Als Asienkrise oder auch Ostasienkrise wird die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 1997 und 1998 einiger ostasiatischen Ländern bezeichnet. Betroffen waren vor allem die sogenannten Pantherstaaten (Indonesien, Malaysia, Thailand und die Philippinen) sowie einige Länder der Tigerstaaten zu denen Südkorea, Taiwan, Hongkong und Singapur zählen. Doch wie konnte es zu dieser Krise kommen obwohl die wirtschaftliche Lage in den ostasiatischen Staaten in den Jahren vor der Krise als positiv beurteilt wurde? Hohes Wirtschaftswachstum, geringe Inflationsrate bei niedriger Staatsverschuldung und stabilen Wechselkursen ließen nicht auf eine bevorstehende Krise deuten. Die hohen Leistungsbilanzdefizit wurden als nicht allzu großes Risiko angesehen. Andere Indikatoren waren demzufolge ausschlaggebend. Vor allem eine hohe kurzfristige Auslandsverschuldung des privaten Sektors begründete eine starke Anfälligkeit gegenüber einer plötzlichen Kapitalflcht. Ebenso wurde das Wechselkursrisiko unterschätzt. Zudem erhöhte eine schwache Aufsicht und Regulierung im Bankensystem der Krisenländer das Risiko für eine plötzliche Krise.
In dieser Arbeit wird die Ostasienkrise ausführlich dargestellt und analysiert. Um einen Überblick zu bekommen, wird in Kapitel 2 die Lage der am stärksten betroffenen Länder vor Ausbruch der Krise beschrieben. In Kapitel 3 wird der Verlauf der Krise geschildert. Hierbei werden die einzelnen Länder separat betrachtet. Ebenfalls wird im dritten Kapitel betrachtet, welche Auswirkungen die Krise auf Asien, aber auch auf Europa und die USA mit sich brachte. Kapitel 4 zeigt die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit dessen Hilfsprogrammen die betroffenen Länder unterstützt und gerettet wurden. Hier werden die IWF Programme für die am stärksten betroffenen Länder Thailand, Indonesien und Südkorea ausführlich dargestellt. Im zweiten Teil dieses Kapitels wird die Arbeit des IWF in Bezug auf die Rettung aus der Asienkrise kritisch analysiert.
Die Arbeit orientiert sich zu einem großen Teil an der interessant geschriebenen Lektüre von Gerhard Aschinger „Währungs- und Finanzkrisen - Entstehung, Analyse und Beurteilung aktueller Krisen“ aus dem Jahre 2001.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ostasien vor der Krise
3. Ausbruch und Verlauf der Krise
3.1. Zeitlicher Ablauf der Krise
3.2. Globale Konsequenzen der Krise
4. Die Rolle des IWF
4.1. Maßnahmen des IWF - Betrachtung der am meisten betroffenen Länder
4.2. Beurteilung der IWF-Programme
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Asienkrise von 1997/98 sowie die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Krisenbewältigung detailliert zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Ostasien vor Ausbruch der Krise
- Analyse der Auslöser und der dynamischen Ausbreitung der Finanzkrise
- Untersuchung der IWF-Hilfsprogramme in Thailand, Indonesien und Südkorea
- Kritische Bewertung der Wirksamkeit und der sozialen Folgen von IWF-Maßnahmen
- Vergleichende Betrachtung mit der Finanzkrise 2008
Auszug aus dem Buch
3. Ausbruch und Verlauf der Krise
Obwohl die makroökonomischen Variablen der ostasiatischen Länder, mit Ausnahme des Leistungsbilanzdefizits kaum Schwächen zeigten, brach 1997 in eben diesen Ländern eine schwere Krise aus. Weder von den Regierungen, noch von Ökonomen oder sonstigen Marktteilnehmern wurde diese vorhergesehen, auch wenn, wie im vorigen Kapitel beschrieben, Risiken für eine solche Krise gegeben waren. Begonnen hat diese 1997 in Thailand, weitete sich jedoch in kurzer Zeit auch auf Indonesien, Malaysia, die Philippinen und schließlich auch auf Südkorea aus.
Vor allem durch die beträchtlichen Exporterfolge strömte zu Beginn der 90er Jahre immer mehr ausländisches Kapital nach Thailand. Auch die höheren Zinssätze, sowie die Anbindung des thailändischen Baht an den US-Dollar waren ein Grund für zunehmende ausländische Kapitalzuflüsse, bei welchen es sich jedoch zum Großteil um kurzfristige Anlagen handelte. Diese kurzfristigen Anlagen reagieren auf neue Informationen sehr sensibel. Mit den dadurch vorhandenen Mitteln wurden vor allem auch die inländischen Kredite ausgedehnt. Da der Großteil dieser Kredite wiederum für Immobilien vergeben wurde, erhöhten sich auf der einen Seite die Immobilienpreise, ebenso aber wurde auch der Grundsatz verletzt, dass kurzfristige Kredite für kurzfristige Vorhaben und langfristige Kredite für langfristige Projekte vergeben werden. Das daraus entstandene Risiko war enorm, da auslaufende Kredite eventuell nicht mehr oder nur zu schlechteren Konditionen erneuert werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Finanz- und Wirtschaftskrise in Ostasien 1997/98 ein und erläutert die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Ostasien vor der Krise: Dieses Kapitel beleuchtet das hohe Wirtschaftswachstum, die Kapitalzuflüsse und die strukturellen Schwächen, die trotz positiver Indikatoren zur Entstehung der Krise beitrugen.
3. Ausbruch und Verlauf der Krise: Das Kapitel beschreibt den zeitlichen Ablauf der Krise in den betroffenen Ländern sowie deren globale Auswirkungen auf andere Märkte.
4. Die Rolle des IWF: Hier werden die Hilfsprogramme des IWF für Thailand, Indonesien und Südkorea detailliert dargestellt und die getroffenen Maßnahmen kritisch bewertet.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse der Krisenursachen zusammen und reflektiert die Rolle des IWF sowie Lehren für zukünftige globale Finanzkrisen.
Schlüsselwörter
Asienkrise, Ostasienkrise, IWF, Währungskrise, Finanzkrise, Moral Hazard, Kapitalflucht, Immobilienblase, Leistungsbilanzdefizit, Wirtschaftswachstum, Thailand, Indonesien, Südkorea, Finanzmarktblase, Intervention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Finanz- und Wirtschaftskrise, die 1997 in Ostasien ausbrach, und analysiert deren Ursachen, Verlauf sowie die Interventionen des Internationalen Währungsfonds.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den ökonomischen Bedingungen vor der Krise, den Auslösern der Spekulationsblasen, der Rolle kurzfristiger Kapitalströme und der Wirksamkeit internationaler Rettungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine ausführliche Darstellung und kritische Analyse der Krise, insbesondere der Rolle des IWF bei der Stabilisierung der betroffenen Volkswirtschaften.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Analyse der ökonomischen Daten und politischen Maßnahmen basierend auf einschlägiger Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Lage vor der Krise, den Verlauf in den einzelnen Ländern, die globalen Konsequenzen und detailliert die verschiedenen IWF-Hilfsprogramme sowie deren Kritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Asienkrise, Moral Hazard, IWF, Währungsanbindung und Finanzmarktstabilität.
Welche Rolle spielte das "Moral Hazard"-Phänomen während der Krise?
Der Autor argumentiert, dass das Vertrauen auf staatliche Garantien und die Erwartung internationaler Rettungsschirme Banken zu einer riskanten Kreditpolitik verleitete, was die Krise befeuerte.
Wie unterscheidet sich die Situation Südkoreas von den anderen Krisenländern?
Südkorea verfügte über einen höheren Entwicklungsstand und investierte Kapital primär in exportorientierte Industrien statt in Immobilienspekulationen, wurde aber dennoch von der Krise schwer getroffen.
Wird die Rolle des IWF in der Arbeit positiv oder negativ bewertet?
Der Autor betrachtet das Verhalten des IWF sehr kritisch und hinterfragt, ob die erzwungene restriktive Geldpolitik und die Sparauflagen tatsächlich zur Stabilisierung beitrugen oder die Rezession eher verschärften.
- Arbeit zitieren
- Andreas Fürst (Autor:in), 2012, Asienkrise - Geld und Währung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197480