Der Traum als literarische Form: Franz Fühmanns Traum-Erzählungen und -Notate


Seminararbeit, 1990
44 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung
I. Fragestellung und Zielsetzung
II. Zur Literaturlage
III. Aufbau der Untersuchung

B. Hauptteil
I. Didaktisches Schreiben: „Traum 1958“ (1959)
II. Eintritt in die Literatur: „22 Tage oder Die Hälfte des Lebens“ (1973)
1. Vorspiel: „Böhmen am Meer“ und „Das Judenauto“ (beide 1962)
2. „22 Tage oder Die Hälfte des Lebens“ (1973)
III. Auf der Suche nach einer Möglichkeit „reinen Erzählens“: „Dreizehn Träume“ (1983) und die Traumbuchfragmente
1. Abschied vom „operativen Schreiben“
2. Die Traumbuch-Fragmente (Chronologie)
3. „Dreizehn Träume“

C. Exkurs: Heinar Kipphardts „Traumprotokolle“ (1981)
I. Träume in der Literaturgeschichte
II. Heinar Kipphardts „Traumprotokolle“

D. Zusammenfassung

E. Bibliographie
I. Primärliteratur
II. Sekundärliteratur

A. Einleitung

I. Fragestellung und Zielsetzung

Die Auseinandersetzung mit dem Traum als literarische Form nimmt im Œuvre des 1984 verstorbenen DDR-Schriftstellers Franz Fühmann eine herausgehobene Stellung ein. In ihr findet sein lebenslanger Wandlungsprozeß - von der Selbst-Kritik an seiner national­sozialistischen Jugend ausgehend - charakteristischen Ausdruck. Fühmanns Beschäfti­gung mit dem Traum trägt einerseits die Kennzeichen einer psychoanalytisch unterstütz­ten Selbsttherapie, die ihm Lebenskrisen zu meistern half, verweist andererseits aber auch auf den Traum als einer Quelle poetischer Inspiration, von der sich Fühmann, besonders in seiner letzten Schaffenszeit Möglichkeiten neuen Erzählens erhoffte. Vor dem Hinter­grund dieser Dialektik von Zeitgeschehen, Autobiographie und künstlerischem Werk ha­ben sich die Träume Fühmanns zu einem wichtigen Beitrage zur deutschen Gegenwartsli­teratur entwickelt. Diese Untersuchung widmet sich ihnen.

Die Stationen von Fühmanns Traumbeschäftigung sollen als Ausdruck seines Wand­lungsprozeßes insgesamt nachgezeichnet werden. Damit ist dieser Aufsatz auch ein Bei­trag zu der von Uwe Wittstock bei Franz Fühmann (und Christa Wolf) nachgewiesenen „Fähigkeit zu trauern“[1], die Margarete und Alexander Mitscherlich 1967 in ihrem „bis heute viel zitierten, aber offenbar wenig gelesenen Buch über ‘Die Unfähigkeit zu trauern’ als die wesentliche Forderung einer wirkungsvollen Auseinandersetzung mit der Vergan­genheit beschrieben haben.“[2]

II. Zur Literaturlage

Die Sekundär-Literatur zum Thema dieser Arbeit ist noch recht spärlich. Die Studien Uwe Wittstocks[3] zum Leben und Werk Franz Fühmanns, die sämtlich auf Wittstocks 1987 veröffentlichter Dissertation aufbauen, betonen in erster Linie das psychoanalyti­sche Element in Fühmanns Auseinandersetzung mit dem Unbewußten und sind zudem zu einer Zeit verfaßt worden (zwischen 1986 und 1988), als der Nachlaß Fühmanns erst in Ansätzen gelichtet war. Die Traumbuchfragmente Fühmanns (1988 veröffentlicht) dürften Wittstock - abgesehen von den „Dreizehn Träumen“ - nicht bekannt gewesen sein. In der Studie von Irmgard Wagner[4] dagegen, „Franz Fühmann: Nachdenken über Literatur“, 1989 veröffentlicht, überwiegt die Herausarbeitung von Fühmanns Literatur­theorie und nimmt Fühmanns Beschäftigung mit dem Traum eine untergeordnete Rolle ein. Der wichtigste Beitrag zum Thema stammt von Ingrid Prignitz[5], die seit dem Tode Kurt Batts (1975) Fühmanns Lektorin beim Hinstorff Verlag in Rostock war. In ihrem „Nachwort“ zu dem von ihr 1988 veröffentlichten Nachlaßband Fühmanns - „Unter den PARANYAS: Traum-Erzählungen und -Notate“ - kann Prignitz auf eine Reihe unveröf­fentlichter Briefwechsel und Gespräche zwischen ihr und dem Autor zurückgreifen, mit deren Hilfe sie ein genaue Rekonstruktion von Fühmanns Traumbuchplänen vornimmt. Ihre Arbeit ist daher für diese Untersuchung von großem Wert. Darüber hinaus ist zu dem Nachlaßband in der F.A.Z. vom 4.Oktober 1988 eine Rezension von Uwe Wittstock er­schienen[6].Eine allgemeine Bibliographie zur Sekundärliteratur, auf die bei der Erstellung dieser Arbeit zurückgegriffen wurde, findet sich bei Uwe Wittstock[7] ; sie ist, was die westdeutsche Forschungsliteratur betrifft, umfassender und insgesamt genauer als die zum 65. Geburtstag Franz Fühmanns veröffentlichte Bibliographie des Hinstorff Verla­ges[8].

III. Aufbau der Untersuchung

Drei Stationen von Fühmanns „literarischer Traumarbeit“ sollen in dieser Arbeit nachge­zeichnet und untersucht werden: Angefangen mit Fühmanns 1959 veröffentlichter Traumerzählung „Traum 1958“, die kennzeichnend ist für Fühmanns „didaktisches Schreiben“ jener Zeit, über die Novelle „Böhmen am Meer“ und den Erzählzyklus „Das Judenauto“ (beide 1962), die ein Übergangsstadium markieren und über das Un­garn-Buch „22 Tage oder Die Hälfte des Lebens“ (1973), Fühmanns Durchbruch zu grö­ßerer stilistischer und persönlicher Freiheit, bis zu seinen späteren Traumbuchprojekten, repräsentativ ausgewählt mit der seit 1983 entstandenen Sammlung „Dreizehn Träume“[9], der einzigen gültigen, weil von ihm selbst für den Druck autorisierten Edition von Träu­men aus dem Umfeld seiner Traumbuchprojekte.

Anschließend sollen die gewonnenen Ergebnisse durch einen kurzen Seitenblick auf die wesentlich anders gelagerten „Traumprotokolle“ Heinar Kipphardts[10] aus dem Jahre 1981 konturiert werden. Den Schluß bildet eine Zusammenfassung mit dem Versuch, die Stel­lung von Fühmanns „Träumen“ in seinem Œuvre zu skizzieren.

B. Hauptteil

I. Didaktisches Schreiben: „Traum 1958“ (1959)

Am Anfang von Fühmanns systematischer und kritischer Auseinandersetzung mit dem Traum steht eine formal und inhaltlich einfache Traumerzählung: „Traum 1958“, der Einleitungsteil des Triptychons „Das Erinnern“ aus dem Novellenband „Stürzende Schat­ten“ (1959)[11]. Sie trägt die wesentlichen Merkmale von Fühmanns damaligem Psycho­logie- und Literaturverständnis, also auch jene Fehlansätze, von denen er sich später deutlich distanzieren wird; andererseits sind hier aber auch die Zeichen des Neuen und Kommenden zu finden. Uwe Wittstock hat daher treffend festgestellt, daß man in „Das Erinnern“ den „frühesten Hinweis im Werk Fühmanns auf Erinnerungsspuren jenseits des Bewußtseins“ sehen kann[12].

Der Held der Erzählung ist ein achtundzwanzigjähriger Bäcker aus Schlesien, der nun­mehr (im Jahre 1958) seit dreizehn Jahren im Berliner Westen lebt. Mit fünfzehn hatte er als Volkssturmmann an den letzten Kämpfen um Berlin teilgenommen, während deren er von Hitler im „Führerbunker“ für seinen Einsatz ausgezeichnet wurde. Ein abendliches Ge­spräch in seinem Bäckerladen, daß er mit einem Kriegsinvaliden über die „Atombewaffnung der Bundeswehr“ geführt hatte, weckt in ihm die angstvollen Erinne­rungen an die überstandene Zeit, von der er in der folgenden Nacht träumt.

Der Traum des Bäckers Hans K. wird von einer Rahmenerzählung umfaßt und zerfällt in drei Teile. In dem ersten Teil träumt er von seiner Auszeichnung im „Führerbunker“: Die Gestalten, die ihn umgeben, versetzen ihn, obwohl er geehrt werden soll, in einen Zu­stand der Angst, und als ihm von Hitler und Goebbels das Eiserne Kreuz verliehen wird, bricht er unter der Last des Ordens beinahe zusammen. In dem Traumteil wird er auch Zeuge, wie dem „Führer“ die Nachricht von dem Durchbruch der feindlichen Truppen überbracht wird. Bevor Hans K. den Bunker verlassen muß, hört er den Führer noch den Einsatz von Wunderwaffen proklamieren, was Hans zustimmend aufnimmt. Da er den Anschluß an seine Armee-Einheit nicht finden kann, sucht er erschöpft in einen Keller Zuflucht, wo er schnell in Schlaf fällt und einen „Traum im Traum“ hat (Teil 2): Er sieht sich als Bäcker, der einer müden und von Friedenssehnsucht erfüllten Menge Brot backt; plötzlich ändert sich seine Vision, als eine Menge von Generalen, geführt von dem „Führer und Reichskanzler“ Adolf Hitler und von Propagandaminister Joseph Goebbels - alle gegenüber dem ersten Traumteil um „ein Dutzend Jahre gealtert“ - eintritt und ihr früher angekündigtes Vernichtungswerk zu beenden beginnt. Als die beiden Anführer er­kennen, daß „ihre Zeit abgelaufen ist“, tritt an ihre Stelle ein Paar, in dem Unschwer Konrad Adenauer und Franz-Joseph Strauß zu erkennen sind. Letztere sind es nun, die in Hansens Traum das Vernichtungswerk des Faschismus realisieren, und zwar in der glei­chen Pose wie Hitler und Goebbels zuvor. Die von ihnen gestarteten amerikanischen Atomwaffen vernichten der Reihe nach osteuropäische Städte und Moskau, provozieren dann jedoch den Gegenschlag, der auch Hansens Stadt trifft. In Todesangst wacht Hans aus diesem Traum im Traum auf, nur um zu erkennen, daß er in der jetzt wieder beste­henden Traumsituation einer ähnlich gearteten Gefahr gegenübersteht wie der zuvor ge­träumten (Teil 3). Doch hat sich sein Bewußtsein nunmehr geändert: War er zuvor noch für die von Hitler angekündigten Wunderwaffen, so versucht er nunmehr alles, um ihren Einsatz zu verhindern. Doch trotz seines Einsatzes - er versucht sogar den „Führer“ zu überwältigen - kommt es zu ihrem Einsatz und dem befürchteten Gegenschlag, aus dem Hans K. mit „schweißverklebtem Haar“ erwacht.

Franz Fühmanns „Traum 1958“ ist nur der Form nach eine „Traum“-Erzählung: Einzelne Traumelemente - wie Fluggefühl, Bewegungsunfähigkeit, Schmerzlosigkeit, optische und lautliche Verfremdungseffekte - sind rein äußerlich erfaßt und können über den an sich konventionellen Charakter der Erzählung nicht hinwegtäuschen. Sie hätte auch problem­los ohne den „Traum“ auskommen können - wie auch obige Inhaltswiedergabe verdeut­licht -, denn ihre eigentliche Ebene ist nicht das Unbewußte sondern das Bewußtsein: Der in didaktischer Absicht schreibende Autor projiziert Bewußtseinsinhalte in das Un­terbewußtsein.

Wie wenig Fühmanns Traumerzählung der natürlichen Traumarbeit verwandt ist, ver­deutlicht eine Passage Sigmund Freuds über Traum-Arbeit und -Entstellung:

In der Regel erfährt unser Bewußtsein den Traum nicht so, wie er wirklich gelautet hat. Die hemmenden Mächte, die T r a u m z e n s u r, wie wir sie nennen wollen, werden zwar nicht voll wach, aber sie haben auch nicht ganz geschlafen. Sie haben den Traum beeinflußt, während er um seinen Ausdruck in Worten in Bildern rang, haben das Anstößige beseitigt, anderes bis zur Un­kenntlichkeit abgeändert, echte Zusammenhänge aufgelöst, falsche Verknüpfungen eingeführt, bis aus der ehrli­chen, aber brutalen Wunschphantasie des Traumes der manifeste, von uns erinnerte Traum geworden ist, mehr oder weniger verworren, fast immer fremdartig und un­verständlich. Der Traum, die Traumentstellung, ist also der Ausdruck eines Kom­promisses, das Zeugnis des Kon­flikts zwischen den miteinander unverträglichen Regungen und Bestrebungen unseres Seelenlebens.[13]

Fühmanns Traumerzählung „Traum 1958“ läßt wenig ahnen von einem „Konflikt zwi­schen den miteinander unverträglichen Regungen und Bestrebungen unseres Seelenle­bens“: Sofern dieser Konflikt besteht - Hans K.s Angst bei seiner Ehrung im „Führerbunker“ ist ein Zeichen dafür -, wird er im Folgenden in ein eindeutiges dualisti­sches Schema aufgelöst. Weder läßt die moralische Entwicklung des Helden zu wün­schen übrig (vom fanatischen Faschisten über eine unpolitische Haltung zum verantwor­tungsbewußten Menschen), noch findet sich ein Widerspruch zwischen Rahmenerzählung und Trauminhalt. Diese Dualität ist kennzeichnend für Fühmanns damaliges Schreiben, das er später „didaktisches Schreiben“ genannt hat[14] ; es war ihm damals unmöglich, wie er es später ausdrückte, „etwas zu schreiben, von dem ich nicht von vornherein wußte, was ich sagen und wie ich damit wirken wollte“. Natürliche Widersprüche klammerte er aus seinem Schreiben aus und verdrängte Gedächtnisspuren, die seinem neuen Selbstver­ständnis als überzeugter Sozialist widersprachen (das gilt besonders für frühkindliche Prägungen wie einem ausgeprägten Hang zu Gehorsam und Autoritätsgläubigkeit, die Fühmann erst später als ein konstantes Problem in seinem Leben erkannte). Fritz J. Rad­datz hat diesen „schwankenden Versuche(n), aus Erinnerung und Erkenntnis einen festen Punkt zu gewinnen[15] “ eine „Märchen-Irrationalität[16] “ bescheinigt, deren „simple An­wendung der Märchenunterscheidung gut-böse statt einer echten Dialektik“ den „Geschwindschritt des Umlernkurses[17] “ Fühmanns verrate.

Erzählungen und Traumbearbeitungen vom Typus des „Traum 1958“ blieben nur eine vorübergehende Stufe in Fühmanns Œuvre. Später hat er sich mit der ihm eigenen Ve­hemenz und Fähigkeit zur unerbittlichen Selbstkritik - das von ihm häufig verwendete Motiv des von Apollon aus der Haut gepeitschten Silens Marsyas gibt dem treffend Aus­druck[18] - von seinem damaligen Ansatz distanziert:

(...) der Traum gehört natürlich auch zur Totalität des menschlichen Daseins, und ihn literarisch auszunutzen ist schon eine große Möglichkeit. In meiner Traumge­schichte („Traum 1958“; OW) - ich sage das wirklich ohne jede Koketterie - habe ich sie leider weit­gehend vertan. Sie ist leider ziemlich mißglückt, und zwar habe ich mich viel zuviel von äußeren Zufälligkeiten leiten lassen, die ich in diesen Traum hineinverarbeitet habe. Es ist sehr schade. Ich hätte aus der Geschichte viel mehr machen können, als nun daraus geworden ist, und da mir gerade diese Sache am Herzen gelegen hat, tut es mir jedes Mal leid, wenn ich sie jetzt sehe. Wirklich, ich glaube, in manchen Partien ist sie ein Musterbeispiel dafür, wie man eine Traumerzählung nicht machen darf[19].

Es ist anzunehmen, daß die von Fühmann an seinem „Traum 1958“ erkannten Fehler in der folgenden Zeit als ein fruchtbarer Stachel in seinem Streben nach einer adäquateren Traumadaption gewirkt haben. Vor dem Hintergrund dieser ersten Traum-Erzählung he­ben sich Fühmanns weitere Versuche besonders deutlich ab.

II. Eintritt in die Literatur: „22 Tage oder Die Hälfte des Lebens“ (1973)

1. Vorspiel: „Böhmen am Meer“ und „Das Judenauto“ (beide 1962)

Ende der fünfziger Jahre wendet sich Franz Fühmann der literarischen Aufarbeitung sei­ner Kindheits- und Jugenderinnerungen zu. Er folgt dabei dem Muster psychoanalyti­scher Persönlichkeitserforschung, die bekanntlich von der These ausgeht, daß in der Kindheit der Charakter eines Menschen seine wesentliche Prägung erfährt. Seine Prosa­arbeiten „Das Judenauto“ und „Böhmen am Meer“, die beide im Jahre 1962 veröffentlicht wurden, belegen deutlich Fühmanns frühe Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Traumdeutung Sigmund Freuds, allerdings ist Fühmann zu dieser Zeit noch weit davon entfernt, sich offen zu psychoanalytischen Erkenntnissen zu bekennen (obgleich er schon 1957 auf die Mängel der marxistischen Auseinandersetzung mit psychoanalytischen Er­kenntnissen hingewiesen hat[20]) und psychoanalytische Ansätze in seinem Schreiben kon­sequent durchzuhalten. Noch lange Zeit klammerte er unliebsame Aspekte seiner Person, die sich über seine „Wandlung“ hinweg gehalten hatten (wie zum Beispiel einen starken Hang zur Selbstüberschätzung und zum Autoritätsgehorsam), aus seinem Schreiben aus und unterwirft seine Erinnerung (bzw. sein Gedächtnis) jenem dualistischen Weltbild, von dem schon anläßlich seines „Traum 1958“ die Rede war. Deutlich wird diese Schreib- und Denkhaltung besonders an den Kriegsgeschichten Fühmanns, die er, mit großem Erfolg, zwischen 1955 und 1966 veröffentlichte[21]. Bei gleichzeitig differenzier­ter Charakterisierung seiner Persona verfällt er in bezug auf deren moralische Identität in ein rigides Schwarz-Weiß-Denken, das den natürlichen Widersprüchen der Wirklichkeit nicht gerecht werden kann. Der Literaturhistoriker Peter Demetz nannte Fühmann daher einmal einen

Manichäer ohne Tod und Teufel, fühlend und denkend in gespannten Polaritäten und lange unwillens, das Relative, Halbe, Graue und Wiederholbare des Alltags zu sehen oder gar darüber zu schreiben. Es war immer alles auf die Spitze und zu schicksalsträchtigen Konfrontationen fortgetrieben (...)[22]

[...]


[1] Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens. Mit einem Nachwort der Autoren zur unveränderten Neuausgabe. München; Zürich: Pieper, 1986 (18. Aufl.; Erstausgabe: 1967).

[2] Uwe Wittstock: Franz Fühmann. München: Beck, 1988. 53-54.

[3] Uwe Wittstock: Über die Fähigkeit zu trauern. Das Bild der Wandlung im Prosawerk von Christa Wolf und Franz Fühmann. Frankfurt am Main: Athenäum, 1987. (Diese 1986 an der Universität Köln vorgelegte Dissertation Wittstocks trug zunächst den Titel: Vom sozialistischen Realismus zur literarischen "Arbeit am Unbewußten": Das Bild der Wandlung im Prosawerk von Christa Wolf und Franz Fühmann.) Ders.: Franz Fühmann. München: Beck, 1988. Ders.: Franz Fühmann: Der Kampf um die Erinnerung. Franz Fühmanns langer Weg zu sich selbst. In: Von der Stalinallee zum Prenzlauer Berg. Wege der DDR-Literatur 1949-1989. München: Pieper, 1989. 35-49.

[4] Irmgard Wagner: Franz Fühmann: Nachdenken über Literatur. Heidelberg: Winter, 1989 (Reihe Siegen; 86).

[5] F.F.: Unter den PARANYAS. Traum-Erzählungen und -Notate. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ingrid Prignitz. Rostock: Hinstorff, 1988. 201-227.

[6] Uwe Wittstock: Nachrichten aus einer entrückt-vertrauten Welt. Franz Fühmanns postum veröffentlichtes Traumbuch "Unter den PARANYAS". In: F.A.Z. Literaturbeilage vom 4.Oktober 1988.

[7] Uwe Wittstock: Über die Fähigkeit zu trauern. 200-206. Ders.: Franz Fühmann. 94-103.

[8] Zwischen Erzählen und Schweigen. Ein Buch des Erinnerns und Gedenkens. Franz Fühmann zum 65. Hrsg. v. Horst Simon unter Mitarbeit von Barbara Richter. Rostock 1987. 193-223.

[9] F.F.: Unter den PARANYAS. 37-66.

[10] Heinar Kipphardt: Traumprotokolle. Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Hrsg. v. Uwe Naumann. Unter Mitarbeit von Pia Kipphardt. Reinbek: Rowohlt, 1986.

[11] F.F.: Unter den PARANYAS. 13-26.

[12] Uwe Wittstock: Über die Fähigkeit zu trauern. 50.

[13] Sigmund Freud: Meine Berührung mit Josef Popper-Lynkeus. In: Über Träume und Traumdeutungen. Frankfurt am Main: Fischer, 1971. 119.

[14] Vergl. u.a.: F.F.: Wandlung. Wahrheit. Würde. Aufsätze und Gespräche 1964-1981. Darmstadt und Neuwied: Luchterhand, 1985. 231: "Ich hatte also eine lehrhafte Absicht, und es wurde auch eine Literatur, die in einem didaktischen Sinn engagiert war". Für Irmgard Wagner heißt didaktisches Schreiben "Schreiben als Ausführung eines ideologisch bestimmten Vorurteils". Irmgard Wagner: Franz Fühmann. 83.

[15] Fritz J. Raddatz: Zur deutschen Literatur der Zeit 1: Traditionen und Tendenzen. Materialien zur Literatur der DDR. Reinbek: Rowohlt, 1987. 313.

[16] Ebda. 311.

[17] Ebda. 314.

[18] Zur Bedeutung des Marsyas-Mythos für Fühmann vergl. Ingrid Prignitz in: Unter den PARANYAS. 204; Irmgard Wagner: Franz Fühmann. 90. Fühmanns Nacherzählung des Mythos, von dem schon in "22 Tage" die Rede ist (ebda. 201; vergl. Anm. 4), findet sich u.a. in Der Geliebte der Morgenröte. Frankfurt am Main: Fischer, 1982. 57-90.

[19] Josef-Hermann Sauter: Interview mit Franz Fühmann. WB 1971, Heft 1. 49.

[20] In "Thesen über Fragen von Kunst und Literatur" im Februar 1957. Vergl. Ingrid Prignitz in F.F.: Unter den PARANYAS. 205. Wie Fühmann in seinem Essay "Der Sturz des Engels" mitteilt, wurde er schon damals, als er noch aktives Mitglied der NDPD war, von seinem Vorgesetzten eines "verkappten Freudianertums" verdächtigt. F.F.: Der Sturz des Engels. München: dtv, 1982. 92.

[21] Es sind dies die Novellen: Kameraden (1955), Das Gottesgericht (1959), Die Schöpfung (1966), König Ödipus (1966). In dieser Reihenfolge abgedruckt in: F.F. Erzählungen 1955-1975. 7-217.

[22] Peter Demetz: Auf der Suche nach sich selber. Der schwere Weg des Franz Fühmann. In: Die Zeit vom 17.Sept.1976.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Der Traum als literarische Form: Franz Fühmanns Traum-Erzählungen und -Notate
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Fakultät für Neuere deutsche Literatur / Komparatistik)
Veranstaltung
Proseminar Erzählungen aus der DDR im WS 1989/90. Leiter des Seminars: Dr. Jürgen Hauff.
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
1990
Seiten
44
Katalognummer
V1977
ISBN (eBook)
9783638112239
ISBN (Buch)
9783656204596
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR-Literatur, Franz Fühmann, Traumdeutung
Arbeit zitieren
M.A. Oliver Wieters (Autor), 1990, Der Traum als literarische Form: Franz Fühmanns Traum-Erzählungen und -Notate, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1977

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