Es gibt ein anhaltendes Streitgespräch über den Gebrauch von Fremdwörtern in der deutschen Sprache. Die Debatte ist nicht jeden Tag eine Schlagzeile wert und wird seit Jahren mehr im toten Winkel des öffentlichen Interesses geführt, wobei ab und zu in Zeitschriften immer wieder die gleiche Frage aufgeworfen wird: „Wie groß ist der Schaden an der eigenen Sprache durch Fremdwörter und warum brauchen wir überhaupt fremde Wörter zur Benennung von Dingen?“ Die Diskussion um die Bereicherung oder den Schaden von Anglizismen im Deutschen ist ebenso facettenreich wie ungeklärt.
Die beständige Aktualität und gleichzeitige Ungeklärtheit ist ein guter Grund, das Thema im Unterricht genauer zu beleuchten. Zudem handelt es sich dabei auch um ein Thema, das den Schülern sehr nahe ist, da es ihre aktuelle Sprache berührt und den Horizont zur Sprachbenutzung zumindest eröffnen und bewusst werden lassen kann. Es ist zu erwarten, dass die Abgrenzung von Fremdwörtern zur Wahrnehmung des Deutschen beiträgt und eventuelle Unterschiede erst dadurch sichtbar gemacht werden. Es kann hinterfragt werden, wie auf die Tendenz reagiert werden kann oder ob überhaupt reagiert werden sollte. Die vorliegende Arbeit soll den Blick für mischsprachliche Elemente und besonders Anglizismen im Deutschen schärfen und ein Angebot machen, wie man sich dem Thema im Unterricht nähern könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Unterscheidung von mischsprachlichen Elementen im Deutschen
3. Zur Entwicklung von Anglizismen im modernen Deutschland
4. Möglichkeiten für den Deutschunterricht
5. Fazit
6. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das anhaltende Streitgespräch über den Gebrauch von Fremdwörtern in der deutschen Sprache mit besonderem Fokus auf Anglizismen. Ziel ist es, den Blick für mischsprachliche Elemente im Deutschen zu schärfen und ein experimentelles 5-Phasen-Modell für den Deutschunterricht zu entwickeln, das Schülern einen reflektierten Umgang mit Sprachwandel ermöglicht.
- Historische und linguistische Einordnung von Fremd- und Lehnwörtern
- Ursachen und Einflussfaktoren für die Verbreitung von Anglizismen
- Sprachökonomie und die Funktion von Anglizismen in Fach- und Alltagssprache
- Didaktische Konzepte zur Vermittlung von Sprachwandel
- Reflexion über die Bewertung von Sprachwandel als natürliches Phänomen
Auszug aus dem Buch
2. Zur Unterscheidung von mischsprachlichen Elementen im Deutschen
Das Deutsche ist ein Sprachsystem, welches aus Wörtern und Zeichen besteht, welche durch ein System von Regeln (die Grammatik) verknüpft werden. Alles, was gegen diese Regeln verstößt, scheint fremd und überdies falsch. Die Abweichungen von der Norm scheinen aber vor allem dann falsch zu sein, wenn sie offensichtlich sind, wie es bei Fremdwörtern der Fall ist (ULRICH 2003:4). Um das zu verstehen, muss man den Wortschatz der gegenwärtigen deutschen Sprache genauer betrachten. Seine Struktur kann man sich als Zweischichtenmodell vorstellen: Im Kern ist das sogenannte Basissystem der Sprache, auch Erbwortschatz genannt. Dies bezeichnet den ursprünglichen Wortschatz einer Sprache ohne jegliche Lehnwörter oder Entfremdungen. Um den Wortschatz herum bildet sich das Ergänzungssystem, bestehend aus dem Lehnwortschatz. Als Lehnwörter bezeichnet man diejenigen Wörter, die sowohl semantisch, morphologisch als auch phonologisch keinerlei Besonderheiten aufweisen. Sie bilden eigenständige Wortfamilien, werden wie Erbwörter flektiert, haben ein unauffälliges Schriftbild und gelten daher als vollständig assimiliert (vgl. NÜBLING ET AL. 2008:139). Die Besonderheit der Lehnwörter ist also ihre auffällige Unauffälligkeit. Die Beispiele, die bei Nübling angeführt werden (ebd.) zeigen, wie stark integriert diese Wörter sind: Mauer ist ein Lehnwort, Trauer hingegen ein Erbwort. Lautlich sind beide nicht zu unterscheiden. Andere Beispiele sind Tischler oder schreiben. Eine stichprobenartige Umfrage im (studierten) Bekanntenkreis zeigte, dass viele nicht wissen, dass es sich bei diesen Wörtern nicht um Erbwörter handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Debatte um den Gebrauch von Fremdwörtern und begründet die Notwendigkeit, das Thema Sprachwandel sowie den Einfluss von Anglizismen aktiv in den Deutschunterricht zu integrieren.
2. Zur Unterscheidung von mischsprachlichen Elementen im Deutschen: Dieses Kapitel erläutert das Zweischichtenmodell der Sprache und definiert die Unterschiede zwischen Erb-, Lehn- und Fremdwörtern anhand linguistischer Erkennungsmerkmale.
3. Zur Entwicklung von Anglizismen im modernen Deutschland: Hier werden die Gründe für die Zunahme von Anglizismen seit 1945 in Bereichen wie Werbung, Sport und Technik analysiert sowie die Rolle der Globalisierung und Sprachökonomie thematisiert.
4. Möglichkeiten für den Deutschunterricht: Dieses Kapitel stellt ein experimentelles 5-Phasen-Modell vor, das von der historischen Sprachbetrachtung bis hin zur eigenständigen Textproduktion reicht, um Schülern ein Bewusstsein für Sprachwandel zu vermitteln.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Sprachwandel ein natürlicher und dynamischer Prozess ist, der sich hervorragend als sachliches und linguistisches Thema für den Unterricht eignet.
6. Literaturliste: Die Literaturliste führt alle verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Referenzen der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Anglizismen, Sprachwandel, Fremdwörter, Lehnwörter, Erbwortschatz, Sprachökonomie, Deutschunterricht, Linguistik, Fremdheitsmerkmale, Globalisierung, Sprachbewusstsein, Didaktik, Wortschatz, Hybridbildungen, Assimilation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einzug englischer Fremdwörter (Anglizismen) in die deutsche Sprache und untersucht, wie dieses Phänomen didaktisch im Deutschunterricht aufgearbeitet werden kann.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die linguistische Unterscheidung zwischen Erb-, Lehn- und Fremdwörtern sowie die Gründe für die Verbreitung von Anglizismen, insbesondere in den Bereichen Werbung, Sport und Technik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Schülern ein tieferes Verständnis für die Funktionsweise von Sprache und Sprachwandel zu vermitteln und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um Anglizismen reflektiert zu analysieren und zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung linguistischer Grundlagen und einer didaktischen Konzeption, die in Form eines experimentellen 5-Phasen-Modells für den Unterricht ausgearbeitet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Fremdworterkennung definiert, gefolgt von einer Analyse der historischen Entwicklung und Ursachen von Anglizismen nach 1945, um schließlich auf konkrete Unterrichtsmöglichkeiten überzuleiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sprachökonomie, Assimilation, Fremdheitsmerkmale und die diachrone Betrachtung der deutschen Sprache.
Warum wird die Sprachentwicklung als 5-Phasen-Modell im Unterricht konzipiert?
Das Modell soll den Schülern ermöglichen, den Prozess des Sprachwandels Schritt für Schritt nachzuvollziehen – von der historischen Einordnung über die linguistische Analyse bis hin zur eigenen, aktiven Sprachgestaltung.
Wie bewertet der Autor den Einfluss von Anglizismen auf das Deutsche?
Der Autor sieht Sprachwandel als ein natürliches, unvermeidbares Phänomen an. Anglizismen werden dabei als Instrumente betrachtet, die besonders in Fachsprachen durch ihre Präzision und Kürze einen Nutzen bieten können.
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- Marco Baumgarten (Author), 2010, Das Deutsche als Mischsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197477