„Akteure in der Beratungspraxis – Der Beratungslehrer in allgemeinbildenden Schulen“


Hausarbeit, 2009

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einstieg in das Thema und Fragestellung

2. Begriffsdefinitionen

3. Die Qualifikation zum Beratungslehrer

4. Aufgaben, Beratungsfelder und Möglichkeiten eines Beratungslehrers

5. Kooperations- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Beratungslehrer

6. Probleme

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einstieg in das Thema und Fragestellung

„Kleine Kinder haben kleine Probleme, große Kinder haben große“. Ich persönlich finde, dass dieses eigentlich weit verbreitete Sprichwort sehr gut zu dem Thema dieser Hausarbeit passt. Als ich begann mich mit dem Thema des Beratungslehrers an allgemeinbildenden Schulen in der Bundesrepublik Deutschland zu befassen, wurde mir immer mehr klar, dass die Jugend von heute gar nicht mehr mit allen Problemen ihres Alltages, ja ihres Erwachsenwerdens, allein klar kommen kann. Wir leben nicht mehr in einer einfachen, regelmäßig strukturierten und durchschaubaren Welt. Das Heute ist geprägt von Globalisierung, Vielfalt, Überangebot aber auch Konflikten. Es ist heute ganz normal, mal nicht zu wissen was man morgen tut, oder wohin der weitere Lebensweg führen soll. Orientierungsphasen werden ausgedehnter und Meinungen und Interessen vielfältiger.

Dies gilt auch für die Schule und die direkte Zeit danach. Gerade die Schülergeneration hat es heute nicht leicht. Die hohe Arbeitslosigkeit und die Ausweglosigkeit des Arbeitsmarktes ist in den Medien allgegenwärtig. Die Wirtschaftskrise ist auch in Deutschland angekommen. Wir alle beobachten schon lange den Trend, dass die typischen Ausbildungsberufe für Absolventen der Haupt- oder Realschule immer weniger werden. Nicht nur weil es immer weniger freie Ausbildungsplätze gibt, sondern weil auch immer mehr Abiturienten auf den Arbeitsmarkt drängen, anstatt ein Hochschulstudium zu beginnen. Die jüngst eingeführten Hochschulgebühren sind dafür nur ein Grund.

Gerade deshalb ist es wichtig schon frühzeitig in der Schule ein Anlaufpunkt für verunsicherte und orientierungslose Schüler zu schaffen, egal ob es sich um schulische, private oder Zukunftsprobleme handelt.

Einige Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland taten dies mit der Einführung des Amtes des Beratungslehrers.

Dieses Amt und die damit verbunden Aufgaben, Hintergründe aber auch Probleme möchte ich in dieser Hausarbeit versuchen zu erläutern. Ich möchte seine Tätigkeit an den allgemeinbildenden Schulen grob umreißen und die Frage nach der Wichtigkeit seiner Person, gerade heute begründen.

Denn die Frage die sich mir stellt, ist, ob jugendliche Schüler diese Hilfe wirklich brauchen? Ist dieser Beratungslehrer wirklich von Nöten oder nur eines dieser künstlich geschaffenen Ämter der Bildungsministerien der Bundesländer. Zum Anderen ist auch noch zu klären, ob diese Beratungslehrer wirklich einen nachhaltigen Beratungserfolg bei den Jugendlichen erzielen können.

2. Definitionen

Um tiefer in das Thema des Beratungslehrers einzusteigen ist es unabdingbar im Vorfeld erst einmal die zentralen Begriffe, welche dieser Hausarbeit zu Grunde liegen, zu definieren und zu erklären. Als zentralen Begriff dieses Themas betrachte ich die Beratung beziehungsweise den Berater. Was ist ein Berater und wie sieht seine Tätigkeit aus?

Auf den allgemeinen Beruf des Lehrers an einer allgemeinbildenden Schule muss und will ich hier nicht explizit eingehen.

Beratung ist, ähnlich wie viele andere Begriffe, schwer eindeutig zu definieren. Jeder Berater oder Wissenschaftler hat ein anderes Bild. In neuerer und älterer Literatur finden sich eine enorme Anzahl an Definitionen, jedoch kann man nicht unbedingt alle auf den schulischen Bereich anwenden.

Ich will an dieser Stelle eine Definitionen anbringen die für mich am verständlichsten und am umfassendsten ist. Es handelt sich um eine etwas ältere Definition von Georg Dietrich:

„Beratung ist in ihrem Kern jene Form einer intervenierten und präventiven helfenden Beziehung, in der ein Berater mittels sprachlicher Kommunikation und auf der Grundlage anregender und stützender Methoden innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraumes versucht, bei einem desorientierten, inadäquat belasteten oder entlasteten Klienten einen auf kognitiv – emotionale Einsicht fundierten aktiven Lernprozess in Gang zu bringen, in dessen Verlauf seine Selbsthilfebereitschaft, seine Selbststeuerfähigkeit und seine Handlungskompetenz verbessert werden können“[1]

Eine weitere sehr schöne Definition des Beratungsbegriffes lässt sich bei Schwarzer und Posse aus einem Zeitungsartikel der Pädagogischen Rundschau entnehmen. Auch diese Ausformulierung ist sehr verständlich:

Beratung ist „eine freiwillige, kurzfristige und soziale Interaktion zwischen mindestens zwei Personen. Das Ziel dieser besteht darin, in einem gemeinsamen verantworteten Beratungsprozess die Entscheidungs- und damit die Handlungssicherheit zur Bewältigung eines aktuellen Problems zu erhöhen. Dies geschieht in der Regel durch die Vermittlung von neuen Informationen und/oder durch Analyse, Neustrukturierung und Neubewertung vorhandener Informationen“[2]

Zusammenfassend ist also festzustellen, dass Beratung, beziehungsweise der Beratungsprozess, ein Zusammenwirken von Berater und Ratsuchenden ist, bei dem ein Problem systematisch angegangen und lösungsorientiert ausgewertet werden soll. Die praktische Lösung es Problems muss dann aktiv und eigenständig durch den Ratsuchenden erfolgen.

3. Die Qualifikation zum Beratungslehrer

Nicht jeder „normale“ Lehrer kann sich Beratungslehrer nennen oder diese Tätigkeit durchführen.[3] Die Ausführung dieses Amtes verlangt eine hohe Professionalität[4] der Beteiligten. In diesem Kapitel möchte ich darauf eingehen wer Beratungslehrer werden kann, beziehungsweise wird. Welche speziellen Qualifikationen ein Lehrer dazu benötigt und wie die Ausbildung zum Beratungslehrer abläuft.

In 12 von 16 Bundesländern gehören Beratungslehrer heute zum Schulalltag.[5] Schätzungsweise 15.000 Lehrer haben sich dieser anspruchsvollen Aufgabe angenommen und die dazugehörige Ausbildung absolviert.[6]

Ab 1973 begannen die ersten Bundesländer mit der Ausbildung dieser speziell für den Schulalltag geeigneten Berater. Zielzahlen waren hierbei grob ein Beratungslehrer pro Schule oder einen Beratungslehrer auf 500 Schüler. Bis heute wurde diese Zielzahlen leider kaum erreicht. Es gibt immer noch Bundesländer die diese Lehreraus- und Weiterbildung gar nicht anbieten, wie zum Beispiel Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern.[7]

Als erstes gilt zu sagen, dass die Weiterbildung zum Beratungslehrer freiwillig ist. Es ist eine eindeutige Mehrbelastung für den jeweiligen Lehrer.

Bei den Auswahlkriterien legen die Bundesländer ein hauptsächliches Augenmerk auf die Erfahrung und Schulpraxis. Es werden in einigen Ländern mindestens 3 Jahre Schulpraxis verlangt, in anderen 5 Jahre Unterrichtserfahrung. Eine weitere Hürde für die angehenden Beratungslehrer ist eine Beurteilung des Schulleiters in Form einer schulfachlichen und schulpsychologischen Stellungnahme. Dieser hat außerdem die Möglichkeit eine Lehrerkonferenz zu der Bewerbung einzuberufen und alle Kollegen der jeweiligen Schule über ihre Meinung zu befragen[8]. Letztendlich ist ja der Beratungslehrer nicht nur für die Schüler eine Anlaufstelle, sondern auch für seine Kollegen.

Sind diese ersten Hürden genommen folgt die Aus- oder Weiterbildung. Diese kann berufsbegleitend oder an einer Hochschule erfolgen. In der Regel dauert sie ein bis zwei Jahre. Ein Problem, welches sich hier auftut ist die Länderhoheit in der Bildungspolitik. Jedes Bundesland hat einen anderen Ablauf dieser Weiterbildung.

Dementsprechend lassen sich hier keine konkreten Zahlen oder Zeitangaben machen.

Die Ausbildung erfolgt dann entweder durch erfahrene Schulpsychologen oder studierte Pädagogen.[9]

Ich möchte um der Ausbildung einen groben Umriss zu geben hier das Curriculum für die Beratungslehrerausbildung des Bundeslandes Baden – Württemberg aufzeigen. Dies erfolgt berufsbegleitend und innerhalb von drei Schulhalbjahren.

[...]


[1] Dietrich 1983, S.2

[2] Schwarzer/Posse 2005, S. 139

[3] Vgl. Benz/Rückriem 1978, S.47

[4] Vgl. Schnebel 2007, S.16

[5] Vgl. Grewe/Wichternich 1999, S.1

[6] Vgl. Grewe/Wichternich 1999, S.VII

[7] Vgl. Grewe/Wichternich 1999, S.1

[8] Vgl. Grewe/Wichternich 1999, S.2

[9] Vgl. Grewe/Wichternich 1999, S.3

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
„Akteure in der Beratungspraxis – Der Beratungslehrer in allgemeinbildenden Schulen“
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Erwachsenenbildung)
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V197525
ISBN (eBook)
9783656236504
ISBN (Buch)
9783656237532
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
akteure, beratungspraxis, beratungslehrer, schulen
Arbeit zitieren
Stephan Janzyk (Autor), 2009, „Akteure in der Beratungspraxis – Der Beratungslehrer in allgemeinbildenden Schulen“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197525

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