Unter den Nationalsozialisten veränderten sich die Bildungs- und Erziehungsziele
maßgeblich. So wurde die Schule immer mehr zum Ort der Ideologievermittlung.
Dadurch wurde die Wissensvermittlung in den Hintergrund gedrängt. Schule und
Familie fungierten im Bereich der Erziehung nur verbal und offiziell gleichrangig mit
der Hitlerjugend.
In Wahrheit galt die Hitlerjugend besonders der Ideologievermittlung an die Deutsche
Jugend.
Die Ideologie sah vor , die jungen „Arier“ zu gehorsamen „Volksgenossen“ zu
erziehen.
Diese Aufgabe wurde dem Elternhaus nicht mehr zugetraut.
Die Bedeutung der Hitlerjugend wurde auch daran deutlich, daß der Hitlerjugend 1,5
Tage die Woche und der Familie nur 1 Tag zugedacht wurde.
Schon die kleinsten wurden bereits im Kindergarten durch gezielte Spiele auf ihre
zukünftige Aufgabe, nämlich die des Soldaten vorbereitet .Die obersten Gebote und
Erziehungsziele des nationalsozialistischen Staates waren die deutsche Jugend zu
bedingungslosem gehorsam zu erziehen .Die Erziehungsmaschinerie wird auch
besonders in dem Zitat 5.2 des Referates deutlich. Im Nationalsozialismus stehen sich zwei Rassen gegenüber .Zum einen die Rasse
des genialen Ariers und zum anderen der ewige Jude. Der Arier wird dabei wie folgt
gekennzeichnet : „ Was wir an menschlicher Kultur , an Ergebnissen von Kunst ,
Wissenschaft und Technik vor uns sehen , ist nahezu ausschließlich schöpferisches
Produkt des Ariers .Gerade aber diese Tatsache läßt den nicht unbegründeten
Rückschluß zu , daß er allein der Begründer höheren Menschentums überhaupt war
, mithin den Urtyp dessen darstellt , was wir unter dem Worte “Mensch“
verstehen“.(Elke Nyssen,1979,S.20 ; zit.: Hitler :“Mein Kampf“ S.317)
Aus diesem Gedanken heraus folgt für Hitler das selbstverständliche Recht als Arier
andere Völker zu unterwerfen und auszubeuten.
Der Jude hingegen wird mit sämtlichen negativen Eigenschaften charakterisiert und
somit zum Volksfeind erklärt.
Der Rassegedanke sollte in den Fächern Deutsch , Geschichte , Erdkunde und
Biologie vermittelt werden . Der Rassegedanke diente als ideologische Vorbereitung
auf die bevorstehende Vernichtung der Juden
Die These der Überlegenheit des Ariers und das somit selbstverständliche Recht
desselben andere Völker zu unterwerfen und zu beherrschen sollte gleichsam auf
den Krieg vorbereiten.( vgl. Elke Nyssen,1979,S.23 )
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die politischen Grundprinzipien der nationalsozialistischen Weltanschauung
2.1. Der nationalsozialistische Rassenbegriff
2.2. Das nationalsozialistische Eliteprinzip
2.3. Das nationalsozialistische Führer – Gefolgschaftsprinzip
2.4. Die nationalsozialistische Volksgemeinschaftsideologie
3. Die Familie im Nationalsozialismus
4. Die Frau im Nationalsozialismus
4.1. Die nationalsozialistische Frauenideologie
4.2. Die Mutter im Nationalsozialismus
4.3. Frauen, Mütter und politische Gesetzgebung im Nationalsozialismus
4.4. Frauen und Mütter in der Arbeitswelt des Nationalsozialismus
5. Das Kind im Dritten Reich
5.1 Die allgemeinen Erziehungsziele im Nationalsozialismus
5.2 Der nationalsozialistische Erziehungsanspruch
5.3 Hitlerjugend
5.4 Organisation der Hitlerjugend
5.5 Aufgabenfelder der Hitlerjugend
5.6 Ideologievermittlung durch die Hitlerjugend
6. Die nationalsozialistische Kindergartenerziehung
6.1. Erziehung –und Lernziele im nationalsozialistischen Kindergarten
6.2. Zur Übernahme evangelischer Kindergärten durch die Nationalsozialisten
7. Die Schule im Nationalsozialismus
8. Industrielle Berufserziehung im Nationalsozialismus
8.1. Die Lehrwerkstätten
8.2. Institutionalisierung der Industriellen Berufsausbildung
8.3. Die Herausbildung des neuen „deutschen Arbeitertyps“
8.4. „Betriebserzieherisches“ denken und handeln
9. Das berufliche Schulwesen im Nationalsozialismus
9.1. Die Errichtung des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung ( RMfWEV)
9.2. Die SA Berufsschulen
9.3. Der Erziehungsauftrag der SA
10. Schlußbemerkung
Zielsetzung und Thematik der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Veränderungen der Bildungs- und Erziehungsziele im Nationalsozialismus. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das nationalsozialistische Regime die Erziehung von Kindern und Jugendlichen instrumentalisiert hat, um diese ideologisch gleichzuschalten, vom Elternhaus zu entfremden und auf die Ziele des Staates, insbesondere den Krieg, vorzubereiten.
- Instrumentalisierung der Erziehung zur Ideologievermittlung.
- Die gezielte Zersetzung des Familienlebens und des elterlichen Einflusses.
- Die Rolle der Hitlerjugend als primäre Erziehungsinstanz.
- Die Gleichschaltung des Kindergarten- und Schulwesens.
- Die Ausrichtung der industriellen Berufserziehung auf rüstungswirtschaftliche Bedürfnisse.
Auszug aus dem Buch
5.1. Die allgemeinen Erziehungsziele im Nationalsozialismus
Das oberste Erziehungsziel im Nationalsozialismus lautet : „Die gesamte Bildungs-und Erziehungsarbeit des völkischen Staates muß ihre Krönung darin finden , daß sie den Rassesinn und das Rassegefühl instinkt- und verstandesmäßig in Herz und Gehirn der ihr anvertrauten Jugend hineinbrennt.“(Elke Nyssen,1979,S.29 ; zit. : Hitler , „Mein Kampf“ , S475f)
Um dieses Ziel zu erreichen , war eine Verlagerung der bisherigen Erziehungsziele notwendig. „Der völkische Staat hat in dieser Erkenntnis seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen , sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper . Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geitigen Fähigkeiten . Hier aber wieder an der Spitze die Entwicklung des Charakters, besonders die Förderung der Willens-und Entschlußkraft , verbunden mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit , und erst als letztes die wissenschaftliche Schulung .“(Elke Nyssen,1979,S.29 ; zit Hitler , „Mein Kampf“ , S.452)
Die körperliche Ertüchtigung des Jungen lief auf die angestrebte Wehrertüchtigung hinaus , während es das Ziel der weiblichen Erziehung war einmal Mutter zu werden . (vgl. Elke Nyssen,1979,S.29)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den grundlegenden Wandel der Bildungs- und Erziehungsziele unter den Nationalsozialisten hin zur Ideologievermittlung.
2. Die politischen Grundprinzipien der nationalsozialistischen Weltanschauung: Erläutert die zentralen Säulen wie Rassenlehre, Eliteprinzip und Volksgemeinschaft.
3. Die Familie im Nationalsozialismus: Analysiert den systematischen Versuch, die Familie als Erziehungseinheit zu schwächen und das Kind an den Staat zu binden.
4. Die Frau im Nationalsozialismus: Beleuchtet die ideologische Reduktion der Frau auf die Mutterrolle und ihre Rolle in Gesellschaft und Arbeitswelt.
5. Das Kind im Dritten Reich: Untersucht die Umerziehung der Kinder und die zentrale Rolle der Hitlerjugend bei der ideologischen Formung.
6. Die nationalsozialistische Kindergartenerziehung: Dokumentiert die Indoktrination der Kleinsten und die Verdrängung konfessioneller Träger.
7. Die Schule im Nationalsozialismus: Beschreibt den Verlust der Wissensvermittlung zugunsten politischer Ideologie in den Schulen.
8. Industrielle Berufserziehung im Nationalsozialismus: Analysiert die Ausrichtung der Ausbildung an rüstungswirtschaftlichen und militärischen Erfordernissen.
9. Das berufliche Schulwesen im Nationalsozialismus: Erörtert die Zentralisierung und ideologische Durchdringung des beruflichen Bildungswesens.
10. Schlußbemerkung: Reflektiert kritisch über die Instrumentalisierung der Erziehung und die Lehren aus dieser Zeit.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Erziehung, Ideologievermittlung, Hitlerjugend, Volksgemeinschaft, Rassenlehre, Schulwesen, Berufserziehung, Indoktrination, Kindergartenerziehung, Gleichschaltung, Wehrerziehung, Familienpolitik, Frauenrolle, Diktatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der pädagogischen Umgestaltung des Bildungs- und Erziehungswesens im Nationalsozialismus und der systematischen Instrumentalisierung von Kindern und Jugendlichen für die Ziele des NS-Regimes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt verschiedene Bereiche ab: die ideologischen Grundlagen, das Familienleben, die spezifischen Rollenbilder von Mann und Frau, die Indoktrination in Schule und Kindergarten sowie die militärisch ausgerichtete Berufserziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Regime durch eine totale Erziehungsmaschinerie versuchte, die Persönlichkeit von Individuen zu brechen, um sie als willenlose Diener des „Führers“ und des Staates zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse zeitgenössischer Dokumente und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur, um die nationalsozialistische Erziehungspraxis zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Institutionen wie die Hitlerjugend, die Rolle von Kindergärten und Schulen sowie die Berufsausbildung, um die Durchdringung aller Lebensbereiche mit NS-Ideologie zu belegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Indoktrination, Gleichschaltung, Rassenideologie, Wehrerziehung und die Zerstörung des elterlichen Erziehungsraums.
Wie wurde die Rolle der evangelischen Kindergärten verändert?
Diese wurden systematisch ausgehungert, durch NSV-Einrichtungen verdrängt und schließlich per Erlass zur Aufgabe ihrer christlichen Erziehung gezwungen, um sie in den nationalsozialistischen Apparat einzugliedern.
Warum galt die Hitlerjugend als wichtigste Erziehungsinstanz neben der Schule?
Sie ermöglichte den totalen Zugriff auf die Freizeit und das Leben der Jugendlichen, wodurch der Einfluss des Elternhauses weitgehend eliminiert und eine absolut gehorsame Generation für die Kriegsziele herangebildet werden konnte.
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- Cordula Schlüter (Author), Elfriede Aubermann (Author), 2002, Erziehung und Bildung im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19743