Krafttraining im Ausdauersport: Auswirkungen von Krafttraining auf die Leistungsfähigkeit im Radsport


Bachelorarbeit, 2010
49 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einfuhrung und Zielsetzung

2. Physiologische Grundlagen
2.1 Die konditionelle Grundeigenschaft Ausdauer
2.1.1 Definitionen der Ausdauer
2.1.2 Muskulare Adaptionen an ein Ausdauertraining
2.1.3 Struktur der Ausdauer
2.2 Die konditionelle Grundeigenschaft Kraft
2.2.1 Struktur
2.2.2 EinflussgroBen
2.2.3 Vorstellung verschiedener „Krafttrainingsmethoden" und deren Adaptionen

3. Disziplinen des Radsports und seine Anforderungen an die Athleten
3.1 Disziplinen im Radsports
3.2 Anforderungsprofil und Leistungsprofil des Radsports
3.3 Diskussion der Trainingsmethode ,,Kraft mit Rad“

4. Muskulare Anpassungsvorgange von Kraft- und Ausdauertraining
4.1 Anpassungen durch Ausdauertraining
4.2 Anpassungen durch Krafttraining

5. Auswirkungen eines begleitenden Krafttrainings auf die Ausdauerleistung

5.1 Uberblick
5.2 Genaue Betrachtung
5.3 Zusammenfassung

6. Fazit

7. Abkurzungsverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Einfuhrung und Zielsetzung

Nach der Erfindung der Laufmaschine des Freiherrn von Stein und einigen technischen Weiterentwicklungen fanden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Radrennen statt. Eine der ersten Veranstaltungslander war Frankreich mit der Tour de France 1903 (vgl. NEUMANN, 2000). Zu Beginn als einfaches StraBenrennen ausgetragen, hat sich der Radsport mittlerweile in viele verschiedene Disziplinen differenziert, die den Athleten die verschiedensten Stoffwechselsituationen abfordern. Auch das Material der Fahrrader hat sich stark verandert. So wiegt ein StraBenrennrad heute nicht mehr als 9 kg (vgl. NEUMANN, 2000).

Die Leistung des Radsportlers wird vornehmlich durch eine ausgepragte Ausdauerleistungsfahigkeit bestimmt, wie auf verschiedenste Weise empirisch untersucht und belegt wird (siehe Kap. 5).

Um in der Lage zu sein, die in einem StraBenradrennen auftretenden langen Belastungsintervalle mit teilweise hoher Intensitat erfolgreich zu meistern, bedarf es eines hohen AusmaBes an vor allem ausdauerbetonten Trainingseinheiten mit beachtlichen Umfangen. Der professionelle Radsportler fahrt zwischen 30.000 km und 35.000 kmjahrlich, um das Leistungsniveau zu halten bzw. zu verbessern (vgl. LUCIA et al, 2001).

Die Leistungsreserven eines Radrennsportlers sind aufgrund des hohen Trainingsniveaus recht gering. Diese gilt es voll auszuschopfen, alle relevanten konditionellen Eigenschaften der Athleten anzusprechen, die eine Leistungssteigerung hervorrufen konnen. So stellt sich neben der Ausdauerleistungsfahigkeit, die unstrittig die Grundlage der Leistungsfahigkeit eines jeden Radsportlers darstellt, die Frage, ob ein begleitendes Krafttraining einen zusatzlichen Leistungsvorsprung ermoglichen kann.

Die entscheidende Fragestellung ist also, in wieweit der Athlet durch ein begleitendes Krafttraining die Ausdauerleistung unterstutzen, die Leistung bei kurzen Antritten in einem Radrennen verbessern und das Muskelpotenzial ausschopfen kann (siehe Kap. 3.1.4) ohne dabei eine aufierordentliche muskulare Querschnittzunahme verbunden mit einer Gewichtszunahme zu erreichen,.[1]

Weiterhin gilt es eventuelle Kraftverluste der Athleten zu kompensieren, die im Zuge eines hohen Trainingsumfangs im Ausdauerbereich auftreten konnen.

Beim Vergleich der Studienergebnisse fallt ein uberwiegend positives Fazit bezuglich des Ausbaus der Leistungsfahigkeit durch ein begleitendes Krafttraining auf. Die Athleten konnen bei keinen bis geringen negativen Auswirkungen auf die Ausdauerleistungsfahigkeit von einem hoheren maximalen Kraftniveau schopfen, das sich wiederum auf die Kraftfahigkeiten Kraftausdauer und Schnellkraft auswirkt.

Wird hierbei vornehmlich ein Training mit maximalen Lasten eingesetzt, so wird die Querschnittzunahme der Muskelfasern beschrankt und fuhrt zu einer vollen Ausschopfung der Kraftreserve des Muskels durch verbesserte neuronale Komponenten der Kraftentwicklung (GULLICH & SCHMIDTBLEICHER, 1999).

2. Physiologische Grundlagen

Die Leistungsfahigkeit eines Organismus wird durch die physische Kondition beschrieben. Sie umfasst die Ausdauer, die Beweglichkeit, die Schnelligkeit, die Kraft sowie die Koordination (vgl. WEINECK, 2007).

Im Rahmen dieser Arbeit werden vornehmlich die konditionellen Eigenschaften Ausdauer sowie Kraft beleuchtet, da sie fur Radsportler diejenigen Komponenten sind, die leistungslimitierend wirken konnen. Erste Prioritat nimmt hierbei die reine Ausdauerfahigkeit des Sportlers ein. Die Verbesserung der Leistung im Ausdauerleistung durch Krafttraining erfolgt auf der nachsten Ebene und kann sinnvoll eingesetzt leistungsverbessernd wirken, wie im Folgenden erlautert werden wird.

2.1 Die konditionelle Grundeigenschaft Ausdauer

2.1.1 Definitionen der Ausdauer

Der Begriff „Ausdauer“ wird in verschiedenen Leistungssituationen unterschiedlich verstanden und definiert. Grundlegend versteht man unter dieser Bezeichnung die Fahigkeit des Organismus, einer aufkommende Leistungsminderung und schlieBlich dem Aktivitatsabbruch moglichst lange widerstehen zu konnen. Von HOLLMANN & STRUDER wird die Ausdauer als eine ,,gegebene Leistung (die) uber einen moglichst langen Zeitraum durch(ge)halten (werden kann)“ verstanden (vgl. HOLLMANN & STRUDER, 2009). bezeichnen diese konditionelle Fahigkeit als „Ermudungswiderstandsfahigkeit“ (vgl. ZINTL & EISENHUT, 2004). Um diesen von ZINTL & EISENHUT verwendeten Begriff zur Beschreibung der „Ausdauer“ verstehen zu konnen, ist es notwendig den Begriff „Ermudung“ genauer zu betrachten:

„Wir definieren Ermudung in Anlehnung an Lehmann (1953) als die reversible Herabsetzung der Funktionsfahigkeit infolge einer muskularen Tatigkeit.“ (vgl. HOLLMANN & STRUDER, 2009)

Ausgeschlossen von dieser Definition wird laut den Autoren die „im anorganischen Bereich vorkommende sogenannte Materialermudung“. Hierbei gibt es bisher keine exakten messbaren GroBen, die verschiedene Ermudungsniveaus festlegen. Vielmehr findet sich der Begriff der Ermudung in der allgemeingebrauchlichen Verwendung, wie z.B. auch die Begriffe Ubermudung, Erschopfung usw.. Es werden zwei Stadien der Ermudung von einander unterschieden:

Die akute Form der Ermudung tritt direkt nach intensiven muskularen Beanspruchungen auf, ganz im Gegensatz zur chronischen Form, die sogar noch Tage oder Wochen nach einer Intensivbelastung festgestellt werden kann. Eine ermudende Situation kann an jedem Element der Funktionskette einer willkurlich ausgelosten Muskelkontraktion auftauchen.

Sie findet sichje nach Belastung:

- im Frontalhirn
- im Ruckenmark
- im peripheren Nerv
- in der Muskelfasermembran
- im tranversalen Tubulussystem
- in der Kalzium-Freisetzung
- in der Aktin-Myosin-Interaktion
- bei der Entleerung der Kreatinphsophatspeicher in der Muskelzelle
- bei der Laktatanhaufung in der Muskelzelle
- bei der Entleerung von intramuskularen Glykogenspeichern
- beim Anstieg von Ammoniak
- beim Absinken des Blutzuckerspiegels
- beim intrazellularer Kaliumverlust,
- bei hormonellen Dysbalancen (HOLLMANN & STRUDER, 2009).

Zusammenfassend entsteht Ermudung sowohl zentral als auch peripher abhangig von der Belastungsart- und Dauer der Muskelkontraktion. Elemente der Ermudung sind vor allem eine Erschopfung der Energiereserven, eine Abnahme der Fermentaktivitat und Storungen im Wasser- und Elektrolytstoffwechsel. Im Folgenden wird die Begrifflichkeit „Ausdauer“ abhangig von verschiedenen Faktoren einer Belastung differenziert dargestellt (HOLLMANN & STRUDER, 2009).

2.1.2 Muskulare Adaptionen an ein Ausdauertraining

Die Studien von BAUMANN weisen eine Abnahme der Typ-IIx-Fasern von 13% auf 9% durch ein alleiniges Ausdauertraining nach, ohne dass eine Zunahme von Typ-I- Fasern oder Typ-IIa-Fasern stattgefunden habe (BAUMANN, 1987). Untersuchungen von KRAEMER dagegen stellen eine Zunahme der Typ-IIc- und IIa-Fasern und eine Reduktion Typ-IIb-Fasern, wie eine Reduktion der Typ-I- und Typ-IIc- Querschnittsflache fest (KRAEMER, 1995).[2]

2.1.3 Struktur der Ausdauer

Die Unterteilung des so oft verwendeten Begriffs der „Ausdauer“ erscheint notwendig, fuhrt man sich die unterschiedlichen Teilaspekte sportlicher Leistungsfahigkeit und deren Untersuchung vor Augen. Auch zur Trainingssteuerung bedarf es eines umfassenden Grundwissens daruber, wie Ausdauer definiert wird, welche Strukturierungsansatze vorhanden sind und wie sich die Energiebereitstellung zur Ausfuhrung einer sportlichen Leistung auf unterschiedlichen Intensitatsniveaus gestaltet.

2.1.3.1 Umfang der arbeitenden Muskulatur

SAZIORSKI unterteilt die Ausdauer in 3 Komponenten auf morphologischer Ebene. Die lokale Ausdauer wird mit weniger als 1/3 der Skelettmuskulatur ausgeubt, bei 1/3 bis 2/3 der Skelettmuskulatur beansprucht der Sportler die regionale Ausdauer und daruber die globale Ausdauer (vgl. SAZIORSKI, 1987). Bei der Differenzierung der Ausdauer seitens HOLLMANN & STRUDER wird zwischen einem Anteil der Skelettmuskulatur von unter 1/6 bis 1/7 und einem Anteil daruber unterschieden. „Die Muskelmenge von weniger als 1/6 bis 1/7 entspricht in etwa einem Bein“ (ZINTL & EISENHUT, 2004, S.34).

Unter 1/6 bis 1/7 der gesamten Muskelmenge ist die Leistungsfahigkeit der beanspruchten Muskulatur maBgeblich abhangig vom kardiopulmonalen System, das unter Verwendung von Sauerstoff Energie nachliefert. Ein Belastungsabbruch wird in diesem Zusammenhang von anderen leistungsbestimmenden Faktoren im Falle einer Ermudung gefordert (Vgl. HOLLMANN & STRUDER, 2009).

2.1.3.2 Art der hauptsachlichen Energiebereitstellung

Geht man davon aus, dass der Sportler zu jeder Zeit der Belastung keinen Nahrstoffmangel erfahrt, unterscheidet man grundsatzlich drei Stoffwechselsysteme zur Energiegewinnung. Eine Ubersicht findet sich bei HOLLMANN & STUDER (2009) und ist in nachfolgender Skizze dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Vereinfachte, schematische Darstellung des anaeroben und aeroben Stoffwechsels (HOLLMANN & STRUDER, 2009, S. 68)[3]

Bei korperlicher Belastung verbrauchte Energie wird durch gespaltenes Adenosintriphosphat (ATP) [in Adenosindiphosphat (ADP) + Phosphat (P) + Energie] freigesetzt. Um weiterhin Energie produzieren zu konnen, muss das in ADP+P gespaltene ATP wieder resynthetisiert werden. Hierbei werden je nach Belastungslange und Intensitat ADP und Creatinphosphat, Glukose und ADP im anaeroben Bereich oder Fettsauren und Glukose und ADP unter Verwendung von Sauerstoff zu ATP mit seinen je nach Stoffwechselweg spezifischen Abfallprodukten resynthetisiert. Das entstehende Produkt ist im alaktaziden anaeroben Bereich (Verwendung von Creatinphosphat) Creatin. Die laktazide anaerobe Energiegewinnung fuhrt neben der Resynthese von ATP zu einem Anstieg von Laktat in der Muskulatur und im Blut (vgl. HOTTENROTT, 2009). Die Unterteilung der Ausdauer in verschiedene Arten der Energiebereitstellung bzw. in die unterschiedlich entstehenden Mischverhaltnisse an arbeitenden energieliefernden Systemen in unterschiedlichen Belastungssituationen wird je nach Autor anders dargestellt. So weisen HOTTENROTT & NEUMANN auf eine Unterscheidung in eine alaktazid- anaerobe Startphase als Phase I, eine aerobe Phase als Phase II, eine aerob-anaerobe Phase als Phase III und eine rein anaerobe Phase hin (HOTTENROTT & NEUMANN, 2008)

Phase 0 weist in den ersten 10 Sekunden einer intensiven Belastung eine Nutzung der Energievorrate von ATP und Creatinphosphat mit 50% sowie von Glykolyse mit 47% und von Glykolyse auf aerober Basis mit 3% auf. Die Energienutzung nach 30 Sekunden intensiver Belastungen wird ohne mafigebliche Laktatanhaufung zu 25% abgedeckt. Die restlichen 75% der Energiegewinnung werden zu 45% anaerob-laktazid und zu 30% aerob gewonnen.

In Phase I wird der Organismus mafigeblich uber die aeroben bzw. anaerob-laktaziden Stoffwechselwege mit Energie versorgt. Je weniger intensiv die Belastungsintensitat gewahlt wird, desto mehr Energie kann uber die aeroben Wege gelangen. Steigt die Belastungsintensitat an, wird vermehrt auf anaerobem Weg Energie bereitgestellt, was eine Anhaufung von Laktat im Muskel und Blut zur Folge hat. In der anaeroben Phase wird Energie aus Creatinphosphat und Glukose bei absolutem Sauerstoffmangel gewonnen. Dieser Stoffwechselweg wird bei hochster Belastungsintensitat und sehr kurzer Dauer genutzt. Muss diese Form der Energiebeschaffung im Organismus aufgrund der hohen Belastungsintensitat beibehalten werden, wird mehr und mehr Laktat angehauft, was letztendlich durch das ansteigende physiologische Ungleichgewicht zwischen Laktatanhaufung und -abbau zum Belastungsabbruch fuhrt (vgl. HOTTENROTT & NEUMANN, 2008). ZINTL & EISENHUT strukturieren die Ausdauer auf dem Gebiet der Energiebereitstellung in aerobe und anaerobe Bereiche der Stoffwechselsysteme. Hierbei unterscheiden siejeweils in einen Kurz-, Mittel- und Langzeitbereich der jeweiligen Art der Energiebereitstellung (vgl. ZINTL & EISENHUT, 2004). Wie auch von HOTTENROTT & NEUMANN beschrieben, stellen ZINTL & EISENHUT die Energiebeschaffung im Organismus als ein sich standig veranderndes Konstrukt dar, welches immer durch ein Mischverhaltnis gekennzeichnet ist. ,,In reiner Form kommen die Ausdauerformen in der Praxis eher selten vor.“ (vgl. HOTTENROTT, NEUMANN, 2008)

Vorwiegend leistungsbestimmend sind in der anaeroben Energiebereitstellung das Niveau der anaeroben Kapazitat, das Niveau der zellularen Glykogen-Vorrate, die Stoffwechselkapazitat der Enzyme der anaeroben Glykolyse, die Fahigkeit dieser Enzyme, auch bei hoher Belastungsazidose noch arbeiten zu konnen (vgl. WEINECK, 2007).

Bei Ausdauerbelastungen handelt es sich in erster Linie um Kohlenhydrate und Fette, die zur Wiederherstellung der energiereichen Verbindung ATP herangezogen werden. Diese werden unter Verwendung von Sauerstoff verstoffwechselt. Fette werden in Form von Lipidtropchen in den Muskelzellen durch die Lipolyse zu Fettsauren und Glycerin abgebaut. Die freien Fettsauren werden anschliefiend in den Mitochondrien oxidiert und Energie ebenfalls zur Wiederherstellung von ATP freigesetzt. Die Oxidation von Kohlenhydraten wird durch Glucoseoxidation ebenfalls zur Resynthese von ATP herangezogen. Die Kohlenhydratspeicher sind im Vergleich zu den Fettspeichern recht begrenzt.

Die Energiegewinnung unter Verwendung von Sauerstoff wird als aerobe Form der Energiebereitstellung bezeichnet. Sauerstoffaufnahme und -verbrauch stehen im Gleichgewicht. Es herrscht ein „Steady-State“ ohne Sauerstoffschuld. Werden die Belastungen intensiver, wird dieses Gleichgewicht zerstort, so dass nicht mehr genug Sauerstoff vorhanden ist, um die Energieversorgung auf diesem Weg zu decken.

Nimmt die Belastung wieder ab, kann das herrschende Ungleichgewicht leicht verzogert durch verstarkte Atmung ausgeglichen werden.

Die Leistung wird mafigeblich von der Fahigkeit des Sportlers bestimmt, eine moglichst grofie Menge an aufgenommenem Sauerstoff zur Peripherie zu transportieren und ihn dort zu verarbeiten.

„The maximal oxygen intake, or maximal aerobic power, is a measure of the body’s ability to transport oxygen from the ambient air to the exercising muscles. It is thus one of the more important determinants of endurance performance.” (SHEPHARD et al. 2003, S. 301)

Vorwiegend leistungsbestimmend sind im aeroben Bereich:

- Leistungsfahigkeit des Herz-Kreislauf-Systems
- Stoffwechselparameter wie Energiespeicher und mitochondriale Kapazitat (vgl. WEINECK, 2007)

2.1.3.3 Arbeitsweise der Skelettmuskulatur

Grundlegend unterscheiden sich dynamische und statische Ausdauer im Druckaufbau innerhalb des arbeitenden Muskels und die damit verbundene Art der Energiebereitstellung. Bei hohen Belastungen, die auf die arbeitende Muskulatur trifft, baut sich bei statischer Arbeit ein Muskelinnendruck auf, der das Zufliefien von Blut und damit auch des Sauerstoffs von aufien verhindert. Schon ab einem prozentualen Anteil von 15% der maximalen Muskelspannung wird der Blutzufluss behindert. Steigt die Belastung weiter bis auf 50% an, so kann keine Versorgung von Sauerstoff uber das Blut gewahrleistet werden. Die Energie muss aus den muskelinneren Speichern auf anaerober Basis zugefuhrt werden. Ein solcher Druckaufbau entsteht bei dynamischen Belastungen nicht. Die Entspannungsphasen zwischen jeder Kontraktion reichen fur eine Mitversorgung der Muskulatur durch das Blut aus, so dass sie auch unter Verwendung von Sauerstoff arbeiten kann (vgl. HOLLMANN & HETTINGER, 2000).

2.1.3.4 Zeitdauer der Beanspruchung

Die Differenzierung der Dauer einer korperlichen Beanspruchung fur eine Zuordnung verschiedener Ausdauerarten erfolgt bei verschiedenen Autoren unterschiedlich. So wird die Ausdauerbelastung nachjeweiligem Zeitintervall, wie folgt definiert.

Kurze Ausdauerbelastungen von von ca. 0-35 Sekunden werden der Schnelligkeitsausdauer zugeteilt. Das nachstgrofiere Zeitfenster beschreibt die Kurzeitausdauer mit 20-45 Sekunden bis 1-2 Minuten. Eine maximale Belastung im Bereich der Kurzzeitausdauer wird vorwiegend uber anaerobe Prozesse charakterisiert, die Beisteuerung durch aerobe Anteile liegt bei etwa 30-35%. Ein Anstieg der aeroben Energiegewinnung von ca. 50% der Gesamtenergie bei ca. 2 Minuten Belastung bis sogar 80% der Gesamtenergie bei ca. 10 Minuten beschreibt das Niveau der Mittelzeitausdauer. Halt eine Belastung mehr als 10-11 Minuten an, spricht man von der Langzeitausdauer, die sich laut WEINECK in Langzeitausdauer I, II und III aufteilt.

Vorwiegend leistungsbestimmend sind im aeroben Bereich die Leistungsfahigkeit des Herz-Kreislauf-Systems und die Stoffwechselparameter wie Energiespeicher und mitochondriale Kapazitat (vgl. WEINECK, 2007).

Ein wichtiges Aussagekriterium der Ausdauerfahigkeit ist die Sauerstoffaufnahmekapazitat. Profiradsportler erreichen hierbei Werte von 70 - 80 ml /min/kg (vgl. LUCIA et al, 2001). Adaptionen durch Ausdauertraining erfahren die Trainierenden durch eine Hypertrophie des Herzmuskels verbunden mit einer Gewichtszunahme des Herzens und mit einer Dilatation (Erweiterung) der Herzhohlen. Daruber hinaus finden sich beim Ausdauersportler eine vermehrte Anzahl von Mitochondrien. Parallel dazu werden die Enzyme des Zitratzyklus und der Atmungskette vermehrt (WEINECK, 2001). Der Unterschied zwischen Profiradfahrern und Elite Fahrern besteht u.a. in der Fahigkeit, hohere Leistungen zu erbringen bevor eine Milchsaureakkumulation entsteht und ein Leistungsabbruch erzwungen wird (vgl. LUCIA et al, 2001).

2.2 Die konditionelle Grundeigenschaft Kraft

2.2.1 Struktur

Die konditionelle Grundeigenschaft Kraft wirdje nach Autor verschieden definiert. So beschreibt WANG die Kraft als korperliche Fahigkeit des Menschen, Bewegungsaufgaben zu losen, bei denen Gegenstande oder der eigene Korper gehalten, beschleunigt oder abgebremst werden sollen. (vgl. WANG, 1999). Spezifischer wird die Definition bei GROSSER, STARITSCHKA & ZIMMERMANN (2004, S. 42):

„Kraft im Sport ist die Fahigkeit des Nerv-Muskelsystems, durch Innervations- und Stoffwechselprozesse mit Muskelkontraktionen Widerstande zu uberwinden (konzentrische Arbeit), ihnen entgegenzuwirken (exzentrische Arbeit) bzw. sie zu halten (statische Arbeit)".

Erweitert werden die drei Kontraktionsformen durch die exzentrisch-konzentrische Arbeitsweise, innerhalb der im DVZ (Dehnungs-Verkurzungs-Zyklus) erst dem Widerstand nachgegeben und dieser anschliefiend uberwunden wird. Der Intensitatsgrad betragt nach GROSSER, STARITSCHKA, ZIMMERMANN mindestens 30% (GROSSER, STARITSCHKA & ZIMMERMANN, 2004). KOMI versteht die Begrifflichkeit Kraft wie folgt:

,,Als muskulare Kraft wird global die physikalische Kraft bezeichnet, die der Muskel auf bestimmte Korperabschnitte ausuben kann. Die muskulare Kraft kann in unterschiedlicher Form realisiert werden, in Form einer isometrischen, konzentrischen oder exzentrischen Aktion. Bei gleicher Aktionsform konnen Bewegungen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten ausgefuhrt werden." ( KOMI et al., 1993).

Versucht man die Kraft in Komponenten einzuteilen, findet man verschiedene Moglichkeiten der Strukturierung. Sie kann nach Arbeits- und Kontraktionsformen, nach trainingsdidaktischen Gesichtspunkten sowie nach seinen Erscheinungsformen eingeteilt werden (LETZELTER,1971; HARRE, 1973).

Nachfolgend werden die Erscheinungsformen der Kraft naher beleuchtet.

GULLICH & SCHMIDTBLEICHER differenzieren 1999 noch vielschichtiger nach den Komponenten Maximalkraft, Schnellkraft sowie Kraftausdauer und nach der Arbeitsweise der Muskulatur.

[...]


[1] Leistungsverbesserndes Krafttraining meint vornehmlich das Training des M. Quadriceps Femoris mit allen vier Teilen, da diese Muskelgruppe als entscheidende betrachtet wird und sich in den untersuchten Studien als Hauptuntersuchungsgegenstand darstellte. Kleinere Muskelgruppen, die auch im Radsport benutzt werden, sind bezuglich der Verbesserung des Kraftniveaus und damit zur Optimierung der Rennleistung nachrangig, da sie in der Grohe und Funktion in dieser Beziehung dem M. Quadriceps Femoris unterzuordnen sind. (vgl. SANDIG, et al. 2010)

[2] (siehe Kapitel 2.2 Physiologische Grundlagen/S.19)

[3] „Als aerob bezeichnet man die in Verbindung mit Sauerstoff vonstatten gehenden StoffWechselprozesse, welche sich in den Mitochondrien abspielen (intramitochondrialer Stoffwechsel), wahrend der anaerobe Metabolismus auherhalb der Mitochondien staffindet (extramitochondrialer Stoffwechsel)“ (HOLLMANN & STRUDER, 2009). Der Energiestoffwechsel kann in drei StoffWechselsysteme unterschieden werden: anaerob-alaktazid, anaerob-laktazid und aerob (HOLLMANN & STRUDER, 2009).

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Krafttraining im Ausdauersport: Auswirkungen von Krafttraining auf die Leistungsfähigkeit im Radsport
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Sportwissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
49
Katalognummer
V197515
ISBN (eBook)
9783656234654
ISBN (Buch)
9783656235101
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
effekte, krafttraining, ausdauerleistung, beispiel, radsport
Arbeit zitieren
Ines Janßen (Autor), 2010, Krafttraining im Ausdauersport: Auswirkungen von Krafttraining auf die Leistungsfähigkeit im Radsport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197515

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