Ramsey Preise - Theorie und Realisierung


Seminararbeit, 2011

20 Seiten, Note: 0,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1. Vollkommener Wettbewerb und die „unsichtbare Hand“
1.2. Frank Plumpton Ramsey

2. WOHLFAHRTSMAXIMIERUNG UND NATÜRLICHES MONOPOL
2.1. Das Pareto-Optimum
2.2. Das natürliche Monopol und „die beste Lösung“

3. RAMSEY PREISE
3.1. Das natürliche Monopol im Mehrproduktfall
3.2. Die Ramsey Regel
3.3. Ramsey Preise in der Realität

4. KRITISCHE BETRACHTUNG DER REALISIERUNG VON RAMSEY PREISEN..

III LITERATURVERZEICHNIS

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Verbundeffekte

Abbildung 3.1: Isogewinnlinie fürNullgewinne im Preis-Preis-Diagramm
Abbildung 3.2: Konsumentenrenten für verschiedene Preiskombinationen
Abbildung 3.3: Effekte von Preisänderungen aufMärkten mit unterschiedlichen Nachfrageelastizitäten

1. Einleitung

1.1. Vollkommener Wettbewerb und die „unsichtbare Hand“

Das Ziel, effiziente Allokationen auf Märkten zu erreichen, stellt Ökonomen seit langem vo r große Herausforderungen. Während die Klassiker zu Beginn des ökonomischen Denkens von der „unsichtbaren Hand“ sprachen, die die Märkte von ganz allein in einem Gleichgewicht hielt, welches zudem noch Ökonom isch wünschenswerte Allokationen erzeugte, besteht unter den Wirtschaftswissenschaftlern heute Einigkeit, dass in einigen Bereichen staatliches Eingreifen in die Wirtschaftsprozesse erforderlich ist,um dieses Ziel zuerreichen. EinPhänomen,dasdi e Vorstellung des funktionierenden vollständigen Wettbewerbs vor Herausforderungen stellt, ist das natürliche Monopol. Im Laufe der Zeit wu rden verschiedene Ansätze und Vorschläge ent­wickelt, wie wirtschaftspolitisch bei Vorliegen eines natürlichen Monopols vorzugehen sei.

Der Schwerpunkt dieser Sem inararbeit liegt auf der Betrachtung „optimaler“ Preissetzung im Falle eines natürlichen Monop ols im N-Güterfall, wobei mit optimal die wohlfahrtsm aximie- rende Preiskombination gemeint ist. Der britische Mathematiker Frank Plumpton Ramsey (1903 - 1930) entwickelte 1927 die nach ihm benannte Ramsey-Regel im Rahmen eines wissenschaft­lichen Artikels zur Theorie optimaler Besteuerung. Die Ergebnisse seines Beitrages wur den 1970 von den US-amerikanischen Ökonomen William J. Baumol (*1922) und David F. Br ad- ford (1939 - 2005) aufgegriffen und auf das Problem der Preissetzung bei Vo rliegen eines na­türlichen Monopols im Mehrgüterfall angewandt. Sie wiesen die Bestimmbarkeit von zweitbes­ten Preisen nach. Diese Preise werden Ramsey Preise genannt (vgl. Train 1991, S. 116).

1.2. Frank Plumpton Ramsey

Frank P. Ramsey wurde am 22. Febrauar 1903 als Sohn vo n Arthur Stanley Ramsey, einem Mathematiker und von 1897 bis 1934 Präsidenten des Magdalenen College an derUniver sität Cambridge, geboren. Sein jüngerer Bruder warder spätere Erzbischofvo n Canterbury, Arthur Michael Ramsey. Ab 1915 studierteRamsey Mathematik zunächst in Winchesterundschloss das Studium 1923 in Cambridge als Jahrgangsbester ab.

Zu seiner Zeit in Cam bridge trat er in Kontakt zu vielen Wissen schaftlem, unter andere m zu Charles Kay Ogden (1889 - 1957), eine m Sprachwissenschaftler, den er um Rat gebeten hatte, wie er schneller deutsch lernen könne. Er begann darauf philosophische Abhandlungen in deut­scher Sprache unterZuhil fenahme der englischen Übersetzung zu lesen. Unterdengelesen en Texten befand sich, was sich als folgenreich heraussteilen sollte, der 1918 von Ludwig Wittgen­stein fertig gestellte „Tractatus Logico-Philosophicus“, an dessen Übersetzung ins Englische er mitwirkte. Daraufhin lud Wittgenstein ihn 1923 zur Diskussion über den Tract atus nach Öster­reich ein. In den folgenden Jahren besuchte Ramsey den seinerzeit als Lehrer in einer Dorfschu­le in Puchberg tätigen Philosophen m ehrmals; es entstand eine enge Freundschaft. Während seiner Aufenthalte in Österreich machte er weitere Bekanntschaften mit bedeutenden Persön­lichkeiten, unter anderem mit TheodorReik, einem Psychoanalytiker und Schüler Sigmund Freunds, bei dem er sich einer mehrere Monate andauernden Psychoanalyse unterzog (Ramsey litt unter Depressionen) sowie Moritz Schlick, einem bedeutenden deutschen Philosophen und Leiter des Wiener Kreises (vgl. Taylor 2006, S.3- 6).

Ein Jahr später wurde er mit Unterstützung von John Maynard Keynes Fellow am King’s Col­lege in Cambridge, obwohl er bereits 1922 eine Theorie von Keynes („A Treatise on Probabili­ty“) derart kritisierte, dass Keynes selbst sie aufgab (vgl. Mellor 1990, S. XIV). Ramsey gab mehrmals in der Woche Vorlesungen und hielt Fachaufsichten. Während dieser Zeit verfasste er einige wissenschaftliche Beiträge, unteranderem „Foundations ofMathematics“, mit dem er sich für einen Universitätspreis bewar b, den er aber nicht erhielt. Bertrand Russel, zusa mmen mit Alfred Whitehead Autor der,, Principia Mathematica“, lobte diesen В eitrag ebenso wie Ri­chard B. Braithwaite, ein bedeutender Philosoph in Cambridge (vgl. Taylor 2006, S. 12).

Ramsey interessierte sich zeitlebens neben der Psychoanalyse und logischen, mathematisch en, politischen oder philosophischen Fragen für wirtschaftliche Problem Stellungen. In den folge n- den Jahren veröffentlichte er neben m athematischen und philosophischen auch die zwei wirt­schaftswissenschaftlichen Artikel ,,A Contribution to the Theory ofTaxation“ (1927) und „А Mathematical Theory ofSaving“ (1928). So wie Braithwaiteund Wittgenstein Förderer seiner logischen und philosophischen Arbeit waren, trifft das aufKeynes für seine Beschäftigung mit wirtschaftswissenschaftlichen Fragen zu. Letzteren Artikel beschrieb Keynes 1930 als „one of the most remarkable contributions to mathematical economics ever made” (Taylor 2006, S. 13). Ramsey scheint den Artikel in wenigen Woch en geschrieben zu haben und die Beschäftigung mit ihm scheint eher Ablenkung vom Verfassen eines Buchs zur Logik gewesen zu sein, wie er in einem Brief an Keynes, den erdem Artikel beigefügt hatte, andeutete (vgl. Tay lor 2006, S. 13f.).

Die meisten von Ramsey s Arbeiten auf wirtschaf tlichem und mathematischem Gebiet fanden erst spät und lange nach seinem Tod Anerkennung (vgl. Mellor 1 990, S. XV). So auch seine Erkenntnisse zur Besteuerung, die sich erst 1970 durchsetzen konnten als Bau mol und Bradford ihre Relevanz für die optimale Preissetzung bei Vorliegen natürlicher Monople erkannten. Ram­sey starb am 19. Januar 1930 im Alter von 26 Jahren in einem Krankenhaus in London.

Im Folgenden werden zunächst einige Ökonom ische Grundlagen vorgestellt, auf denen die Be­urteilung effizienter Allokationen beruht. Es wird deutlich werden, dass die eingangs erwäh nte „unsichtbare Hand“ nichtinjedem Fallzu solchen Allokationen führtund „Marktversagen“ vorliegt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt aufKap itel 3., in dessen Rahmen die Ramsey Regel vorgestellt wird. Sie ermöglicht die Berechnung der Güterpreise, die zu einer solchen Allokati- on bei Vorliegen eines Mo nopols im N-Güterfall führen. Anhand eines Fallbeispiels (entno m- men ausdemBuch „Optimal Regulation: TheEconomic Theory ofNatural Monopoly“ von Kenneth E. Train) wird die Anwendun g des Modells in der Realität vorgestellt. Abschließend werden in Kapitel 4. wichtige Kritikpunkte zur Beurteilung des Konzepts der Ram sey Preise erörtert.

2. Wohlfahrtsmaximierung und natürliches Monopol

2.1. Das Pareto-Optimum

Die „unsichtbare Hand“, von der zuerst Adam Smith in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sprach, hatte nach Ansicht der klassischen Ökonomen den erwünschten Effekt, dass allein durch die Kräfte des Marktes und durch Tauschgeschäfte unter den Individuen die wohlfahrtsökono­misch bestmögliche Allokation zustande käme. Die Klassiker versuchten den daraus resultie­renden größtmöglichen Wohlstand einer Volksw irtschaft ganz herkömmlich als Su mme der Einzelnutzen aller Individuen zu messen. Es war - etwa ein Jahrhundert später - Vilfredo Pareto (1848 - 1923), der die Unm öglichkeit der metrischen Messung des Nutzens erkannte und sie durch seinKonzeptderPareto-Effizien z ersetzte. Ersprachvon einereffizientenAllokation, wenn es keine Möglichkeit mehr gibt, irgendein Individuum in einer Volkswirtschaft besser zu stellen, ohne ein anderes schlechter zu stellen. Denn wenn das der Fall wäre, so bestünde offen­bar noch die Möglichkeit für ein Tauschgeschäft, das ein Individuum besser stellt und das ande­re zumindest nicht benachteiligt; damit muss die Wohlfahrt nach einem solchen Tausch steigen (vgl. van Suntum 2005, S. 39ff. und Varian 2007, S. 362).

Zu einer solchen optimalen Verteilung kommt es nach Ansicht derNeoklassi ker aufKonkur­renzmärkten bei vollständiger Konkurrenz, denn hier wird sich ein Gleichgewicht einstellen, bei dem der Preis der Gleichgewichtsmenge, den die Anbieter für eine produzierte Einheit des Gu­tes verlangen, genau dem entspricht, den die Konsumenten zu zahlen bereit sind. Wäre die pro­duzierte Menge des Gutes niedriger als in di esem walrasianischen Gleichgewicht - und der Preis entsprechend niedriger - so gäbe es mindestens eine Person, die bereit wäre, für eine zu­sätzliche Einheit des Gutes einen marginal höheren Preis zu bezahlen und einen Produzenten, der die zusätzliche Einheit zu diesem Preis anbieten würde. Die Grenzrat en der Substitution aller Konsumenten unddie Grenzraten dertechnischen Substitution allerPro duzenten sindin diesem Gleichgewicht identisch, die Preise entsprechen den Grenzkosten derProduktion. Diese Überlegungen zum Grenznutzenund zurGrenzproduktivität stellten zuerstHerm ann Heinrich Gossen (1810 - 1858) und Johann Heinrich von Thünen (1783 - 1850) an (vgl. van Suntum 2005, S. 35f. und Varian 2007, S. 362f.).

Gleichwohl kann es selbst bei Vorhegen eines Pareto-Optimums zu Allokationen kommen, die subjektiv als nicht erwünscht oder ung erecht empfunden werden. Man stelle sich eine Öko no- mie mit zwei Individuen und einer gegebenen Anfangsausstattung vor, in der der eine alles und der andere nichts hat. Im Pareto-Sinn handelt es sich auch hierbei um eine effiziente Allokation. Das Kriterium des Pareto-Optimums trifft daher keine Aussage über die Verteilungsgerechtig­keit oder darüber, welcher der möglicherweise zahlreichen optimalen Zustände der be ste oder ökonomisch anzustrebendeist.Wenn beide HauptsätzederWo hlfahrtsökonomie [1] gelten,so könnte eine zentrale Planungsstelle durch nicht-verzerrende individuell ange passte Steuern (Kopf- oderPauschalsteuem) und so durch Umverteilung derAnfangsausstattung (theoretisch) aber jede beliebige Pareto-op timale Allokation verwirklichen. [2] Was geschieht aber, wenn de r Marktmechanismus nicht zu einer solchen Pareto-effizienten Allokation führt und die „unsicht­bare Hand“ versagt (vgl. Keuschnigg 2005, S. 31)?

Die Existenz des beschriebenen Markt-Gleichgewichts beruht auf der Annahme, dass auf allen Märkten vollständige Konkurrenz herrscht. Man spricht von Marktversagen, wenn der Markt nicht dieses Gleichgewicht erzeugt. Das ist zum Beispiel der Fall bei Vorliegen eines Monopols. Hier sehen sich die Konsumenten nur einem einzigen Anbieter gegenüber. Dieser i st offenbar nicht dazu ge zwungen seine Produkte z u dem Preis anzubieten, der den Grenzkosten der Pr o- duktion entspricht, denn es gibt keine a nderen Produzenten, die das Gut zu diesem niedrigeren Preis anbieten würden und so den Markt eroberten. Der Monopolist wird also denjenigen Preis oder diejenige Outputmenge wählen, b ei der sein Gewinn maximal ist. Das Resultat ist eine Allokation, die nicht dem Kritériu m der Pareto-Effizienz entspricht. Durch Regulierung d es monopolistischen Produzenten kann der Staat versuchen eine Allokation herbeizuführen, die die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt und som it die der Konsumenten, erhöht. Um festzustellen, welche Allokationin diesem Fallwohlfahrtsmaximierend ist,,,[...] hatsich in derWettbe- werbsökonomie als praktikables Wohlfahrtsm aß der soziale Überschuss, definiert als Su mme von Konsumenten-undProduzentenrente,durchgeset zt.“ (Knieps 2001, S. 9)1 m Folgenden wird der Fall eines nicht-bestreitbaren [3] natürlichen Monopols betrachtet.

[...]


[1] Zu den Hauptsätzen der Wohlfahrtsökonomie siehe z.B. Corneo 2009, S. 20 oder Knieps 2001, S. 9f.

[2] Dabei wird davon ausgegangen, dass bei der Erhebung der Steuer keine Transaktionskosten anfallen. Kopfsteuern verursachen keinen Substitutionseffekt und weisen daher keine Zusatzlast und keinen Wohl­fahrtsverlust auf. (vgl. Homburg 2007, S.146ff.)

[3] Bestreitbarkeit würde bedeuten, dass andere Unternehmen die Möglichkeit besitzen potentiell in den Markt einzutreten (es käme zu Konkurrenz) oder den Monopolisten durch diese Möglichkeit zumindest zu disziplinieren. Das kann auch bei Vorhegen eines natürlichen Monopols der Fall sein. Die Möglichkeit für neue Unternehmen in den Markt einzutreten hängt von der Höhe der versunkenen Kosten ab, die ein Unternehmen aufwenden muss, um in denMarkt einzutreten. Sind diese zu hoch ist derMarkt nicht be­streitbar und der Monopolist besitzt Marktmacht, (vgl. Knieps 2001, S. 28 - 34)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ramsey Preise - Theorie und Realisierung
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
0,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V197683
ISBN (eBook)
9783656238720
ISBN (Buch)
9783656240334
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
steigende Skalenerträge, Verbundeffekte, Amoroso-Robinson-Relation, Frank Plumpton Ramsey, Second Best-Preise, Mehrproduktfall, Mehrgüterfall, unsichtbare Hand, Pareto-Optimum, Marktversagen, Natürliches Monopol
Arbeit zitieren
Dipl.-Volkswirt, B.A. Daniel Schultewolter (Autor), 2011, Ramsey Preise - Theorie und Realisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197683

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