Die Casa del Fauno von Pompeji und ihre Bildmosaike

(ohne Alexandermosaik)


Bachelorarbeit, 2012

49 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Pompeji
2.1 Allgemeines
2.2 Die Samniten
2.3 Die Siedlungsstruktur Pompejis in samnitischer Zeit

3 Die Casa del Fauno
3.1 Leben in einem “Stadtpalast”
3.1.1 Hausübersicht und Ausstattung
3.1.2 Wandmalerei im 1. Stil
3.2 Die Tuffsteinperiode
3.2.1 Überblick in Pompeji
3.2.2 Figurenkapitell
3.2.3 Architektur in der Casa del Fauno
3.3 Die Mosaike
3.3.1 Das “Have”-Mosaik
3.3.2 Das Maskenmosaik
3.3.3 Das Würfelmosaik und Bodenmuster in der Casa del Fauno
3.3.4 Satyr-Mänaden Mosaik
3.3.5 Taubenmosaik
3.3.6 Katzenmosaik
3.3.7 Das Fischmosaik
3.3.8 Das Tigerreitermosaik
3.3.9 Das Nilmosaik
3.3.10 Löwenkampfmosaik
3.4 Die Werkstatt – und Herkunftsfrage

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Hört oder liest man den Namen Pompeji, so assoziiert man in erster Linie damit die schrecklichen Ereignisse des Vesuvausbruchs 79 n. Chr., über die viele antike Autoren in ihren Werken sehr ausführlich berichten. Man hat die Menschen, die vor den totbringenden Folgen des Ausbruchs flüchten, stets vor Augen, sowie wohl jeder schon auch einmal Momentaufnahmen der versteinerten Toten aus Pompeji und Umgebung auf Bildern oder in Filmen sehen konnte. Fast vergisst man dabei das für die Nachwelt „Gute“, was der Ausbruch mit sich gebracht hatte. Durch die Asche sind viele Dinge, wie z.B. die prächtigen Gebäude mit ihren Wandmalereien und Mosaiken, gut konserviert worden und somit für die Nachwelt zugänglich geblieben sind, so dass der heutige Mensch einen Tag im antiken Pompeji gut nachvollziehen kann. Ein Haus wie die Casa del Fauno gehört zu solchen Häusern, in denen man bereits im 19. Jh. prächtig erhaltene Mosaike und Wandmalereien fand.

In der folgenden Arbeit wird „Die Casa del Fauno von Pompeji und ihre Bildmosaike (ohne dem Alexandermosaik)“ thematisiert. Mit Hilfe reichlicher Fachliteratur wird versucht, dem Leser einen guten Einblick in ein Haus, welches einem hellenistischen Palast sehr ähnlich ist, zu geben. Weniger wird dabei auf die Wandmalerei im Haus eingegangen, sondern vielmehr auf die prächtigen Mosaike. Begonnen wird dennoch mit einem allgemeinen Überblick über die Stadt Pompeji und deren samnitische Bewohner mit ihren Häusern. Übergeleitet wird darauf zur vorhin erwähnten Casa del Fauno, welche ein Beispiel für einen, in samnitischer Zeit entstanden, Stadtpalast darstellt. Hierbei wird ausführlich über die Raumnutzung berichtet. In kurzen Zügen wird danach die Wandmalerei des 1. Stils nach A. Mau erläutert. Ein weiterer Punkt wäre die Tuffsteinperiode in Pompeji, auch anhand einiger Architekturen in der Casa del Fauno. Daraufhin folgt der größte Teil der Arbeit und zwar die Beschreibung der Mosaike des Hauses. Als letzten Punkt soll noch die Werkstattfrage diskutiert werden und auch eine möglichst kurze Zusammenfassung dargelegt werden.

Es stellte sich doch bei dem einen oder anderen Mosaik schwerer heraus, die eindeutige Bildaussage herauszufinden oder den Zusammenhang zum Raum zu erschließen, sowie auch bei manchen Mosaiken mehr Literatur vorhanden war, als bei diversen anderen. Besonders traf dies beim Löwenkampfmosaik zu, da nur ein Autor darüber mehr Auskunft erteilt und jenes bei der mir verfügbaren Literatur kaum, bis überhaupt nicht, untergekommen ist.

2 Pompeji

2.1 Allgemeines

Die kampanische Ebene erstreckt sich von Gaeta bis hin zur Halbinsel von Sorrent. Im Osten wird diese Ebene durch Berge wie der Tifata bei Capua, der Taburnus bei Nola, der Monte Santangelo und den sich ihm anschließenden Sorrentiner Bergen begrenzt. Die Ebene war schon seit jeher von vulkanischen Kräften gekennzeichnet, da sich dort zwei Spalten der Erdrinde kreuzen. Aktive und inaktive Vulkane wie der Ätna, Vesuv, Stromboli und noch einige mehr befinden sich in direkter Umgebung. Man kann deswegen darauf schließen, dass die Gegend dort sehr fruchtbar gewesen sein muss und auch heute sicherlich noch ist. Strabo erläuterte uns, dass Pompeji am Fluss Sarnus liegt, auf dem Waren ein- und ausgeführt wurden. Auch Nola, Nuceria und Acerrae nutzen es als Hafenplatz, so Strabo. Pompeji wurde also die wichtigste Stadt des Sarnotales. In früherer Zeit lag Pompeji dem Meer und auch dem Fluss näher als heute, da das Meeresufer durch Anschwemmungen des Flusses im Laufe der Zeit immer weiter verschoben wurde. Im Altertum lag der näherst gelegene Punkt der Stadt 500m davon entfernt, zu Beginn des 20. Jh. waren es schon 2000m und heute wird es wohl noch ein Stückchen mehr sein. Die Gegend um Pompeji wird von A. Mau als sehr schön beschrieben. Das Klima sei sehr angenehm, sowie auch die Sicht berauschend sein soll.[1]

Für einen Archäologen stellt, wie schon in der Einleitung erwähnt, Pompeji einen Glücksfall dar. Obwohl man schon viele Fragen klären konnte, bleiben dennoch bis heute auch zahlreiche Fragen ungeklärt. Zu diesem trug auch bei, dass man bereits kurz nach der Verschüttung damit begann, diese Gegend zu „erforschen“. Viele Raubgräber und ehemalige Bewohner der Stadt versuchten Wertgegenstände zu finden, indem sie in die Häuser einbrachen. Oftmals fanden die Archäologen von ihnen zurückgelassene Arbeitsgerätschaften wie Schaufeln und Hacken, sowie auch Menschen, die dabei zu Tode kamen, da die Häuser sehr einsturzgefährdet waren und es leicht vorkommen konnte, dass Balken von der Decke herabfielen und einen Menschen unter sich begruben. Bereits seit 1748 war man dabei, die Stadt auszugraben, aber erst nach der Mitte des 19. Jhs. begann man unter Guiseppe Fiorelli mit einer systematischeren Grabung. Das Inventar vieler Häuser fand man oft gar nicht oder war nur unvollständig überliefert, eben genau wegen den vorhin bereits erwähnten Gründen. Deswegen ist es meist schwer, die zusammengehörigen Funde als vollständiges Ensemble zu erkennen. Teilweise ist dieses sogar ganz unmöglich. Die freigelegten Mauern und Mosaike hat man bei der Ausgrabung ausgeschnitten und ins Museum von Neapel gebracht, wobei man öfters die genaue Herkunft heute nicht mehr bestimmen kann. Die Teile von Wänden und Böden, die man nicht ins Museum brachte sind heute durch die Witterung schlecht erhalten, da Farben verblichen und der Putz von den Wänden fiel. Was nicht verwitterte, wurde im Laufe der Zeit gestohlen.[2]

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Pompeji, durch den Vesuvausbruch, verschüttet wurde, war es dicht besiedelt mit öffentlichen Bauten, Platzanlagen und einem differenzierten Straßensystem.[3]

Es gab acht Tore: Drei im Norden (Porta di Ercolano, Porta del Vesuvio, Porta di Capua), zwei Tore im Osten (Porta di Nola, Porta di Sarno), zwei im Süden (Porta di Nocera, Porta Stabiana) und ein Tor im Westen (Porta marina). Zwei Straßen führten von Nord nach Süd (Strada di Mercurio, Strada Stabiana) und zwei Straßen von Ost nach West (Strada di Nola, Strada dell Abbondanza). Das regelmäßige Netz wird aber zweimal durchbrochen und zwar einmal in der Gegend um das Forum und einmal bei der Stabianer Straße.[4]

Man geht davon aus, dass es mindestens 300 Jahre in dieser Form existiert haben muss. Bei den Ausgrabungen stellte man fest, dass die Umrisse der Gebäude unregelmäßig waren und deswegen geht man von einem weiten Spektrum zwischen kleinen, einfachen Häusern und großen, palastähnlichen Anlagen aus. Entlang der Straßen befanden sich sogenannte Insulae, die mehrere Wohnungen beinhalten konnten.[5] „Insula“ ist die moderne Bezeichnung von G. Fiorelli für einen von Straßen umgebenen Häuserkomplex, der die Stadt auch in neun Regionen einteilte, was auf der Voraussetzung beruhte, dass die Porta di Capua mit der Porta di Nocera durch eine Straße verbunden war. Bei fortschreitenden Ausgrabungen fand man aber heraus, dass diese Straße nicht existiert und es somit nur drei Straßen gibt, die die Stadt komplett teilen. Deswegen reduzierte man die neun Regionen auf sechs.[6]

Die Bausubstanz von Pompeji ist in das 3. Oder 2. Jh. v. Chr. zu datieren, abgesehen von den öffentlichen Bauten und dem Straßennetz. Diese zählt somit zur größten erhaltenen Wohnsiedlung, späthellenistischer Zeit, auf italienischem Boden.[7]

2.2 Die Samniten

Im 5. Jh. v. Chr. drangen die Samniten aus dem Gebirge in die Küstenebene und vertrieben die zuvor in Kampanien ansässigen Etrusker. Die Samniten werden als Stammverwandte der Osker bezeichnet und sprechen auch die oskische Sprache. Im Jahre 424 v. Chr. fiel Capua und vier Jahre darauf, sprich 420 v. Chr., eroberten sie das griechische Cumae, sowie sie sich auch in jener Zeit Pompeji aneigneten. Die Etrusker verbreiteten damals die griechische Kultur in Kampanien und dies behielten auch die Samniten bei. Man verehrte griechische Gottheiten und bezeichnete die Normalmaße auf dem Eichtisch mit griechischen Namen.[8]

Somit strebte die extrem reiche Oberschicht der Stadt danach, an der hellenistischen Kultur teilzuhaben und eben dadurch „zur Welt“ zu gehören. Da die italienischen Bundesgenossen vom römischen Bürgerrecht und eben somit von der Teilhabe an der Macht nach der römischen Expansion ausgeschlossen blieben, strebten die Bewohner stark nach privatem Reichtum. Dieses versuchte man eben durch Steigerung landwirtschaftlicher Produktion und Export zu erreichen, was meines Erachtens durch die einmalige Lage am Fluss Sarnus und dem nicht weit entfernten Meer schnell erreichbar war. Um 100 v. Chr. war das Stadtbild von aufwendigen Wohnhäusern und eindrucksvollen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen dienenden Gemeinschaftsbauten geprägt. Vor allem die Regio VI ist geprägt von aufwändigen Stadthäusern.[9]

Als es zum Streit mit den noch in den Gebirgen ansässigen Stammesgenossen kam, begann Rom sich einzumischen. In den samnitischen Kriegen konnte Rom beide Teile seiner Herrschaft unterwerfen und es entstand ein Regime in Form eines ewigen Bündnisses mit Selbstverwaltung der Städte. Erst später, mit dem Sieg Sullas im „Bundesgenossenkrieg“, 90-88 v. Chr., kam es zur vollständigen Unterwerfung, wie auch zur Romanisierung Kampaniens.[10]

2.3 Die Siedlungsstruktur Pompejis in samnitischer Zeit

H. Lauter erklärt in seinem Aufsatz, dass es sich in seiner Zeit noch als sehr schwer gestaltete, Aufschlüsse über die Siedlungsstruktur Pompejis in samnitischer Zeit zu erlangen, da noch wenig Vorarbeit geleistet wurde. Er beschränkt sich auf das 2. Jh. v. Chr. mit seinen Aussagen, da ältere Bauten kaum erhalten sind.[11]

Es wurden nur wenige intakte samnitische Wohnhäuser erhalten. Beste Hilfsmittel für erste Bestimmungen sollen dabei Kapitelle darstellen, aber weiterführende Aussagen könne man erst mithilfe einer Rekonstruktion eines samnitischen Hauses getroffen werden. Zonen, in denen man keinerlei samnitische Reste vorfand, werden wahrscheinlich Wohnquartiere der einfachen Bevölkerung in samnitischer Zeit beinhaltet haben. Zu Häusern der samnitischen Zeit lassen sich die Casa del Fauno und Casa del Pansa oder del Labirinto einordnen. Häuser wie die Casa del Fauno lassen sich im hellenistischen Osten wie Priene, Delos oder Athen nicht finden. Hellenistische Paläste, wie der Palazzo delle Colonne in Ptolemais mit 3300 qm oder der Palast eines fürstlichen Makedonen in Pella I 1 mit 5240 qm, sind Vergleichsbeispiele zur Casa del Fauno mit ihren 2940 qm, die zeigen, in welche Rangstufe bzw. sozialen Rahmen man diese einordnen muss[12]. Diese griechischen Häuser findet man keineswegs in demokratischen Poleis, sondern in feudal oder absolut organisierten Städten.

Die kleinen patrizischen Stadtpaläste sind umgeben von kleineren, aber immer noch anspruchsvollen hellenistischen Wohnhäusern oder palazzetti, die häufig aus Umbauten herauspräpariert werden müssen, wie z.B. die Casa della fontana grande in der Regio VI 8, 22. Diese war zuvor mit der Casa della fontana piccola vereinigt, was aber nicht der ursprüngliche samnitische Zustand war. Eine Analyse der Frontmauer zeigt ein für Pompeji einmaliges Mauerwerk aus isodomen Spiegelquadern über einen flach vortretenden Orthostatensockel. Im Norden wird diese durch einen Pilaster abgeschlossen, welcher die Fassade gleichsam rahmte. Die Gewände der Türen 21 und 22 sind auch als Pilaster gegeben. Der südliche Eingang 20 besitzt keine Rahmung und erscheint auf den ersten Blick nachträglich eingetragen zu sein. Am heutigen Südende der Wand fehlt ein dem Nordpilaster vergleichbarer Abschluss. Vielmehr wurde hier die samnitische Frontmauer zu einem späteren Zeitpunkt einmal abgeschnitten. Überträgt man dies auf den Grundplan, so lautet der Befund: Das ursprüngliche samnitische Haus erstreckte sich vom Nordende der Casa della fontana grande nach Süden noch ein Stück über den Eingang 20 hinweg. Wegen ihrer Form gehören die beiden Atrien nach ihrer Innenlage in die samnitische Zeit. Auch bei der Casa del Fauno kennt man die Anordnung zweinebeneinanderliegender Atrien. Im hellenistischen Kampanien waren Doppelatriumhäuser wahrscheinlich ein fester Typ. Diese Atrien dienten repräsentativen Zwecken und gruppierten die privateren Bereiche eines Hauses um sich.

Durch den Plan kann man erste Rückschlüsse auf die Siedlungsstruktur erhalten. Größere Häuser des 2. Jh. v. Chr. sind in der Regio VI bzw. bei der Via delle Terme und della Fortuna, sowie der Via di Nola zu finden. Im Altstadtkern Regio VII 9-14 fehlen dagegen solche Wohnpaläste, denn dort wohnten, wie auch in späterer Zeit, die unteren Schichten der Bevölkerung Pompejis. Viele der großen Stadtpaläste sind an einer wichtigen Geschäftsstraße zu finden und besaßen dann von Anfang an Läden an der Frontseite, so wie auch die Casa del Fauno. Eine Fassade mit breiten Öffnungen und Pilstern, wie die Casa di Pansa sie aufweist, bezeichnet man als echt samnitisch.

Weite Teile der Weststadt, besonders Regio I, II und III waren wohl im 2. Jh. v. Chr. noch unbesiedelt. In Pompeji dürfte es keinen Platzmangel gegeben haben, sodass die Oberschicht auch nicht auf engsten Raum nebeneinander gelebt haben wird. Diese Siedlungsstruktur mit einer hohen Anzahl an Oberschicht soll sich auch im 1. Jh. v. Chr. nicht verändert haben. In späterer Zeit kommen dann immer mehr Palastbauten hinzu, die sich in der dünner besiedelten Weststadt erhoben. Die älteren hellenistischen Palazzi werden wahrscheinlich in den Händen der ursprünglichen Besitzer geblieben sein, die mit Sulla Frieden schlossen oder sie wurden von kolonialen Neubürgern übernommen, die aber ebenfalls zur gehobeneren Klasse gehörten. Die samnitischen Paläste sind somit in ihrer alten Form intakt gehalten worden.

Ein Bsp. Für einen kompletten Neubau aus den ersten Jahren der Kolonie ist das Haus IX 1, 20[13].

Andere Neubürger kaufen auch mehrere samnitische Wohnhäuser zusammen, welche man zu ganzen Komplexen zusammenfügte[14]. Somit dürfte wohl die Anzahl an reichen Bürgern in der Zeit der Kolonie noch weiter angestiegen sein. Erst ab Beginn der Kaiserzeit dürfte es dazu gekommen sein, dass mittelständische Behausungen in ihrer Anzahl zunahmen, so H. Lauter. Durch das Erdbeben 63 und den Vulkanausbruch 79 sind viele dieser Häuser zerstört worden.

Bei der Regio VI, in der sich die auch die Casa del Fauno befindet, dürfte es sich um eine sehr reiche Wohngegend gehandelt haben. Die Casa del Fauno lag auch unmittelbar in der Nähe des Hauptverkehrswegs zwischen Forum und Herkulaner Tor. Hingegen die ärmeren Schichten in engen Gassen der Altstadt leben mussten. Man kann aber nicht deswegen davon ausgehen, dass die Siedlungsstrukturen in Pompeji nach privatem Besitz und wirtschaftlicher Macht getrennt wurden und demnach eine homogene Bewohnerschaft in einzelnen Stadtvierteln und Gebäuden geschaffen wurde. Denn Ladenbesitzer, Gewerbetreibende und Kleinfamilien von Sklaven und Freigelassenen, sowie Kleinsthaushalte siedelten in nahe gelegenen Wohnungen zu ihrem Besitzer. Der Besitzer galt als Patron und rechtlicher Fürsprecher seiner politischen Anhängerschaft und gewann an Einfluss und Ansehen. Die juristisch nicht oder bedingt handlungsfähigen Sklaven und Freigelassenen brauchten einen Vormund, die sie in einem Patron fanden. Dieser gab ihnen zugleich eine Unterkunft in seinem Haus, was jene für besser empfanden, als in den einsturzgefährdeten Miethäusern z.B. in Roms mit hohen Preisen zu zahlen. Wegen diesem Nebeneinander kamen soziale Bindungen zum Ausdruck, die für alle Beteiligten einen notwendigen Bestandteil innerhalb einer städtischen Gesellschaft darstellte.[15]

Wenn man Auskunft über die Anzahl der Bewohner eines Hauses herausfinden möchte, stellt sich das als sehr schwierig heraus und deswegen kann man auch die Einwohnerzahl in ganz Pompeji schlecht bestimmen. Das rührt daher, weil in einem Haus nicht nur Blutsverwandte wohnten, sondern eben auch viele Sklavenfamilien. Man konnte aber noch nicht Sklavenwohnräume oder Sklavenwohnungen identifizieren, sondern nur vage vermuten.[16]

3 Die Casa del Fauno

3.1 Leben in einem „Stadtpalast“

Die Casa del Fauno befindet sich, wie weiter oben schon berichtet, in der Regio VI und umfasst eine ganze, vorhin vorgestellte, Insula mit fast 3000 m². Neben diesem prächtigen Haus befanden sich auch noch weitere große Häuser nördlich des Forums. Im Laufe des 2. Jh. v. Chr. wurde die Anlage ausgebaut und stellte nun, auch für die folgenden Jahre, das größte Wohnhaus in Pompeji dar. Aber nicht nur wegen der Ausdehnung, sondern auch wegen der Ausstattung sollte man hinter dem Namen des Hauses ein Ausrufezeichen setzen. Dem Besitzer lag auch nach dem Erdbeben von 62 v. Chr. viel daran, das Haus im alten Stil weiter zu führen und damit das Haus als altehrwürdigen Familienbesitz zu kennzeichnen. Auch wenn alle anderen reichen Hausbesitzer in Pompeji z.B. ihre Wände in den nachfolgenden Stilen ausstatteten, so blieb der Hausbesitzer der Casa del Fauno beim 1. Stil. Im zweiten Viertel des 2. Jh. v. Chr. wurde es als Atrium-Peristyl-Haus bezeichnet und hatte nur einen Säulenhof. Man kennt die genaue Gestaltung und Nutzung des nördlichen Areals nicht. Dort wurde erst zwei bis drei Generationen später ein großes zweites Peristyl (K) errichtet.[17]

Das Haus bekam seinen Namen durch die „Tanzende Faunstatue“, die im Impluvium des Atriums (B) aufgestellt war. Eigentlich stellt diese Statue keinen Faun dar, sondern einen Satyr namens Skirtos. Wegen des phonetischen Gleichklangs meinte P.G.P. Meyboom, im Anschluss an eine Vermutung von K. Kerènyi, dass der Satyr eine mythische Symbolfigur, oder sogar ein mythischer Vorfahre der bedeutenden pompejanischen Gens der Satrii darstellt. Auf einem Tuffgesims, das sich im Haus befand, fand man eine oskische Inschrift, welche vielleicht am Sockel einer Ehrenstatue angebracht war. Dort befand sich der oskische Name V. Sardiriis und man nahm deswegen an, dass diese Familie die Besitzer des prächtigen Wohnhauses sein konnten. Man kann aber nicht bezeugen, dass die Sardirii wie viele andere römische und italische Familien einen Abstammungsmythos ausgebildet hatten, der sich um eine Pseudoetymologie rankt, die auf der Verbindung des Namens einer Gens mit dem einer mythischen Gestalt ruht.[18]

Zuallererst benannte man das Haus aber „Casa di Goethe“, denn in Anwesenheit von August von Goethe begann man am 7. Okt. 1830 mit den Ausgrabungen des Hauses. Dies galt ihm und zu Ehren seines Vaters. Erst später setzte sich die Bezeichnung „Casa del Fauno“ durch.[19]

3.1.1 Hausübersicht und Ausstattung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. 1: Übersichtsplan Casa del Fauno)[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1-4: Läden

Vorweggenommen ist zu sagen, dass nur etwa 1/3 der Gesamtfläche zu Wohnzwecken dienten, die restlichen 2/3 wurden von den beiden Peristylhöfen eingenommen, welche man mit öffentlichen Säulenhallen vergleichen kann. Der neue Raumluxus hatte anscheinend fürstliche Dimensionen eingenommen. Die griechische Kultur hatte hier eine besonders hervorgehobene Stellung und man stellte sie stolz zur Schau, aber darauf werde ich später noch zu sprechen kommen.[21] Aber nicht allein wegen der Größe des Hauses, welches ohne Benutzung älterer Bauten und nach völlig freiem Ermessen des Baumeisters und des Bauherrn erbaut wurde, sondern wegen der wundervollen Mosaikbilder ist das Haus das prächtigste in Pompeji. Man dürfe meinen, dass die griechisch gebildeten Osker Pompejis auf Wandbilder verzichten konnten, da sie ja schon schöne Bilder auf ihren Böden vorzuzeigen hatten.[22]

Wagte man damals als Passant, im Falle von geöffneten Türen, einen Blick in das Haus, so konnte man feststellen, dass man bis zum Vesuv, auf dessen Spitze man ein Heiligtum vermutet, blicken kann. Denn das normalerweise nach hinten, durch eine Wand abgeschlossene Tablinum wurde hier nur durch eine niedrige Mauer zum Peristyl (G) hin abgeschlossen und man konnte so bis zur Exedra (H), welche das Alexandermosaik beinhaltete, blicken und eben auch den Vesuv erkennen.[23]

Betrachtet man die Casa del Fauno von außen, so erkennt man vier Läden (1-4), einen Haupteingang mit einer Rahmung durch Pilastern, Kapitellen und schwerem Gebälk und am Boden befindlichen „Have“-Mosaik (siehe 3.2.1.) und die Tür des Nebenatriums (bei a).[24] Da die wohlhabendsten Häuser an wichtigen Geschäftsstraßen lagen, nutzte eine reiche Familie dies und plante bei dem Häuserbau Läden an der Frontseite ein, die mit oft mit Schlafräumen in einem Halbgeschoss über dem Laden verbunden waren und von Sklaven oder Freigelassenen betrieben wurden.[25] Abgesehen von diesen vier Läden, sind keinerlei Geschäftsräume oder Werkstätten im Haus zu finden, so dass die ganze Insula nur von der Wohnung eingenommen ist.[26] Das Vestibül war gegen die Straße durch eine dreiflügelige Tür verschlossen, was eine Ausnahme darstellt. Noch dazu öffnete sich die zweiflügelige Tür zwischen Vestibül und Fauces nach außen. Das musste deswegen so sein, da sich gleich hinter der Tür der Fauces ein vorspringender Wandschmuck befand und dieser das Öffnen nach Innen verhinderte. Es soll ein auch ein Gesetz gegeben haben, das das Öffnen der Tür nach Außen verboten hat. Man musste deswegen einen Ausweg finden und man integrierte eine nach innen aufgehende Tür, die das Vestibül verschloss. Tritt man weiter in das Haus ein, so entdeckt man im Atrium tuscanium (B) als Besucher wohl sofort die Stucknachahmung einer Marmorbekleidung. Dann tritt eine Tuffplatte aus der Wand hervor, auf deren Unterseite eine Kassettendecke ist und die mit weißem Stuck überzogen wurde. Diese wurde einst von Stuckkonsolen in Form von Hunden gestützt (E. l. Rocca spricht von Löwen und Sphingen[27] ) und darauf befand sich eine vollständige Tempelfassade. Die Vorderwand der Cella ist als Relief gearbeitet und weist eine geschlossene Tür auf. Vor der Cella befinden sich vier korinthische[28] oder ionische[29] Säulen. Generell musste alles Griechisch und von bester Qualität sein, so dass man sogar Möbel und Geräte aus dem Osten importierte.

[...]


[1] Vgl. A. Mau (1908) 1ff.

[2] Vgl. J. A. Dickmann (1999) 613f.

[3] Vgl. J. A. Dickmann (1999) 614

[4] Vgl. A. Mau (1908) 28ff.

[5] Vgl. J. A. Dickmann (1999) 614

[6] Vgl. A. Mau (1908) 30

[7] Vgl. J. A. Dickmann (1999) 615f.

[8] Vgl. A. Mau (1908) 8

[9] Vgl. P. Zanker (1995) 37ff.

[10] Vgl. A. Mau (1908) 8

[11] Vgl. H. Lauter in: B. Andreae/H. Kyrieleis (Hrsg.) Neue Forschungen in Pompeji (1975) 147 ff.

[12] G. Pesce, Il Palazzo delle Colonne in Tolemaide di Cirenaica (1950), Pella I 1: Ch. Makaronas, Deltion 16, 1960, 74 Abb. 1 und Taf. 48, 49a, 67-69 in: ebd. 148

[13] Casa die Diadumeni in: H. Lauter in: B. Andreae/H. Kyrieleis (Hrsg.) Neue Forschungen in Pompeji (1975) (Anm. 11) 152

[14] So z.B. I 4,5.25.28 in: ebd. (Anm. 12) 152

[15] Vgl. J. A. Dickmann (1999) 645

[16] Vgl. ebd. 623

[17] Vgl. ebd. 637ff.

[18] Allgemein: s. E. Bartman in: E. K. Gazda (Hrsg), Roman Art in the Privtae Sphere (1991) 71-78 u. P.G.P Meyboom, The nile Mosaic of Palestrina (1994) 167-172 in: F. Zevi in: RM 105, 1998, 40

[19] Vgl. T. Kraus – L. v. Matt (1970) 67

[20] Vgl. A. Mau (1908) 300ff.

[21] Vgl. P. Zanker (1995) 40ff.

[22] Vgl. A. Mau (1908) 300f.

[23] A. Wallace-Hadrill, Houses and Society in Pompeii and Herculaneum (1994) Anm.2 in: F. Zevi in: RM 105, 1998, 31f.

[24] Vgl. F. Zevi in: RM 105, 1998, 302 Fig. 157; J. A. Dickmann (1999) 639

[25] Vgl. P. Zanker (1995) 49

[26] Vgl. A. Mau (1908) 301

[27] Vgl. E. La Rocca (1990) 358

[28] Vgl. ebd. 358

[29] Vgl. P. Zanker (1995) 45

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Die Casa del Fauno von Pompeji und ihre Bildmosaike
Untertitel
(ohne Alexandermosaik)
Autor
Jahr
2012
Seiten
49
Katalognummer
V197758
ISBN (eBook)
9783656239611
ISBN (Buch)
9783656239994
Dateigröße
4557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Casa del Fauno, Mosaik, Archäologie
Arbeit zitieren
Jessica Schnugg (Autor), 2012, Die Casa del Fauno von Pompeji und ihre Bildmosaike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197758

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