Sprachwandel - Entlehnungsvorgänge aus dem Angloamerikanischen


Hausarbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1 Definition
2.2 Klassifizierung der Entlehnungstypen

3. Kontaktsituationen der deutschen Sprachgeschichte

4. Weltsprache Deutsch

5. Der Einfluss des Angloamerikanischen auf die deutsche Sprache

6. Das Deutsche - eine gefährdete Sprache?

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nie zuvor diskutierten Sprachwissenschaftler die Überfremdung der deutschen Sprache wie in den letzten beiden Jahrzehnten. Etliche Bücher und Aufsätze wurden dieser Thematik in diesem Zeitraum gewidmet. Auch etwa ein Viertel der Deutschen beobachten die Entwicklung und aktuellen Sprachveränderungen des Deutschen mit Besorgnis.[1] Das Deutsche wurde unter anderem geprägt durch das Französische, Lateinische oder Italienische, so eroberten vor einigen Jahrzehnten etliche italienische Gemüsesorten und Teigwaren wie die Zucchini, der Broccoli, die Makkaroni oder das Ciabatta den deutschen Wortschatz sowie die deutsche Speisekarte.

In letzter Zeit erhitzen jedoch besonders die zunehmende Anglisierung bzw. Amerikanisierung die deutschen Gemüter, so dass oft von der „kulturellen Selbstaufgabe“[2], der „Sprachilloyalität“ der Deutschen oder gar des „Sprachverfalls“ die Rede ist.

Widerstand macht sich breit in sprachpflegerischen Vereinen oder Institutionen, die sich gegen den massiven Import von Anglizismen einsetzen und sich für den Erhalt der deutschen Sprache stark machen.

Sind die Ängste berechtigt? Oder ist es reine Panikmache? Verhält sich der deutsche Sprecher illoyal gegenüber seiner Sprache, wenn er zunehmend Entlehnungen aus anderen Sprachen verwendet?

Im Rahmen des Seminars „Sprachdiskussion Deutsch“ widmeten wir uns der Frage nach der Illoyalität oder Loyalität des Deutschen Sprechers. Ausgehend vom Text „Fehlende Sprachloyalität?“ von Wolf Peter Klein gingen wir dieser Fragestellung nach und stellten das Sprachbewusstsein der Deutschen auf den Prüfstand.

Wir suchten nach Lebensbereichen, Gemeinschaften, Einrichtungen und Aktivitäten, in denen der Deutsche Sprachloyalität beweist, das heißt, Interesse für seine eigene Sprache zeigt, ihr Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbringt und bewusst Sprachpflege betreibt. Inwieweit ist z.B. die deutsche Sprache in Literatur und Presse ein Thema und trifft es auf Resonanz? Was können Sprachpflegevereine wie z.B. der VDS (Verein Deutscher Sprache) bewirken? Wie stark ist das Engagement der Deutschen?

Wir betrachteten ebenfalls die teils kritisch beurteilte Entwicklung des Deutschen in Form von Wortneuschöpfungen, Abkürzungen und Entlehnungen, welche besonders durch die Medien angetrieben werden. Kann man stolz sein über die derzeitige Expansion der deutschen Sprache? Beweisen wir Toleranz und Offenheit, gehen wir mit der Zeit und lassen gerne Veränderungen zu? Oder fühlen wir uns von anderen Sprachkulturen bedrängt und bedroht?

Außerdem interessierte uns, ob der Deutsche im Zuge des schnelllebigen Handy- und Internetzeitalters, geprägt durch SMS, Messengers und Chats, die Richtigkeit seiner Sprache vernachlässigt und jegliche Regeln der Groß- und Klein- sowie Rechtschreibung und Zeichensetzung vergisst oder auch in kurzen Nachrichten sprachbewusst handelt? Zeigt der Deutsche Kreativität im Umgang mit seiner Sprache?

Wie wir sehen, häuften sich zu Anfang des Seminars die Fragen, auf welche wir im Laufe des Semesters versuchten anhand von Recherchen und empirischen Untersuchungen Antworten zu finden. Wir trugen diese Ergebnisse in unserer Arbeitsgemeinschaft vor, diskutierten sie und zogen gemeinsam ein Resümee.

Diese Hausarbeit basiert auf meinem Vortrag zum Thema „Entlehnungen“, welchen ich am 15.6.2005 im Rahmen unseres kleinen „Forschungsprojekts“ hielt und dessen Aufbau ich dieser Ausarbeitung zugrunde lege.

Die Vorgehensweise meiner Untersuchung und zugleich der Aufbau dieser Hausarbeit lassen sich folgendermaßen skizzieren:

Zunächst definiere ich den Begriff der Entlehnung und gehe auf unterschiedliche Entlehnungsvorgänge ein. Ich möchte damit klären, wie Entlehnungen überhaupt zu Stande kommen und welche Typen von Entlehnungen existieren.

Darüber hinaus umreiße ich kurz die deutsche Sprachgeschichte und zeige Situationen des Sprachkontakts auf, um darzulegen, dass Entlehnungen schon immer ein wesentlicher Bestandteil der Sprachentwicklung waren.

Ebenfalls mache ich darauf aufmerksam, dass auch das Deutsche für andere Nationen eine Gebersprache war bzw. ist.

Im nächsten Schritt betrachte ich die gegenwärtige Situation und beschreibe, welche Motive ausschlaggebend für einen so massiven Sprachimport aus dem Angloamerikanischen sind und aus welchen Feldern hier systematisch entlehnt wird.

Zuletzt diskutiere ich, ob das Deutsche vom internationalen Sprachimport profitieren kann oder Entlehnungen schlichtweg eine Gefahr für die deutsche Sprache darstellen und zunehmend zum Sprachverfall beitragen.

2. Begriffsbestimmung

2.1 Definition

Der allgemeine Sprachwandel beruht auf sprachlichen Neuerungen, so genannten Innovationen. Quelle für solche Neubildungen ist unter anderem die Entlehnung, welche als ein Phänomen des Sprachwandels durch Sprachkontakt zu sehen ist. Die Entlehnung verändert vor allem den lexikalischen Bestand einer Sprache, indem neue Wörter in den Wortschatz aufgenommen werden. Es können aber ebenso grammatische Strukturen aus anderen Sprachen entlehnt werden. Maibauer definiert:

„Der Transfer von sprachlichem Material von einer Sprache in eine zweite Sprache wird als Entlehnung bezeichnet.“[3]

Bußmann 2002 expliziert konkreter: „Entlehnung (engl. borrowing / loan), auch: Interferenz, Transferenz). Vorgang und Ergebnis der Übernahme eines sprachlichen Ausdrucks aus einer Fremdsprache in die Muttersprache, meist in solchen Fällen, in denen es in der eigenen Sprache keine Bezeichnung für neu entstandene Sachen bzw. Sachverhalte gibt. Die Ursachen solcher auf Sprachkontakt beruhenden Beeinflussungen liegen in verschiedenen politischen, kulturellen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Entwicklungen (Import neuer Produkte, Prestigeempfinden, Internationalisierung von Fachsprachen u.a.).“[4]

2.2 Klassifizierung der Entlehnungstypen

Es existieren unterschiedliche Entlehnungsvorgänge. Zunächst unterscheidet man Fremdwörter von Lehnwörtern. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die deutsche Sprache durch die Aufnahme vieler neuer Wörter erweitert. Einige dieser Wörter blieben in ihrer phonologischen, orthographischen und morphologischen Form als Fremdwörter bestehen und passten sich nicht bzw. nicht grundlegend der Zielsprache an, d.h., der fremdsprachige Ursprung ist noch ersichtlich bzw. hörbar wie z.B. beim französischen „Portemonnaie“ oder beim „Mikroskop“, welches sich aus den griechischen Wörtern „ mikro“ ( = klein) und „ skopein“ ( =schauen) zusammensetzt. Andere fremde Wörter wurden als Lehnwörter hinsichtlich ihrer Schreibung und/oder Aussprache und/oder Flexion an die aufnehmende Sprache angeglichen, dass sie nicht mehr als fremd empfunden werden wie beispielsweise das „Fenster“, entlehnt vom lateinischen Ausdruck „fenestra“ oder der „Kredit“ hergeleitet vom italienischen Wort „credito“. Die Grenzen zwischen Lehnwörtern und Fremdwörtern sind fließend, so dass deren Unterscheidung oft dem subjektiven Empfinden unterliegt.

Weitere Entlehnungstypen stellen die Lehnbedeutung, Lehnbildung (auch Lehnprägung) und die Scheinentlehnung dar.

Unter einer Lehnbedeutung versteht man die Übertragung der Bedeutung eines fremden Wortes auf ein einheimisches Wort. So erhielt das deutsche Wort „Maus“, ursprünglich Bezeichnung für ein Nagetier, unter dem Einfluss der englischen Bezeichnung „mouse“ ebenfalls dessen Bedeutung eines Computerzubehörs.

Ebenso bekam das deutsche Verb „schneiden“ vom englischen Ausdruck „to cut a person“ die Zusatzbedeutung „jemanden absichtlich nicht kennen“.

Die Lehnbildung oder auch Lehnprägung gliedert sich in drei Varianten.

Bei der Lehnübersetzung werden die einzelnen Elemente des Ausgangswortes, wobei es sich meist um ein zusammengesetztes Fremdwort handelt, Glied für Glied ins Deutsche übersetzt. So entstanden z.B. die Verwandtschaftsbezeichnungen „Großmutter“ und „Großvater“ aus der wörtlichen Übersetzung von den französischen Bezeichnungen „grand-mere“ und grand-pere“. Demgemäß übersetzten wir das englische „pocketbook“ in das deutsche „Taschenbuch“.

Wird dagegen nur ein Element des Ausgangswortes übersetzt, spricht man von einer Lehnübertragung. Dies ist z.B. bei dem Ausdruck „Wolkenkratzer“ der Fall, der als Lehnübertragung aus dem englischen Begriff „skyscraper“, wörtlich übersetzt eigentlich „ Himmels kratzer“, hervorgegangen ist. Auch das griechisch-lateinische Wort „geographia“ wurde im Deutschen nicht als wortgetreue Übersetzung gehandelt, statt der „Erdbeschreibung“ wurde die Lehnübertragung „Erdkunde“ in den deutschen Wortschatz überführt.

[...]


[1] Vgl. Gisela Zifonun: Die Überfremdung des Deutschen: Panikmache oder echte Gefahr? In: IDS-Sprachreport, Heft 3/2002, S.2.

[2] Ekkehard König: Das Deutsche: Von der Weltsprache zu einer europäischen Sprache unter vielen. In: Germanistische Mittelungen: Zeitschrift für deutsche Sprache, Literatur und Kultur, Heft 59/2004, S.8-9.

[3] Jörg Maibauer: Einführung in die germanistische Linguistik. Stuttgart: Verlag Metzler, 2002, S.326.

[4] Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner, 2002, S.213-214.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Sprachwandel - Entlehnungsvorgänge aus dem Angloamerikanischen
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1.0
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V197503
ISBN (eBook)
9783656247708
ISBN (Buch)
9783656250395
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anglizismen, Angloamerikanismen, Sprachwandel, Überfremdung der deutschen Sprache, Denglisch, Entlehnungen, Verein Deutscher Sprache
Arbeit zitieren
Studienrätin Eva-Maria Größ (Autor), 2008, Sprachwandel - Entlehnungsvorgänge aus dem Angloamerikanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197503

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