Die Funktion der Schule im Roman "Shirin"


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Roman „Shirin“ in der genaueren Betrachtung
2.1. Inhaltsangabe
2.2. Übersicht der wichtigsten Personen
2.3. Übersicht der zentralen Handlungsorte
2.4. Literarische Basisanalyse

3. Die Funktion der Schule

4. Fazit

5. Literaturangabe

1. Einleitung

Die Schule als Lebensraum, als Raum für Begegnungen, als Ort des Lernens aber auch der Herausforderungen ist allen bekannt. Jeder muss sie besuchen, jeder hat ganz eigene Erfahrungen mit ihr gemacht. Aber wie wirkt die Schule in der Kinder- und Jugendliteratur? Welche Rolle übernimmt sie und welche Bedeutung wird ihr beigemessen?

Thema der vorliegenden Arbeit ist die genauere Betrachtung der Schule im Roman „Shirin“ von Nasrin Siege. Wie wird die Schule dargestellt, welchen Funktionen hat sie. Ist sie nur Lernort oder doch mehr? Inwieweit beeinflusst sie Shirins Entwicklung und welche verschiedenen „Gesichter“ präsentiert sie Shirin?

Zunächst werde ich den Roman vorstellen und genauer untersuchen, um danach den Ort „Schule“ zu analysieren.

2. Der Roman „Shirin“ in der genaueren Betrachtung

2.1. Inhaltsangabe

Der Roman „Shirin“ wurde 1996 von der iranischen Autorin Nasrin Siege veröffentlicht und handelt von der Geschichte eines elfjährigen Mädchens, das 1960 mit seiner Familie aus Teheran nach Deutschland zieht. Ein Deutschland, dem Gastarbeiter noch neu sind und so Land ist, welches anfangs schwer greifbar für das Mädchen ist, das sich nur langsam integrieren kann, da es durch seine Herkunft fremd auf die Umgebung wirkt. Shirin fühlt sich dadurch selber fremd, sehnt sich anfangs zurück in ihre Heimat, in der alles geordnet und freundlich schien. Doch nach und nach überwinden die Kinder in ihrer Schule ihre Ablehnung gegenüber der Perserin und auch sie lernt, dass es Zeit und Willen braucht, um als Neue, Fremde in einer anderen Kultur Fuß zu fassen. Während sie sich der Außenwelt immer mehr nähert, entfernt sie sich von ihren konservativ-traditionell eingestellten Eltern, um am Ende des Romans festzustellen, dass sie nicht mehr weiß, wohin sie eigentlich gehört. Die bekannte Welt ist ihr fremd geworden, die fremde Welt ist ihr bekannter geworden.

2.2. Übersicht der wichtigsten Personen

In diesem Abschnitt soll es eine kurze Darstellung der wichtigsten Personen geben. „Wichtig“ meint in diesem Zusammenhang: Entscheidend in Bezug auf den groben Verlauf der Handlung und in Bezug auf das sich während der Geschichte wandelnde Bild der Schule.

Es gibt eine Reihe von Figuren, die auftauchen und punktuell für den Verlauf der Geschichte wichtig sind. Sofern diese aber in Bezug auf das Thema dieser Arbeit nicht von entscheidender Bedeutung für Shirin und das Verhältnis zur Schule sind, wird auf ihre Nennung verzichtet. Die Liste der aufgezählten Charaktere ist hier also nicht vollständig. Es bleibt zu erwähnen, dass innerhalb des Romans sehr viele, unterschiedliche Charaktere auftreten und die Handlung mehr oder weniger beeinflussen.

Shirin: ein elfjähriges Mädchen aus Teheran. Shirin ist die zentrale Figur des Romans und ist in der Personenkonstellation dynamisch und vielschichtig. Vielschichtig, weil der Leser erst nach und nach Einblick in Shirins Innenwelt erhält und sie immer wieder während des Romans ihre innere Zerrissenheit zwischen der modernen Welt und der traditionellen Welt ihrer Eltern erwähnt:

„Ich komme mit mir nicht klar. Ich ärgere mich über meine Eltern, bin stinkwütend auf sie, und im nächsten Moment tun sie mir Leid, und ich kriege so ein blödes Gefühl im Magen, weil nicht bin, wie sie mich haben wollen.“[1]

Shirin ist, wie ihre Klassenkameraden in der Volksschule, ein dynamischer Charakter, weil sie im Verlauf der Erzählung eine innere Verwandlung durchmacht. Sie verändert sich vom schüchternen Mädchen zu einem Kind, das nach seiner Zugehörigkeit und dem Sinn einer Heimat fragt; sie gehorcht anfangs, lehnt sich später gegen die Eltern auf und findet die Entscheidungen der Erwachsenen nicht automatisch richtig. Insgesamt ist Shirin mehrdimensional, sie zeigt verschiedene Verhaltensweisen und lebt sowohl in der Gegenwart als auch in Träumen und Erinnerungen ihrer Vergangenheit in Teheran.

Die Eltern von Shirin sind bezüglich der Personenkonstellation statisch. Der Vater entspricht dem Stereotyp „patriarchischer Vater“, der Auslöser des Umzugs ist und im deutschen Kulturumfeld seine Töchter nach persischer Tradition weiter erziehen möchte. Ebenso wie die Mutter, die in ihrer untergeordneten Rolle als Hausfrau nicht glücklich ist, aber sich nicht gegen die Dominanz des Vaters auflehnt, verändert er seine Sichtweisen und sein Verhalten während der gesamten Geschichte nicht. Die Eltern verweigern sich der neuen Kultur und Sprache, und zum Schluss zeigen sie noch einmal ganz deutlich, dass sie die Werte ihrer alten Heimat für einzig richtig halten, selbst wenn man in einem anderen Kulturraum mit anderen Gepflogenheiten lebt. Als eine befreundete Familie zurück nach Teheran zieht, weil die Tochter einen deutschen Freund hatte und für zwei Tage von zu Hause wegläuft, spricht die Mutter von einer Schande für die Familie, mit der sie selber nicht leben könnte; der Vater findet die Flucht in den Iran zurück richtig und droht seinen Kindern mit dem gleichen Schritt, sollten sie auch „ solche Sachen “ machen.[2]

Die Mitschüler von Shirin sind vielfältig in ihrer Erscheinung und bestimmen maßgeblich Shirins Schulerfahrungen. In der Sonderschule sind hauptsächlich ausländische Schüler, die Shirin als Ihresgleichen akzeptieren, weil sie genau wie sie anders ist (in den Augen der Deutschen Schulverwaltung). Während ihrer Zeit in der Volksschule lernt Shirin allerdings, dass nicht alle Kinder so sind. Diejenigen, die namentlich erwähnt werden, sind zunächst gehässig oder zumindest abweisend gegenüber Shirin, vollziehen dann aber auch einen Wandel hin zu einer freundschaftlichen, netten Art. Diese Kinder sind gleichsam wie Shirin dynamische Charaktere, auch wenn wir nicht viel über deren Innenwelt erfahren. Zumindest aber etwas und sie symbolisieren im Roman das Abbild der Gesellschaft, in der Shirin jetzt lebt. Die Abneigung gegen sie ist oberflächlicher Natur, gebaut auf nicht haltbaren Vorurteilen, wie beispielweise das Leben von deutschen Steuergeldern.[3] Und da die Abneigung ohne begründbare Substanz ist, verändert sie sich und wird zur Akzeptanz, in einigen Fällen bei Shirin sogar zur Freundschaft. Betrachtet man die Entwicklung der deutschen Gesellschaft von 1960 bis jetzt, kann man erkennen, dass die anfänglich Fremden aus anderen Ländern heute die Normalität darstellen und nur noch einige Verblendete „Ausländer raus!“ rufen. Die Lehrerinnen Frau Peters und die Lehrerin Fräulein Fischer stellen Hilfe zur Integration von Shirin dar. Sie sind in ihrer Entwicklung statisch, beflügeln aber Shirin in ihrer Entwicklung, weil sie beide stets positiv auf sie wirken. Ihnen gegenüber stehen die Freunde und Bekannten der Familie Shirins, die in ihren Traditionen verharren und den Stillstand, wenn nicht sogar den Rückschritt symbolisieren. Man kann also sagen, dass die Figurengruppen die Verschiedenheit der Entwicklungen repräsentieren, die letztlich zu Shirins Verwirrung führen:

„Ich habe Freundinnen gefunden, und wenn ich mit ihnen zusammen bin, vergesse ich oft, dass ich anders bin als sie. Aber vielleicht bin ich auch gar nicht anders. Wohin gehöre ich? Nach Persien? Nach Deutschland? Oder in die Welt, einfach in die Welt?“[4]

2.3. Übersicht der zentralen Handlungsorte

Der überwiegende Teil des Romans spielt in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg. Dieses Schema wird nur gelegentlich unterbrochen durch Rückblicke Shirins zurück in die Zeit in Teheran. In Hamburg selber hat Shirin einen relativ engen Bewegungskreis: entweder in der Wohnung der Familie oder in der Schule. Ab und zu wechselt sie die Orte, mal ist sie bei der Nachbarin zu Besuch, geht mit ihrer Mutter einkaufen oder mit dem Vater zum Amt. Auch diese überwiegende Zweiteilung weist auf die doppelte Welt, in der Shirin sich bewegt: auf der einen Seite die Wohnung der Familie, in der sich nichts verändert, (außer Shirin) auch die Bewohner nicht und auf der anderen Seite die Schule, bei der Veränderung ein fester Bestandteil zu sein scheint. Die genauere Betrachtung der Schule folgt in Abschnitt 3.

2.4. Literarische Basisanalyse

Der Roman „Shirin“ lässt sich im Bereich der realistischen Kinder- und Jugendliteratur einordnen. Dieser junge, erst seit den 1970ern geprägte Begriff verweist darauf, dass es sich um eine Erzählung handelt, bei der es einen Bezug im Bereich der Handlungen, Figuren, Thematik und Schauplätzen der jugendlichen Lesern und deren „wirkliches Leben“ gibt. Es handelt sich also, grob gesagt, um Erzählungen, die der Realität der Rezipienten sehr nahe kommt und sogar deckungsgleich sein kann:

Unter der rezipientenorientierten Kategorie der Erfahr- und Überprüfbarkeit bzw. Erlebnisnähe der Erzählgegenstände verengt sich der Kollektivbegriff der realistischen KJL [Kinder- und Jugendliteratur] schließlich auf Erzählungen, die von Kindern und Jugendlichen im sozialen Bezugsfeld ihres alltäglichen Lebensbereiches handeln.“[5]

[...]


[1] Vgl. Siege, 1996, S.134

[2] Vgl. Siege, 1996, S.150

[3] Vgl. Siege, 1996, S.84

[4] Vgl. Siege, 1996, S.150

[5] Vgl. Scheiner, Peter in: Lange, 2000, Bd.1, S.158

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Funktion der Schule im Roman "Shirin"
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V197478
ISBN (eBook)
9783656236573
ISBN (Buch)
9783656279433
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktion, schule, roman, shirin
Arbeit zitieren
Marco Baumgarten (Autor), 2010, Die Funktion der Schule im Roman "Shirin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197478

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