Als im Frühsommer 2007 die US-Immobilienkrise begann, konnte niemand erahnen
wo das alles hin hinführen sollte. Letztendlich führte es in die größte Krise,
die die EU und die europäische Währungsunion seit Bestehen zu bewältigen hatte.
Wie hoch allein die Kosten bzw. der Wertverlust während der Finanzkrise von
2007-2009 waren, lässt sich nur schwer beziffern. Laut eines Wirtschaftsberichtes
des IWF vom April 2010 haben allein nur die Banken bis dato 1,5 Billionen Euro
abgeschrieben, gleichzeitig senkte die IWF die Prognose auf insgesamt 2,3 Billionen
Euro für die Zukunft. Hierbei sind andere Sektoren noch nicht berücksichtig,
sodass die Zahlen in Wirklichkeit um ein vielfachen höher liegen dürften. Es
bleibt also abzuwarten, wo der Weg hinführt um beziffern zu können, wie teuer
die globale Krise nun letzten Endes gewesen ist. Ebenso bleibt aber festzuhalten,
dass die Finanzkrise, deren Stein des Anstoßes die „Lehman Pleite“ war, nicht zu
100 Prozent für die anschließende „Euro Krise“ verantwortlich gemacht werden
kann.
Die Euro Krise hat bisher ein Volumen in Höhe von 802 Mrd. Euro verschlungen
inkl. der bereits verplanten Rettungspakete eins und zwei für Griechenland. Trotz
dieser schier endlosen Nullen hinter den Zahlen, den schlechten Nachrichten und
düsteren Zukunftsszenarien, gibt es vereinzelt Länder, die all dieses kalt zulassen
scheint. Denn aus und in jeder wirtschaftlichen Krise gibt es immer Gewinner
bzw. Länder die davon profitieren.
Sei es durch die Abwertung der anderen Währung gegenüber der eigenen, oder
weil das Wachstum einen Landes so gefestigt ist, das es durch kaum etwas erschüttert
werden kann. Oder weil einfach keine Nähe zum europäischen Markt
besteht und man von einem der wirtschaftlich größten Märkte der Welt nicht abhängig
ist. Nur wer profitiert davon, in welcher Art und Weise und wo liegen diese Länder?
Gibt es in der Euro bzw. EU Krise überhaupt jemanden dem es nicht schlechter
oder dadurch besser geht? Diese Frage soll in dieser Ausarbeitung beantwortet
werden.
Die zu untersuchenden Länder sind vorab bestimmt und zwar dahingehend, das
aus jedem Wirtschaftsbereich und -kreis ein Teilnehmer gewählt wurde. Dabei
wurde darauf geachtet, dass dieses Länder auch vorher schon zu aussichtsreichen
Kandidaten der Entwicklungs- und Schwellenländer gehört haben und jährlich
überdurchschnittliche Wachstumsraten zu verzeichnen hatten. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Der EURO Währungsraum
1.1 Definition
1.2 Konvergenzkriterien
2 Die EURO-Krise
2.1 Ursache & Wirkung
2.2 Gegenmaßnahmen der EU , EZB und des IWF
2.3 Kritik am Krisenmanagement und den Lösungen
3 Wirtschaftswachstum
3.1 Definition
3.2 Wachstumstheorien
3.2.1 Neoklassische Wachstumstheorie
3.2.2 Endogene Wachstumstheorie
3.3 Determinanten des Wirtschaftswachstums
3.3.1 Bildung
3.3.2 Technischer Fortschritt
3.3.3 Politische Rahmenbedingungen
3.3.4 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
3.3.5 Soziale Rahmenbedingungen
3.3.6 Infrastruktur
4 Entwicklungs- und Schwellenländer
4.1 Definition Entwicklungsländer
4.1.1 Klassifizierung der Weltbank
4.1.2 Klassifizierung der Vereinten Nationen
4.2 Definition Schwellenländer
5 Die Kandidaten
5.1 Polen - in der EU, hat jedoch den EURO nicht
5.1.1 Politische Rahmenbedingungen
5.1.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
5.1.3 Soziale Rahmenbedingungen
5.1.4 Bildung
5.1.5 Technischer Fortschritt
5.1.6 Infrastruktur
5.1.7 Zusammenfassung
5.2 Russland – Will nicht in die EU
5.2.1 Politische Rahmenbedingungen
5.2.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
5.2.3 Soziale Rahmenbedingungen
5.2.4 Bildung
5.2.5 Technischer Fortschritt
5.2.6 Infrastruktur
5.2.7 Zusammenfassung
5.3 Türkei – Will in die EU und den EURO
5.3.1 Politische Rahmenbedingungen
5.3.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
5.3.3 Soziale Rahmenbedingungen
5.3.4 Bildung
5.3.5 Technischer Fortschritt
5.3.6 Infrastruktur
5.3.7 Zusammenfassung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wachstumsperspektiven und wirtschaftlichen Chancen ausgewählter Entwicklungs- und Schwellenländer vor dem Hintergrund der europäischen Schulden- und Staatenkrise. Ziel ist es zu analysieren, ob und warum diese Länder unterschiedlich stark von der Krise betroffen waren und welche Faktoren für ihre wirtschaftliche Entwicklung entscheidend sind.
- Analyse der Ursachen und Wirkungen der Euro-Krise
- Grundlagen und Theorien des Wirtschaftswachstums
- Determinanten von Wachstum (Bildung, technischer Fortschritt, Rahmenbedingungen)
- Vergleichende Untersuchung der Länder Polen, Russland und Türkei
- Bewertung der wirtschaftlichen Einbindung in die EU bzw. EWU
Auszug aus dem Buch
2.1 Ursache & Wirkung
Als Ursache für die größte Bewährungsprobe der EU und ganz speziell des Euro-Währungsraums lässt sich an der Überschuldung einzelner Staaten aufgrund der Divergenz zwischen der Wachstums- und Inflationsrate der vergangenen 10 Jahre feststellen. Dieses scheint erst nicht einleuchtend, wird aber anhand von Tabellen aufgezeigt und lässt durchblicken, dass es eben nicht die alleinige Schuld der Krisenstaaten ist, sondern ein architektonisches Konstruktionsproblem der EU und der Währungsgemeinschaft.6 Es ist natürlich unbestreitbar, dass der Euro viele Vorteile mit sich gebracht hat, wie zum Beispiel mehr Wettbewerb und vereinfachte Transaktionen, jedoch ist es in Europa immer noch so, dass die nationalen Interessen vielfach im Vordergrund stehen anstatt miteinander zu agieren.7
Ebenso hatte man seinerzeit angenommen, dass eine einheitliche Währung der entscheidende Schritt zu einem einheitlichen Europa gewesen wäre. Im Nachhinein war das ein Trugschluss, denn vorab hätte es einer einheitlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik bedurft.8
So kam es zu der Situation, dass es eine Gemeinschaftswährung gab, jedoch jedes Land seine eigene Wirtschafts- und Finanzpolitik betrieb. Unter diesem Mantel der Gemeinschaftswährung nutzten einige wenige Staaten die system- und konstruktionsbedingten Fehler des Gemeinschaftsvertrages.
Würde ein Land die Politik betreiben, die manche in den letzten Jahren betrieben haben, dabei jedoch auf eine eigene Währung zurückgreifen, so schlägt sich jede Art von Finanz- und Wirtschaftspolitik kurz- bis mittelfristig im Wechselkurs nieder. Das bedeutet, trifft ein Land schlechte oder unvorteilhafte Entscheidungen, so wird die Währung abgewertet, der Import wird teurer und der Export billiger. Die Zinsen für die Neuverschuldung werden steigen, damit Anleger ihr Risiko auch entsprechend bezahlt bekommen und der Staat seine Anleihen überhaupt platzieren kann. Somit trägt jedes Land die Verantwortung für sich selbst.9
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der EURO Währungsraum: Dieses Kapitel definiert den Euro-Währungsraum und erläutert die relevanten Konvergenzkriterien für eine Mitgliedschaft.
2 Die EURO-Krise: Hier werden die Ursachen, Wirkungen sowie das Krisenmanagement der europäischen Institutionen während der Schuldenkrise analysiert.
3 Wirtschaftswachstum: Dieser Abschnitt behandelt theoretische Modelle und wichtige Einflussfaktoren, die das Wachstum von Volkswirtschaften bestimmen.
4 Entwicklungs- und Schwellenländer: Das Kapitel widmet sich der Definition und Klassifizierung von Entwicklungs- sowie Schwellenländern anhand verschiedener internationaler Modelle.
5 Die Kandidaten: In diesem Hauptteil werden die Länder Polen, Russland und die Türkei anhand ihrer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen detailliert untersucht.
6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Wachstumschancen der untersuchten Länder in Abhängigkeit von internen Reformen und externen Einflüssen.
Schlüsselwörter
Euro-Krise, Wirtschaftswachstum, Schwellenländer, Entwicklungsländer, Konvergenzkriterien, Fiskalpolitik, Humankapital, Technischer Fortschritt, Direktinvestitionen, Polen, Russland, Türkei, Inflationsrate, Staatsverschuldung, Europäische Union.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wachstumsaussichten und Chancen ausgewählter Entwicklungs- und Schwellenländer vor dem Hintergrund der europäischen Finanzkrise.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur des Euro-Währungsraums, Ursachen der Euro-Krise, Theorien zum Wirtschaftswachstum sowie die detaillierte länderspezifische Analyse von Polen, Russland und der Türkei.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist herauszufinden, ob und warum bestimmte Länder weniger stark von der Krise geschädigt wurden und welche Faktoren ihre robuste wirtschaftliche Entwicklung begünstigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse auf Basis aktueller Wirtschaftsdaten, Wachstumstheorien und politischer Rahmenbedingungen der untersuchten Länder durchgeführt.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil befasst sich mit der Untersuchung der drei Länder-Kandidaten, wobei insbesondere Bildungsaspekte, Infrastruktur, politische Stabilität und wirtschaftliche Rahmenbedingungen evaluiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Euro-Krise, Humankapital, Direktinvestitionen, Fiskalpolitik und Diversifikation.
Warum wird Polen als ein "Vorzeigeschwellenland" in der Analyse bezeichnet?
Polen konnte als einziges EU-Land das Jahr 2009 ohne Rezession überstehen und zeigt durch Reformen und die Nähe zur EU positive Tendenzen, trotz bestehender Abhängigkeiten.
Welche Rolle spielt Russland in der globalen Wirtschaft laut dieser Arbeit?
Russland ist stark von Rohstoffexporten abhängig, hat jedoch durch seine Größe und Binnennachfrage ein erhebliches Potenzial, sofern es die wirtschaftliche Diversifizierung erfolgreich vorantreibt.
Wie bewertet der Autor die Situation der Türkei?
Der Autor stuft die Türkei als einen wirtschaftlich wackeligen Kandidaten ein, da das schnelle Wachstum oft kreditlastig finanziert ist und eine starke Abhängigkeit von ausländischen Direktinvestitionen besteht.
- Arbeit zitieren
- Marcel Reh (Autor:in), 2012, Analyse der drei wachstumsstärksten Staaten in Europa der letzten Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197591