Die Harry Potter-Romane erweisen sich über alle Ländergrenzen hinaus als Kassenschlager. Filme werden gedreht, illegale Raubkopien kursieren im Internet und Buchläden führen Sonderveranstaltungen zu den Erscheinungsterminen der Folgeromane durch. Kinder, Jugendliche und Erwachsene lesen die Bücher Joann K. Rowlings mit großer Begeisterung und es bilden sich Fan-Foren im Internet, in denen eifrig über die Auslegung der Harry Potter-Elemente debattiert wird. Was also ist das Erfolgsrezept der Romanreihe? Aus welchen Zutaten setzen sich die Bücher zusammen? Aus literaturwissenschaftlicher Sicht ist die Gattung der Harry Potter-Romane irgendwo zwischen Phantastischer Literatur, Abenteuerroman, Internatsgeschichte, Kriminalgeschichte und Adoleszenzroman anzusiedeln (vgl. Bak 2004, S. 88; Karg & Mende 2010, S. 184). Selten und wenn, dann meist zuletzt, konstatiert man auch märchenhafte Einflüsse (vgl. Mattenklott 2001, S. 34). Ziel dieser Arbeit ist es diese märchenhaften Elemente zu finden und kritisch zu hinterfragen. Dabei soll nicht die Behauptung bewiesen werden, dass die Harry Potter Romane zur Gattung „Märchen“ gehören würden. Dies soll auf Grundlage des ersten Bandes Harry Potter und der Stein der Weisen geschehen, da eine Analyse anhand mehrerer Bände der Reihe den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Vorgehen
2. Auf der Suche nach Wesensmerkmalen eines modernen Märchens
2.1 Was ist ein Märchen
2.2 Morphologische und inhaltliche Betrachtung des Märchens
2.3 Figuren des Märchens
2.4 Das Kunstmärchen
3. Grundlegende Feststellung – Volksmärchen oder Kunstmärchen
4. Ein Vergleich mit dem prototypischen Handlungsverlauf eines Märchens
4.1 Der Start
4.2 Die Reise
4.3 Der Schluss
5. Märchenhafte Figuren in Harry Potter und der Stein der Weisen
5.1 Ist Harry Potter ein Märchenheld
5.2 Die Nebenfiguren
5.3 Wundersame Wesen
6. Themen und Motive des Märchens in Harry Potter und der Stein der Weisen
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Harry-Potter-Universum auf seine märchenhaften Elemente, um zu klären, inwiefern sich die Romanreihe im Kontext der Gattung Märchen verorten lässt. Ziel ist es, anhand des ersten Bandes die Übereinstimmungen und Unterschiede zu den klassischen Gattungsmerkmalen des Volks- und Kunstmärchens kritisch herauszuarbeiten.
- Analyse der Wesensmerkmale moderner Märchen
- Vergleich des Handlungsverlaufs von Harry Potter mit prototypischen Märchenstrukturen
- Untersuchung der Figurencharakteristika (Held, Nebenfiguren, wundersame Wesen)
- Kritische Bewertung von märchentypischen Themen und Motiven
- Abgrenzung von Volksmärchen und Kunstmärchen im Kontext der modernen Literatur
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Start
Am Anfang eines jeden Märchens besteht eine Mangel- oder Konfliktsituation, welche den Helden dazu zwingt, seinen Alltag und seine Heimat zu verlassen, um die Situation in der Fremde zu lösen (vgl. Lange & Ziesens 2011, S. 232f.). Harry Potter lebt zu Beginn des Romans bei seinen Stiefeltern in der Muggelwelt, noch nichts wissend von seinem magischen Talent. Die Stiefeltern und deren Sohn demütigen Harry, behandeln ihn schlecht und lassen ihn ständig spüren, dass er nicht zu ihrer Familie gehört. Harry gibt sich unterwürfig den Hänseleien und der ungerechten Behandlung hin und bleibt bescheiden und unauffällig. Doch gleich zu Beginn des Romans wird in einer Analepse auf Harrys wahre Bestimmung hingewiesen. Noch als Baby, wird Harry von „wundersamen“ Menschen bei seinen Stiefeltern ausgesetzt.
Hier wird schon der erste große Konflikt deutlich. In der Zauberwelt ist er berühmt und angesehen, ihm wird eine große Zukunft prophezeit. In der Muggelwelt wird er dagegen wie ein Haustier gehalten, welches unter einem Schrank schlafen muss. Da er von der Familie schlecht behandelt wird und keine Freunde hat, nimmt er die Außenseiterrolle ein. Außerdem wird ein weiteres Problem aufgeworfen: Harrys Stiefeltern erzählen ihm fälschlicher Weise, dass seine Eltern in seinem Beisein bei einem Autounfall ums Leben gekommen wären. Tatsächlich sind sie aber im Kampf gegen den bösen Antagonisten Voldemort gestorben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung der Harry-Potter-Romane ein und formuliert das Ziel, märchenhafte Elemente im ersten Band kritisch zu hinterfragen.
2. Auf der Suche nach Wesensmerkmalen eines modernen Märchens: Es werden theoretische Grundlagen des Märchens dargelegt, einschließlich der Unterscheidung zwischen Volks- und Kunstmärchen sowie wichtiger Gattungsmerkmale.
3. Grundlegende Feststellung – Volksmärchen oder Kunstmärchen: Dieses Kapitel prüft, ob die Harry-Potter-Reihe als Volksmärchen oder Kunstmärchen klassifiziert werden kann, wobei die Autorinnenschaft und die Mehrdimensionalität der Welt eine Rolle spielen.
4. Ein Vergleich mit dem prototypischen Handlungsverlauf eines Märchens: Der Handlungsbogen von Harry Potter wird analysiert und mit dem klassischen Muster aus Start, Reise und Schluss verglichen.
5. Märchenhafte Figuren in Harry Potter und der Stein der Weisen: Die Figurenkonstellation wird untersucht, um zu bestimmen, ob Harry Potter als Märchenheld fungiert und welche Funktion Nebenfiguren sowie wundersame Wesen einnehmen.
6. Themen und Motive des Märchens in Harry Potter und der Stein der Weisen: Es werden zentrale Motive wie der Kampf Gut gegen Böse und die Rolle des Außenseiters auf ihre märchentypische Ausprägung hin analysiert.
7. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Harry Potter zahlreiche Märchenelemente enthält, jedoch nicht exklusiv der Gattung Märchen zugeordnet werden kann, und weist auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hin.
Schlüsselwörter
Harry Potter, Märchen, Kunstmärchen, Volksmärchen, Literaturwissenschaft, Joanne K. Rowling, Märchenheld, Suchwanderung, Phantastische Literatur, Genreanalyse, Gut gegen Böse, Adoleszenzroman, Motivanalyse, Märchenforschung, Figurenkonstellation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Harry-Potter-Romane, speziell den ersten Band, auf ihre Übereinstimmung mit klassischen Märchenstrukturen und -motiven.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Der Fokus liegt auf der literaturwissenschaftlichen Gattungsbestimmung des Märchens, der Analyse von Heldenfiguren und der Einordnung von Motiven im Kontext von Harry Potter.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die märchenhaften Elemente im Text zu identifizieren und zu hinterfragen, ohne jedoch die Behauptung aufzustellen, dass die Romane rein der Gattung „Märchen“ angehören.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Primärtext mit theoretischen Definitionen des europäischen Märchens (u.a. nach Max Lüthi) abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition des Märchens, den Vergleich des Handlungsaufbaus, eine detaillierte Figuren-Analyse sowie die Untersuchung thematischer Motive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Märchenforschung, Kunstmärchen, Heldenreise, Eindimensionalität und die Abgrenzung zur Phantastik.
Warum wird Harry Potter im Vergleich zu Aschenputtel genannt?
Der Autor zieht Parallelen, da Harry wie Aschenputtel als unterdrücktes Kind bei einer lieblosen Ersatzfamilie aufwächst, bevor seine Reise beginnt.
Wie bewertet der Autor das Ende des ersten Bandes im Vergleich zum Märchenende?
Die Rückkehr zu den Stiefeltern nach dem Sieg wird als eine erzwungene Interpretation des typischen Märchenendes gewertet.
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- Paul Kuhn (Author), 2011, Elemente des Märchens in "Harry Potter und der Stein der Weisen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197748