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Über das Verhältnis von Aufklärung und das Recht auf den eigenen Tod

Title: Über das Verhältnis von Aufklärung und das Recht auf den eigenen Tod

Seminar Paper , 2012 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: René Haase (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Im Europa der Frühen Neuzeit galt der ́Selbstmord ́ prinzipiell als Sünde und juristisch als Straftat. Dies ist Teil einer langen Tradition christlich geprägter Kultur, welche explizit auf das Tötungsverbot im Dekalog zurückgreift und dieses spätestens seit Augustinus auf und gegen das Selbst anwendet. Dürfe man andere nicht töten, so dürfe man auch nicht Hand an sich selbst legen, so das Prinzip, welches sich aus dem Gebot der Nächstenliebe ableite, die, wie Augustinus es formulierte, die Selbstliebe als Richtschnur zur Voraussetzung habe. Folgt man dieser Argumentation und ihrer langen Tradition, so wird klar, dass die Verfügungsgewalt über den eigenen Körper und damit „das Recht auf den eigenen Tod“ demnach keine uneingeschränkte Anerkennung in jenem christlich geprägten Kulturkreis fanden.
Ausgehend von dieser vehementen Ablehnung der Selbsttötung bis in die Frühe Neuzeit soll sich der Blick auf den philosophischen Diskurs der Aufklärung im späten 18. Jahrhundert richten. Mit der Aufklärung war ein Wandel in der moralischen Bewertung der Selbsttötung verbunden, welcher auf Säkularisierung und Emanzipation der Individuen beruhte und somit einen neuen Diskurs über den Suizid ermöglichte.
Die vorliegende Arbeit möchte daher den Versuch unternehmen, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob im Zuge der Aufklärung und dem damit einhergehenden Wandel im Menschenbild die gesellschaftliche Bewertung der Selbsttötung hin zur moralischen Legitimation derselben geführt hat. Zugespitzt soll die Frage lauten: Plädierte die Aufklärung für ein Recht auf den eigenen Tod? Exemplarisch soll dies an der Debatte zwischen David Hume und Immanuel Kant nachvollzogen werden. Die Entscheidung begründet sich damit, dass jene beiden Philosophen eine klare Zäsur innerhalb des philosophiegeschichtlichen Diskurses um den Suizid darstellen. Beide vereinen, wobei sie antagonistischer kaum sein könnten, spezifisch moderne, aufklärerische Elemente hinsichtlich ihrer Argumentationsweise, und besonders bei Kant in formaler Hinsicht, die sich insgesamt auf Säkularisierung moralischer Normen beruft.
Nach einem knappen einführenden philosophie- geschichtlichen Überblick über die wichtigsten Persönlichkeiten in diesem Zusammenhang soll dann schließlich der Übergang zur aufklärerischen Philosophie vollzogen werden, in deren Kontext die beiden Positionen gegenübergestellt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über das Verhältnis von Aufklärung und das Recht auf den eigenen Tod

2.1. Säkulare Tendenzen

2.1.1. Unversöhnliche Positionen: Das radikale Für und das radikale Wider den Suizid

2.1.2. Liberalisierung der Suizid-Problematik?

2.2. David Hume: Apologet des Selbsttötung?

2.3. Immanuel Kant: Altes Verbot, neues Gewand

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Seminararbeit untersucht, inwiefern der philosophische Diskurs der Aufklärung und der damit einhergehende Wandel im Menschenbild zu einer moralischen Legitimation der Selbsttötung geführt haben. Dabei wird analysiert, ob die Emanzipation des Individuums tatsächlich in der Anerkennung eines "Rechts auf den eigenen Tod" mündete oder ob traditionelle Verbote in modernisierter Form fortbestanden.

  • Die moralphilosophische Debatte um den Suizid im 18. Jahrhundert.
  • Gegenüberstellung der Positionen von David Hume und Immanuel Kant.
  • Die Rolle der Säkularisierung und des aufkommenden Individualismus.
  • Der Einfluss antiker stoischer Argumentationsmuster auf die moderne Suiziddebatte.
  • Die Spannung zwischen individueller Autonomie und gesellschaftlicher bzw. göttlicher Normsetzung.

Auszug aus dem Buch

2.2. David Hume: Apologet der Selbsttötung?

In seinem 1777 posthum veröffentlichen Essay On Suicide entwickelt der schottische Moralphilosoph David Hume eine systematische Widerlegung aller gängigen Argumente gegen den Suizid. Sein Ziel ist es, „den Menschen in seine angeborne Freiheit wieder einzusetzen, indem wir alle Argumente gegen den Selbstmord prüfen und zeigen, dass diese Handlung frei von Schuld oder Tadel sein mag, wie dies auch die gemeine Ansicht aller alten Philosophen ist.“

Hume versucht im Folgenden also systematisch die von Thomas von Aquin postulierte dreifache Versündigung, mit der die Selbsttötung traditionell als Verbrechen abgestempelt wird, zu entkräften und zu widerlegen. Dass dies, so Hume, auch die Ansicht aller alten Philosophen sei, scheint, wenn man den oben angeführten Darstellungen folgt, irreführend. Eindeutig Bezug nimmt Hume vor allem auf den stoischen Philosophen Seneca. Es liegt der Schluss nahe, dass er sich durchaus in stoischer Tradition verhaftet sieht. Anders als die Stoiker, insbesondere Seneca, hingegen wollte Hume den Suizid gänzlich (moralisch) freisprechen. Für ihn war der Suizid, was nachfolgend expliziert werden soll, „nicht verdächtig, Ausdruck verderblicher Leidenschaften und verwerflicher Willkür zu sein“, sondern „[d]ie Entscheidung, sich in unerträglichen Lagen vom Leben zu befreien“.

Sein Hauptaugenmerk liegt auf der theonomen Behauptung, die Selbsttötung verletzte unsere Pflicht gegenüber Gott. Gleichsam bleibt er in jener theonomen Deutung verhaftet, wenn er dabei von „Aberglauben und falsche[r] Religion“ spricht. Der Philosophie gesteht er hierbei eine besondere Rolle zu, indem er sie einerseits als Werkzeug des gesunden menschlichen Geistes begreift, andererseits ihr attestiert, ein wirksames „Gegengift“ zu sein. Nach umfangreichen Ausschweifungen kommt Hume zu der Feststellung, die Selbsttötung stelle keine Pflichtverletzung gegenüber Gott dar, weil sie als Handlung keinen Eingriff in die göttliche Schöpfung und die Vorsehung darstelle und sie damit nicht durchkreuze.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die traditionelle christliche Abwertung des Suizids und führt in die Fragestellung ein, ob die Aufklärung einen Wandel hin zur moralischen Legitimation der Selbsttötung einleitete.

2. Über das Verhältnis von Aufklärung und das Recht auf den eigenen Tod: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen Säkularisierung und moralischer Normsetzung anhand der gegensätzlichen Positionen von David Hume und Immanuel Kant.

3. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Aufklärung zwar eine Liberalisierung der Debatte ermöglichte, aber keineswegs zu einem allgemeinen "Recht auf den eigenen Tod" führte, da selbst moderne Ansätze wie der von Kant das Verbot auf einer neuen, vernunftbasierten Grundlage festigten.

Schlüsselwörter

Aufklärung, Selbsttötung, Suizid, David Hume, Immanuel Kant, Säkularisierung, Individuelle Autonomie, Moralphilosophie, Ethik, Menschenbild, Freiheit, Vernunft, Pflicht zur Selbsterhaltung, Philosophiegeschichte, Freitod.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Aufklärung und dem Recht auf den eigenen Tod. Es wird erforscht, wie sich die moralische Bewertung der Selbsttötung im 18. Jahrhundert veränderte.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentral sind die Säkularisierung der Moral, die Entwicklung des modernen Individuums, die philosophischen Debatten um Suizid sowie der Einfluss antiker Denktraditionen auf die Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu beantworten, ob die Aufklärung und das neue Menschenbild der Epoche dazu geführt haben, dass der Suizid moralisch legitimiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die philosophisch-historische Analyse, indem sie primär philosophische Quellentexte aus dem 18. Jahrhundert (vornehmlich von Hume und Kant) vergleichend auswertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich dem Diskurs der Aufklärung, wobei exemplarisch die gegensätzlichen Positionen von David Hume, der den Suizid moralisch freisprechen wollte, und Immanuel Kant, der ihn als Verbrechen einstufte, gegenübergestellt werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Aufklärung, Suizid, Autonomie, Säkularisierung, Moralphilosophie und die philosophische Ethik von Hume und Kant.

Wie bewertet David Hume das Thema Suizid?

Hume versucht, die traditionelle christliche Argumentation (insbesondere die nach Thomas von Aquin) systematisch zu widerlegen und den Suizid als moralisch zulässige Entscheidung des Individuums darzustellen.

Warum hält Immanuel Kant den Suizid für ein Verbrechen?

Kant argumentiert, dass der Mensch als moralisches Subjekt eine Pflicht zur Selbsterhaltung habe; wer sich töte, degradiere sich selbst vom Zweck zum Mittel und handle somit entgegen seiner Menschheit.

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Details

Title
Über das Verhältnis von Aufklärung und das Recht auf den eigenen Tod
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Kulturgeschichte der Selbsttötung 16. - 19. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
René Haase (Author)
Publication Year
2012
Pages
20
Catalog Number
V197575
ISBN (eBook)
9783656237600
ISBN (Book)
9783656238317
Language
German
Tags
Suizid Aufklärung Selbsttötung Moral
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
René Haase (Author), 2012, Über das Verhältnis von Aufklärung und das Recht auf den eigenen Tod, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197575
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