Sind intelligente Menschen die besseren Multitasker?: Eine Studie über Persönlichkeit und Multitasking-Fähigkeit


Masterarbeit, 2010

224 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKURZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 THEORIE UND FORSCHUNGSSTAND
2.1 THEORETISCHER UND EMPIRISCHER FORSCHUNGSSTAND
2.1.1 Multitasking
2.1.2 INTERINDIVIDUELLE DlFFERENZEN
2.1.2.1 Personlichkeit
2.1.2.2 Intelligenz
2.1.2.3 Aufmerksamkeit
2.1.3 ZusammenhAnge zwischen Multitasking und Personlichkeit
2.2 Fragestellungen und Hypothesen

3 METHODE
3.1 Versuchsplan und Forschungsmodell
3.2 Messinstrumente
3.2.1 SIMKAP-SimultankapazitAt/Multi-Tasking
3.2.1.1 Anwendung und Durchfuhrung
3.2.1.2 Psychometrische Gutekriterien
3.2.2 Intelligenz-Struktur-Test 2000 R
3.2.2.1 Anwendung und Durchfuhrung
3.2.2.1 Psychometrische Gutekriterien
3.2.3 Farbe-Wort-Interferenz-Test
3.2.3.1 Anwendung und Durchfuhrung
3.2.3.2 Psychometrische Gutekriterien
3.2.4 Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Personlichkeits-beschreibung
3.2.4.1 Anwendung und Durchfuhrung
3.2.4.2 Psychometrische Gutekriterien
3.2.5 Positive and Negative Affect Schedule
3.2.5.1 Anwendung und Duchfuhrung
3.2.5.2 Psychometrische Gutekriterien
3.3 Formulierung der Operationalisierunghypothesen
3.4 Stichprobenkonstruktion
3.5 Untersuchungsdurchfuhrung
3.6 Auswertungsmethoden

4 ERGEBNISSE
4.1 VORBEREITENDE DATENANALYSE
4.1.1 ValiditAts- und ReliabilitAtsanalysen
4.1.1.1 SIMKAP
4.1.1.2 I-S-T2000 R
4.1.1.3 FWIT
4.1.1.4 BIP-Skalen
4.1.1.5 PANAS-Skalen
4.1.2 Prufung auf Normalverteilung
4.2 Deskriptivstatistik
4.2.1 Stichprobenbeschreibung
4.2.2 Item- und Skalenwerte
4.3 Korrelationsstatistik
4.3.1 Korrelationen innerhalb der untersuchten Bereiche
4.3.2 Korrelationen zwischen den untersuchten Bereichen
4.4 Regressionsanalysen
4.4.1 Ergebnisse
4.4.2 Prufung der ModellprAmissen
4.4.2.1 Beschreibung der Modellpramissen
4.4.2.2 Ergebnisse der Prufung der Modellpramissen
4.4.3 Annahme von Hypothesen
4.5 Weitere Befunde

5 DISKUSSION

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Psychologische Refraktarperiode (Pashler, 1994, S. 222)

Abbildung 2: Forschungsmodell

Abbildung 3: SIMKAP Simultanteil

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: l-S-T 2000 R Module & Aufgabengruppen

Tabelle 2: l-S-T 2000 R Fahigkeitsbereiche

Tabelle 3: l-S-T 2000 R Reliabilitat

Tabelle4: BIP Reliabilitaten

Tabelle 5: BIP Retest-Reliabilitaten

Tabelle 6: Zusammenfassung der Hauptkomponentenanalysen ohne Rotation fur die BIP-Skalen

Tabelle 7: Interne Konsistenzen der BIP-Skalen mit Referenzwerten

Tabelle 8: Hauptkomponentenanalyse des PANAS nach orthogonaler Rotation

Tabelle 9: Signifikanzen des Kolmogorov-Smirnov-Tests auf Normalverteilung aller Variablen

Tabelle 10: Stichprobenbeschreibung (N= 89)

Tabelle 11: Deskriptivstatistik fur die Variable Multitasking-Fahigkeit (N= 89)

Tabelle 12: Deskriptivstatistik fur die Variable fluide Intelligenz (N= 89)

Tabelle 13: Deskriptivstatistik fur die Variable Aufmerksamkeit (W=89)

Tabelle 14: Deskriptivstatistik fur die Skala Gewissenhaftigkeit (N= 89)

Tabelle 15: Deskriptivstatistik fur die Skala Flexibilitat {N= 89)

Tabelle 16: Deskriptivstatistik fur die Skala Handlungsorientierung (W=89)

Tabelle 17: Deskriptivstatistik fur die Skala emotionale Stabilitat (N= 89)

Tabelle 18: Deskriptivstatistik fur die Skala Belastbarkeit {N=89)

Tabelle 19: Deskriptivstatistik fur die Skala Selbstbewusstsein (W=89)

Tabelle 20: Deskriptivstatistik fur die Skala Positive Affektivitat als State {N= 89)

Tabelle 21: Deskriptivstatistik fur die Skala Negative Affektivitat als State {N= 89)

Tabelle 22: Deskriptivstatistik, Reliabilitaten und Korrelationen fur alle Skalen und Subtests

Tabelle 23: Korrelationen zwischen den Pradiktor-Variablen und der Simultankapazitat

Tabelle 24: Multiple hierarchische Regression zur Vorhersage der Multitasking-Fahigkeit

Tabelle 25: Lineare Regressionsanalysen zum Einfluss der PA auf die psychische Konstitution

1 Einleitung

In der heutigen Zeit und insbesondere im Berufsleben hat Multitasking einen hohen Stellenwert und eine groGe Bedeutung gewonnen. So stellen auch Fischer & Mautone (2005) fest: “The requirement to perform more than one task within a limited period of time is prevalent in work environments, and the number of jobs that require multi-tasking (MT) may be rising" (S. 1). Multitasking ist damit nicht nur ein Thema, das verstarkt in der Literatur auftaucht, sondern auch fur Arbeitgeber eine zunehmende Rolle spielt (Ishikaza et al., 2001; Wehrle, Granacher & Muhlbauer, 2010). Sowohl bei der Personalauswahl als auch bei der Gestaltung von Arbeitsplatzen sowie dem Umgang mit Arbeitnehmern ist es sinnvoll, die Erfordernisse, die Simultantatigkeiten mit sich bringen im Hinterkopf zu behalten.

Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, Pradiktoren fur die Leistung unter Multitasking- Bedingungen zu identifizieren. Dazu werden die Faktoren Aufmerksamkeit und fluide Intelligenz sowie die Personlichkeitseigenschaften Gewissenhaftigkeit, Flexibility, Handlungsorientierung, emotionale Stability, Belastbarkeit sowie Selbstbewusstsein in ihrer Einflusswirkung untersucht. Bis dato gibt es viel Literatur, die sich dem Multitasking Oder der Personlichkeit widmet, allerdings wenige Studien, die einen Zusammenhang zwischen beiden Bereichen beleuchten. Dies ist moglicherweise darin begrundet, dass in durchgefuhrten Studien keine Zusammenhange festgestellt wurden, so dass im Anschluss auch keine Publikation der Untersuchungen erfolgte. Nichtsdestotrotz ist es naheliegend, den Zusammenhang zwischen der Leistung unter Multitasking- Bedingungen und Personlichkeitsfaktoren zu untersuchen, da seit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend der Zusammenhang zwischen der Job- Performance und der Personlichkeit an Bedeutung gewonnen hat (vgl. Barrick, Mount & Judge, 2001) und - wie oben bereits beschrieben - auch Multitasking im Arbeitsleben verstarkt eine Rolle spielt. Dementsprechend soil dies hier Gegenstand der Arbeit sein.

In Folge dieser Einleitung werden in Kapitel 2 zunachst die theoretischen und empirischen Hintergrunde der in der Arbeit verwendeten Konstrukte aufgefuhrt.

Darauf aufbauend erfolgt die Entwicklung der Fragestellung sowie die Nennung der Hypothesen. Kapitel 3 beschaftigt sich mit der Untersuchungsmethode. Neben der Darstellung von Versuchsplan und Forschungsmodell werden die eingesetzten Messinstrumente in Anwendung und Durchfuhrung sowie hinsichtlich der psychometrischen Gutekriterien beschrieben. Im Anschluss daran werden die aufgestellten Hypothesen operational formuliert, die Stichprobenkonstruktion, die Untersuchungsdurchfuhrung sowie die Auswertungsmethoden genauer dargestellt. In Kapitel 4 erfolgt die ausfuhrliche Illustration der Untersuchungsergebnisse. Dabei finden die Validitats- und Reliabilitatsanalysen fur die jeweiligen Messinstrumente, die Deskriptivstatistik, die Korrelationsstatistik sowie Regressionsanalysen Berucksichtigung. Mit der Diskussion in Kapitel 5 werden schlieGlich die Ergebnisse der Studie naher erortert, die angewandten Methoden und Instrumente kritisch reflektiert und weiterfuhrende Forschungsansatze genannt.

2 Theorie und Forschungsstand

2.1 Theoretischer und empirischer Forschungsstand

In den folgenden Kapiteln werden jeweils der theoretische sowie der empirische Hintergrund zu den in der Arbeit verwendeten Konstrukten Multitasking, fluide Intelligenz, Personlichkeitsfaktoren sowie Aufmerksamkeit beschrieben. Dabei sind die Kapitel derart unterteilt, dass zunachst Multitasking naher betrachtet wird und im darauffolgenden Kapitel die Faktoren, welche als Pradiktoren fur Leistung unter Multitasking-Bedingungen angenommen werden.

2.1.1 Multitasking

Die Forschung zum Thema Multitasking hat eine lange Tradition. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich die ersten Ansatze zur Aufmerksam- keitsforschung, die grundlegend ist fur die Untersuchung von Simultan- tatigkeiten (vgl. McQueen, 1917). Obwohl Multitasking in der heutigen Zeit, insbesondere auch im Arbeitsleben einen hohen Stellenwert genieGt (siehe Kapitel 1), ist es bisher nicht eindeutig in alien seinen Facetten untersucht (vgl. Konig, Buhner & Murling, 2005). Salvucci (2005) definiert Multitasking als die Art und Weise „how people integrate and perform multiple tasks in the context of a larger complex task" (S. 458). Es geht bei der Ausfuhrung von Multitasking somit urn die gleichzeitige Bearbeitung mehrerer unterschiedlicher Aufgaben.[5] Urn Multitasking bewerkstelligen zu konnen, spielen insbesondere zwei kognitionspsychologische Prozesse eine Rolle: die Aufmerksamkeit sowie das Arbeitsgedachtnis (vgl. Konig et al., 2005).

Die Aufmerksamkeit ist dabei zustandig fur die Verteilung unserer Ressourcen zur Informationsverarbeitung (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).[6] Das Arbeits­gedachtnis dient der kurzfristigen Speicherung von Informationen (vgl. Kiefer, 2008) sowie der Verarbeitung und Koordination von Informationen und spielt somit bei der Informationsverarbeitung eine zentrale Rolle (vgl. SuG, 2005). Es ist fur Aufgaben wie Schlussfolgern und Sprachverstehen unerlasslich (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Da Aufmerksamkeitsprozesse und das Arbeitsgedachtnis nur uber begrenzte Kapazitaten verfugen, ist eine Regulation unabdinglich. Zum Ablauf der Regulationen wurden zahlreiche Theorien aufgestellt, die sich damit beschaftigen, wie Ressourcen zur Aufmerksamkeitssteuerung und Informationsverarbeitung verteilt werden. Zentral sind dabei insbesondere folgende Erkenntnisse: Informationsverarbeitung kann simultan (parallel) Oder nacheinander (seriell) erfolgen (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004). Abhangig von der Art der zu bewaltigenden Aufgabe ist eine parallele Informations­verarbeitung sinnvoll und erfolgsversprechend Oder aber sie fuhrt zu unbeabsichtigten Interferenzen (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Eine erste Theorie der Aufmerksamkeit im Rahmen der Informations­verarbeitung (vgl. Muller & Krummenacher, 2006) stellte Broadbent 1958 auf. Diese Theorie, auch als Filter-, Bottleneck- Oder single-channel-Theorie bezeichnet, geht davon aus, dass ein zentraler Prozessor der Informationsverarbeitung besteht, welcher Informationen seriell „abarbeiten“ muss. Es gibt nur einen einzigen Verarbeitungskanal, in dem es bei Mehrfachtatigkeiten zu einem Engpass kommen kann (vgl. Broadbent, 1958). Wenn zwei Reize gleichzeitig auftreten, passiert einer dieser beiden Reize den Filter zur Verarbeitung, wahrend der andere in einem sensorischen Speicher verbleibt, urn moglicherweise im Anschluss an den ersten verarbeitet zu werden (vgl. Muller & Krummenacher, 2006).

Broadbent und mit ihm andere Vertreter der „Flaschenhalstheorie“ nehmen somit an, dass die simultane Ausfuhrung von zwei Aufgaben nicht moglich ist, sondern Aufgaben stets nacheinander ausgefuhrt werden mussen. Dies kann allerdings so schnell passieren, dass nicht wahrnehmbar ist, ob wirkliches Simultanarbeiten ausgefuhrt wird, Oder „task-switching“ (Pashler, 1994, S. 221), also ein schnelles Wechseln zwischen zwei Aufgaben vollzogen wird (vgl. Pashler, 1994).

Broadbents Theorie bildete den Ausgangspunkt fur alle spateren Theorien zur Informationsverarbeitung und der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns wahrend dieses Vorgangs (Muller & Krummenacher, 2006).

Neben der Bottleneck-Theorie existieren zwei weitere Arten von Theorien zur Informationsverarbeitung.

Dies sind einerseits Theorien, die von einer Kapazitatsbegrenzung ausgehen, so dass zwar zwei Oder mehrere Reize gleichzeitig verarbeitet werden konnen, dies aber nur moglich ist, solange eine bestimmte Grenze an Verarbeitungsressourcen nicht vollstandig ausgeschopft ist. Sobald das Kapazitatslimit erreicht ist und alle Ressourcen ausgelastet sind, ist simultanes Arbeiten nicht mehr - Oder nur noch unter Entstehung von LeistungseinbuGen[7] - moglich (vgl. Pashler, 1994). Kahneman (1973) geht bei seiner Theorie dabei von einer mentalen Ressource aus, wahrend andere Vertreter der Kapazitatstheorie postulieren, dass mehrere Ressourcen existieren, die sich funktional unterscheiden (z.B. visuell, auditiv, verbal) (vgl. Pashler, 1994; Wickens, 2002). Nach der Kapazitatstheorie ist „echtes“ Multitasking somit moglich. „More than one task is performed at any given moment” (Pashler, 1994, S. 221).

Andererseits gibt es Vertreter von Cross-Talk-Theorien. Dabei geht es darum, dass inhaltlich ahnliche Aufgaben entweder einfacher zu verbinden und gleichzeitig zu bearbeiten sind, da sie die gleichen Verarbeitungsareale nutzen Oder aber sich gegenseitig so beeinflussen, dass gerade die Ahnlichkeit die gleichzeitige Bearbeitung behindert (Pashler, 1994).

Das derzeit dominierende Modell der Informationsverarbeitung in der Doppelaufgabenforschung ist das zentrale Engpass-Modell von Pashler (1994). Demnach gibt es bei der Bearbeitung von zwei Aufgaben nur einen Engpass bei der Reaktionsauswahl, die Wahrnehmungsverarbeitung sowie die Ausfuhrung der Reaktion nach der Reaktionsauswahl konnen ohne Interferenzen parallel ablaufen (vgl. Koch, 2008; Pashler, 1994). Obwohl Pashlers Modell derzeit vorherrschend ist und Evidenzen dafur festgestellt werden konnten, gibt es jedoch auch Kritik daran sowie Untersuchungen, die das Modell widerlegen (vgl. Koch, 2008).

Pashler (1994) bedient sich bei der Prufung unterschiedlichster Modelle sowie der Bestatigung seines eigenen Modells der psychologischen Refraktarperiode (PRP). Die PRP ist ein Paradigma, mit dem Interferenzen bei der Doppelaufgaben-Bearbeitung experimentell nachgewiesen werden konnen. Die PRP bietet somit Evidenz fur die zentrale Beschrankung der menschlichen Informationsverarbeitungskapazitat (vgl. Koch, 2008). Bei der PRP „werden einem Beobachter zwei Reize in schneller Aufeinanderfolge dargeboten, und dieser muss so rasch wie moglich auf jeden der Reize reagieren" (Muller & Krummenacher, 2006, S. 119). Dabei „zeigt die Analyse der Reaktionszeit (RZ), dass die RZ auf den zweiten Reiz von der Zeitverzogerung zwischen dem Beginn des ersten und des zweiten Reizes, der Stimulus Onset Asynchrony (SOA), abhangt (siehe Abbildung 1). Bei kurzen SOA werden RZ mit kurzerer SOA zunehmend langer, wobei die RZ-Verlangerung im Sinne einer psychologischen Refraktarperiode[8] interpretiert wurde, die auf einen „Engpass“ im Verarbeitungssystem zuruckgeht: Die Verarbeitung des ersten Reizes muss abgeschlossen sein, bevor die des zweiten Reizes beginnen kann, was eine serielle Konzeption der Verarbeitung impliziert" (Muller & Krummenacher, 2006, S. 119).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Psychologische Refraktarperiode (Pashler, 1994, S. 222)

Trotz unterschiedlichster und zahlreicher Untersuchungen existiert bis zum heutigen Zeitpunkt kein Modell des Zusammenspiels von Aufmerksamkeit, Arbeitsgedachtnis und Informationsverarbeitung, das Interferenzen bei Simultantatigkeiten einwandfrei und widerspruchslos erklaren kann (vgl. Koch, 2008).

Daruber hinaus ist die Frage danach, ob Multitasking uberhaupt moglich ist, Oder ob vielmehr Taskswitching praktiziert wird, nicht eindeutig zu beantworten. Wie oben bereits angedeutet, ist die Antwort auf diese Frage abhangig von der jeweils in Erwagung gezogenen Theorie und den unterschiedlichen Modellen, die die Informationsverarbeitung zu erklaren versuchen (vgl. Zimber, Thunsdorff, Hellweg, Freiesleben, Gallist & Jesch, 2010). Im Allgemeinen ist aber die Meinung vorherrschend, die auch Cellier & Eyrolle (1992) postulieren: „Although parallel processing may appear to be taking place, fine analysis points to serial processing with varying switching rates” (S. 25).

Ausschlaggebende Faktoren dafur, ob Multitasking erfolgreich ablaufen kann, sind die Aufgabenschwierigkeit, die Aufgabenahnlichkeit sowie die Automatisierung Oder Ubung. Je schwieriger eine Aufgabe ist, desto schlechter lasst sie sich mit einer anderen simultan ausfuhren (vgl. Cellier & Eyrolle, 1992). Einfache, das Arbeitsgedachtnis wenig beanspruchende Tatigkeiten wie bugeln Oder Musik horen, lassen sich beispielsweise leichter kombinieren als lesen Oder einen Text verfassen. Das gleiche gilt fur die Aufgabenahnlichkeit. Je ahnlicher zwei Aufgaben hinsichtlich der Beanspruchung der Hirnareale sind, desto schwieriger ist eine parallele Ausfuhrung (vgl. Cellier & Eyrolle, 1992).[9] Wahrend sprechen und gehen in der Regel problemlos kombiniert werden konnen, stellt gleichzeitiges Zuhoren von zwei Quellen eine wesentlich starkere Herausforderung dar (vgl. Broadbent, 1958). Ubung Oder Automatisierung fuhren zu einer verringerten Ressourcenbeanspruchung, so dass automatisierte Aufgaben besser mit anderen Tatigkeiten kombiniert werden konnen. Stehen in einem fahrenden Bus ist beispielsweise mit Zeitunglesen in der Regel gut kombinierbar, da das Stehen automatisiert ist (vgl. Wehrle et al., 2010).

Obwohl Multitasking - wie oben bereits genannt - im heutigen Leben standig gefordert wird und somit einen hohen Stellenwert genieGt, ist wissenschaftliche Forschung uber Multitasking bisher relativ rar gesat und in der Regel jungeren Datums. Zwar beschaftigt sich die kognitive Psychologie mit den Faktoren, die als Voraussetzungen fur Multitasking notwendig sind, namlich der Aufmerksamkeit und dem Arbeitsgedachtnis im Zuge der Informationsverarbeitung, Multitasking an sich ist jedoch in expliziter Art und Weise selten Gegenstand der Forschung. Erst in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren haben Untersuchungen zu Multitasking zugenommen. Zuvor wurden Aufgaben, in denen Probanden Simultantatigkeiten ausfuhren sollten, in der Forschung insbesondere deshalb eingesetzt, urn „the functional architecture of the brain" (Pashler, 1994, S. 220), also den funktionellen Aufbau des menschlichen Gehirns zu erforschen (vgl. Meyer & Kieras, 1997). „A better understanding of the processes that contribute to switch cost and switch performance will also contribute to a better understanding of cognitive functioning and its underlying architecture in task planning and in changing plans” (Vandierendonck, Liefooghe &Verbruggen, 2010, S. 602).

„Choosing a good multitasking measure is difficult" (S. 247) konstatieren Konig et al. (2005). Die Leistungen unter Simultantatigkeitsbedingungen wurde in den meisten bis dato vorliegenden Studien mit Hilfe von „selbsterstellten“ Tests gemessen (wie auch z.B. bei Cellier & Eyrolle, 1992). Ein derartiges Vorgehen ist insbesondere deshalb als kritisch zu erachten, weil eine Vergleichbarkeit der Studien sowie der Ergebnisse dadurch wesentlich erschwert wird (Konig et al., 2005). Wissenschaftlich konstruierte Tests, die die Multitasking-Fahigkeit erfassen konnen, gibt es nicht viele. Ein Beispiel ist der schwedisch-kanadische „Simultankapacitetsprovet/Multi-tasking“ Test (SIMKAP) des osterreichischen Schuhfried-Verlags (Konig et al., 2005), mit dem deutschen Namen „Simultankapazitat/Multi-Tasking“.[10]

Umgangssprachlich wird der Begriff Multitasking haufig verwendet, wenn eigentlich mehr von einem schnellen Hin- und Herschalten zwischen unterschiedlichen Aufgaben die Rede ist als von wirklichem simultanen Arbeiten

(z.B. eine Sekretarin, die wahrend sie Korrespondenz verfasst, ein Telefonat entgegennehmen muss). Auch de la Casa, Gordillo, Mejias, Rengel & Romero (1998) definieren Multitasking in diesem weiten Sinne und beschreiben somit drei Multitasking-Situationen:

- Zwei Aufgaben mit unterschiedlicher Priorisierung
- Eine Aufgabe, die durch andere Aufgabe gestort wird
- Zwei Aufgaben ohne Priorisierung

In der vorliegenden Studie liegt die zweite Situation vor, d.h. die Probanden werden bei der Bearbeitung einer Aufgabe immer wieder aufgefordert, andere Aufgaben zu bearbeiten und somit in der monochronischen Bearbeitung ihrer Aufgaben gestort.

Wenn Multitasking in diesem weiteren Sinne verstanden wird, ist auch die Frage interessant, ob die Leistungen unter Multitasking-Bedingungen abhangig davon sind, ob die Unterbrechungen und somit die jeweiligen Zeitpunkte fur das Wechseln zwischen Aufgaben selbst bestimmt werden konnen Oder fremdbestimmt sind (wie im Falle der Sekretarin, die nicht vorhersehen kann, wann das Telefon klingelt).[11] Die Beantwortung dieser Frage wurde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen und wird somit an dieser Stelle nicht weiter verfolgt.

In der vorliegenden Arbeit wird Multitasking verstanden als die „Gesamtleistung bei der paralleler [sic] Bearbeitung von Routineaufgaben, die Aufmerksamkeit erfordern und Problemlosungsaufgaben, die intellektuelle Anforderungen stellen" (Bratfisch & Hagman, 2008, S. 5). Dabei konnen die Probanden nicht selbstbestimmt zwischen den Aufgaben hin- und herwechseln, sondern werden - wie oben bereits kurz genannt - dazu aufgefordert, zu bestimmten Zeiten etwas zu tun.

2.1.2 Interindividuelle Differenzen

Im vorliegenden Abschnitt soil der theoretische Hintergrund zum Thema interindividuelle Differenzen in der Personlichkeit und Intelligenz naher betrachtet werden. Dazu werden zunachst die Begrifflichkeiten definiert und in Zusammenhang gebracht. AuGerdem wird der Faktor Aufmerksamkeit als Pradiktorfur die Leistung bei Simultantatigkeiten umrissen.

2.1.2.1 Personlichkeit

Das Interesse daran, herauszufinden, was Personlichkeit ist und was die Einzigartigkeit von Individuen ausmacht, reicht zuruck bis in die Antike (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Die moderne Personlichkeitspsychologie begann mit Gordon Allport, Kurt Lewin und Henry Murray in den 1930er Jahren (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Hierbei trat die „moderne Auffassung von Personlichkeit" (Friedman & Schustack, 2004, S. 32) in den Vordergrund, die das Individuum als „einzigartiges Ensemble miteinander in Beziehung stehender psychologischer Krafte, die zusammen die Reaktionen des Individuums bestimmen" (Friedman & Schustack, 2004, S. 32) als Ausgangspunkt fur die Personlichkeit beschreibt. Personlichkeitspsychologie beschaftigt sich mit den individuellen Unterschieden im Erleben und Verhalten (vgl. Borkenau, Egloff, Eid, Hennig, Kersting, Neubauer & Spinath, 2005).

„Eine Personlichkeitstheorie besteht aus wissenschaftlichen Aussagen uber die individuelle Besonderheit von Menschen" (Laux & Renner, 2005, S. 220). Derartige Theorien wurden zahlreich aufgestellt. Sie lassen sich anhand unterschiedlicher ubergeordneter Ideen clustern (vgl. Fisseni, 2003; Laux & Renner, 2005; Asendorpf, 2007). Diese Arbeit konzentriert sich auf faktorenanalytische Personlichkeitstheorien, zu deren wichtigen Vertretern bspw. Guilford, Cattell und Eysenck gehoren (vgl. Fisseni, 2003). Faktorenanalytische Personlichkeitstheorien beschreiben „das Individuum mit Dimensionen ..., die sie aus Faktorenanalysen abgeleitet haben" (Fisseni, 2003, S. 25).[12]

Aufgrund der Einzigartigkeit von Personen gibt es mehr Oder weniger deutliche Unterschiede zwischen zwei Individuen, es treten somit interindividuelle Differenzen auf (vgl. Amelang, Bartussek, Stemmier & Hagemann, 2006).[13] Derartige interindividuelle Differenzen gibt es nicht nur in Bezug auf Merkmale der Personlichkeit, sondern auch hinsichtlich Aspekten wie dem Gewicht von Personen, der KorpergroGe u.A. (vgl. Amelang et al., 2006). Die vorliegende Arbeit beschrankt sich jedoch auf Unterschiede, die mit Personlichkeitsfaktoren sowie der Intelligenz zusammenhangen.

Definitionen von Personlichkeit existieren in der Literatur vielfach und im Laufe der Zeit kommen immer wieder neue Definitionen hinzu (vgl. Amelang et al., 2006).[14] Guilford (1974) definiert die Personlichkeit eines Individuums als „seine einzigartige Struktur von Wesenszugen (traits) [Hervorhebung v. Verf.]“ (S. 6), wobei einen Trait „jeder abstrahierbare und relativ konstante Wesenszug, hinsichtlich dessen eine Person von anderen Personen unterscheidbar ist“ (Guilford, 1974, S. 7f), darstellt. Er macht damit deutlich, dass die Personlichkeit auf Unterschieden zu anderen Individuen basiert und sich durch eine relative zeitliche Konstanz auszeichnet. Nach Guilford (1974) stellt auch die Intelligenz einen Teilaspekt der Personlichkeit dar. Ebenso zahlen Hulsheger & Maier (2008) kognitive Aspekte neben Personlichkeitseigenschaften zur Personlichkeit. Als „Summe der auf menschliches Erleben und Verhalten bezogenen Konstrukte, deren Wechselbeziehungen untereinander und Interaktionen mit organismischen, situativen und AuGenvariablen" (S. 47) wird die Personlichkeit bei Amelang et al. (2006) beschrieben. Diese Definition bringt auf den Punkt, was den meisten Definitionen von Personlichkeit gemein ist, namlich dass sich Personlichkeit als die Struktur von Verhaltensdispositionen eines Menschen erklaren lasst (vgl. Hacker & Stapf, 2004c).

Schaub (2003b) versucht mit seiner Definition von Personlichkeit, unterschiedliche Definitionen aus verschiedenen Teildisziplinen der Psychologie wie bspw. der differentiellen sowie der allgemeinen Psychologie auf einen Nenner zu bringen. ..Personlichkeit stellt sich in diesem Sinne dar als die Art und Weise, wie ein psychisches System Informationen verarbeitet, wie es dies im Allgemeinen, in Bezug auf ein spezielles Individuum Oder im Vergleich unterschiedlicher Individuen tut" (Schaub, 2003a, S. 149).

Als Minimaldefinition, die auch als Grundlage dieser Arbeit gelten soil, wird Personlichkeit charakterisiert als „einzigartiges, uber Situationen relativ stabiles, uber Zeitraume relativ gleichartiges Verhalten" (Fisseni, 2003, S. 20) eines Individuums.

Urn Personlichkeit naher zu beschreiben und greifbar sowie vergleichbar zu machen, werden Personlichkeitsmerkmale definiert. Als solche bezeichnet man Faktoren des emotionalen, motivationalen und sozialen Verhaltens (vgl. Amelang & Schmidt-Atzert, 2006). „Von Bedeutung ist nicht, wie gut jemand etwas tut, sondern die Richtung sowie die Art und Weise, in der dieses geschieht. Angstlichkeit und Neurotizismus, Extraversion-Introversion, Dominanz-Submission und Aggressivitat sind gelaufige Dimensionen fur Eigenschaften einer derartigen Provenienz" (Amelang & Schmidt-Atzert, 2006, S. 240f). So stellen beispielsweise die Big Five einen bedeutenden und in der Literatur vielfach diskutierten - jedoch auch kritisierten[15] - Ansatz dar, die Personlichkeit uber Personlichkeitsmerkmale zu beschreiben (vgl. Schaub, 2003b).[16] „Ab den 1960er, aber mit zunehmender Geschwindigkeit in den 1980er, 1990er und 2000er Jahren, naherten sich viele Forschungsarbeiten der Idee, dass die meisten allgemeinen Eigenschaftsansatze zur Personlichkeit mithilfe von funf Dimensionen erfasst werden konnen" (Friedman & Schustack, 2004, S. 346). Die Faktoren Extraversion, soziale Vertraglichkeit,Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus sowie Offenheit fur Erfahrungen werden seitdem als Big Five bezeichnet, welche auf Basis ausfuhrlicher Forschung induktiv ermittelt wurden (vgl. Friedman & Schustack 2004; Amelang et al. 2006).

Mit der Definition von Personlichkeitsmerkmalen geht die Frage einher, wie diese Merkmale und somit die Personlichkeit gemessen werden kann. Dafur wurde eine Reihe von unterschiedlichsten Tests entwickelt, welche sich wiederum in verschiedene Arten einteilen lassen. Die haufigste Art von Per- sonlichkeitstests stutzt sich auf die Selbstbeschreibung Oder -beurteilung einer Person und wird anhand von Fragebogen durchgefuhrt (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Selbstbeurteilungsfragebogen lassen sich in der Regel ohne groGen zeitlichen sowie finanziellen Aufwand durchfuhren, problematisch ist jedoch die Validitat derartiger Tests, sofern sie nicht regelmaGig uberpruft wird. Daruber hinaus sind die Tests stark abhangig von der Selbstkenntnis des Befragten (vgl. Friedman & Schustack, 2004). AuGerdem ist soziale Erwunschtheit insbesondere bei Selbstbeurteilungstests ein nicht zu vernachlassigendes Thema (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Daneben existieren Q-Sort-Tests, welche eine besondere Art von Selbstbeurteilungstests darstellen, die jedoch nicht anhand von Fragebogen, sondern im Gesprach mit Unterstutzung durch Eigenschaftskarten durchgefuhrt werden (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Fremdbeurteilungen basieren auf der Einschatzung eines Individuums durch sachkundige Personen, wie Lehrer, Eltern, Freunde, etc. Derartige Charakterisierungen „konnen manchmal recht zutreffend sein“ (Friedman & Schustack, 2004, S. 62), sind aber stark abhangig vom jeweiligen Personlichkeitsaspekt, der beurteilt werden soil. So ist bspw. Extraversion recht einfach zu beobachten, wahrend z.B. emotionale Stabilitat in manchen Fallen eher verborgen bleibt (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Biologische Tests „basieren auf der Annahme, dass das Nervensystem (einschlieGlich der neuronalen Netze des Gehirns) der Schlussel [fur die Messung der Personlichkeit] ist" (Friedman & Schustack, 2004, S. 62). Daher wird versucht, mit Hilfe von Hirnstrommessungen Oder Hormonspiegel-Bestimmungen Ruckschlusse auf Grundaspekte der Personlichkeit zu ziehen. Insbesondere in Kombination mit anderen Personlichkeitstests sind biologische Verfahren erfolgsversprechend und werden in Zukunft wahrscheinlich an Bedeutung gewinnen (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Bei Verhaltensbeobachtungen werden - wie der Name bereits sagt - Personen in ihrem Verhalten beobachtet. Bei ausreichend graven Stichproben von Situationen, in denen das Verhalten erhoben wird, ist eine solche Methode in der Regel zuverlassig und valide, urn zukunftiges Verhalten vorherzusagen (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Ein weiteres Instrument zur Personlichkeitsmessung stellt das Interview dar. Hierbei treten allerdings haufig Verzerrungen auf, die durch das Verhalten des Interviewers verursacht werden, die Ergebnisse unterliegen oftmals dem Effekt der sozialen Erwunschtheit und sind stark abhangig von den Fahigkeiten des Interviewers (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Eine Einschatzung der Personlichkeit auf Basis von nichtverbalen Zeichen, wie Mimik, Gestik, aber auch Lautstarke und Geschwindigkeit beim Sprechen, wird bei der Methode des expressiven Verhaltens vorgenommen. Diese Methode weist eine gute Validitat auf, erfordert allerdings hochste Konzentration und Erfahrung beim Untersucher. Daruber hinaus konnen kulturelle Verzerrungen auftreten (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Anhand von Dokumentenanalysen, bei denen Tagebucher, Briefe und andere Schriftstucke untersucht werden, sind aussagekraftige Erkenntnisse uber Personlichkeit moglich. Insbesondere urn einen umfassenden Eindruck uber einen langeren Zeitraum zu bekommen, eignet sich eine Dokumentenanalyse. Allerdings wird in der Personlichkeitspsychologie selten von dieser Methode Gebrauch gemacht - wohl auch aus Grunden der Okonomie und der Zuganglichkeit von Dokumenten (vgl. Friedman & Schustack, 2004). „Erfassungstechniken, die versuchen, Personlichkeit durch den Einsatz relativ unstrukturierter Stimuli, Aufgaben Oder Situationen zu untersuchen, werden projektive Tests [Hervorhebung v. Verf.] genannt, weil sie einer Person erlauben, ihre inneren Motivationen auf den Test des Beurteilers zu projizieren" (Friedman & Schustack, 2004, S. 73). Projektive Tests stellen eine der wenigen Moglichkeiten dar, urn tiefgrundige Aspekte zu erfassen, die der Untersuchte selbst nicht beurteilen kann, allerdings leiden sie haufig an starken Reliabilitats- und Validitatsproblemen (vgl. Friedman & Schustack, 2004). SchlieGlich ist es moglich, mit Hilfe von demographischen Informationen und dem Lebensstil Vermutungen uber die Personlichkeit aufzustellen. Dabei werden demographische Daten wie Alter, Herkunft,Religion, etc. erhoben. Allerdings sind wirkliche Ruckschlusse aus dementsprechenden Daten auf Personlichkeitsaspekte des Individuums kaum moglich (vgl. Friedman & Schustack, 2004).

Die vorliegende Arbeit nimmt Bezug auf die folgenden sechs Personlichkeitsmerkmale, jeweils definiert nach Hossiep & Paschen (2003). Hintergrunde hierzu werden im folgenden Kapitel 2.2 naher erlautert.

- Gewissenhaftigkeit: „Sorgfaltiger Arbeitsstil; hohe Zuverlassigkeit; detailorientierte Arbeitsweise; hohe Wertschatzung konzeptionellen Arbeitens; Hang zum Perfektionismus" (S. 22)
- Flexibilitat: „Hohe Bereitschaft und Fahigkeit, sich auf neue und unvorhergesehene Situationen einzustellen und Ungewissheit zu tolerieren; Offenheit fur neue Perspektiven und Methoden; hohe Veranderungsbereitschaft" (S. 22)
- Handlungsorientierung: „Fahigkeit und Wille zur raschen Umsetzung einer Entscheidung in zielgerichtete Aktivitat sowie zur Abschirmung einer gewahlten Handlungsalternative gegenuber weiteren Entwurfen"(S. 22)
- Belastbarkeit: „Selbsteinschatzung als (physisch) hoch widerstandsfahig und robust; starke Bereitschaft, sich auch auBergewohnlichen Belastungen auszusetzen und diesen nicht auszuweichen" (S. 22)
- Emotionale Stabilitat: „ausgeglichene und wenig sprunghafte emotionale Reaktionen; rasche Uberwindung von Ruckschlagen und Misserfolgen; ausgepragte Fahigkeit zur Kontrolle eigener emotionaler Reaktionen" (S. 22)
- Selbstbewusstsein: ,,(Emotionale) Unabhangigkeit von den Urteilen anderer; hohe Selbstwirksamkeitsuberzeugung; gropes Selbstvertrauen bezuglich der eigenen Fahigkeiten und Leistungsvoraussetzungen" (S.22)

Diese Personlichkeitsmerkmale werden fur die vorliegende Untersuchung anhand einer Selbstbeurteilung mit dem Fragebogen zur berufsbezogenen Personlichkeit (BIP) von Hossiep & Paschen (2003) erhoben. Hierauf wird in Kapitel 3 naher eingegangen.

2.1.2.2 Intelligenz

Der Begriff Intelligenz kommt vom lateinischen Begriff intelligentia (vgl. Hacker & Stapf, 2004b) und bedeutet so viel wie Einsicht. Er bezeichnet „vorwiegend die mit dem Verstand verbundenen geistigen Fahigkeiten in ihrer potenziellen und dynamischen Bedeutung" (Hacker & Stapf, 2004b, S. 447). Neben dieser Definition existieren vielfaltige weitere und unterschiedliche Definitionen von Intelligenz (vgl. Hacker & Stapf, 2004b; Amthauer, Brooke, Liepmann & Beauducel, 2001), die sich komplementar erganzen und auch notwendig sind, urn die vielen unterschiedlichen Facetten von Intelligenz erfassen zu konnen (vgl. Amthauer et al., 2001). Gemeinsam ist einem uberwiegenden Teil der Definitionen, dass das wesentliche Merkmal der Intelligenz die „Fahigkeit [darstellt], sich in neuen Situationen auf Grund von Einsichten zurechtzufinden Oder Aufgaben mit Hilfe des Denkens zu losen, ohne dass hierfur die Erfahrung, sondern vielmehr die Erfassung von Beziehungen das Wesentliche ist" (Hacker & Stapf, 2004b, S. 447). Die vielfaltigen Definitionen sind auch Zeugnis dafur, dass Intelligenz „one of the most scientifically developed corners" (Cattell, 1987, S. 1) der Psychologie darstellt.

Amthauer et al. (2001) konstatieren, dass Jntelligenz ... ein komplexes Konstrukt [ist], das durch eine Vielzahl von Teilfahigkeiten gekennzeichnet ist, die im Zuge der Forschungsentwicklung sukzessive immer weiter erschlossen werden, z.B. mathematische Intelligenz, verbale Intelligenz, aber auch soziale, praktische und akademische Intelligenz Oder Kreativitat" (S. 8). So hat beispielsweise Goleman im Jahre 1995 das bis dahin geltende „alte“ Intelligenzkonstrukt urn die emotionale Intelligenz erweitert (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Die emotionale Intelligenz lasst sich danach aufteilen in die funf folgenden Teilaspekte: „Selbstbewusstsein, Kontrolle von Zorn und Angsten, Beharrlichkeit und Optimismus bei Ruckschlagen, Empathie und reibungslose Interaktion mit anderen" (Friedman & Schustack, 2004, S. 389). Sie spiegelt damit „die Fahigkeit von Personen wider, effizient mit Emotionen umzugehen und uber sie nachzudenken" (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 418). Anders als andere Teilfahigkeiten der Intelligenz ist sie nicht uber Leistungstests ermittelbar, sondern ihre Messung erfolgt z.B. auf Basis von Tests, in denen emotionsbezogene Aufgaben gelost werden mussen, indem beispielsweise Emotionen benannt werden mussen, die durch bestimmte Situationen hervorgerufen werden (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004). Daruber hinaus hat sie mit dem eigentlichen Konstrukt Intelligenz wenig zu tun und ist z.T. sogar negativ damit korreliert (vgl. Asendorpf, 2007; Zimbardo & Gerrig, 2004).

Ebenso wie es unterschiedlichste Definitionen von Intelligenz gibt, existieren unterschiedliche Modelle und Theorien daruber, aus welchen Dimensionen sich Intelligenz zusammensetzt.

Die psychometrischen[17] Intelligenztheorien „untersuchen statistische Beziehungen [Hervorhebung v. Verf.] zwischen den verschiedenen MaGen geistiger Fahigkeit" (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 412). „Auf der Basis dieser Beziehungen werden dann Schlussfolgerungen uber die Beschaffenheit der menschlichen Intelligenz gezogen" (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 412). Ein haufig verwendetes Instrument fur diese Zwecke sind Faktorenanalysen.

Charles Spearman war in den 1920er Jahren einer der ersten, der die Faktorenanalyse auf das Gebiet der Intelligenz anwendete. Er „fand heraus, dass die Leistungen von Personen in je verschiedenen Intelligenztests hoch miteinander korrelierten" (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 412). Daraus entwickelte er seine Theorie, die einen Faktor der allgemeinen Intelligenz, „den so genannten g-Faktor Oder Generalfaktor der Intelligenz [Hervorhebung v. Verf.], der jeder Intelligenzleistung zu Grunde liegt" (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 413) definiert. Daneben existieren bereichsspezifische Fahigkeiten, die als s- Faktoren bezeichnet werden (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Auch Raymond Cattell und Joy Peter Guilford bedienten sich ca. 30 Jahre spater der Faktorenanalyse, um ihrejeweiligen Intelligenztheorien zu entwickeln (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Nach Raymond Cattell (1987) besteht die Intelligenz Oder auch generelle Intelligenz aus einem Konstrukt, das unterteilt werden kann in fluide Intelligenz und kristallisierte Oder kristalline Intelligenz (Cattell, 1987). Die fluide Intelligenz bezeichnet dabei den Teil der Intelligenz, der biologisch determiniert ist und mit inhaltsunabhangig, generellem Schlussfolgern, und somit der Fahigkeit, komplexe Beziehungen zu erkennen, sowie Problemlosen naher charakterisiert werden kann (vgl. Friedman & Schustack, 2004; Zimbardo & Gerrig, 2004).[18] Kristallisierte Oder kristalline Intelligenz hingegen stellt das kultur-, wissens- und schulgebundene inhaltsdifferenzierte Wissen und Denken dar, wobei fluide Intelligenz Voraussetzung und Basis dafur ist, dass kristallisierte Intelligenz aufgebautwerden kann (vgl. Friedman & Schustack, 2004).

Guilfords Arbeit, die in einem Intelligenzstrukturmodell resultierte, hat schlieGlich dazu gefuhrt, dass der relativ eng gefasste Intelligenzbegriff, welcher durch klassische Intelligenztests gemessen werden konnte, erweitert wurde (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Einen Meilenstein in der Geschichte dieser „erweiterten“ Intelligenztheorien stellt Robert Sternbergs triarchische Intelligenztheorie dar (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004). Er definiert drei Arten von Intelligenz, die jeweils zu effizienter Leistung fuhren konnen (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004). Dazu gehoren die komponentielle Intelligenz, die definiert wird durch die mentalen Prozesse, die dem Denken und Problemlosen zu Grunde liegen, die erfahrungsbasierte Intelligenz, die die Fahigkeit beschreibt, sowohl mit neuen als auch mit Routineaufgaben effizient und effektiv umzugehen sowie die kontextuelle Intelligenz, die in der praktischen Koordinierung von Alltagsanforderungen und der Anpassung an neue Gegebenheiten begrundet ist. Letztere kann auch mit praktischer Intelligenz umschrieben werden (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Sternbergs Ansatz benennt Bereiche der Intelligenz, die in klassischen Intelligenztests auGen vor bleiben. In eine ahnliche Richtung geht auch Howard Gardners Ansatz, der acht Intelligenzarten - darunter logisch-mathematisch, linguistisch, naturalistisch, musikalisch, raumlich, kinasthetisch, inter- und intrapersonal - definiert, die je nach kulturellem Hintergrund unterschiedlich stark zum Tragen kommen (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004). Gardners Theorie bildet die Basis fur den Faktor, den Goleman als emotionale Intelligenz bezeichnet (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Ob Intelligenz zur Personlichkeit zahlt Oder als eigenstandiges Konstrukt gilt, ist abhangig davon, wie weit Personlichkeit gefasst wird (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Wie oben bereits erwahnt (siehe Kapitel 2.1.2.1), definiert beispielsweise Guilford (1974) Intelligenz als einen Faktor der Personlichkeit. In jedem Fall „zahlen Fahigkeiten zu den psychischen Personenmerkmalen" (Friedman & Schustack, 2004, S. 373) und „lntelligenz ist eine kognitive Fahigkeit" (Friedman & Schustack, 2004, S. 374).

Die Messung und Erfassung von Intelligenz ist nicht nur fur die Wissenschaft interessant, da „ein Zusammenhang zwischen der individuellen Auspragung in dieser Variablen und verschiedenen Kriterien fur das Fortkommen in Gesellschaften westlicher Lebensart" (Amelang et al., 2006, S. 166) nicht von der Hand zu weisen ist. Ein hoher Intelligenzquotient spielt somit auch fur das „praktische“ Leben eine Rolle (vgl. Amelang & Schmidt-Atzert, 2006). Obwohl jedoch Erfolg im Berufsleben, Schulnoten, das Interaktions- und Kommunikationsverhalten eines Menschen Oder ahnliches Aufschluss uber die Intelligenz eines Einzelnen geben konnen, ist die Messung durch Tests objektiver, messgenauer und valider (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Intelligenztests existieren in vielfaltiger Art und Weise (vgl. Amelang & Schmidt- Atzert, 2006), wobei sie sich grundsatzlich darin unterscheiden, ob der Fokus auf figuralen und somit kultur- und bildungsunabhangigeren Inhalten liegt Oder auf mathematisch-numerisch-quantitativen Oder sprachlich-verbalen Inhalten (vgl. Friedman & Schustack, 2004). Dies hangt damit zusammen, dass den Tests unterschiedliche Intelligenzmodelle zu Grunde liegen. Dabei geht es entweder darum, „den „Kernbereich“ der Intelligenz, das schlussfolgernde Denken (Reasoning) zu erfassen" (Amelang & Schmidt-Atzert, 2006, S. 201)

Oder die Tests sind breiter aufgestellt - wie die genannten mathematisch- numerisch-quantitativ- und sprachlich-verbal-orientierten Tests - so dass verschiedene Intelligenzkomponenten erfasst werden, aus welchen hinterher ein Durchschnitt gebildet wird (vgl. Amelang & Schmidt-Atzert, 2006).

Eine Frage, die in Zusammenhang mit Intelligenz immer wieder aufgeworfen wird, ist die der Umwelt Oder Anlage (vgl. Friedman & Schustack, 2004). 1st Intelligenz angeboren Oder wird sie durch Erziehung und personliche Erlebnisse entwickelt? Zimbardo & Gerrig (2004) klaren dazu auf: „Die Erblichkeit spielt eine notwendige, aber keine hinreichende Rolle in unserem Verstandnis" (S. 423) von Leistungseffekten. Ebenso wichtig und entscheidend ist die Umwelt, wobei eine reichhaltige und stutzende Umgebung einer hohen Intelligenz zutraglich ist (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

Die vorliegende Arbeit beleuchtet im weiteren Verlauf ausschlieGlich das Konstrukt der fluiden Intelligenz, welches - wie oben bereits erwahnt - mit Problemlosefahigkeit und schlussfolgerndem Denken, sofern dazu kaum fruhere Lernerfahrungen notwendig sind, gleichzusetzen ist (vgl. Cattell, 1987). Fluide Intelligenz bezeichnet demnach die „angeborene“ Intelligenz.[19] Sie kann z.B. anhand von Matrizenaufgaben und raumlichen Anordnungen gemessen werden, wahrend kristallisierte Oder kristalline Intelligenz in der Regel mit Rechen- Oder Wortschatztests Oder Tests zum Allgemeinwissen gemessen wird (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004).

2.1.2.3 Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit spielt eine Rolle bei der Wahrnehmung sowie bei kognitiven Prozessen des Menschen (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2004). Sie kann dabei definiert werden als „die Konzentration der mentalen Anstrengung auf sensorische Oder mentale Ereignisse" (Solso, 2005, S. 79) und Aufmerksamkeitsprozesse sind zustandig fur die Verteilung von Ressourcen zur Informationsverarbeitung (Zimbardo & Gerrig, 2004 sowie Kapitel 2.1.1). Dabei bezieht sich der erste Teil der Definition eher auf die Rolle der Aufmerksamkeit im Wahrnehmungsprozess. Nach Zimbardo & Gerrig (2004) heiGt dies anders ausgedruckt, dass Aufmerksamkeit einen „Zustand fokussierten Bewusstseins auf eine Teilmenge der verfugbaren perzeptuellen Informationen" darstellt (S. 169). Der zweite Teil der Definition spiegelt insbesondere die Rolle der Auf­merksamkeit in kognitiven Prozessen wider. Sie kann dabei als Gruppe von Prozessen angesehen werden, mit deren Hilfe ausgewahlt wird, welche Reize die Informationsverarbeitungsressourcen beanspruchen und welche ignoriert Oder zuruckgestellt werden (Zimbardo & Gerrig, 2004).

Im Zusammenhang mit Aufmerksamkeit spielen die folgenden funf Aspekte eine grundlegende Rolle (vgl. Solso, 2005):

- Verarbeitungskapazitat und Selektivitat: Aufmerksamkeit kann sich auf mehrere Hinweisreize in der Umgebung richten, aber nicht auf alle.
- Steuerung: Auf welche Reize die Aufmerksamkeit gerichtet wird, kann kontrolliert und gesteuert werden.[20]
- Automatische Verarbeitung: Es gibt Routineprozesse, die nur wenig Aufmerksamkeit fordern und mehr Oder weniger automatisch ausgefuhrt werden (vgl. hierzu Kapitel 2.1.1 zum Thema Multitasking).
- Neurokognition: Das Gehirn und das zentrale Nervensystem sind die anatomische Stutze der Aufmerksamkeit sowie der gesamten Kognition.
- Bewusstsein: Aufmerksamkeit bringt Ereignisse ins Bewusstsein.

Wenn in der (wissenschaftlichen) Literatur von Aufmerksamkeit die Rede ist, wird meist die selektive Aufmerksamkeit besonders hervorgehoben. Menschen gehen in hohem MaR>e selektiv vor, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, um nicht uberfordert zu sein. Da die Informationsverarbeitung sowohl auf der sensorischen Ebene (Sinneswahr- nehmung) als auch auf der kognitiven Ebene (Verarbeitung) begrenzt ist - wie in Kapitel 2.1.1 bereits angesprochen - ist selektive Aufmerksamkeit notwendig, damit keine Verwirrung auftritt (vgl. Solso, 2005). Selektive Aufmerksamkeit bezeichnet dabei einen Prozess, „bei dem bestimmte Reize beachtet und gleichzeitig andere Reize ignoriert werden" (Amelang et al., 2006, S.296).

Mit Vigilanz wird die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit uber einen langeren Zeitraum bezeichnet, die durch besondere Wachsamkeit und Intensitat gekennzeichnet ist (vgl. Amelang et al., 2006). Dies ist zugleich die Bezeichnung von Aufmerksamkeit, die als Basis der Untersuchung der vorliegenden Arbeit gedient hat und kann auch als allgemeine sensumotorische Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit aufgefasst werden (vgl. Baumler, 1985).

2.1.3 Zusammenhange zwischen Multitasking und Personlichkeit

Der vorliegende Abschnitt beschaftigt sich mit dem aktuellen Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Multitasking und unterschiedlichen Per- sonlichkeitsfaktoren. Dabei sollen aktuelle Studien genannt und die wichtigsten Erkenntnisse daraus kurz erlautert werden.

Insgesamt lasst sich feststellen, dass relativ wenige Studien existieren, die Multitasking mit Personlichkeit in Verbindung bringen. In der Regel wurde Multitasking bis dato stattdessen eher untersucht, um die Funktionsweise des menschlichen Gehirns transparenter zu machen sowie die damit zusammenhangenden Prozesse der Informationsverarbeitung zu erforschen (vgl. hierzu auch Kapitel 2.1.1; Vandierendonck et al., 2010).

Die Studie, die wohl am aktuellsten und strukturell sowie inhaltlich der Studie, welche Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, am ahnlichsten ist, stammt von Konig et al. (2005). Die Autoren postulieren jeweils positive Zusammenhange zwischen der Multitasking-Performance und dem Arbeitsgedachtnis, der fluiden Intelligenz, der Aufmerksamkeit, Polychronizitat[21] sowie Extraversion (vgl. Konig et al., 2005). Anhand einer multiplen Regressionsanalyse kommen Konig et al. (2005) zu dem Ergebnis, dass „ Working Memory, Fluid Intelligence, and Attention are Predictors of Multitasking Performance, but Polychronicity and Extraversion are not” (S. 243).

Ishikaza, Marshall & Conte (2001) untersuchen die Multitasking-Performance in Abhangigkeit von Faktoren des Typ A-Verhaltens. Dabei prufen sie sowohl den Zusammenhang von Multitasking zum ubergeordneten Faktor Typ A-Verhalten als auch die Zusammenhange zu den jeweiligen Subkomponenten des Typ A- Verhaltens (Ishikaza et al., 2001). Als Subkomponenten gelten hier: time urgency (Zeitdruck), achievement strivings (Zielstrebigkeit), impatience or irritability (Ungeduld), polychronicity (Polychronizitat) (vgl. Ishikaza et al., 2001). Dabei stellen Ishikaza et al. (2001) fest, dass die Multitasking-Leistung mit einzelnen Subkomponenten des Typ A-Verhaltens korreliert, aber kein Zusammenhang zum ubergeordneten Konzept des Typ A-Verhaltens auszumachen ist. Zu dieser Studie ist anzumerken, dass primares Ziel nicht war, Pradiktoren fur eine gute Multitasking-Performance auszumachen, sondern die Aufmerksamkeitsstrategien von Individuen, die Typ A-Verhalten zeigen, zu untersuchen.

De la Casa et al. (1998) fuhren eine ahnliche Untersuchung durch, in der sie die Aufmerksamkeitsstrategien von Individuen mit Typ A-Verhalten in Multitasking- Situationen beleuchteten. Dabei stellten sie fest, dass Individuen, die Typ A- Verhalten zeigen, dazu neigen, eine weniger wichtige Aufgabe zu vernachlassigen, sofern beim Simultanarbeiten Prioritaten definiert sind (vgl. De la Casa et al., 1998). 1st die Situation allerdings „ambiguous“ (De la Casa et al., 1998, S. 60ff), d.h. sind die Prioritaten von Aufgaben nicht eindeutig benannt, so wird zwar die Hauptaufgabe weiter verfolgt, die anderen Aufgaben werden jedoch ebenfalls bestmoglich bearbeitet (vgl. De la Casa et al., 1998). Der Zustand, in dem sich die Typ A-Individuen dabei befinden, wird auch als hypervigilant bezeichnet (vgl. De la Casa et al., 1998). Die Individuen befinden sich also in einem Zustand hochster Wachsamkeit (vgl. hierzu auch die Ausfuhrungen zur Aufmerksamkeit in Kapitel 2.1.2.3).

Eine weitere Studie, die Personlichkeitsfaktoren in Zusammenhang mit Multitasking-Leistungen bringt, fuhren Lieberman & Rosenthal (2001) durch. Sie postulieren, dass introvertierte Individuen weniger gut simultanarbeiten konnen als Extrovertierte und somit nonverbale Signale in sozialen Situationen weniger gut deuten konnen als Extrovertierte (vgl. Lieberman & Rosenthal, 2001). Dies fuhren Lieberman & Rosenthal (2001) darauf zuruck, dass soziale Situationen Multitasking erfordern, weil dabei ein Gesprach aufrecht erhalten und gleichzeitig beurteilt werden muss, wie gut der andere die eigenen Ausfuhrungen versteht. Hierbei sowie bei der Deutung nonverbaler Signale ist das Arbeitsgedachtnis involviert. Introvertierte, die grundsatzlich ein hoheres Erregungsniveau haben als Extrovertierte, werden durch Situationen, die das Erregungsniveau noch weiter erhohen, in ihrer Leistung des Arbeitsgedachtnisses beeintrachtigt. Als Ergebnis ihrer Studie konnen Lieberman & Rosenthal (2001) bestatigen, dass “introverts possess normal decoding skill but are unable to apply this ability under certain conditions, namely those that involve multitasking, the coordination of two tasks simultaneously” (Lieberman & Rosenthal, 2001, S. 306). Ein direkter Einfluss von Introversion Oder Extraversion auf die Multitasking-Fahigkeit wird jedoch nicht untersucht.

Stankov, Fogarty & Watt (1989) versuchen in ihrer Studie, der “managerial ability” (Stankov et al., 1989, S. 295), also der Eignung als Fuhrungskraft auf den Grund zu gehen. Dabei konstatieren sie, dass ..competing tasks tap important aspects of managerial ability - the ability to deal with several demanding problems simultaneously” (Stankov et al., 1989, S. 301). Multitasking-Fahigkeit kann demnach als Pradiktor fur die Eignung als Fuhrungskraft angesehen werden, welche Faktoren allerdings die Multitasking- Fahigkeit beeinflussen, wird nicht untersucht.

2.2 Fragestellungen und Hypothesen

In diesem Kapitel werden die zentralen Untersuchungshypothesen der vorliegenden Arbeit genannt. Diese basieren auf der Erkenntnis, dass die Untersuchung eines Zusammenhangs von Multitasking-Fahigkeiten und Personlichkeitsfaktoren in der wissenschaftlichen Forschung bislang zu kurz gekommen ist, beispielsweise fur die Personalauswahl in Unternehmen jedoch sinnvolle Hinweise bieten konnte (siehe auch Kapitel 1).[22] Somit soil ein derartiger Zusammenhang hier Gegenstand der Studie sein. Die Auswahl der Personlichkeitseigenschaften orientiert sich dabei z.T. an einer qualitativen Bewertung, welche auf den oben genannten Definitionen (Kapitel 2.1.2.1) basiert, und folgt nicht einer streng theoriegeleiteten Vorgehensweise. Eine entscheidende Rolle spielen dabei zusatzlich empirische Befunde anderer wissenschaftlicher Studien. Darauf wird im Folgenden zunachst Bezug genommen, bevordie Untersuchungshypothesen genanntwerden.

Gewissenhaftigkeit ist nach Hulsheger & Maier (2008) ein Pradiktor fur berufliche Leistung[23]. Zieht man in Betracht, dass in der heutigen Zeit kaum ein Beruf ohne Multitasking auskommt (vgl. Konig et al., 2010; Salvucci & Taatgen, 2008), so lasst sich die Vermutung aufstellen, dass Gewissenhaftigkeit ebenfalls in einem positiven Zusammenhang zur Leistungsfahigkeit unter Multitasking-Bedingungen steht und damit als Pradiktor fur selbige postuliert werden kann.

Schaub (2003b) beschreibt in einem Modell der Informationsverarbeitung Flexibilitat als den Faktor, „der die Wahrscheinlichkeit der Unterbrechung der aktuellen Absicht durch konkurrierende Absichten kennzeichnet. Ein hoher Wert bedeutet, dass eine handlungsleitende Absicht schnell zu Gunsten einer anderen Absicht aufgegeben wird“ (Schaub, 2003b, S. 188). In diesem Sinne ist naheliegend, dass Flexibilitat einen Einfluss auf die Leistung unter Multitasking- Bedingungen hat. Der Autor dieser Arbeit nimmt hier einen positiven Zusammenhang an, postuliert also, dass Flexibilitat positiv mit der Leistung unter Multitasking-Bedingungen korreliert ist. Auch die Definition von Flexibilitat als die „Bereitschaft und Fahigkeit, sich auf neue und unvorhergesehene Situationen einzustellen und Ungewissheit zu tolerieren" (Hossiep & Paschen, 2003, S. 22; Kapitel 2.1.2.1) legt augenscheinlich nahe, dass Flexibility als Pradiktor fur hohe Leistungen bei Simultantatigkeiten angenommen werden kann - insbesondere wenn man von Multitasking-Situationen ausgeht, in denen Unterbrechungen eine Rolle spielen (siehe hierzu auch Kapitel 2.1.1).

Hossiep & Paschen (2003) stellen signifikante Zusammenhange zwischen der Handlungsorientierung und unterschiedlichen Faktoren des Berufserfolgs[24] fest. Zieht man in Betracht, dass der Berufserfolg, v.a. hinsichtlich der hierarchischen Position, heutzutage insbesondere auch von der Fahigkeit bestimmt ist, mit Simultantatigkeiten erfolgreich umgehen zu konnen (vgl. Stankov et al., 1989), kann eine positive Beziehung zwischen Handlungsorientierung und der Leistung unter Multitasking-Bedingungen angenommen werden.

Aus einer Studie von Zimber et al. (2010) geht hervor, dass Belastbarkeit in Bezug auf die Leistung unter Multitasking-Bedingungen ,,eine moderierende Rolle zuzukommen scheint" (S. 118). Augenscheinlich kann auch darauf geschlossen werden, dass eine „starke Bereitschaft, sich auGergewohnlichen Belastungen auszusetzen" (Hossiep & Paschen, 2003, S. 22 und Kapitel 2.1.2.1) der Leistung unter Multitasking-Bedingungen zutraglich ist. Demzufolge wird hier ein positiver Zusammenhang zwischen der Leistung unter Multitasking-Bedingungen und Belastbarkeit postuliert.

Hulsheger & Maier (2008) konstatieren, dass auch fur emotionale Stabilitat ein positiver Zusammenhang zur beruflichen Leistung (siehe hierzu FuGnote 23) nachgewiesen werden konnte. Somit wird hierauf aufbauend angenommen, dass emotionale Stabilitat als Pradiktor fur hohe Leistungen unter Multitasking- Bedingungen gelten kann, da heutzutage im Berufsleben hohe berufliche Leistungen in der Regel nur erreicht werden konnen, wenn Simultantatigkeiten erfolgreich bewaltigtwerden konnen (vgl. Stankov, 1989).

Selbstbewusstsein, definiert als „(Emotionale) Unabhangigkeit von den Urteilen anderer; hohe Selbstwirksamkeitsuberzeugung; gropes Selbstvertrauen bezuglich der eigenen Fahigkeiten und Leistungsvoraussetzungen" (Hossiep & Paschen, 2003, S. 22) ist hoch signifikant positiv korreliert mit Extraversion (.47). Lieberman & Rosenthal (2001) vermuten einen negativen Zusammenhang zwischen Introversion und Multitasking-Fahigkeit und somit einen positiven zwischen Extraversion und Multitasking-Fahigkeit, der in einem erhohten Erregungszustand in Multitasking-Situationen und der damit verbundenen Ausschuttung von bestimmten Neurotransmittern begrundet ist. Dieser Zusammenhang wird jedoch bei Lieberman & Rosenthal (2001) nicht explizit und auf jegliche Multitasking-Situation bezogen untersucht (Kapitel 2.1.3). Die Anregung von Lieberman & Rosenthal greifen allerdings Konig et al. (2005) auf, indem sie Extraversion als Pradiktor fur Multitasking-Performance untersuchen, diese Vermutung jedoch nicht bestatigen konnen (Kapitel 2.1.3). In der vorliegenden Arbeit soil daher nicht noch einmal wiederholt werden, was Konig et al. (2005) praktizieren, sondern Selbstbewusstsein als verwandtes Konstrukt von Extraversion als Pradiktor fur die Leistung unter Multitasking- Bedingungen getestet werden.

Kiefer et al. (2005) konnen einen positive Zusammenhang zwischen fluider Intelligenz und der Multitasking-Fahigkeit feststellen. Sie gehen davon aus, dass „fluid intelligence, seen as the ability to reason and to solve novel problems, should also facilitate high multitasking performance because intelligent people’s superior mental abilities should help them to cope with the greater demands of multitasking in comparison with single tasks” (Konig et al., 2005, S. 245). Die Erkenntnisse aus der Studie von Konig et al. (2005) sollen an dieser Stelle noch einmal validiert werden, so dass auch hier die Untersuchung des Zusammenhangs von fluider Intelligenz und Multitasking.Performance anhand des gleichen Untersuchungsinstruments (vgl. Kapitel 3) vorgenommen wird.

Conway, Kane & Engle (2003) stellen fest, dass schlussfolgerndes Denken, welches mit derfluiden Intelligenz gleichzusetzen ist, mit der Arbeitsgedachtnis- kapazitat hoch positiv korreliert ist (r=.90). Dass die fluide Intelligenz maGgeblich von der Leistungsfahigkeit des Arbeitsgedachtnisses abhangt ist auch bei Daseking, Petermann & Waldmann (2008) zu finden. Aus diesem Grund und auch aus okonomischen Gesichtspunkten wurde daher der Zusammenhang zwischen der Arbeitsgedachtniskapazitat und der Leistung unter Multitasking-Bedingungen bei der vorliegenden Studie nicht erhoben. Ein derartiges „sparsames“ Vorgehen schlagen auch Konig et al. (2005) vor.

Bis dato gibt es - mit Ausnahme der Studie von Konig et al. (2005) - keine Studien, die die Multitasking-Performance in Abhangigkeit von interindividuellen Differenzen in der Aufmerksamkeit betrachten (vgl. Konig et al., 2005). Ein Grund dafur ist, dass bisher die Untersuchungen vor allem deshalb durchgefuhrt wurden, um die unterschiedlichen Theorien zum kognitiven Hintergrund von Multitasking (vgl. Kapitel 2.1.1) zu testen (vgl. Konig et al., 2005). Aufmerksamkeit als zentrales Element bei Simultantatigkeiten soil daher in der vorliegenden Arbeit als Pradiktor fur die Multitasking-Fahigkeit gepruft werden. Auch Konig et al. (2005) betrachten diesen Zusammenhang: „Attention has been linked to multitasking because the greater the amount of attention people have - and easier it is for them to (re)focus their attention - the better their multitasking performance should be” (Konig et al., 2005, S. 245).

Aus den theoretischen Grundlagen und der zu Grunde liegenden Fragestellung lassen sich folgende gerichtete, zu uberprufende Untersuchungshypothesen ableiten:

Hypothese 1:

Eine hohe fluide Intelligenz erhoht die Wahrscheinlichkeit fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen

Hypothese 2:

Eine hohe Aufmerksamkeit erhoht die Wahrscheinlich fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen.

Hypothese 3:

Eine hohe Gewissenhaftigkeit im Arbeitsverhalten erhoht die Wahrscheinlichkeit fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen.

Hypothese 4:

Eine hohe Flexibility im Arbeitsverhalten erhoht die Wahrscheinlichkeit fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen.

Hypothese 5:

Eine hohe Handlungsorientierung im Arbeitsverhalten erhoht die Wahrscheinlichkeit fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen.

Hypothese 6:

Eine hohe emotionale Stabilitat erhoht die Wahrscheinlichkeit fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen.

Hypothese 7:

Eine hohe Belastbarkeit erhoht die Wahrscheinlichkeit fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen.

Hypothese 8:

Ein hohes Selbstbewusstsein erhoht die Wahrscheinlichkeit fur hohe Leistungen unter Multitasking-Bedingungen.

3 Methode

In diesem Kapitel werden die zur Beantwortung der Fragestellung ausgewahlten Methoden und das Vorgehen beschrieben und begrundet. In einem ersten Schritt wird das Forschungsdesign und das zu Grunde liegende Untersuchungsmodell beschrieben. Dann werden die Messinstrumente detailliert dargestellt und in einem nachsten Schritt erfolgt die Beschreibung der Stichprobenkonstruktion gefolgt von der Erlauterung der Untersuchungsdurchfuhrung. AbschlieGend wird auf die geplanten und ausgewahlten statistischen Auswertungsmethoden eingegangen.

3.1 Versuchsplan und Forschungsmodell

Bei der geplanten Untersuchung handelt es sich um ein Querschnittsdesign (ex- post-facto-design). Die Teilnehmer werden mittels standardisierten,quantitativen Verfahren aus der Personlichkeits-, Intelligenz-, Aufmerksamkeits- und Multitasking-Forschung untersucht. Es handelt sich um eine Befragung mit Hilfe von Fragebogen, kombiniert mit Leistungstests. Abbildung 2 zeigt das Forschungsmodell, welches der Untersuchung zu Grunde gelegt ist. Die unabhangigen Variablen sind fluide Intelligenz, Aufmerksamkeit, Gewissen- haftigkeit, Flexibility, Handlungsorientierung, emotionale Stability,Belastbarkeit und Selbstbewusstsein, deren Einflusse auf die abhangige Variable, in diesem Fall die Leistung unter Multitasking-Bedingungen, untersucht werden sollen. Zusatzlich zu den unabhangigen und der abhangigen Variable werden zwei Kontrollvariablen in das Modell aufgenommen. Diese sind positive Affektivitat und negative Affektivitat der Probanden zum jeweiligen Erhebungszeitpunkt (State). So sollen starke affektive Zustande der Versuchspersonen, die moglicherweise das Gesamtergebnis der Untersuchung und insbesondere die Ergebnisse der Leistungsstests in der Gute beeinflussen konnten, erfasst werden. Dies geschieht mittels des Positive-Negative-Affect- Schedule (PANAS) in seiner deutschen Fassung nach Krohne et al. (1996). Da dieses Verfahren sowohl zur Erfassung der Trait-Affektivitat als auch zur Erfassung der State-Affektivitat eingesetzt werden kann, muss an dieser Stelle deutlich darauf hingewiesen werden, dass der Fragebogen in seiner State-Form zum Einsatz kommt, weil nur die affektiven Zustande zum jeweiligen

Erhebungszeitpunkt der Probanden von Bedeutung sind. Zur Messung der Aufmerksamkeit kommt der Farbe-Wort-Interferenz-Test (FWIT) von Baumler (1985) nach J. R. Stroop im Paper-Pencil-Verfahren zum Einsatz[25]. Die fluide Intelligenz wird mittels der Subtests Analogien, Zahlenreihen und Matrizen aus dem Intelligenz-Struktur-Test 2000 R als Papier-Bleistift-Version erfasst. Die Auswahl dieser Aufgabengruppen erfolgte auf Grundlage der Erkenntnis von Beauducel, Brooke & Liepmann (2001), die diese drei Aufgabengruppen als guten Indikator fur fluide Intelligenz ermitteln konnten. Die Beschrankung auf jeweils eine Aufgabengruppe aus den Bereichen verbale, numerische und figurale Intelligenz tragt auGerdem maGgeblich zur Testokonomie bei. Die Variablen Gewissenhaftigkeit, Flexibility, Handlungsorientierung, emotionale Stability, Belastbarkeit und Selbstbewusstsein werden mit Hilfe des Bochumer Inventars zur berufsbezogenen Personlichkeitsbeschreibung (BIP) erhoben. Dieses Verfahren wurde gewahlt, da es als einziger Personlichkeitsfragebogen die ausgewahlten Personlichkeitsmerkmale als Pradiktoren der Multitasking- Fahigkeit berufsbezogen erfasst. AuGerdem ist es ein standardisiertes, uberpruftes und weit verbreitetes Verfahren. Die einzelnen Skalen wurden als Online-Fragebogen umgesetzt. Dies fuhrt zum einen zur fehlerfreien Auswertung, da die einzelnen Itemwerte der Probanden nicht handisch erfasst werden mussen und zum anderen werden die Probanden auf nicht beantwortete Fragen hingewiesen, was letztlich die Zahl der fehlenden Werte minimiert. Zur Messung der abhangigen Variable wird der SIMKAP von Bratfisch & Hagman (2003) aus dem Wiener Testsystem der Schuhfried GmbH eingesetzt. Dieses Verfahren wird komplett computergestutzt durchgefuhrt. Viele Autoren haben in der Vergangenheit eigene Szenarien zur Erfassung der Multitasking-Fahigkeit entwickelt (vgl. Cellier & Eyrolle, 1992; Ishizaka et al., 2001 sowie Kapitel 2.1.1), was die Vergleichbarkeit der Studien enorm erschwert (vgl. Konig et al., 2005). AuGerdem sind diese meist einmalig konstruierten und angewendeten Szenarien wenig bis gar nicht evaluiert Oder uberpruft. Daher bietet sich dieses Verfahren als standardisiertes

[...]


[5] Im Deutschen werden neben „Multitasking“ die Begriffe „Simultantatigkeiten“, „Mehrfachaufgaben(bearbeitung)“ Oder „Paralleltatigkeiten“ synonym verwendet.

[6] In Kapitel 2.1.2.3 wird die Aufmerksamkeit sowohl aus wahrnehmungs- als auch als kognitionspsychologischer Sicht als Pradiktor fur Multitasking-Fahigkeit eingehender erlautert. Die folgenden Abschnitte beschaftigen sich nur mit den Informationen zur Aufmerksamkeit, die zum Verstandnis von Multitasking notwendig sind.

[7] Diese LeistungseinbuGen werden auch als Interferenzen Oder wechselseitige Storungen bei der Ausfuhrung von Simultantatigkeiten bezeichnet (vgl. z.B. Zimbardo & Gerrig, 2004).

[8] ° Diesen Begriff begrundete Telford (1931) “on analogy to the refractory period of neutrons” (Pashler, 1994, S. 222). “Die Refraktarperiode bezeichnet [in der Biologie] den Zustand der Unerregbarkeit einer Zelle nach einem Aktionspotenzial” (Kirschbaum, 2008, S. 238). “Although many people have noted, that the analogy is far from perfect, the term has stuck nonetheless” (Pashler, 1994, S. 222).

[9] Hinsichtlich der Aufgabenahnlichkeit gibt es auch Stimmen, die vermuten, dass die Ahnlichkeit die gleichzeitige Bearbeitung erleichtert: „A ... variable considered by most authors to be involved in time-sharing is task-similarity, although it is still not clear whether it has a facilitatory or an inhibitory role” (Cellier & Eyrolle, 1994, S. 26).

[10]

Da der Test auch in der vorliegenden Studie als Grundlage zur Erfassung der Leistung unter Simultantatigkeitsbedingungen gedient hat, wird er in Abschnitt 3.2.1 eingehender beschrieben.

[11] Diese Frage wird auch bei Zimber et al. (2010) gestellt, kann jedoch mit derzeit vorliegenden Studien nichteindeutig beantwortet werden.

[12] Auf andere Personlichkeitstheorien soil an dieser Stelle nicht eingehender eingegangen werden, da sie fur das Verstandnis der vorliegenden Arbeit nicht notwendig sind. Fisseni (2003) gibt einen sehr ausfuhrlichen Uberblick uber die Einteilung der unterschiedlichen Theorien und der jeweiligen wichtigsten Verfreter. Eine etwas andere und kurzere Einteilung der Theorien findet sich bei Asendorpf (2007). Laux & Renner (2005) bieten wiederum eine andere, wesentlich knappere Klassifizierung.

[13] Betrachtet man diese interindividuellen Unterschiede in der Masse, also ausgerichtet auf eine gro&e Anzahl von Individuen, ergibt sich in der Regel eine Normalverteilung der jeweils berucksichtigten Merkmale (vgl. Amelang et al., 2006). Dieser Aspekt wird in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht eingehender beleuchtet, da er fur den Verlauf und die Ergebnisse der Untersuchung nicht entscheidend ist.

[14] Nach Fisseni (2003) gibt es „schon wegen der Vielfalt der Methodenwahlen ... in der Psychologie keine allgemein angenommene Definition von Personlichkeit [Hervorhebung v. Verf.]“ (S. 5).

[15] Kritik am Big Five Ansatz soil an dieser Stelle nicht eingehender erortert werden, da dies der Themenstellung der Arbeit nicht zutraglich ist. Ansatzpunkte der Kritik sowie weiterfuhrender Entwicklungen konnen bei Friedman & Schustack, 2004 nachgelesen werden.

[16] In dieser Arbeit wird Personlichkeit aus „traditioneller“ personlichkeitspsychologischer Sicht - ebenso wie beim Big Five Ansatz - anhand von Eigenschaften definiert (vgl. Kuhl, 2010). Auf andere Moglichkeiten, Personlichkeit zu erfassen und zu beschreiben, soil an dieser Stelle nicht eingegangen werden.

[17] Die Psychometrie beschaftigt „sich mit dem Testen mentaler Fahigkeiten" (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 412).

[18] Cattell (1987) bediente sich v.a. sogenannter „culture-fair tests" (S. 97), um die fluide Intelligenz naher zu bezeichnen.

[19] Kritik an der Annahme, dass fluide Intelligenz genetisch bedingt und somit angeboren ist, soil an dieser Stelle vernachlassigt werden, selbst wenn es eindeutige Studien dazu gibt, dass fluide Intelligenz durch Schulbildung beeinflussbar ist (vgl. Friedman & Schustack, 2004).

[20] Die Steuerung von Aufmerksamkeit wird auch Aufmerksamkeitskontrolle genannt und bezeichnet die „selektive Beachtung „erwunschter“ Informationen" (Baumann & Kuhl, 2005, S. 365).

[21] Unter Polychronizitat wird die Neigung und Praferenz verstanden, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun (vgl. Konig et al., 2005). „Polychronic time use is characterized by overlaps of activities, interruptions, and the dovetailing of tasks” (Kaufman-Scarborough & Lindquist, 1999, S. 289).

[22] Hierbei ist selbstverstandlich darauf zu achten, dass Personlichkeitsfaktoren nicht ausschlie&lich fur die Auswahl von Personal ausschlaggebend sein sollten.

[23] Berufliche Leistung bezeichnet dabei ,,die Effektivitat bei der Erfullung der Arbeitsaufgaben an einem spezifischen Arbeitsplatz" (Hulsheger & Maier, 2008, S. 109).

[24] Hierunter fallen das berufliche Entgelt, die hierarchische Position sowie die eigene Berufserfolgseinschatzung (Hossiep & Paschen, 2003).

[25] An dieser Stelle ist auf die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprufung (TAP) von Zimmermann & Fimm (1993) zu verweisen, mit der gegenuber dem FWIT die Aufmerksamkeitsleistung differenzierter gemessen werden kann. Eine Anfrage des Autors zum kostenneutralen Einsatz des Verfahrens wurde bedauerlicherweise abgelehnt. Weiterhin hat sich der Autor zu Gunsten der Testokonomie gegen dieses Verfahren entschieden.

Ende der Leseprobe aus 224 Seiten

Details

Titel
Sind intelligente Menschen die besseren Multitasker?: Eine Studie über Persönlichkeit und Multitasking-Fähigkeit
Hochschule
SRH Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
224
Katalognummer
V197563
ISBN (eBook)
9783656238805
ISBN (Buch)
9783656239079
Dateigröße
5430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Multitasking, Prädiktoren, Persönlichkeit, task switching, dual tasks
Arbeit zitieren
Knud Sören Wagner-Emden (Autor), 2010, Sind intelligente Menschen die besseren Multitasker?: Eine Studie über Persönlichkeit und Multitasking-Fähigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197563

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