, die Flugblattaktionen als Protestform und die kritische Auseinandersetzung mit der NS-Ideologie.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, welche Beweggründe für die Widerstandstätigkeit der Gruppe identifizierbar sind und was der konkrete Anlass für diesen Widerstand war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer biographischen Untersuchung der Mitglieder der Weißen Rose unter Einbezug historischer Dokumente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Biographien der Akteure, analysiert die Entstehungsgeschichte der Flugblätter und diskutiert die Haltung der Mitglieder zur Judenfrage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Widerstand, Weiße Rose, Nationalsozialismus, Flugblätter, Opposition und die Namen der beteiligten Hauptakteure.
Welche Rolle spielte die Jugendorganisation (HJ/BDM) für die Geschwister Scholl?
Die Geschwister Scholl waren anfangs aktive Mitglieder, fühlten sich von der Gemeinschaft angesprochen, begannen jedoch durch persönliche Erfahrungen und Konflikte, sich allmählich vom Regime zu distanzieren.
Wie bewertet die Arbeit die Haltung der Weißen Rose zur Judenfrage?
Die Arbeit weist darauf hin, dass die Mitglieder das Thema Judenverfolgung in ihren Flugblättern kaum explizit thematisierten, und ordnet dies als zeittypische Einschränkung ihrer Wahrnehmung ein.
- Quote paper
- Julia Timmer (Author), 2012, Widerstand im Nationalsozialismus am Beispiel der Weißen Rose, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197434