Parkour im Sportunterricht der Hauptschule. Untersuchugn der Sozialisationsleistung von Risikoanforderungen


Masterarbeit, 2011

97 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Überblick-Sport in der Moderne
2.1.1. Begriffseingrenzung Trendsport - Parkour
2.1.2. Merkmale und Eigenschaften von Trendsport - Parkour
2.1.3. Trendsport - Parkour und Schule
2.2. Sozialisation - Risikobereitschaft und Sport
2.2.1. Sozialisationsverlauf von Kindern im Bereich der Schule
2.2.2. Sozialisation im Sport und seine Sozialisationseffekte
2.2.3. Sozialisation und Risikobereitschaft

3. Planung der Unterrichtsreihe
3.1. Kritische Betrachtung der angestrebten Unterrichtsreihe
3.2. Didaktische Überlegungen im Vorfeld der Unterrichtsplanung
3.3. Planung der einzelnen Unterrichtsstunden
3.3.1. Erste Doppelstunde
3.3.2. Zweite Doppelstunde
3.3.3. Dritte Doppelstunde

4. Ergebnisdarstellung und Ergebnisauswertung
4.1. Begründung der Aussagenkonstellationen der vier Sozialisationseffekte
4.2.Ergebnisdarstellung
4.3.Ergebnisauswertung
4.3.1. Normative Konformität
4.3.2. Ich-Stärke
4.3.3. Ich-Identität
4.3.4. Solidarität
4.3.5. Persönliches Empfinden und Feedback
4.3.6. Zusammenfassung der Ergebnisse

5. Diskussion

I. Literaturverzeichnis

II. Anhang

1. Einleitung

Das gegenwärtige Leben zeigt sich schnelllebig und variationsreich. Auch die Schule bleibt hiervon nicht verschont. Fortan ergeben sich immer neue Herausforderungen, mit denen sich Pädagogen beschäftigen müssen.

Das hat zur Folge, dass auch im Fach Sport viele neue Sportarten entstanden und auch die Schule darf sich diesen Neuerungen nicht verschließen. Viele von diesen Sportdisziplinen sind dem modernen Sport zuzurechnen und werden im Volksmund auch als ‚Trendsportarten’ bezeichnet. Zunächst existierten nur einige wenige Sportarten, wie zum Beispiel Inline- Skaten oder Streetball. Im Laufe der Entwicklung und auf Grund von veränderten Richtlinien (vgl. Doppelauftrag der Schule) kamen jedoch immer mehr neue kreative Sportarten hinzu, so dass auch der heutige Schulsport einige dieser Sportarten in den aktuellen Lehrplan mit aufnehmen sollte (Wastl, 2003, S.4). Neben den traditionellen Sportarten (z. B. Fußball, Schwimmen, Leichtathletik etc.) werden in einigen Schulen heutzutage Disziplinen wie etwa Aerobic, Beachvolleyball, Klettern oder Waveboarden angeboten (Laßleben, 2009, S.57).

Die Trendsportart „ Le Parkour “ (Rennen über Hindernisse - im Folgenden Parkour genannt) ist ebenfalls eine neue Art und Weise der körperlichen Betätigung. Diese Sportaktivität entstand in den späten achtziger Jahren in Frankreich und breitete sich schnell auf der ganzen Welt aus. Unter dem Sportbereich ‚Bewegen an Geräten/Turnen’ wird Parkour in der Schule ausgeübt (Schmidt-Sinns, 2010, S.10). Jedoch muss bei der Durchführung von Trendsportarten (Parkour u. E.) bedacht werden, in welcher Schulform Parkour behandelt werden kann. Die einzelnen Schulformen haben unterschiedliche Richtlinien, Lehrpläne und Fachcurricula, so dass alle Schulzweige einer unterschiedlichen Betrachtung unterliegen.

In der vorliegenden Arbeit wird sich der Parkoursport auf den Bereich der Hauptschule beschränken. Auf Grund der sozialen und ethnischen Besonderheit gilt hierbei eine andere Herangehensweise als etwa im Bereich der Schulformen Gymnasium oder Realschule. An Hauptschulen sind weitaus mehr Kinder aus bildungsschwachen Familien, die Probleme beim Lernen und Auffassen von neuen Lernangeboten haben. Auch ist die Hauptschule häufig ein “Auffangbecken für Risikoschüler“ (in dieser Arbeit sind die männlichen Personenbezeichnungen generisch zu sehen), denen in den jeweiligen Fällen besondere Beachtung geschenkt werden muss (http://www.welt.de/politik/article772149/ Warum_das_dreigliedrige_Schulsystem versagt.html).

Parkour ist eine neue Sportart und wie in anderen Fächern, so gilt es auch hier im Fach Sport, eine gewisse Aktualität in den Unterricht einzubeziehen. Die Sportart ist im globalen Raum schon durchaus ausgereift, im Schulsport allerdings sind noch Erweiterungen bzw. Ausdehnungen möglich (Lange, 2007, S.7). E. Balz formulierte bereits 2001; „ zumindest im Kontext von Schulsport scheint Trendsport jedoch eher die Ausnahme als die Regel zu sein “ (Laßleben, 2009, S.6). Im gleichen Moment aber sprechen sich viele Pädagogen und Bildungsforscher (u. a. Schulz, Schierz, Baumann, Telschow) für eine Modernisierung und Auffrischung des (Sport)Lehrplans aus (Laßleben, 2010, S. 18). Gleichwohl kann durch die schulsportliche Vermittlung von Trendsportarten auch der außerschulische Sport von Kindern und Jugendlichen gefördert werden.

Auf Grund der zwiespältigen Situation des Trendsports im Schulunterricht entstand die Idee, sich intensiver mit der Trendsportart Parkour auf Schulebene zu beschäftigen. Der Sport ist bezogen auf seine Kompetenzvermittlung oft in die Diskussion geraten, da viele Kritiker (vgl. Legitimationskrise von Brodtmann, Balz, Kugelmann und Funke-Wieneke, 1996, S. 6) den Sport als unwichtig und unnütz betitelten. Dem konnte aber durch neue Erkenntnisse (Beckers, Wopp) entgegengewirkt werden. Der heutige, moderne Doppelauftrag im Schulsport zielt neben der Verbesserung von physischen Gegebenheiten der Schülerinnen und Schüler (im Folgenden SuS) auch darauf ab, die sozialen Bezüge, Emotionen, Motive, Kognitionen und Wertvorstellungen zu fördern (Ministerium für Schule, 2004, S.11). Bei vielen Sportarten, die im Unterricht angewendet werden, ist die Aussage nach der ‚Ganzheitlichkeit’ schon erforscht und ausgewertet worden. Im Parkour ist die Forschungslage noch nicht voll ausgereift, so dass ein Interesse darin liegt, mitzuhelfen, die Lücke zwischen Schulsport und Parkour auf Basis einer Unterrichtsreihe zu schließen.

Die Arbeit steht unter einer soziologischen Betrachtungsweise und beschäftigt sich mit dem Bereich Sozialisation und Sport. Drei verschiedene soziale Richtungen (Sozialisation in den Sport, Sozialisation durch den Sport und Sozialisation im Sport) gibt es im Hinblick auf den Sozialisationsprozess. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem letztgenannten Prozess. Die Sozialisationseffekte, die während des Sports prinzipiell auftreten können, sind u. a. die normative Konformit ä t, die Solidarit ä t, die Ich-St ä rke und die Ich-Identit ä t. Unter besonderer Berücksichtigung dieser Sozialisationseffekte wird die Unterrichtsreihe geplant, durchgeführt und reflektiert. Meine These, die in diesem Zusammenhang dargelegt wird, lautet:

Über Risikoanforderungen - durch die Übungen der Unterrichtsreihe Parkour - können die Sozialisationsaufgaben berücksichtigt werden.

Viele Trendsportarten - darunter fällt auch Parkour - sind zunächst einmal in ihrer Ausführung risikobehaftet. Bei der Durchführung einer selbsterstellten Unterrichtsreihe zum Thema Parkour (drei Doppelstunden) in unterschiedlichen Klassenstufen werden verschiedene Risikoanforderungen angesprochen.

Ziel ist es, über den Trendsportbereich Parkour einen Zusammenhang mit dem Phänomen der Risikobereitschaft von SuS im Schulsport herzustellen und gewisse Risikoanforderungen (wagendes, verantwortendes und kooperierendes Bewegungshandeln bei den SuS) mit Hilfe einer praktischen Unterrichtsreihe so darzustellen, dass die oben genannten Sozialisationseffekte Berücksichtigung finden.

Zur allgemeinen Forschungslage ist zu sagen, dass über den ausgeweiteten Bereich des Trendsports viel publiziert wurde (Schwier, J., Lange, H., Sieland, P., Schildmacher, A. u. a.). Im speziellen Fall des Pakour ist eine gehobene Anzahl von Fachliteratur und Internetangeboten vorhanden. Allerdings sind viele dieser Bücher wenig bis gar nicht auf den Schulsport ausgerichtet. Die Literatur, die sich mit Parkour und Schule auseinandersetzt, sind u. a. Werke von Rochhausen, S. Parkoursport im Schulturnen, Schmidt-Sinn, J. Le Parkour & Freerunning oder die Artikel von Linemann, U. Le Parkour im Schulsport und Schulz, A. Unterrichtsvorhaben - Le Parkour.

Ähnliche Forschungen und Arbeiten, die sich auf den Kontext Parkour - Risiko - Sozialisationswirkungen beziehen, wurden bisher noch nicht veröffentlicht. Somit wird diese Arbeit einen Teil dazu beitragen, die Forschungslücke im genannten Kontextbereich zu schließen.

Wie erleben die Schülerinnen und Schüler den Parkour unter Berücksichtigung der Risikobereitschaft? Wie können Unterrichtsstunden aussehen, die gewisse Risikoanforderungen beinhalten? Welche sozialen Wirkungen haben diese Stunden auf die Schülerschaft? Können immer alle Sozialisationseffekte beachtet und berücksichtigt werden? Wie reflektieren die SuS diese Form des Sportunterrichts und entdecken sie selbst einen Wandel im Bereich der Sozialisationseffekte?

In der Arbeit soll an dem bereits vorhandenen Wissen (vgl. S. 3 - Literatur Parkour) angeknüpft werden, jedoch findet in Form der Unterrichtsreihe eine weitere Strukturierung und Erweiterung der Sportart Parkour im Schulsport statt. Vor allem aber ist es ein Ziel durch die Verknüpfung einer Trendsportart und verschiedener soziologischer Effekte, den soziologischen Gehalt in diesem Bereich zu erweitern, um neue Erkenntnisse (auch für die weitere Forschung) zu gewinnen.

Der Ansatz liegt darin, eine Unterrichtsreihe zu konzipieren, die der These obliegt, dass mit Hilfe von Risikoanforderungen Sozialisationseffekte, wie z. B. die normative Konformit ä t, die Ich-St ä rke, Ich-Identit ä t oder die Solidarit ä t, berücksichtigt werden. Dieser Ansatz wurde auf Grund einiger Forschungslücken im Bereich Trendsportarten im Schulsport unter soziologischer Betrachtung ausgesucht. Die Methode ist so gewählt, dass zunächst eine eigene Unterrichtsreihe konzipiert wird. Durch die Sportart Parkour werden in verschiedenen Übungsformen und unter dem Aspekt der Risikoanforderung die oben genannten Sozialisationswirkungen angesprochen. Die Reflexion bezüglich der Wirkungen erfolgt im Anschluss in Form eines selbsterstellten Evaluationsbogens. Die Schüler werden aufgefordert, Aussagen zu beantworten, die sich auf die verschiedenen Übungen und auf die daraus erfolgten Wirkungen beziehen. Die Sportart Parkour ist das Mittel zur Überprüfung dieser Sozialisationseffekte.

Das wesentliche Ziel dieser Arbeit ist es, eine Verknüpfung von Theorie (Parkour) und der Praxis (im Schulsport) zu vollziehen. Das zunächst erworbene Theoriewissen bildet die Grundlage für die spätere Planung, Durchführung und Reflexion der Unterrichtsreihe in der Schule. In diesem praktischen Teil der Unterrichtsreihe findet eine Primärerhebung statt, die detailliert aktuelle Informationen über Sozialisationseffekte gezielt auf den Bereich Parkour in der Schule geben soll. Allgemeine Erkenntnisse in Bezug auf die Sozialisation im Sport sollen induktiv aus dem speziellen Fall dieser konzipierten Unterrichtsreihe hervorgehen und für die Durchführung der Sportart im Schulsport sowie der weiteren Forschung hilfreich sein.

Das Vorgehen ist so gewählt, dass ein theoretischer Hintergrund zunächst das Erkenntnisinteresse schildert, welches aus dem Problemaufriss entstanden ist. Der Schulsport hat sich im Laufe der Zeit stark verändert und neue Sportarten wurden in den Lehrplan aufgenommen. Sind diese Sportarten (vor allem Trendsportarten) jedoch alle im Schulsport umzusetzen und welche allgemeinen Bedingungen müssen hierbei beachtet werden?

Für diesen ersten Teil und im Hinblick auf die praktische Durchführung ist es sinnvoll, einen Überblick über das Gebiet der Trendsportarten zu geben und speziell den Parkour zu beschreiben. Des Weiteren wird in diesem ersten Abschnitt der Bereich der Sozialisation und der Risikobereitschaft im Schulsport angesprochen. Was bewirkt der Schulsport im Bereich der Sozialisation bei den SuS und wie wird die Konfrontation mit dem Risiko im Schulsport bei den SuS aufgenommen?

In der praktischen Phase der Arbeit wird die Unterrichtsreihe in Bezug auf eine Risikoanforderung und auf die Berücksichtigung von Sozialisationseffekten konzipiert, durchgeführt und im Anschluss aus Schülersicht reflektiert. Zum einen findet eine Verknüpfung aus den theoretischen Inhalten und der praktischen Durchführung statt und zum anderen kann durch die Schüleräußerungen überprüft werden, ob die einzelnen Übungen in Bezug auf ihre Sozialisationswirkungen ihren Sinn und Zweck erfüllt haben. Dieser letzte Punkt dient zugleich der Selbstkontrolle der Unterrichtsreihe, da die Antworten das widerspiegeln, was die Schüler erlebt und gefühlt haben.

Zur besseren Einordnung der einzelnen Teilaspekte (Sozialisation, Trendsport, Risiko, Parkour, Sozialisation im Sport, Schule), die in der Arbeit angesprochen und vernetzt werden, wurde die folgende Abbildung (1.1) erstellt. Sie gibt den Verlauf wieder, wie in der Arbeit vorgegangen wird. Dabei ist zu beachten, dass die einzelnen Teilaspekte in Verbindung zueinander stehen. Ebenfalls sind die Aspekte in einer Reihenfolge angeordnet, die dem Prinzip vom Allgemeinen zum Speziellen folgt. Sozialisation und Trendsport sind die übergeordneten Themen, die angesprochen werden und die untergeordneten Bereiche Sozialisation im Sport und Parkour entspringen aus ihnen. Die Aspekte Schule und Risiko wurden angefügt, da sich die spätere Untersuchung auf die Schulsportebene bezieht und den Faktor der Risikoanforderung aufgreift. Alle Aspekte werden miteinander verknüpft.

In Form eines Trichters erhält der Betrachter alle Informationen, die für die später folgende Unterrichtsreihe benötigt werden. Die behandelten Bereiche fließen alle in die Unterrichtsplanung, -gestaltung und -nachbetrachtung mit ein.

Abbildung 1.1 Verlauf der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Theoretischer Hintergrund

2.1. Überblick - Sport in der Moderne

Die Gesellschaft hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert. Schon Befürworter der Postmoderne gaben als Kennzeichen der frühen Vergangenheit Begriffe wie Offenheit, Vielfalt, Individualisierung, Pluralität oder die ständige Suche nach etwas Neuem an (Sieland, 2002, S. 14). In Zeiten der Industrialisierung erfuhr das Leben der Menschen immer differenziertere Veränderungen. In den Bereichen des Berufes, der Bildung oder der Technik entstanden neue Formen und Stile. Die Menschheit entwickelte neue Lebensstile und veränderte, sofern es möglich war, ihre Lebenslage.

Neben der Veränderung des alltäglichen Lebens der Gesellschaft wandelte sich auch der Sport auf eine dynamische Weise. Der Sport bewegt sich immer mehr in die Richtung, ein Teilsystem der modernen Gesellschaft zu werden (Schimank, 2005, S. 111). Die moderne Sportkultur wirkt zum Teil schon als ein eigenständiger und selbstorganisierender Bereich, indem - ähnlich wie in der restlichen Lebenswelt - die Charakteristika Leistung, Konkurrenz und Wettkampf Bestand haben. Sport insgesamt ist vielfältiger und abwechslungsreicher geworden. Mit Hilfe des Sports sehen die Menschen allerdings nicht nur ein Spiegelbild der heutigen leistungsbezogenen Gesellschaft sondern auch eine Aufbesserung ihrer eigenen Lebensqualität. Er dient der Gesundheitsförderung, der Vorbeugung von Krankheiten (wie etwa Adipositas), der Freizeitgestaltung oder der Gemeinschaftsförderung. Gleichzeitig dient der Sport in der heutigen Gesellschaft als Vermittler von wichtigen Werten und Normen, wie bspw. des Fairnessgedanken, der Gleichberechtigung, der Hilfsbereitschaft usw. (http://www.sportwoche.ch/downloads/Bedeut.%20+Auftr.%20d.%20sports.pdf).

Dazu trägt bei, dass immer mehr Menschen Sport treiben, jedoch ist dieser jetzt praktizierte Sport aus dem Schatten der traditionellen Sportarten entwichen. Der Großteil der Menschen ist nicht mehr nur beschäftigt mit Leichtathletik, Schwimmen oder einer Ballsportart. Vielmehr haben sich im Laufe der letzten Jahre Trendsportarten gebildet, die neue Bewegungsabläufe, -variationen und -formen beinhalten. Der Name Trendsport ist hierbei nur der Sammelbegriff für immer neu aufkommende Sportarten (Breuer, 2003, S. 11).

Schaut sich ein interessierter Betrachter von sportlichen Aktivitäten nur einmal im Internet (z. B. auf www.youtube.de/trendsport) die gefundenen Treffer für Trendsportarten an, wäre es fast unmöglich, sich alle Videos anzuschauen, da kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein neuer sportlicher Trend entsteht und in das Internet gestellt wird. Das Leben wird schnelllebiger, die Gesellschaft rastloser und mit ihr und den Veränderungen im Alltag befinden sich auch der Sport und hierbei vor allem der Trendsport in einem sich immer fortbewegenden Prozess.

In diesem Kapitel werde ich mich mit den Trendsportarten allgemein beschäftigen. Wie werden Sportarten zu einem Trend und welche Definition lässt sich für Trendsportarten festhalten (Kapitel 2.1.1)? Was sind Merkmale für eine Trendsportart, wie kann man den Trendsport aufteilen und was sind konkrete Beispiele für Trendsportarten (Kapitel 2.1.2)? Alle Aspekte des Trendsports werden stets in Verbindung mit der für diese Arbeit wichtigen Sportart Parkour gebracht. Neben der allgemeinen Betrachtung von Sportarten, die im Trend liegen, wird der Bezug zur Schule in diesem Kapitel (2.1.3) ebenfalls aufgenommen und auf dessen Entstehungsprozess sowie auf Entwicklungsverläufe im Schulsport untersucht. Mit Ausblick auf die geplante Unterrichtsreihe ist dieser Vorgang von besonderer Bedeutung, da er die aktuelle Situation rund um den Schul(trend)sport angibt.

2.1.1. Begriffseingrenzung Trendsport - Parkour

Laut den Trendforschern Scobel, Buck, Schwier oder Schildmacher hat sich auch im Sportbereich der Trendsport immer mehr ausgeweitet. In vielen anderen Gebieten wie etwa der Mode, dem Wetter oder der Musik findet eine Auseinandersetzung mit Trends schon seit längerer Zeit statt. Da im Sport ebenfalls seit einigen Jahren immer mehr von Trends die Rede ist und viele neuartige Sportarten entstanden sind, wurde auch hier intensiver auf allen Ebenen geforscht (Wopp, 2006, S. 10).

Doch wie verstehen Forscher, Medien, Sportartikelhersteller oder Konsumenten den Sport als eine Trendsportart und wie kann der Trendsport eingegrenzt bzw. strukturiert werden? Schon Jürgen Schwier hat in seinem Artikel Was ist Trendsport? (Breuer, 2003, S. 18) diese Aussage aufgestellt und zugleich gesagt, dass es schwer wird, diese vollkommen lückenlos zu beantworten. In vielen Situationen wird bei der Betrachtung von etwas Außergewöhnlichem von einem neuen Trend gesprochen (z. B. die neue Frisur einer Schauspielerin). Der Trend, also die Richtung bzw. die Tendenz einer Person in Hinblick auf eine neue Entwicklung, ist etwas Alltägliches geworden und wird unbewusst in zahlreichen Konstellationen ohne weitere Erklärung dahingestellt. Hinter dem, was ein Trend ist, stecken aber weitaus mehr Besonderheiten, die es gilt zu beachten (Laßleben, 2009, S. 29).

Diese Arbeit befasst sich mit einer besonderen Trendsportart „ Le Parkour “. Kriterien für den Trend der Mode oder den Trend der Technik beispielsweise sind demzufolge unnötig. Allerdings ist es für das weitere Verständnis der Sportart Parkour von Bedeutung, dass das Feld des Trendsports detaillierter analysiert werden muss. Es gilt hierbei auf einige Dinge zu achten. So kann im Folgenden der Parkour als Trendform besser eingeordnet und verstanden werden.

Der Trendsport lässt sich zunächst einmal durch zwei Merkmale charakterisieren. Zum einen ist die Wirkungsbreite und zum anderen die Wirkungsdauer zu beachten. Teile der Gesellschaft sind beeinflusst durch Trends und bewirken eine Veränderung in ihrer Grundrichtung (Wopp, 2006, S. 14). In diesem Zusammenhang erstellte Wopp (2006, S. 15) ein Trendportfolio, welches sich mit der Wirkungsbeeinflussung auf den Konsumenten, der Technologie, der Politik oder der Kommunikation sowie der Zeitdauer des Trends beschäftigt.

Innerhalb dieser beiden Achsen siedeln sich verschiedene Trendformen mit unterschiedlichen Eigenschaften an. Für Parkour gelten die Eigenschaften der kurzen Wirkungsdauer und einer niedrigen bis mittleren Wirkungsbreite. Diese Kriterien stehen für die Trendform ‚Mode’. Parkour war, gesehen auf die Wirkungsbreite, nicht in vielen Bereichen der Gesellschaft präsent und hatte als Trend nur für eine kurze Phase (ca. ein Jahr) ihren Höhepunkt. Im Gesamtzusammenhang ist es allerdings durchaus schwierig, die komplette Entwicklung in diesem Sport lückenlos darzustellen. Zu wenige empirische Daten (Teilnehmer, Neugründungen von Vereinen etc.) wurden für den Bereich des Parkour gesammelt und ausgewertet (Schwier, 1998, S. 8).

Zusätzlich zu der Wirkungsbreite und -dauer charakterisieren ebenso die Entwicklungsrichtung, die Regionalität und die Zielgruppenspezifik eine Trendsportart. Für die Entwicklungsrichtung stehen der Entstehungsort sowie Gründerpersonen im Fokus. Genauso bedeutend sind die beiden entgegengesetzten Prozesse der ‚Top-down-Trends’ und ‚Bottom-up-Trends’. Bei der Methode von oben nach unten (Top-down) versuchen Firmen, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, um so den Konsumenten zu beeinflussen (z. B. Inline-Skates). Die Methode von unten nach oben (Bottom-up) hingegen bezieht sich auf das Verlangen der Konsumenten und wird genau daraufhin konzipiert, wie z. B. im Fitness-Sport (Laßleben, 2009, S.32).

Im Fall von Parkour ist der Entwicklungsverlauf - ‚Top-down’ bzw. ‚Bottom-up’ - nicht exakt bestimmbar. Neben der Bennennung des Entstehungsortes und der Gründungspersonen (vgl. Kap. 2.1.2, S. 13) ist die Sportart zum einen von unten gewachsen und zum anderen - durch bspw. Medien - als ein neues ‚Produkt’ vermarktet worden. In Frankreich gilt der Parkour als eine Sportart, die durch eine gewisse Szenerie ihren Ursprung nahm. In Deutschland wurde eher “auf den fahrenden Zug“ aufgesprungen und lässt somit die Richtung von oben nach unten verlaufen.

Die Regionalität, die ebenfalls Laßleben (2009, S. 32) in seinem Buch als Charakteristikum für eine Trendsportart nennt, ist ein weiterer Faktor, der betrachtet werden muss. Ist ein Trend nur in einem bestimmten Umfeld ausgeprägt oder sind nur vereinzelnd Lebens- und Kulturräume angesprochen, so ist er regional begrenzt. Ein Sport, der sich weltweit und überregional ausgeweitet hat, ist z. B. das Mountainbiking. Der Parkour hat solch einen ausgeprägten globalen Ausdehnungsbereich nicht, ist aber in vielen Ländern der Erde bekannt und wird vielerorts praktiziert (Frankreich, Deutschland, USA etc.). Alle bisher vorgestellten Charakteristika stehen in einer Verbindung zueinander, wenn über Trendsportarten gesprochen wird. Ein letztes besonderes Merkmal, welches ebenfalls im Gesamtzusammenhang des Trendportfolios gesehen werden muss, ist die Zielgruppe. Je nach Sportart werden verschiedene Personengruppen, sei es alters- oder geschlechterbedingt oder schicht- bzw. kulturabhängig, sich unterschiedlich viel/wenig mit einer neuen Sportart befassen (Laßleben, 2009, S. 33). Der Bereich des neu aufkommenden Wellnesssports ist weitaus mehr geprägt von älteren Menschen, wohingegen die Sportart Waveboarden vorwiegend von der jüngeren Generation ausgeübt wird. Ähnlich verhält es sich auch bei Parkour. Dieser zeigt eine Differenzierung im Spektrum der Zielgruppen. Die Sportart wird von jungen Menschen (ca. ab 13 Jahre) bis hin zur Generation um die 30 Jahre ausgeübt.

Mit Hilfe dieser Einordnung des Trendsports konnte auch für den Parkour eine erste charakteristische Einteilung erreicht werden. Im Folgenden werden zudem noch weitere Merkmale genannt, die den Trendsport ausmachen und diesbezüglich auch die Sportart Parkour zu einem Trendsport werden lassen. Als abschließende Bemerkung folgt eine Definition in diesem Abschnitt, in der die vorher beschriebenen Konstellationen und Charakteristika auf den Punkt gebracht werden. Diese Definition unterstützt die Auffassung, dass Parkour zu einer Trendsportart gezählt wird:

„ Beim Trendsport handelt es sich um kulturelle T ä tigkeitsfelder, die sich ü ber mehrere Jahre hinweg zunehmender Beliebtheit erfreuen und in denen Menschen unter individuell unterschiedlichen, selbst bestimmten Motiven versuchen, willk ü rlich geschaffene Bewegungsaufgaben nach vereinbarten Regeln und vorwiegend unter Einsatz ihres K ö rpers zu l ö sen “ (Laßleben, 2009, S. 39).

2.1.2. Merkmale und Eigenschaften von Trendsport - Parkour

Ein erster Blick auf die Trendsportarten ergab, dass es einer genaueren Betrachtung bedarf, welche Sportarten wie und warum als Trendsportarten bezeichnet werden dürfen. Durch die in Kapitel 2.1.1 beschriebenen Charakteristika wurden erste theoretische Überlegungen bezüglich Trendsport und Parkour deutlich, allerdings sind diesen noch einige mehr hinzuzufügen. Die nachfolgenden Ergänzungen sind Grundlage für die im Kapitel 3 (vgl. S. 35) konzipierte Unterrichtsreihe.

Lamprecht, Murer und Stamm (Breuer, 2003, S. 33) entwickelten ein Modell, indem der zeitliche Entstehungs-, Verbreitungs- und Sättigungsverlauf von Sportarten im Trend dargestellt sind. Dieses Schema unterteilt sich in fünf Phasen. Jede dieser Phasen hat verschiedene Kennzeichen, Träger und einen unterschiedlichen Grad an Beachtung, Kommerzialisierung und Organisation. Das Modell wird in seinen theoretischen Grundzügen erläutert und in jeder Phase wird Bezug auf Parkour genommen. Der Betrachter erhält einen konkreten Eindruck über die Entstehung, den Verlauf und die Entfaltung, so dass der Blick auf diese Sportart klarer und übersichtlicher wird.

Der Trendsport allgemein beinhaltet einen gewissen Verlauf, den es gilt, auf Grund seiner Eigenschaften zu untersuchen. Auf Basis des betriebswirtschaftlichen Produktlebenszyklus von Vernon und Hirsch wurde der gesamte Verlaufsprozess auf Trendsportarten übertragen (Lamprecht, 2003, S. 37). Hierbei ist jede Trendsportart individuell auf das Modell übertragbar, denn die meisten Sportarten weisen ein voneinander nicht stark abweichendes Entwicklungsmuster auf. Das Modell beruht auf einem fünfphasigen Prozess, in welchem unterschiedliche Kriterien und Kennzeichen erfüllt werden.

Die erste Phase in diesem Entwicklungsverlauf ist die „ Invention “, die Erfindung. Die ‚Pioniere’ rücken in dieser Phase in den Mittelpunkt. Die gesamte Szene befindet sich am Anfang, so dass nur wenige Menschen der neuen Faszination nachgehen. Der Beachtungsgrad ist jedoch noch sehr gering. Die Organisationsformen gelten als noch nicht ausgeprägt und die Kommerzialisierung steckt ebenfalls noch in den “Kinderschuhen“. Es bedarf einer guten Idee, um in die zweite Phase der „ Innovation “, der Entwicklung, eintreten zu können. Der Sport entwickelt sich weiter und die Ursprungsidee wird verbessert und optimiert. Zugleich vergrößern sich der Teilnehmerkreis und der örtliche Verbreitungsraum. Trotzdem ist die Phase charakterisiert durch einen immer noch geringen Bekanntheitsgrad und eine begrenzte Produktion. Erst in der dritten Phase, der „ Entfaltung und Wachstum “, gelingt einer Sportart der Durchbruch. Entscheidend ist hierbei vor allem die Ausprägung des besonderen eigenen Lebensstils, der durch die Sportart hervorgerufen wird. Die Szene wird öffentlicher und eine enorme Anziehungskraft wird ausgestrahlt, indem die Sportart eine Art Gegenbewegung zum traditionellen Sport ist. Es bilden sich jedoch auch Konfrontationen mit den etablierten Sportarten, denn häufig werden beispielsweise gleiche Räume (Ski und Snowboard) genutzt oder die Sportler behindern den öffentlichen Raum (Inline-Skater, Skateboarder). Die vorletzte, vierte Phase ist zum einen die Phase, in der die Sportart ihren Höhepunkt erlebt, zum anderen aber vom Trend abweicht und sich hin zu einem Allgemeingut bzw. einer etablierten Sportart wandelt. Diese Phase wird benannt als „ Reife und Diffusion “, da immer mehr Menschen den Sport praktizieren und der gesamte kommerzielle und organisatorische Markt sehr ausgeprägt sind. Viele Eigenschaften, die eine Sportart zuvor geprägt haben, verschwinden in der Masse und die Sportart verliert ihr informelles und subkulturelles Image. Durch diesen Übergang lässt sich die fünfte Phase - die „ S ä ttigung “ - erklären. Die Sportart wird in den Bereich des ‚normalen’ Sports eingeordnet, die Teilnehmerzahlen nehmen ab und der gesamte Markt dieses Produktes ist rückläufig. Vor allem aber verliert der Sport seinen eigenwilligen und expressiven Charakter, der ihm zugleich die Bezeichnung Trendsport nimmt (Lamprecht, 2003, S. 37).

In der vorliegenden Abbildung wird nochmals der allgemeine Entwicklungsverlauf in seinen fünf Phasen für Trendsport dargestellt. So kann die folgende Einstufung des Parkour in den Entwicklungsverlauf besser nachvollzogen werden.

Abbildung 2.0 Produktlebenszyklus von Trendsportarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Kuessner, 2003, S. 22)

Wie in den meisten Fällen, so kann auch bei diesem Entwicklungsprozess des Produktlebenszykluses nicht jede Sportart pauschal in das Muster eingestuft werden. Allerdings ist die Rede von einer Trendsportart dann, wenn mindestens vier dieser fünf Phasen durchlaufen wurden. Zu unterscheiden ist die Einordnung in ‚echte’ Trendsportarten (Snowboard, Inline-Skating, Beachvolleyball etc.) und Randsportarten, die zum Teil nur ein bis zwei Phasen durchlaufen haben (City-Jam, Sandboarding, Nachtgolfen etc.) (Laßleben, 2010, S. 53).

Im weiteren Verlauf wird der Produktlebenszyklus von Lamprecht, Murer und Stamm auf die Trendsportart Parkour übertragen, um deutlich zu machen, dass der Sport „ Le Parkour “ zu einer Trendsportart zählt. Gleichzeitig dient diese Einordnung einer ersten theoretischen Wissensvermittlung über diese Sportart.

Der Parkour wurde von Reymond Belle und seinem Sohn David in Frankreich entwickelt. Übersetzt heißt die Sportart so viel wie das „ Rennen ü ber Hindernisse “ oder „ die Kunst der Fortbewegung “ und beinhaltet verschiedene Bewegungsaktionen, mit „ schnellen und effizienten Bewegungen, einer gesunden Selbsteinsch ä tzung und einem Flow-Gef ü hl “ (Rochhausen, 2010, S. 11). Am Ende der 1980er Jahre hatte der Sport seine Geburtsstunde. Allerdings kann nicht von einer komplett neuen Erfindung die Rede sein. Denn der Ursprung liegt im 19. Jahrhundert. Die ersten Pioniere waren der Pädagogen Kurt Hahn (Erziehungskonzept), der Offizier Robert Baden-Powell (Pfadfinderbewegung) oder der Offizier Georges Hébert (Méthode naturelle) (Schmidt-Sinns, 2010, S. 31). So waren es Einzelpersonen, die diese Sportart prägten. Die Sportart besaß zunächst einen sehr geringen Bekanntheits-, Kommerzialisierungs- und Organisationsgrad. Im Laufe der Zeit verbreitete sich die Sportart über die Grenzen von Paris hinaus, jedoch behielt der Sport seine regionale Eingrenzung in Frankreich. Freunde der Familie Belles feilten und veränderten die verschiedenen Bewegungsabläufe, so dass die Sportart in den Folgejahren auch in anderen Ländern an Bekanntheit und Interesse gewann. Die Phasen der „ Invention “ und „ Innovation “ endeten etwa zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, schlossen sich dieser Fortbewegungsart an und teilten das Lebensgefühl von Freiheit, Individualität und Unabhängigkeit. Es war der Aufbruch hin zu einer Sportart, die sich als eine Art Gegenbewegung zum klassischen Wettkampfsport mit festen Regeln und Organisationen verstand (Rochhausen, 2010, S. 10). Durch die genannte Präsenz - vor allem im Internet (vgl. Internet-Videos zum Thema Parkour) - erhielt dieser Sport in den Massenmedien seine Aufmerksamkeit, immer größere Bekanntheit und konnte sich in vielen Ländern entfalten (Phase „ der Entfaltung und des Wachstums “).

Die Phase „ der Reife und Diffusion “ wurden etwa in den Jahren 2005 bzw. 2006 erreicht. Es wurden erste formelle Organisationen gegründet. Zum einen waren es die Parkour Worldwide Association (PAWA) und Parkour Association e. V. Germany und zum anderen fanden über den Globus verteilt Workshops statt und Vereine wurden gegründet. Das Medieninteresse stieg in den letzten fünf Jahren deutlich an, es fand innerhalb der Sportart eine Institutionalisierung (Verfestigung von Verhaltensmustern) und Differenzierung (z. B. Freerunning oder Parcouring) statt und eine breitere Palette von Anbietern (z. B. Workshops, Parkourgelände und -plätze) entstand (Schmidt-Sinns, 2010, S. 33).

In dieser Zeit wurde ebenfalls der Schulsport mit der Trendsportart Parkour konfrontiert. Viele Bewegungen und Aktionen dieser Sportart sind im Sportunterricht bekannt (vgl. Gerätturnen) und können mit neuen Bewegungsgestaltungen kombiniert werden. Für die genaue Betrachtung des Parkoursports auf Schulebene erfolgt im weiteren Verlauf eine detaillierte Beschreibung (Kapitel 2.1.3). Die Phase der „ S ä ttigung “ wurde allerdings noch nicht vollständig durchlaufen. Zwar hat sich die Sportart durchaus in der Gesellschaft etabliert, jedoch ist nicht zu behaupten, dass sie sich auf dem Sportmarkt und in den -medien festgesetzt hat. Ebenso wenig sind mehrere Benutzergruppen vorhanden, die diese Sportart ausüben. Der Großteil der Sportler besteht aus Jugendlichen. Das weitere Wachstum dieser Trendsportart ist gestoppt und es findet in allen Belangen eher ein Konzentrations- bzw. Schrumpfungsprozess statt (Schmidt-Sinn, 2010, S. 33).

Der Sport „ Le Parkour “ kann als ‚echte’ Trendsportart bezeichnet und charakterisiert werden. Er besitzt eine Wirkungsdauer von mehr als fünf Jahren und hat in allen Belangen eine mittlere Wirkungsbreite (vgl. Kap. 2.1.1, S. 8).

Neben der Einordnung einer Trendsportart in das Muster des Produktlebenszykluses besitzt dieser Sport zusätzlich, vielfältige Merkmale, die ihn von traditionellen Sportarten abweichen lassen. Diese Kriterien können in Kombination auftreten oder vereinzelt für eine Sportart stehen. Im Folgenden beziehe ich die Ausführungen auf die sechs Merkmale von Jürgen Schwier (2003, S. 22), die als theoretische Hauptgrundlage für die Unterrichtsreihe von Bedeutung sind und stelle diese in Verbindung zum Parkour:

1. Trend zur Stilisierung,
2. Trend zur Beschleunigung,
3. Trend zur Virtuosität,
4. Trend zur Extremisierung und Ordalisierung,
5. Trend zum Event,
6. Trend zum Sampling.

Zum Trend zur Stilisierung (1) ist zu sagen, dass der Sport nicht des Sports wegen ausgeführt wird sondern vielmehr auf Grund der mit ihm verbundenen Lebensstilprägung und Gestaltungsoffenheit. Die Leute befinden sich in einer Subkultur und sind im Ganzen in einer eigenen Szene, abgeschottet von dem Rest der Gesellschaft. Es zählen nicht der Wettkampf und die Leistung. Wichtige Kriterien sind vielmehr der Style, die Gesten sowie die Sprache und der Dresscode. Treffend dafür ist die Sportart Parkour. In dieser Hinsicht ist dem Sportler beim Parkour nicht das Gewinnen von Bedeutung, sondern mehr die Suche nach dem eigenen Style. Getreu dem Motto „ Style statt Perfektion “ (Laßleben, 2010, S. 42). Das wirkt sich auf den Sportler aus und er versucht, den Style und diese Lebensart Tag für Tag zu präsentieren und zu leben. Der Körper und das Sich-Bewegen sind Ausgangpunkt für das Finden seines Styles und seine Einbindung in die gewisse (Sport)Szene (Schwier, 1998, S. 10).

Was früher aus technischen Mittel noch undenkbar war, hat sich im Laufe der Zeit zu einem der wichtigsten Kriterien für den Sport allgemein entwickelt. Die Beschleunigung (2) bzw. das Tempo sind für den Bereich der Trendsportarten von enormer Bedeutung. Traditionelle Sportarten besitzen kaum Beschleunigungsprozesse (z. T. sind Spiele im Fußball schneller geworden oder das Skifahren durch neue technische Mittel wurde beschleunigt) und beziehen sich als Begründung hierzu auf ein langjähriges Bestehen ohne viele Veränderungen. Hingegen bedienen sich viele Trendsportarten (Speedskaten, Kitesurfen, Basejumpen etc.) dieser Eigenschaften und gelten deswegen als rauschende, tobende Erfüllung für den Sportler. Gleichzeitig hat das Tempo bei der Ausführung der Sportart Auswirkungen auf den Stil und die Art und Weise, wie der Sport erlebt und ausgeführt wird. Die Merkmale des Parkour ähneln den beschriebenen Charakteristika. Der Sportler versucht, durch schnelle, dynamische Bewegungen das Hindernis zu überwinden, dabei einen gewissen Stil beizubehalten und sich gleichzeitig von den Anderen zu unterscheiden (Schwier, 1998, S. 10).

Als dritten Punkt führt Schwier den Trend zur Virtuosität (3) an. Zunächst einmal steht der Begriff für eine besonders gute und geschickte Ausübung einer Handlung. Durch eine volle Hingabe und Leidenschaft erreicht ein Sportler eine Steigerung seines “Tuns“. Viele Trendsportarten besitzen einen freien und unorganisierten Zugang, welcher die eigene Virtuosität fördert (Schwier, 2003, S. 25). Im Parkour spielt die Ästhetik eine entscheidende Rolle, denn gerade hier wird an freien, öffentlichen Plätzen das individuelle Bewegungskönnen eingeübt und immer wieder perfektioniert. Die Leidenschaft, die bei verschiedenen Übungen in diesem Bereich an den Tag gelegt werden muss, überträgt sich auf das Wohlbefinden und verlangt nach immer mehr Erlebnissen in diesem Spektrum. Das Risiko (Kap. 2.2.3, S.33) welches bei einem Sprung besteht, wird ausgegrenzt und es steht nur der “Flow“ im Mittelpunkt.

Der Trend zur Extremisierung (4) fließt in vielen Fällen zusammen mit dem Aspekt der Beschleunigung. Trendsportarten, wie zum Beispiel House Running, Fallschirmspringen oder Bodyflying sind schnelle Sportarten verbunden mit einer gewissen Grenzenlosigkeit. Das Extreme basiert hierbei einerseits auf der Suche nach dem absoluten Limit, wie es etwa bei Risikosportarten (s. o.) der Fall ist und andererseits steht dieser Begriff als Synonym für zahlreiche Sportarten, bei denen es um die völlige körperliche Auslastung geht (Ultra- Triathlon, Tiefsee-Tauchen, Langstreckenschwimmen etc.) (Schwier, 1998, S. 11). Der Parkour wird eher den Risikosportarten zugeordnet, da sich die Sportler mit waghalsigen Sprüngen und Tricks immer wieder selbst gefährden. Schier unerreichbare Ziele werden angestrebt und so erfährt der Sportler immer wieder eine neue Herausforderung, die ihm diesen extremen “Kick“ gibt. Für „ Le Parkour “ wird kein spezieller Raum benötigt und umso vielfältiger und kreativer können die Sportler in nahezu jedem Gebiet ihren Sport mit den risikoreichsten Ausführungen verfolgen. Genauso wie sich Tempo und Extremisierung verbinden, lässt sich auch Letzteres mit der Stilisierung im Parkour verknüpfen. Durch einen kreativen - jedoch auch häufig risikoreichen - Sprung erhält der Ausführende zum einen den “Kick“ des Erlebens und zum anderen ein Zeichen einer individuellen und differenzierten Ausdrucksform.

Eine Steigerung in Sachen Risiko beinhaltet der Trend zur Ordalisierung (4). Dieser Begriff steht für ein Feld, in dem weitaus mehr als ein “Kick“ angestrebt wird. Das Feld, indem sich u. a. Sportarten wie Bungee-Jumping oder Freeclimbing befinden, wird deswegen auch „ Thrill Fields “ genannt (Schwier, 2003, S. 27). Der Parkour kann Züge dieser Ordalisierung annehmen. Die Sprünge und Tricks, die ausgeführt werden, sind grenzenlos und so können durchaus Aktionen vorkommen, in denen das “Leben aufs Spiel gesetzt“ wird. Sport war und ist ein großer Publikumsmagnet und kann in vielen Punkten (Medienauftritt, Kommerzialisierung) mit Musik- und Kulturveranstaltungen mithalten, ja sie sogar manchmal übertrumpfen. Jedoch hat sich im Bereich des Sports ein Wandel vollzogen. Viele Sportarten stehen nicht mehr durch ihren Wettkampfgedanken im Fokus, sondern verdienen viel Lob und Begeisterung auf Grund ihres Eventcharakters. Der Trend zum Event (5) spiegelt sich in den vielen angebotenen Veranstaltungen (Streetball-Turniere, BMX-Contest, Motorcross- Schaulauf etc) wieder. Diese Veranstaltungen sind geprägt von Sport, Marketing, Konsum und Party, bei denen es um Spaß, Genuss und Vergnügen für alle geht. Der eigentliche Sport rückt in den Hintergrund und ist ein Teil des ‚Erlebnispaketes’ (Schwier, 2003, S. 29). Auch im Parkour wurde die Lücke im Bereich der Eventvermarktung geschlossen. Viele Veranstaltungen (z. B. Power Move Tour, Urbanathlon, Art of Motion) prägen auch hier den typischen Eventcharakter (vgl. http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/die-stadt-als- hindernis). Zwar sind diese Veranstaltungen vom Interesse und von den Teilnehmerzahlen nicht mit anderen Events aus dem Trendsport (z. B. Streetball) zu vergleichen, jedoch erfreuen sie sich steigender Beliebtheit. Als mögliche Eventalternativen bzw. -zusätze werden die Disziplinen Freerunning (Erweiterung durch Akrobatik) und/oder Parcouring (Parkour auf Zeit) angeboten.

Der Trend zum Sampling (6) wird von Schwier als letztes Merkmal genannt, was nichts mit der Wichtigkeit für die Trendsportarten zu tun hat. Im allgemeinen Kontext steht das Sampling für die Vermischung von bereits vorhandenen Sportarten. Dieser Trend zeigt sich in Bewegungskünsten (z. B. Tae Bo) oder in ausdauergeleiteten Bereichen, wie etwa Triathlon oder Biathlon. Um Events interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, verknüpfen Organisatoren verschieden Sportarten (z. B. X-Games), so dass genussvolle aber auch professionelle Sportveranstaltungen zustande kommen (Schwier, 1998, S. 11). Der Parkour beinhaltet viele verschiedene Eigenschaften (z. B. Springen, Laufen, Drehen etc.). Er wird aber eher seltener mit anderen Sportarten kombiniert. Die Anforderungen sind vielfältig und dies macht die Sportart sehr individuell und erschwert die Vermischung mit anderen Disziplinen.

Die Trendforschung hat sich in den letzten Jahren erheblich vergrößert und deswegen wurden zugleich mehrere Modelle in Hinblick auf den Sport und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft entworfen. In dieser Arbeit können nicht alle Forschungsergebnisse mit einbezogen werden. Einen größeren Schwerpunkt erhalten neben den Modellen von Lamprecht u. a. und Schwier die Beobachtungen von Schildmacher. Diese differenzierte Beschreibung der Entwicklung von Trendsport ist mit der Merkmalsbeschreibung von Schwier zu vergleichen. Sie unterstützen die Aussagen und belegen bei der Projektion auf Parkour, dass sich dieser mit den beschriebenen Eigenschaften deckt und ihn als Trendsport bekräftigt.

Zum einen benennt Schildmacher das Merkmal der Wandlung von einer Indoor-Sportart hin zu einem Outdoor-Sport (1). Dieser Ortswechsel bestätigt sich, wenn sich Trendbeobachter den Parkour ansehen. Zu Übungszwecken wird der Sport oftmals auch in einer Halle ausgeführt, allerdings kann seine volle Entfaltung und Ursprünglichkeit nur im Freien stattfinden. Die Eigenschaften des unnormierten Sports (2) und der Wandel hin zu einem wesentlich kleineren Gruppensport (3) belegen, dass Parkour zu dem Gebiet der Trendsportarten gezählt werden kann. Eigene individuelle Techniken werden einstudiert ebenso findet ein flexibles und spontanes Reagieren und Agieren statt. Der Großteil der neuen Sportarten - so auch Parkour - werden auf einer individuellen Ebene ausgeführt und sind zugleich ein Treffpunkt zur Bildung einer Gemeinschaft (Sieland, 2002, S. 24).

Da auch die Mehrheit der heutigen Gesellschaft zur Individualität tendiert, so fördert auch diese Sportart das Bestreben danach. Durch dieses Gefühl des eigenen “Tuns“ ergibt sich auch im Trendsport eine Veränderung des Sports vom verbindlichen zum unverbindlichen Sport (4). In diesem Sinne wird Parkour betrieben. Er besitzt kaum Wettkampfverpflichtungen, kein regelmäßiges bzw. (kaum) geregeltes Training und auch wenige ehrenamtliche Helfer und Unterstützer.

Die fünfte Kennzeichnung von Schildmacher - der risikoreichere Sport (5) - ist insofern von Bedeutung und muss genannt werden, da sie den Kern der Arbeit - die Berücksichtigung der Sozialisationsleistungen von Risikoanforderungen - aufgreift.

Die ‚alten’ Sportarten waren und sind auf Grund ihrer Organisation, ihres Regelwerkes und ihrer Durchführung als geschützte und sichere Sportarten zu bezeichnen. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Trendsportarten. Die oben genannten Merkmale (z. B. Extremisierung und Ordalisierung) sind Beleg genug für das Verlassen eines ‚geschützten’ Sports. Die Tendenz hin zu einem risikoreicheren Sport (5) kann durch viele Beispiele (Rafting, Skyting, Snowbiking etc.) dargelegt werden. In dieses Muster reiht sich auch Parkour ein. Auf der Suche nach Authentizität und Individualität sowie der Inszenierung des eigenen Körpers werden die Sportformen in der heutigen Zeit immer extremer und risikobehafteter (Sieland, 2002, S. 24).

Das Angebot der Sportarten hat sich im Laufe der Zeit vervielfältigt und mit ihm ist auch die Art und Weise, wie Sport ausgeübt wird, verändert worden. Neben neuen Möglichkeiten im Vereinssport sind es vor allem die Trendsportarten, die die Massen bewegen. Viele wurden in diesem Kapitel genannt, um deutlich zu machen, wie stark die Gesellschaft sich auf diese neue Form des Sporttreibens eingelassen hat. Neben der Erlebnisorientierung steht für den durchschnittlichen Menschen die Suche nach Authentizität an vorderster Stelle. Die Konzentration auf den eigenen Körper, auf die Gesundheit, den Erfolg und die Leistungsoptimierung sind wichtig. Diese gesellschaftliche Entwicklung im Zusammenhang mit Trendsport zeigt positive Effekte auf (Wastl, 2002, S.3).

Jedoch muss ebenfalls deutlich hervorgehoben werden, dass nicht nur positive Eigenschaften mit den Trendsportarten einhergehen. Oftmals werden Aspekte, wie ein fehlendes Regelwerk, nicht genormte Sportanlagen oder fehlende Wettkampfstrukturen als kritisch angemerkt (Sieland, 2002, S. 25). Diese negativen Erscheinungen lassen sich auch bei Parkour feststellen. Dieser Sport beinhaltet kein festes Regelwerk, wird meistens an öffentlichen Plätzen bzw. Orten durchgeführt und hat bis auf einige wenige Ausnahmen (WM 2010 und 2011) fehlende Wettkampfstrukturen. Im Großen und Ganzen kann festgehalten werden, dass die positiven Erscheinungen für den Trendsport und den darin eingebetteten Parkour allerdings überwiegen.

Mittlerweile ist der Bereich des Trendsports eine tragende Säule auf dem Gebiet des Sports und in der Gesamtbetrachtung der Gesellschaft geworden. Wie eingangs erläutert, ist das Leben insgesamt schnelllebiger und variationsreicher geworden. Hier dürfen der Sport und vor allem der Trendsport nicht unerwähnt bleiben.

Die moderne Zeit mit ihren vielen Gegenbewegungen spiegelt sich auch im Sport wieder. Der Trendsport hat die Einstellung zum Sport verändert und neu geprägt. Es haben sich komplett neue Sportarten und kombinierte oder abgewandelte Aktivitäten entwickelt. Dies hat zum Ergebnis, dass mehr Menschen dem (Trend)Sport nahe gekommen sind und sich eng mit ihm beschäftigen. Das Kapitel hat gezeigt, dass der Trendsport ein großer und wichtiger Bestandteil der heutigen Sportwelt und Gesellschaft allgemein ist.

Auch wurde in diesem Kapitel deutlich, dass Parkour mit seinen Merkmalen und Eigenschaften in den Bereich der Trendsportarten anzusiedeln ist. Diese Sportart befindet sich in Bezug auf Bekanntheit und Anhängerschaft im mittleren Größensektor von Trendsportarten. Jedoch sind Forschungslücken wissenschaftlich noch zu beheben. Für die folgende Unterrichtsreihe sind die Kenntnisse über die Eigenschaften und Merkmale von „ Le Parkour “ wichtig, da sie bei der Planung der einzelnen Unterrichtsstunden Beachtung finden müssen und in Hinblick auf die Durchführung den Lehrkräften bekannt sein sollen.

Nachdem geklärt wurde, dass der Trendsport in allen Belangen im heutigen Leben der Gesellschaft eine wichtige Rolle spielt, stellt sich nun die Frage, wie sich der Trendsport Parkour besonders im Hinblick auf die folgende Unterrichtsreihe schon in der Schule entwickelt, ausgeweitet und etabliert hat.

2.1.3. Trendsport - Parkour und Schule

Trendsport ist in aller Munde. Die Gesellschaft nutzt diesen neuen Sport, um sich mehr und mehr zu entfalten. Wie aber sieht der Sport in der Schule aus und inwiefern kann von einer Trendsportvermittlung im schulischen Sektor gesprochen werden? Welche Trendsportarten werden in der Praxis angewandt und wie ist die Haltung zum Parkour in der Schule? Der Parkour wird in dieser Arbeit thematisiert, nur sollte vorher geklärt werden, welche Stellung dieser Sport in der Schule hat. Für diese Ausführungen ist der theoretische Hintergrund von Trendsportarten in der Schule von Bedeutung. Bezüglich der genauen Unterrichtsplanung (vgl. Kap. 3, S. 35), in der neben den Merkmalen auch auf die pädagogischen und sozialen Vermittlungskompetenzen eingegangen wird, ist vorab allerdings der Gesamtkontext des Trendsports und dem darin eingebetteten Parkour auf Schulebene darzustellen. Durch diese Beschreibung soll überprüft werden, ob der Parkour neben anderen neuen Sportarten als Alternative zu den traditionellen Schulsportarten Anwendung findet.

Nicht nur ich stelle mir diese Fragen, sondern auch auf den einzelnen Schulebenen werden diese diskutiert. Sei es auf Länderebene die Kultusminister, die spezielle Richtlinien und Lehrpläne erstellen und festlegen oder etwa die Fachkonferenzen auf der untersten Schulebene, die gewisse Curricula festhalten. Alle müssen sich im Klaren darüber sein, welche Bewegungsformen einen hohen Bildungsgehalt im Schulsport ermöglichen. Wichtig ist im Zusammenhang mit einem möglichst hohen Bildungsgehalt die Aussage, wo und wie der Schwerpunkt gesetzt werden sollte (Schwier, 2004, S. 5). Die neuere Gestaltung des Lehrplans hat ergeben, dass vor allem auf drei Schwerpunkte Rücksicht genommen werden muss.

1. Hinwendung zu einer p ä dagogischen Akzentuierung und Profilierung des Sports,
2. der Ö ffnung und Erweiterung der Inhaltsbereiche,
3. und der Gew ä hrung von Handlungsspielr ä umen f ü r die einzelnen Schulen “ (Wastl, 2003, S. 4).

Durch diese neue, veränderte Rolle des Schulsports ist es im Hinblick auf den zweiten Schwerpunkt grundlegend, Trendsportarten mit in den Schulsport aufzunehmen. Die traditionellen Sportarten sind in ihren Variationen begrenzt. Durch eine Öffnung und Erweiterung besitzen Trendsportarten die Chance, einen Platz in den Lehrplänen zu bekommen.

Allgemein bietet der Schulsport für viele Schüler die einzige Möglichkeit, sich mit neuen Sportarten auseinanderzusetzen. Es besteht weiterhin eine stärkere Thematisierung der traditionellen Sportarten, allerdings können und müssen in den Sportcurricula neue Bewegungsformen verankert werden. Dies dient den Schülern dazu, sich mehr mit den Neuigkeiten im Sport zu beschäftigen und neue Erkenntnisse diesbezüglich zu gewinnen. Petra Sieland kam in ihrer Dissertation zu dem Ergebnis, dass 62,5 % der Lehrerinnen und Lehrer Trendsportarten in ihrem Unterricht durchführen.

Abbildung 2.1 Trendsport im Sportunterricht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Sieland, 2002, S.135)

Prinzipiell könnte das Alter der Lehrpersonen bei der Anwendung von Trendsport in der Schule eine Rolle spielen, allerdings wurde dies in der Untersuchung von Sieland widerlegt. Es besteht kein signifikanter Unterschied bezogen auf das Alter und die Behandlung von Trendsport in der Schule. Ebenso wird kein signifikanter Unterschied im Rahmen der Schulform deutlich. Die prozentualen Werte befinden sich im Bereich von 50 % bis 70 %. Der Trend zum Trend ist vorhanden und wird auch in allen Altersgruppen der Lehrerschaft gleich häufig angewandt, so dass durchaus von einem Wandel im Schulsport gesprochen werden kann.

Abbildung 2.2 Behandlung von Trendsport im Unterricht gemessen am Alter der Lehrperson

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Parkour im Sportunterricht der Hauptschule. Untersuchugn der Sozialisationsleistung von Risikoanforderungen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Sportwissenschaften)
Note
1.7
Autor
Jahr
2011
Seiten
97
Katalognummer
V197444
ISBN (eBook)
9783668328136
Dateigröße
1249 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parkour ist eine neue Sportart und wie in anderen Fächern, so gilt es auch hier im Fach Sport, eine gewisse Aktualität in den Unterricht einzubeziehen
Arbeit zitieren
Tim Brackelmann (Autor), 2011, Parkour im Sportunterricht der Hauptschule. Untersuchugn der Sozialisationsleistung von Risikoanforderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197444

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