Textverarbeitungssoftware und die programmtechnischen Grenzen von Rechtschreibeprogrammen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Die Bewertung von Rechtsschreibprogrammen nach der Duden- Umfrage
1.2 Ergebnisse der Kursdiskussion in Bezug auf Vor- und Nachteile von Rechtschreibprogrammen

2. Programmtechnische Grenzen von Rechtschreibprogrammen

3. Komposita und die Textverarbeitungssoftware
3.1. Anwendung der beiden Prüfkriterien auf Substantiv-Substantiv-Komposita
3.2 Das Wortbildungsprinzip
3.3 Das Relationsprinzip
3.4. Wie erkennen Rechtschreibprogramme Substantiv-Substantiv-Komposita ?
3.5. Auswertung

4. Rechtschreibprogramme im Schulunterricht
4.1. Die Realisierung im Unterricht

Literatur

1. Einleitung

Rechtschreibprogramme, das ist kein Geheimnis, sind in ihrer Arbeitsweise oft mangelhaft, da integrierte Rechtschreibprüfungen lediglich helfen können, Tippfehler zu vermeiden. Dabei variiert die Fehlererkennungsquote von Programm zu Programm. Doch warum hat der Computer im Gegensatz zum menschlichen Gehirn solche Schwierigkeiten, wenn es um die Erkennung spezifischer Phänomene wie beispielsweise Groß- und Kleinschreibung, Interpunktion und Wortgrenzen bei Komposita geht? In dieser Arbeit möchte ich mich mit dieser Fragestellung beschäftigen. Um eine tiefergehende Analyse zu leisten, muss die Arbeitsweise des Rechtschreibprogrammes zunächst näher beleuchtet werden. Eng damit zusammen hängt auch die öffentliche Wahrnehmung und das Vertrauen beziehungsweise Misstrauen, welches in jene Programme gesetzt wird. Davon ausgehend werde ich mich speziellen orthographischen Phänomenen zuwenden, mit welchen der Computer überfordert ist. Abschließend stellt sich dann die Frage, ob die Tatsache, dass der Schüler heute meist schon sehr früh mit solch einer Textverarbeitungs-Software in Berührung kommt, im Rechtschreibunterricht beachtet werden muss und welche Handlungsspielräume sich hierbei für den Lehrer bei seiner Unterrichtsgestaltung ergeben.[1]

1.1 Die Bewertung von Rechtsschreibprogrammen nach der Duden-Umfrage

Der Duden startete im Jahre 2009 eine repräsentative Umfrage, welche sich mit den Orthographieerfahrungen von Bediensteten in öffentlichen Ämtern beschäftigte. In diesem Berufsfeld ist – ebenso wie bei den Germanisten – eine fehlerfreie Orthographie aus vielerlei Gründen von entscheidender Bedeutung. Oberflächlich betrachtet, deuten fehlerhafte Texte auf einen nachlässigen Umgang mit Sprache und fehlende orthographische Fähigkeiten hin. Doch zugleich werden unbewusst vom Leser negative Rückschlüsse in Bezug auf Bildungsniveau, Zuverlässigkeit, Professionalität und Arbeitsweise gezogen. Oft wird auf Grund einer fehlerhaften Orthographie zudem auch die Richtigkeit des Inhalts in Frage gestellt. Texte, die frei von Fehlern sind, zeigen dagegen, dass die Sprache bewusst und sorgfältig eingesetzt wurde. Positive Assoziationen werden mit dem Autor des Textes verknüpft und der Text als solches wird eher als professionell und vertrauenswürdig eingeschätzt. Daher ist es auch nicht weiter verblüffend, dass 96,7 Prozent der Befragten angaben, dass sie in der täglichen Arbeit Vorkehrungen treffen, um eine korrekte Rechtschreibung sicherstellen. 79,5 % der Befragten schlagen dafür in herkömmlichen Wörterbüchern nach, einem knappen Viertel (22,7 %) steht dafür sogar ein eigenes Lektorat zur Verfügung. 63,2 % nutzen zur Sicherstellung der richtigen Schreibung Online-Wörterbücher. Herkömmliche Rechtschreibhilfen z.B. Office-Anwendungen werden von immerhin 84 % der Befragten genutzt. Allerdings sehen 60,2 % der Anwender den Nutzen dieser Rechtschreibhilfen als unzureichend an. Die Fehlererkennung wird von den meisten Befragten (38,8 %) als mittelmäßig eingeschätzt, nur 5,1 % geben sich damit zufrieden und bezeichnen sie als "sehr gut" Bei den Korrekturvorschlägen waren nur 2,8 % ganz zufrieden, 4,1 % fanden sie schlichtweg unbrauchbar. Die Abdeckung des Fachvokabulars durch die Office-eigene Rechtschreibprüfung wurde von 4,4 % mit "sehr gut" beurteilt, 15,5 % bezeichneten sie hingegen als "sehr schlecht". Etwas weniger als die Hälfte aller Befragten gab sogar an, ein zusätzliches Benutzerwörterbuch zu pflegen, um die korrekte Schreibweise der Fachbegriffe ihres Bereiches besser kontrollieren zu können.[2]

1.2 Ergebnisse der Kursdiskussion in Bezug auf Vor- und Nachteile von Rechtschreibprogrammen

Anknüpfend an die Ergebnisse des Dudens haben wir mit unserem Kurs ebenfalls eine repräsentative Umfrage in die Wege geleitet. Besonders interessant fanden wir dabei die Frage, welche Erfahrungen unsere Kommilitonen in ihrem Studienalltag mit Rechtschreibprogrammen gemacht haben. Anders als der Duden, hatten wir uns gegen eine Vorgabe von Stichwörtern entschieden. Das Ergebnis in einer offen gehaltenen Umfrage ist tendenziell schwerer einzuschätzen, doch zugleich weitaus weniger gelenkt, da - im Gegensatz zu einer vorgegebenen Umfrage - auch “falsche“ Antworten zugelassen werden. Diese Fehleinschätzungen zeigen, dass nicht nur Schüler dazu neigen den Angaben des Computers zu vertrauen und die Kompetenzen eines Rechtschreibprogramms zu hoch einzuschätzen. Dies zeigt, dass auch Germanistikstudenten nur unzureichend über die Arbeitsweisen solch eine Software informiert sind. Intuitiv ist sich der in seiner Orthographie gefestigte Erwachsene jedoch bewusst, dass Rechtschreibprogramme auch eine Fehlerquelle sein können und das Programm viele Fehler nicht erkennt. Den wenigsten Studenten stehen während des Abfassens eines am PC geschriebenen Textes mehrere Rechtschreibprogramme zur Verfügung. Dies hat zur Folge, dass im Bewusstsein der Studierenden das individuell benutzte Programm zwar als mangelhaft bewertet, die Problematik als Ganzes jedoch nicht in der vollen Tragweite wahrgenommen wird. Augenscheinlich gingen die Einschätzungen des Kurses hinsichtlich der Anwendbarkeit von Rechtschreibprogrammen weit auseinander. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da es durchaus sowohl positive als auch negative Aspekte gibt, die mit solch einem Computerprogramm verknüpft werden können. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass ein Großteil der Studenten die Textverarbeitungssoftware tendenziell eher überschätzt. Es handelt sich hierbei also folglich nicht nur um ein Schülerproblem. Gleichzeitig hat dieser Glaube an die Computertechnik sicherlich seine Wurzeln in der fehlenden Problematisierung der Grenzen des Computersystems. Oftmals werden Schüler und Studenten mit ihren Computern “allein“ gelassen. Dies hat zur Folge, dass individuelle Hypothesen bezüglich der Anwendbarkeit solcher Systeme ausgebildet werden. Während der eine Student sich durch die als falsch erkannten Verbesserungsvorschläge der Software im Textfluss und seiner Konzentration gestört fühlt, ist ein anderer Kommilitone dankbar über die gegebene Hilfestellung, die ihn auf diverse Tippfehler aufmerksam macht, welche er sonst beim Durchlesen des Textes am Bildschirm meistens übersieht. In der Umfrage bewerteten demzufolge auch 19 abgegebene Stimmen die Hilfestellungen ihres Rechtschreibprogramms als positiv, Mehrfachnennungen bzw. das Aufzählen von positiven und negativen Argumenten war möglich. 25 % der Kommilitonen gaben an, dass Tippfehler von ihrer Textverarbeitungssoftware zuverlässig erkannt werden, 35 % der Befragten glaubten zudem, dass das Rechtschreibprogramm im Vergleich zur Arbeit mit dem Wörterbuch eine Zeitersparnis sei. 9 % gingen noch einen Schritt weiter, indem sie angaben, dass die Verwendung einer „ABC-Prüfung“ das Nachschlagen in einem Wörterbuch vollständig ersetze. 5 % der Befragten fassten die Verknüpfung der oben genannten Angaben mit dem Stichwort komfortabel zusammen und schrieben dieses Attribut ihrem Textverarbeitungsprogramm zu. Sehr zuversichtlich waren 16,5 % als sie angeben, dass durch die Verwendung ihres Systems tiefergehende Rechtschreibfehler wie beispielsweise eine fehlerhafte Interpunktion vermieden werden können. 5 % argumentierten, dass das Rechtschreibprogramm – anders als das menschliche Gehirn – auch bei Schachtelsätzen noch den grammatikalischen Überblick hat. Abschließend urteilten 16,5 %, dass die Selbstreflexion des Schreibenden durch die Unterstreichungen gefördert wird und teilweise Alternativwörter angegeben werden. 4 der abgegebenen Stimmen sprachen sich für eine neutrale Wertung aus . Als Argument gaben 9 % an, dass Rechtschreibprogramme unzuverlässig sind, da es zu viele unerkannte Worte gibt. Ein weiteres Argument war, dass die Grammatikerkennung komplexer Strukturen nur selten, aber manchmal nützlich sei (4,5 %). Außerdem gaben 4,5% an, dass das Rechtschreibprogramm eine bestimmte Schreibweise als Norm setzen würde, wobei diese Angabe nicht weiter begründet wurden. Die negativen Bewertungen waren mit 24 Stimmen leicht im Übergewicht. In der negativen Wertung wurde 33 % bemängelt, dass das von Ihnen verwendete Rechtschreibprogramm nicht aktualisiert bzw. veraltet sei. 27, 5 % merkten an, dass das System bestimmte Fehler nicht erkennen könne, darunter gezählt wurden vom Kurs komplexe Komposita, Semantik, Groß- und Kleinschreibung und der grammatikalische Aufbau im Allgemeinen. Ebenfalls bemängelt wurde von 27, 5 %, dass das Programm bei seinen Verbesserungsvorschlägen keine Regelerklärung mitliefere. Dadurch käme es beim Anwender zu einer unreflektierten Orthographie und einem Kompetenzverlust auf dieser Ebene. Ganze 50% bemängelten die Zuverlässigkeit der Fehlermarkierung. So würden orthographisch richtige Worte – insbesondere Eigennamen und Fremdworte – markiert, Verbesserungsvorschläge trotz korrekter Orthographie vorgenommen und nicht alle Fehler erkannt. Abschließend wurde von 5 % kritisiert, dass das Rechtschreibprogramm keinen automatischen Sprachwechsel vollziehen könne. Die dem Programm innewohnenden Probleme wurden von den meisten Studenten intuitiv richtig erfasst, allerdings kam es auch zu einer geringen Häufung von Fehleinschätzungen. Dies zeigt, dass Textverarbeitungs-Software und die Diskussion um deren Anwendbarkeit Bestandteil des universitären Studiums eines Germanisten sein sollte. Die dem System inhärenten Fehler können nur identifiziert werden, wenn man die Technik dahinter verstanden hat. Ein tiefergreifendes Verständnis der Arbeitsweise der „ABC -Prüfung“ kann man von keinem Schüler erwarten, daher werde ich am Ende meiner Untersuchung auf mögliche Unterrichtsformen eingehen. Zunächst aber möchte ich die Funktionsweise des Programms genauer untersuchen, da dies den Schlüssel zum Verständnis für die Fehlermarkierung liefert. Jeder Lehrende – insbesondere mit Anknüpfungspunkten im Bereich der Orthographie - sollte daher heutzutage über die programmtechnischen Grenzen informiert sein.[3]

2. Programmtechnische Grenzen von Rechtschreibprogrammen

Elin-Birgit Berndt weist zurecht darauf hin, „dass ein Computer keine Fehler erkennt“.[4] Vielmehr weist ein PC nur auf Abweichungen von einem Muster von Schreibweisen hin, welches in dem Programm gespeichert sind. Dabei arbeitet jeder Computer auf die gleiche Weise. Die Software vergleicht zunächst Daten. Dabei wird untersucht, ob eine eingegebene Zeichenkette (das sind die Buchstaben zwischen zwei Leerzeichen) mit den in ihren Wörterlisten gespeicherten Zeichenketten übereinstimmt.[5] Entweder die Prüfung ist positiv, dann ist das Wort dem Computer zufolge richtig geschrieben. Oder die Prüfung ist negativ. In diesem Fall wird der Computer mit mehreren Mittel versuchen mit einer auf der Wörterliste aufgeführten Zeichenliste

eine Übereinstimmung zu finden. Hierfür gibt es mehrere Arbeitsschritte wobei jedes Textverarbeitungsprogramm für die Durchführung dieser Arbeitsschritte andere Vorgaben hat. Die Software überprüft nun also, ob sich die eingegebene Zeichenkette aufgrund eines ihrer Algorithmen erzeugen ließe, jedoch gibt es keine offiziellen Auskünfte darüber, wie die jeweiligen Hersteller ihre Programmierung vorgenommen haben. Ist die Zeichenkette als Ganzes nicht im Wörterbuch enthalten, so wird zunächst versucht sie zu unterteilen. Dabei gibt es Trennvorschriften, die erfüllt werden müssen. Ergibt jeder getrennte Teil für sich eine Zeichenkette, welche im Wörterbuch enthalten ist, so wird daraus ein Kompositum gebildet. Bestimmte Kombinationsvorschriften sind hierbei zu erfüllen. Es ist abhängig von der Stelle, an welcher die Wortgrenze gesetzt wurde, ob die Wortbildung sinnvoll oder unsinnig ist. Funktioniert es jedoch nicht durch Trennung ein Kompositum zu bilden, da die Einzelteile im System kein Bestandteil der Wörterliste sind, so wird das Wort markiert. Dies bedeutet, dass die vorgenommene Schreibweise fragwürdig ist, weil sie dem System unbekannt ist. Dass die Schreibweise aber zwingend falsch sein muss, ist damit noch lange nicht ausgesagt. Die Markierung erfolgt über farbliche Kennzeichnung, Unterstreichung, oder das Anzeigen in einer Dialog-Box. Man kann also festhalten, dass das was wir als Rechtschreibkorrektur bezeichnen, nichts anderes ist als eine Unterteilung in zwei Kategorien. Die erste Kategorie beinhaltet Zeichenketten, die nicht generierbar sind. Das Wort kann trotz verschiedener Arbeitsschritte – wie die Unterteilung in einzelne Segmente – nicht im Repertoire des Systems gefunden werden und wird daher markiert. Die zweite Kategorie beinhaltet die Zeichenketten, die in dem Repertoire enthalten sind bzw. in abgewandelter Form im System gefunden werden können, sprich generierbar sind. Jene Worte, welche in letztere Kategorie fallen, bleiben folglich unmarkiert. Für die markierten Textstellen bietet das Computerprogramm nun verschiedene Korrekturvorschläge. Zunächst bleibt aber festzuhalten, dass es ein absoluter Trugschluss ist, wenn man meint, dass man sich auf das Computerprogramm verlassen kann, weil es zuverlässig alle Fehler markiert. Nicht jede Markierung weist auf einen Rechtschreibfehler hin! Genauso ist ein Text, der keine Markierungen enthält, deswegen noch lange nicht orthographisch fehlerfrei ist. Die Semantik ist definitiv kein Bestandteil der Rechtschreibprüfung, dies muss man sich immer wieder vor Augen führen.[6] Vielmehr arbeitet das ABC-Programm ganz strikt nach den Vorgaben seiner Programmierer und kann keineswegs größere grammatikalische Zusammenhänge überblicken. Der Mensch ist dem System in morphologischer, syntaktischer und semantischer Hinsicht überlegen. Lediglich im Erkennen von Wortdrehern und klassischen Tippfehlern kann der Computer dem Menschen das Wasser reichen.[7] Dies bedeutet, dass der Benutzer eines Rechtschreibprogramms sich im Falle einer Markierung zunächst mit Hilfe eines Wörterbuchs zunächst informieren muss, ob das markierte Wort überhaupt orthographisch falsch ist, oder ob es sich bei der Markierung um einen „Systemfehler“ handelt. Angenommen, dass es sich tatsächlich um einen Orthographiefehler handelt, so kann es sein, dass die „ABC-Prüfung“ keinen Korrekturvorschlag liefert. Hier ist nun ein klassisches oder ein digitales Wörterbuch hinzuzuziehen. Die „Erweiterte Suche“ des digitalen Wörterbuches kann helfen, wenn ein Benutzer ein Wort aufgrund mangelnder orthographischer Kenntnisse in keinem klassischen Wörterbuch finden könnte. Die hier beschriebene Arbeitsweise ist jedoch mit einem enormen Zeitaufwand verknüpft! Das Argument, dass ein Rechtschreibprogramm zeitsparend sei und das Nachschlagen im Wörterbuch überflüssig mache, ist nach der Beschreibung dieses Arbeitsschrittes eigentlich nun nicht mehr haltbar. Es kann selbstverständlich auch passieren, dass der Schreiber einen oder mehrere Korrekturvorschläge bekommt und einer davon der Richtige ist. Bei einem Vorschlag hat der Computer dann tatsächlich schnell und effizient den Orthographiefehler gefunden. Eine Dialogbox kann jedoch bis zu 20 Vorschläge liefern, welche von dem PC errechnet wurden. Die einzelnen Buchstaben der Zeichenkette werden hierfür ausgetauscht und neu kombiniert. Sobald eine dabei entstehende Zeichenkette beim Abgleich im Wörterbuch gefunden wird, wird diese als Verbesserungsvorschlag auf die Liste aufgenommen. Stimmen jedoch immer nur Teile des Wortes mit den Wörterlisten überein, so entstehen neue Komposita.[8] Wie oft der Austausch erfolgt und in welcher Reihenfolge die Vorschläge auftauchen, dies ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal der unterschiedlichen Textverarbeitungsprogramme. Möglicherweise findet und erkennt man mit Hilfe der Verbesserungsvorschläge nun das Wort in der orthographisch richtigen Form und kann es übernehmen. Es ist aber auch möglich, dass die Orthographiekenntnisse des Benutzers nicht ausreichend sind, um diese Entscheidung zu treffen. Dies zeigt, dass es grober Unfug ist, wenn man glaubt, dass ein Rechtschreibprogramm den klassischen Rechtschreibunterricht ersetzen könne und überflüssig macht. Doch auch mit orthographischen Schwächen gibt es noch eine Möglichkeit das gewünschte Wort in korrekter Orthographie zu finden. Oft helfen hier Hilfsmittel wie Thesaurus und Wörterbuch. Diese Hilfsmittel sind auch dann zu benutzen, wenn die Korrekturvorschläge nicht das Wort enthalten, welches eigentlich gemeint war. Zudem kann die „ABC-Prüfung“ auch zum Nachdenken anregen, da jede Veränderung markiert wird bzw. nun unmarkiert ist. Über eine eigene kritische Reflexion des Geschriebenen kann so über „try-and-error“ die orthographisch richtige Schreibweise gefunden werden. Dies verlangt vom Schreibenden eine Eigenarbeit, die stark über die Sprachintention abläuft. Diese Sprachintention muss auch die Qualität der Vorschläge des Rechtschreibprogramms hinsichtlich alternativer Schreibweisen überprüfen. Abschließend lässt sich sagen, dass Rechtschreibprogramme klare Grenzen in ihrer Leistungsfähigkeit haben. Im Folgenden werde ich ein Phänomen, welches vom Computer nicht bearbeitet werden kann, genauer betrachten.

[...]


[1] Die folgenden didaktischen Überlegungen orientieren sich hierbei besonders an dem in der Zeitschrift Praxis Deutsch erschienenen Artikel: Berndt, Elin-Birgit: „Das macht doch alles der Computer“. 5. – 8. Schuljahr. In: PD 170 / 2001 (RS erforschen), S. 36 – 39

[2] Internetquelle zur Umfrage: http://www.duden.de/presse/detail.php?nid=36&id=815&flip; 30.01.2011, 20:00 Uhr.

[3] Berndt, Elin-Birgit: „Das macht doch alles der Computer“. 5. – 8. Schuljahr. In: PD 170 / 2001 (RS erforschen), S. 36 .

[4] Ebd.

[5] Vgl. mit der Darstellung von Elin-Birgit Berndt, die angibt, dass die im Folgenden beschriebene Beschreibung auf Vermutungen basiert, die sie aus eigenen Beobachtungen gewonnen hat.

[6] Elin-Birgit Berndt merkt an: „Semantisch ist der Computer „blind und taub“. Was seinen Regeln entspricht, ist gültig, auch wenn es keinen „Sinn“ macht.“ Berndt, Elin-Birgit: „Das macht doch alles der Computer“. 5. – 8. Schuljahr. In: PD 170 / 2001 (RS erforschen), S. 36 .

[7] Auf diesen Punkt werde ich im Kapitel 3 - wenn ich auf die Einbindung von Rechtschreibprogrammen im Schulunterricht Bezug nehme – eingehen.

[8] Vgl. Berndt, Elin-Birgit: „Das macht doch alles der Computer“. 5. – 8. Schuljahr. In: PD 170 / 2001 (RS erforschen), S. 36 .: Leihwasser (Ein Beispiel aus Windows 2000)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Textverarbeitungssoftware und die programmtechnischen Grenzen von Rechtschreibeprogrammen
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Fachdidaktik Sprache
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V197746
ISBN (eBook)
9783668178366
ISBN (Buch)
9783668178373
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtschreibprogramme, Rechtschreibung, Didaktik, Deutsch, Computer, Unterricht
Arbeit zitieren
Brigitte Maier (Autor), 2011, Textverarbeitungssoftware und die programmtechnischen Grenzen von Rechtschreibeprogrammen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197746

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