Auswirkungen täglichen Schulsports in der Grundschule auf den Medienkonsum bei Kindern - das Projekt „fit für pisa“


Masterarbeit, 2009
93 Seiten, Note: Sehr Gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Theoretischer Hintergrund - körperlich-sportliche Aktivität und Nutzung elektronischer Medien bei Kindern
1.1 Begriffsbestimmung körperlich-sportlicher Aktivität
1.1.1 Verbreitung körperlich-sportlicher Aktivität bei Kindern in Deutschland und International
1.1.2 Gesundheitliche Relevanz körperlich-sportlicher Aktivität im Kindesalter
1.1.3 Ursachen und Folgen körperlich-sportlicher Inaktivität
1.1.4 Übergewicht und Adipositas bei Kindern
1.1.5 Übergewicht und körperliche Inaktivität aus Public Health-Sicht
1.2 Begriffsbestimmung Nutzung elektronischer Medien
1.2.1 Verbreitung der Mediennutzung im Kindesalter
1.2.2 Folgen von übermäßigem Medienkonsum auf die Kindergesundheit
1.3 Zusammenhang zwischen der Nutzung elektronischer Medien und körperlich-sportlicher Aktivität bei Kindern - Aktuelle Studienlage
1.4 Konsequenzen für Gesundheitsförderung und Prävention
1.5 Ziele der Arbeit
1.6 Aufbau der Arbeit

2 Konzeption und Durchführung der Untersuchung
2.1 Die Intervention „fit für pisa“
2.2 Die Evaluation „fit für pisa“
2.3 Untersuchungsstichprobe
2.4 Studiendesign
2.5 Erhebungsinstrument
2.6 Statistische Methoden und Auswertungsstrategien

3 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
3.1 Zusammenhang zwischen körperlich-sportlicher Aktivität und Mediennutzung (H1)
3.2 Zusammenhang zwischen körperlich-sportlicher Aktivität und Mediennutzung unter Berücksichtigung der Einflussgrößen Geschlecht, Migrationsstatus und Sozialstatus (H2)
3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

4 Diskussion

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang I - Normalverteilungskurven

Anhang II - SPSS-Syntax

Zusammenfassung

Das Projekt „fit für pisa“ implementiert an fünf Göttinger Grundschulen zusätzlich zu den im Lehrplan vorgesehenen zwei Schulstunden Sport pro Woche drei weitere Sportstunden. Im Rahmen einer vom BMBF-geförderten Studie soll evaluiert werden, inwieweit sich täglicher Sportunterricht auf die Gesundheit und das Bewegungsverhalten von Kindern auswirkt. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, die Auswirkungen täglichen Schulsports in der Grundschule auf den Medienkonsum von Kindern ein Jahr nach Abschluss der Intervention zu untersuchen. Zudem sollen durch weiterführende Zusammenhangsanalysen die Auswirkungen potentieller Einflussgrößen wie Geschlecht, Sozialstatus und Migrationshintergrund überprüft werden.

Die Nutzung elektronischer Medien, unterteilt in Fernsehen/Video, Spielkonsole, Computer/Internet, Musik hören und Handy, wurde anhand eines von der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelten Kinderfragebogens erhoben. Im Querschnittsansatz wurde am Ende der 5. Klasse der Medienkonsum von 743 Schülern (Interventionsgruppe: n=103; Kontrollgruppe: n=640) erfasst.

Die Ergebnisse zeigen, dass Schüler aus der Interventionsgruppe signifikant weniger (p<0,001) Fernsehen/Video schauen als Kinder aus der Kontrollgruppe. Auch unter Berücksichtigung des Sozialstatus (p<0,01) und des Migrationshintergrunds (p<0,01) sind für den Fernseh-/Videokonsum statistisch signifikante Unterschiede zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe zu beobachten. Für die weiteren Medienarten sind zwischen den Interventions- und Kontrollschülern (adjustiert für Geschlecht, Sozialstatus und Migrationshintergrund) keine statistisch signifikanten Unterschiede zu erkennen. Die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen auf, dass auch ein Jahr nach Abschluss der Intervention nachhaltige Effekte auf die Mediennutzung der Interventionskinder zu beobachten sind. Es wäre wünschenswert, dass zukünftig verstärkt öffentliche Einrichtungen eingebunden werden, um ein körperlich-sportliches Verhalten der Kinder zu fördern. Das Setting „Schule“ ist aus Public Health-Sicht in besonderem Maße interessant, da in ihr alle Kinder einer Altersgruppe unabhängig von sozialer Herkunft erreicht werden können.

Abstract

In addition to two hours school sport the project “fit for pisa” provides three further sport lessons a week at five primary schools in Goettingen (Germany). The study, promoted by the Federal Ministry of Education and Research, evaluates what daily school sport will mean to children’s health and physical behavior. The study’s aim is to compare the effect of daily school sport on primary schools with juvenile media consumption one year after the intervention. Moreover additional analyses will give detailed information on how sex, social situation and migration background may potentially influence the sport effect.

The Hannover Medical School developed a questionary for children, thus trying to specify the use of electronic media subdivided in TV/video, paddle, computer/internet, handy and listening music. As a representative cross-section the media consumption of 743 pupils was recorded at the end of the 5th class (intervention group n=103; control group n=640).

It was proved that pupils belonging to the control group more often watch TV/video than pupils belonging to intervention group (p<0,001). Considering social status (p<0,01) and migration background (p<0,01) also it is shown that there are significant differences in TV/video consumption between the intervention and the control group. For all other kinds of media use no statistical important differences between both groups can be mentioned (adjusted for sex, social status and migration background).

The obtained scientific results show that - even one year after end of intervention - lasting effects can be observed by intervention kids regarding media use. It is very much appreciated when public institutions will care for more physical activities for children and youth. For Public Health the institution “School” is extremely important because children of all age and all social background are involved.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Untersuchungsstichprobe

Tabelle 2: Deskriptive Ergebnisse der Nutzung elektronischer Medien

Tabelle 3: t-Test zur Nutzung elektronischer Medien bei unabhängigen Stichproben

Tabelle 4: Fernsehkonsum nach Sozialstatus

Tabelle 5: Fernsehkonsum nach Migrationshintergrund

Tabelle 6: Fernsehkonsum nach Geschlecht

Tabelle 7: Spielkonsolenkonsum nach Sozialstatus

Tabelle 8: Spielkonsolenkonsum nach Migrationshintergrund

Tabelle 9: Spielkonsolenkonsum nach Geschlecht

Tabelle 10: Computerkonsum nach Sozialstatus

Tabelle 11: Computerkonsum nach Migrationshintergrund

Tabelle 12: Computer-/Internetkonsum nach Geschlecht

Tabelle 13: Musik hören nach Sozialstatus

Tabelle 14: Musik hören nach Migrationshintergrund

Tabelle 15: Musik hören nach Geschlecht

Tabelle 16: Handykonsum nach Sozialstatus

Tabelle 17: Handykonsum nach Migrationshintergrund

Tabelle 18: Handykonsum nach Geschlecht

Tabelle 19: Einfluss täglichen Schulsports auf die Nutzung elektronischer Medien adjustiert für die potentiellen Einflussgrößen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Häufigkeit der Sportausübung bei 6- bis 10-jährigen Jungen und Mädchen

Abbildung 2: Anteil der 3- bis 10-jährigen Jungen und Mädchen, die weniger als einmal pro Woche Sport machen, nach Sozialstatus undlMigrationshintergrund

Abbildung 3: Studiendesign der Evaluationsstudie "fit für pisa"

Abbildung 4: Fernsehkonsum nach Sozialstatus

Abbildung 5: Fernsehkonsum nach Migrationshintergrund

Abbildung 6: Spielkonsolenkonsum nach Sozialstatus

Abbildung 7: Spielkonsolenkonsum nach Geschlecht

Abbildung 8: Computer-/Internetkonsum nach Migrationshintergrund

Abbildung 9: Computer-/Internetkonsum nach Geschlecht

Abbildung 10: Handykonsum nach Sozialstatus

Abbildung 11: Handykonsum nach Migrationshintergrund

Abbildung 12: Handykonsum nach Geschlecht

1 Theoretischer Hintergrund - körperlich-sportliche Aktivität und Nutzung elektronischer Medien bei Kindern

1.1 Begriffsbestimmung körperlich-sportlicher Aktivität

Körperlich-sportliche Aktivität ist ein seit vielen Jahrhunderten in verschiedenen historischen Zeiträumen bedingtes Phänomen, welches sehr vielfältige gesellschaftliche Funktionen ausfüllte und noch immer ausfüllt. Das Begriffsverständnis der körperlich-sportlichen Aktivität unterliegt somit in unterschiedlicher Weise historischen Wandlungen und ist nicht für alle Zeiten anwendbar (Woll & Wydra, 2005).

Die verschiedenen Aspekte der körperlichen Aktivität sollten daher in unterschiedliche Bereiche spezifiziert werden. Nach der Definition von Bös et al. von 2007 (in Anlehnung an Caspersen et al., 1985) wird körperliche Aktivität „ als jede k ö rperliche Bewegung, die die Skelettmuskulatur hervorbringt und die einen Energieverbrauch erzeugt “ , verstanden (S. 129). Diese sehr breit gefasste Begriffsbestimmung umfasst in Anbetracht der EU-Richtlinien zur körperlichen Aktivität (2008) alle Bewegungen und Aktivitäten, die im Alltag eines Menschen eine Rolle spielen, sei es in der Freizeit, im häuslichen Umfeld oder im Bereich des Straßenverkehrs.

Während sich körperliche Aktivität als Oberbegriff auf jede körperliche Bewegung bezieht, bezeichnet die körperlich-sportliche Aktivität eine definierte Untergruppe von körperlicher Aktivität, bei der eine strukturierte körperliche Aktivität mit dem Einsatz von Bewegung im Vordergrund steht, wie z.B. zielgerichtetes Trainingsprogramm oder körperliche Fitness zur Verbesserung der Gesundheit (Wagner et al., 2006.). Der Begriff der körperlich-sportlichen Aktivität impliziert somit einen strukturierten Prozess zum Zweck des Erhalts oder der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit. In der Regel wird diese Form der Aktivität mit einer höheren Intensität als die im Alltag ausgeführte körperliche Aktivität verübt (Bös et al., 2006). Diese Unterscheidung zwischen „körperlicher Aktivität“ und „körperlich-sportlicher Aktivität“ hat wichtige Implikationen für die Messung von Inaktivität in der Bevölkerung sowie die Festlegung von Zielen und Empfehlungen für Prävention und Gesundheitsförderung, insbesondere im Sinne einer internationalen Public Health-Diskussion (RKI, 2005).

Im englischen Sprachraum werden hinsichtlich der körperlichen Aktivität die Begriffe „physical activity“ und „physical exercise“ unterschieden. „Physical activity“ ist im Deutschen gleichzusetzen mit „körperlicher Aktivität“. Körperliche Aktivität wird nach Bouchard und Shephard (1994) wie folgt definiert:

“ Physical activity comprises any body movement produced by the skeletal muscles that results in a substantial increase over the resting energy expenditure ” (Bouchard & Shephard, 1994, S. 77). Diese Begriffsbestimmung schließt lediglich körperinterne Bewegungen (z.B. Darmaktivitäten) oder Aktivitäten ohne nennenswerten Energieverbrauch wie Schach aus (Romahn, 2007). Der Begriff „physical exercise“ stellt wie im Deutschen eine Untergruppe der körperlichen Aktivität dar. Im Gegensatz zu „Physical activity“ umfasst „Physical exercise“ nur die Teilbereiche, die in geplanter, strukturierter und sich wiederholender Form ausgeführt werden, mit dem Ziel die Gesundheit zu verbessern oder aufrecht zu erhalten (Romahn, 2007).

1.1.1 Verbreitung körperlich-sportlicher Aktivität bei Kindern in Deutschland und International

In den Medien aber auch in der Wissenschaft und Politik ist in den letzten Jahren der Eindruck vermittelt wurden, dass sich Kinder und Jugendliche zunehmend weniger bewegen und dadurch enorme gesundheitliche Probleme entstehen. Nach einer Analyse von 1000 Bewegungstagebüchern von Obst und Bös aus dem Jahr 1997 zeigt sich, dass ein Grundschulkind durchschnittlich täglich neun Stunden sitzt, fünf Stunden steht und sich gerade noch eine Stunde körperlich bewegt. Des Weiteren hat die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen in den letzten 25 Jahren um mehr als 10 % abgenommen (Sygusch et al., 2006). Auch die WIAD-Studie aus dem Jahr 2003, eine Untersuchung von mehr als 20.000 Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative von AOK, DSB und WIAD „Fit sein macht Schule“ zum Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen getestet wurden, kommt zu enttäuschenden Ergebnissen. Bei den 10- bis 14-Jährigen ist seit 1995 ein Rückgang der Fitness um mehr als 20 % zu verzeichnen. Körperlich-sportliche Aktivität in Freizeit und Verein nehmen bei Kindern und Jugendlichen allerdings immer noch einen hohen Stellenwert ein. Laut der Bestandserhebung des Deutschen Sportbundes von 2008 sind im Alter von 7-14 Jahren 82 % der Jungen und 63 % der Mädchen Mitglied in einem Sportverein. Allerdings sind die frühen Vereinsaustritte der Kinder zu berücksichtigen. Die höchste Anzahl an Vereinsmitgliedschaften ist mit zehn Jahren erreicht und ab zwölf Jahren ist die Anzahl der Vereinsmitglieder geringer als im Grundschulalter (Bös, 2008). So sind im Alter von 15-18 Jahren nur noch 67 % der Jungen und 45 % der Mädchen Mitglied in einem Sportverein.

Trotz zahlreicher Studien gab es lange Zeit keine repräsentativen bundesweiten Angaben zum motorischen Entwicklungsstand und der körperlich-sportlichen Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Um die vorhandene Datenlücke zu schließen, sind deshalb im Rahmen des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) zu ausgewählten Aspekten der motorischen und sportlichen Leistungsfähigkeit von 2003-2006 Kinder befragt und getestet wurden. An der KiGGS-Studie haben insgesamt 17.641 Kinder und Jugendliche teilgenommen (Lampert et al., 2007a). In den Ergebnissen der KiGGS-Studie zeigt sich, dass 76,6 % der 3- bis 10-jährigen Jungen und 75 % der gleichaltrigen Mädchen mindestens einmal in der Woche Sport treiben. Des Weiteren sind 50,2 % der achtjährigen Jungen und 45,7 % der gleichaltrigen Mädchen mindestens 3-mal oder häufiger in der Woche sportlich aktiv (s. Abb.1). Allerdings geht ebenfalls aus den Daten hervor, dass etwa jedes vierte Kind im Alter von 3-10 Jahren nicht regelmäßig und jedes achte Kind nie körperlich-sportlich aktiv ist (Lampert et al., 2007a).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Häufigkeit der Sportausübung bei 6- bis 10-jährigen Jungen und Mädchen (eigene Darstellung in Anlehnung an Lampert et al., 2007a)

Um aus Public Health Sicht die sportlich Inaktiven Kinder differenzierter zu erfassen, liefern die KiGGS-Daten unter anderem eine detaillierte Betrachtung der Ergebnisse hinsichtlich der Einflussgrößen Migrationsstatus und Sozialstatus. Kinder, die sich nicht regelmäßig sportlich betätigen, kommen überproportional häufig aus Familien mit niedrigem Sozialstatus und Migrationshintergrund (s. Abb.2). Die deutlichsten Aktivitätsdefizite sind bei Mädchen mit niedrigem Sozialstatus und Migrationshintergrund zu erkennen (RKI, 2008c).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anteil der 3- bis 10-jährigen Jungen und Mädchen, die weniger als einmal pro Woche Sport machen, nach Sozialstatus und Migrationshintergrund (eigene Darstellung in Anlehnung an Lampert 2007a)

Nicht nur national sondern auch international ist eine geringe körperlich- sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen zu erkennen (Walter et al., 2005). Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geförderte Studie „Health Behavior in school-aged Children“ (HBSC), die alle vier Jahre bei 11-, 13 und 15-jährigen Kindern und Jugendlichen aus 22 EU-Staaten und den USA durchgeführt wird, liefert vergleichende Daten zur körperlich-sportlichen Aktivität im internationalen Kontext (Langness et al., 2005). Aus dem aktuellen WHO- Report zur HBSC-Studie von 2008 geht hervor, dass die Häufigkeit von körperlich-sportlicher Aktivität bei den 11-jährigen Mädchen von 43 % in der Slowakei bis hin zu 11 % in der Schweiz reicht und bei den gleichaltrigen Jungen von 51 % in der Slowakei und Irland bis hin zu 18 % in Luxemburg. Im internationalen Vergleich schneiden die 11-jährigen deutschen Kinder schlecht ab. So sind nur 20 % der Mädchen und 25 % der Jungen regelmäßig sportlich aktiv, womit Deutschland nur im unteren Drittel der teilnehmenden Länder liegt (WHO-Report, 2008). Mit Ausnahme der HBSC-Studie gibt es bislang keine internationalen Studien, die verlässliche Angaben zur körperlich-sportlichen Aktivität im Kindesalter im internationalen Vergleich liefern. Die Problematik basiert auf der häufig unterschiedlichen Operationalisierung der körperlich- sportlichen Aktivität im internationalen Kontext (Sygusch, 2005). Es werden in Europa insgesamt recht unterschiedliche Prävalenzen in den einzelnen Ländern erfasst. Dabei wird nicht deutlich, ob diese unterschiedlichen Prävalenzen reale Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern repräsentieren oder sie lediglich das Ergebnis unterschiedlicher Mess- oder Klassifikationsmethoden der einzelnen Studien sind (Bammann et al., 2007).

1.1.2 Gesundheitliche Relevanz körperlich-sportlicher Aktivität im Kindesalter

Regelmäßige körperlich-sportliche Aktivität ist ein wichtiger Einflussfaktor und Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung von Kindern, um der Entstehung von Krankheiten und Beschwerden in jedem Lebensalter entgegenzuwirken (RKI, 2008b). Kinder besitzen einen "natürlichen" Bewegungsdrang, der unter anderem für die Erkundung der Umwelt, das Lernen von motorischen Fähigkeiten und der Entwicklung eines spezifischen Verhältnisses zu ihrem Körper von enormer Bedeutung ist. Insbesondere im Grundschulalter finden wesentliche Entwicklungsprozesse statt und gleichzeitig sind in diesem Lebensabschnitt Kinder optimal motivierbar, sich körperlich zu betätigen (Bös et al., 2007). Durch Bewegungsaktivitäten lassen sich Krankheiten wie Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ II, Osteoporose und Rückenschmerzen vorbeugen. (Walter & Schwarz, 2003) Des Weiteren wird durch regelmäßig körperlich-sportliche Aktivität das Auftreten von Übergewicht und Bluthochdruck vermindert (Lampert et al., 2007a).

Neben nützlichen Effekten auf die körperlichen und physiologischen Funktionen wirkt sich regelmäßige sportliche Aktivität auch auf die psychische Gesundheit positiv aus. Diese äußern sich bei Kindern in Selbstvertrauen, aber auch in der Fähigkeit Enttäuschungen zu ertragen. Gleichzeitig werden aber auch Persönlichkeitsbereiche wie Wahrnehmungs- und Unterscheidungsvermögen geschult und soziale Erfahrungen, positives Körperbewusstsein, Selbstverantwortung und Selbstkompetenz durch regelmäßige körperlichsportliche Aktivität entwickelt (Bös et al., 2007).

Die Ergebnisse des deutschen CHILT-Projektes („Children’s Health Interventional Trial“), das seit Mitte 2001 an zwölf Grundschulen im Raum Köln umgesetzt wird, zeigt mit zunehmender körperlicher Bewegung nicht nur eine Zunahme der Lebensqualität bei Kindern, sondern auch einen Zusammenhang zwischen motorischen und kognitiven Fähigkeiten, der sich in besseren schulischen Leistungen bei der Interventionsgruppe auswirkt (Graf et al., 2005). Ferner geht regelmäßige körperliche Bewegung mit einer Reduktion der Mortalität und Morbidität im Erwachsenenalter einher (Hurrelmann et al., 2005). Die gesundheitliche Relevanz von körperlich-sportlicher Aktivität lässt sich nach Bös et al. (2004) insgesamt gesehen sowohl unter der Perspektive des Risikofaktorenmodells („Bewegungsmangel als bedeutender Risikofaktor“) als auch des Salutogenesemodells („Bewegungsaktivität und motorische Leistungsfähigkeit als Ressource“) für die Gesunderhaltung begründen. Es gibt seit einigen Jahren Einigkeit darüber, dass körperliche Aktivität in Verbindung mit Entwicklungs- und Gesundheitsfragen im Kindesalter unverzichtbar ist und vor allem in der Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle einnimmt (Bös et al., 2004).

1.1.3 Ursachen und Folgen körperlich-sportlicher Inaktivität

Die WHO zählt in ihrem Report von 2002 körperliche Inaktivität zu den am häufigsten verbreiteten gesundheitlichen Risiken in den Industrieländern. Die Bewegungswelt von Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Die Ursachen für die körperliche Inaktivität von Kindern sind vielfältig und werden insbesondere in der außerschulischen Lebens- und Bewegungswelt gesucht (Schlicht & Brand, 2007). Diese Entwicklung ist durch die veränderten Lebensbedingungen von Kindern zu erklären. Aufgrund der hohen Verkehrsdichte wird der Bewegungsdrang von Kindern immer mehr eingeschränkt, was zu einer zunehmenden „Verhäuslichung“ der Aktivitäten führt (Opper et al., 2005). Die Folge ist, dass bewegungsarme „Indooraktivitäten“ wie Medienkonsum gegenüber bewegungsreichen „Outdooraktivitäten“ (z.B. Fahrradfahren) bei Kindern einen immer höheren Stellenwert einnehmen (Opper et al., 2005).

Des Weiteren werden auch Einschränkungen durch die Schule und die unzureichenden Angebote des Schulsports mit motorischen Defiziten und fehlendem Körpergefühl im Kindesalter in Verbindung gebracht (Bös et al., 2007). Ein Mangel an körperlicher Bewegung in Kombination mit ungesunder Ernährung wird somit zunehmend zur gesellschaftlichen Norm westlicher Industriestaaten (Bammann et al., 2007).

Neben der zunehmenden Verstädterung und Technologisierung spielen fehlende familiäre Vorbilder eine wichtige Rolle. Das Auto wird immer häufiger als Transportmittel verwendet (Ward, 2007). Kinder aktiver Eltern sind deutlich häufiger aktiv als die Kinder inaktiver Eltern (Graf et al., 2006b). Als Folgen körperlich-sportlicher Inaktivität werden zumeist eine Verschlechterung der motorischen Leistungsfähigkeit, eine erhöhte Gesundheitsgefährdung, Konzentrations- und Antriebsstörungen sowie eine Zunahme von Haltungsschäden und psychomotorischen Störungen angeführt. Ein körperlich inaktiver Lebensstil ist ein wesentlicher verhaltensbezogener Risikofaktor, mit dem Gesundheitsgefährdungen wie chronisch-degenerativen Krankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ II, einhergehen (RKI, 2004). Der häufigste Risikofaktor, der im Zusammenhang mit körperlicher Inaktivität bei Kindern genannt wird, ist allerdings Übergewicht (Bös et al., 2006).

1.1.4 Übergewicht und Adipositas bei Kindern

Das Auftreten von Übergewicht und Adipositas nimmt im Kindesalter in Deutschland wie in vielen anderen Industrienationen zu (Reinehr, 2007; Snethen et al., 2006; Graf, 2005; WHO-Report, 2008). Eine positive Energiebilanz mit einem Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch ist die grundlegende Ursache von Übergewicht und Adipositas. Entsprechend internationalen Empfehlungen wird Übergewicht und Adipositas mit Hilfe des Body-Mass-Index (BMI) berechnet. Der BMI ist definiert als das Körpergewicht (in Kilogramm) dividiert durch das Quadrat der Körpergröße (in Meter). Die WHO-Kriterien zur Erfassung des BMI für Erwachsene können für das Kinder- und Jugendalter nicht übernommen werden, da die Körperfettmasse im Kindesalter alters- und geschlechtsspezifisch ist (Reinehr et al., 2003). Im Kindes- und Jugendalter können BMI-Werte nur anhand populationsspezifischer Referenzwerte in Form von alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen erfasst werden. Die vielen publizierten Daten in den verschiedenen Studien sind immer von der jeweiligen Definition von Übergewicht und Adipositas abhängig, da die Grenzziehung zwischen Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas letztlich willkürlich ist (Reinehr, 2007). Für die deutschlandweite Nutzung werden von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) die Referenzwerte von Kromeyer-Hauschild et al. (2001) empfohlen, die auf einer Metaanalyse aus 17 Studien mit über 34.000 deutschen Kindern und Jugendlichen aus allen Teilen Deutschlands basieren, die nach 1985 erhoben wurden. Auf dieser Normkurve entspricht das 90. Perzentil in etwa der Definition des Übergewichts und oberhalb des 97. Perzentils in etwa der Adipositas (Hurrelmann et al., 2003).

Diese Referenzwerte sind ebenfalls für die KIGGS-Studie verwendet wurden. Demnach sind 15 % der 3- bis 17-jährigen in Deutschland übergewichtig und 6,3 % adipös, welches einer Anzahl von etwa 1,9 Mio. übergewichtigen Kindern und Jugendlichen in Deutschland entspricht, wovon ca. 800.000 adipös sind (Kurth & Schaffrath Rosario, 2007). Liegt der Anteil der Übergewichtigen bei den 3- bis 6-Jährigen noch bei 9 %, steigt er auf über 15 % bei den 7- bis 10- jährigen bis hin zu 17 % bei den 14- bis 17-jährigen. Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus und mit Migrationshintergrund haben hierbei ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas. Ein Vergleich dieser Ergebnisse mit der Population aus den 1980er- und 1990er-Jahren zeigt, dass der Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland um 50 % gestiegen ist (Kurth & Schaffrath Rosario, 2007).

Für internationale Vergleiche hinsichtlich der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas werden die Referenzwerte der International Task Force of Obesity (IOTF) empfohlen (Kurth & Schaffrath Rosario, 2007). Die Zunahme findet sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrieländern statt. Während in den Industrieländern insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund und einem niedrigen sozialen Status ein höheres Risiko für Übergewicht aufweisen, sind Übergewichtige aus den Entwicklungsländern vor allem bei Kindern mit einem hohen sozialen Status zu finden (Reinehr, 2007). Aus dem aktuellen WHO-Report von 2008 zur HBSC-Studie von 11-, 13 und 15-jährigen Kindern und Jugendlichen geht hervor, dass der Anteil von Übergewicht oder Adipositas bei den 11-jährigen Mädchen von 25 % in den USA bis hin zu 5 % in der Schweiz und bei den gleichaltrigen Jungen von 33 % in den USA bis hin zu 5 % in den Niederlanden geht. Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas hat beispielsweise in den USA in den letzten Jahren immer mehr zugenommen und wird sich in den nächsten Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit weiter erhöhen (Snethen et al., 2006). Des Weiteren zeigt sich, dass auch in anderen Ländern wie Frankreich, Spanien oder England ein deutlicher Anstieg in der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas zu verzeichnen ist.

Die Ursachen von Übergewicht und Adipositas sind multifaktoriell (Korsten- Reck, 2007). Es besteht in der Wissenschaft weitgehend Einigkeit darüber, dass speziell die signifikante Abnahme körperlich-sportlicher Aktivität bei Kindern und Jugendlichen zu der deutlichen Gewichtszunahme geführt hat (Graf et al., 2006c). Neben genetischen Faktoren (Wabitsch, 2006) sind ungesunde Ernährung, Zeitmangel der Eltern und mangelnde familiäre Strukturen ebenfalls als Risikofaktoren zu berücksichtigen (Petermann & de Vries, 2009).

1.1.5 Übergewicht und körperliche Inaktivität aus Public Health-Sicht

Adipositas und körperliche Inaktivität ist mittlerweile nicht mehr nur ein individuelles und medizinisches Problem, sondern ein gesellschaftliches und somit auch ein Public-Health-Problem, da Übergewicht und körperliche Inaktivität in der Bevölkerung zunehmend zu einer gesellschaftlichen Norm werden (Müller & Kurth, 2007). Die steigende Prävalenz von Übergewicht und die zeitgleich beobachtete Abnahme der körperlichen Aktivität erfordern umfangreiche Präventionsmaßnahmen, die allerdings von einzelnen Personen oder Gruppen im Gesundheitssystem nicht erbracht werden können (Wabitsch, 2006). Bevölkerungsbezogene Maßnahmen zur Abnahme von Übergewicht und Zunahme der Bewegungsförderung im Kindesalter stellen somit eine zentrale Herausforderung für die Gesundheitspolitik dar (RKI, 2008a).

Die entstehenden direkten und indirekten Kosten im Zusammenhang mit Übergewicht und körperlicher Inaktivität sind hoch und werden weiter zunehmen, wenn Präventionsmaßnahmen nicht wirksam umgesetzt werden. Die WHO schätzte im November 2006 für Europa die wirtschaftlichen Folgekosten von Übergewicht und Adipositas auf bis zu 6 % der Ausgaben des Gesundheitswesens bei mindestens doppelt so hohen indirekten Kosten (Gellner & Domschke, 2008).

Ein verhaltensorientierter Ansatz scheint für die Reduktion von Übergewicht und Adipositas nicht auszureichen, weshalb mit politischer Unterstützung der Einsatz von verhältnisorientierten Präventionsmaßnahmen zu erwägen ist, um nicht nur die Kosten für das Gesundheitswesen zu senken, sondern umfassend die gesundheitliche Lage von Kindern zu verbessern (Plachta-Danielzik et al., 2008).

Übergewicht ist mehr als ein Gewichtsproblem und erfordert daher ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft. Der Public-Health-Zugang zur Gesunderhaltung ist insbesondere in Anbetracht der Ergebnisse der KiGGS- Studie zu berücksichtigen. Im Sinne von Public Health sollte das Ziel darin bestehen, Familien mit Migrationshintergrund und Kinder aus sozial benachteiligten Familien hinsichtlich einer gesunden Ernährung und körperlicher Aktivität zur Vermeidung von Übergewicht in besonderem Maße zu fördern (Kurth, 2007).

1.2 Begriffsbestimmung Nutzung elektronischer Medien

„ In unserer Mediengesellschaft nimmt die Dominanz der Medien durch immer neue Technologiesch ü be weiter zu. Um so mehr steigt die Verantwortung f ü r die j ü ngsten Mitglieder unserer Gesellschaft, die dem expandierenden Medienbetrieb oft hilflos ausgeliefert sind: die, Medienkinder “ (Feierabend &Klingler, 2000, S.5; zitiert nach Klingler und Groebel, 1994). Um der Frage nachzugehen, welche Rolle elektronische Medien letztendlich für Kinder und ihre Gesundheit spielen, muss zunächst geklärt werden, was unter „elektronischen Medien“ verstanden wird. Medien werden allgemein als „ Vermittlungssysteme f ü r Informationen aller Art “ bezeichnet (Meyers Lexikon, 2008). Im umgangssprachlichen Kontext wird mit dem Begriff „Medien“ insbesondere Massenmedien wie Fernsehen, Radio, Zeitschriften und Zeitungen assoziiert. Des Weiteren gibt es die „Neuen Medien“, zu denen hauptsächlich elektronische und digitale Medien wie Computer und Internet zählen. Der Begriff „elektronische Medien" umfasst für die vorliegende Arbeit neben Fernsehen/Video und Computer/Internet auch die Nutzung von Spielkonsolen, Musik hören und Handykonsum. Die Unterteilung in diese fünf Kategorien erlaubt den Vergleich mit den repräsentativen Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys.

1.2.1 Verbreitung der Mediennutzung im Kindesalter

Kinder haben in ihrer Freizeit die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln, die für ihre Entwicklung von enormer Bedeutung sind. Dadurch haben sie in der Freizeit eine höhere Entscheidungsautonomie als in anderen Lebensbereichen wie z.B. im Schulalltag. Eine sinnvolle Freizeitgestaltung ist mit einem hohen Erlebniswert verknüpft (Sachverständigenrat, 2009).

Eine Reihe von Untersuchungen zeigen allerdings, dass sich die Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen immer mehr auf die Medienwelt fokussiert (Hurrelmann et al., 2003; Nunez-Smith et al., 2008; Strasburger, 2004). Die Gründe hierfür sind sehr vielschichtig. Ein wesentlicher Grund ist, dass die Medienausstattung privater Haushalte in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Ferner wird der Umgang mit elektronischen Medien wie Computer und Internet in den Schulen gezielt gefördert (RKI, 2008b).

Elektronische Medien sind mittlerweile in unserem gesamten gesellschaftlichen Leben fest verankert und sind aus dem Alltag von Kindern nicht mehr wegzudenken. Neben Freizeitaktivitäten wie Computerspielen und Fernsehen nehmen auch Internet und Handy hinsichtlich der medialen Nutzung für die Kommunikation und die sozialen Kontakte an Bedeutung zu (Ravens-Sieberer, 2009).

Um zu erfassen, welche medialen Tätigkeiten in welchem Umfang von Kindern genutzt werden, führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest mit der KIM-Studie (Kinder und Medien) seit 1999 regelmäßig eine Untersuchung mit rund 1.200 Kindern zum Stellenwert der Medien im Alltag von 6 bis 13-jährigen Kindern durch (Feierabend & Rathgeb, 2009). Aus der KIM- Studie von 2008 geht hervor, dass die wichtigste Medientätigkeit bei Kindern zwischen 6 und 13 Jahren das Fernsehen ist. 73 % der Kinder nutzen Fernsehen jeden oder fast jeden Tag als Medium (Feierabend & Rathgeb, 2009). Ferner sitzen zwei Drittel der Kinder bereits regelmäßig am Computer, wohingegen Video oder DVD (50 %) mindestens einmal pro Woche verwendet wird. 51% der Kinder nutzen mindestens einmal pro Woche eine tragbare Spielkonsole. Allerdings nehmen trotz des breiten Medienangebots Themen wie Sport, Freundschaft oder Tiere nach wie vor bei den 6 bis 13-jährigen Kindern eine wichtige Rolle ein (Feierabend & Rathgeb, 2009).

Zu ähnlichen Ergebnissen hinsichtlich des hohen Medienkonsums kommt die Schülerbefragung 2005 des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens (KFN). Dabei wurden aus sechs verschiedenen Bundesländern insgesamt 6.000 Viertklässler und 17.000 Neuntklässler in die Befragung einbezogen (Mößle & Pfeiffer, 2008). Die Konsumdauer steigt mit der Verfügbarkeit eines eigenen Mediengerätes (Mößle & Pfeiffer, 2008). Dabei benutzen Kinder ohne eigenen Fernseher an Schultagen ca. 70 Minuten den Fernseher, hingegen Kinder mit eigenem Fernseher 124 Minuten. Der Unterschied ist am Wochenende mit 101 zu 185 Minuten noch stärker. Besitzen 10-jährige Kinder eine eigene Spielkonsole so steigt die Spieldauer von 30 auf 50 Minuten und am Wochenende von 104 auf 191 Minuten (Mößle & Pfeiffer, 2008). Auch die HBSC-Studie für Deutschland untersucht den Medienkonsum von 11, 13 und 15-jährigen Kindern (Hurrelmann et al., 2003). Demnach verbringen elfjährige Kinder an Schultagen zwei Stunden vor dem Fernseher. Dabei sehen Jungen signifikant mehr Fernsehen als Mädchen. Am Wochenende steigt der Fernsehkonsum auf 2,9 Stunden bei den Jungen und 2,5 Stunden bei den Mädchen (Hurrelmann et al., 2003). An Schultagen wird der Computer bei den elfjährigen Jungen 0,8 Stunden und bei den Mädchen 0,6 Stunden genutzt. An den Wochenenden sind es hingegen bei beiden Geschlechtern (1,5 bei den Jungen; 1,1 bei den Mädchen) mehr als doppelt so viele Stunden (Hurrelmann et al., 2003).

Die Daten der KiGGS-Studie bestätigen ebenfalls die hohe Bedeutung des Medienkonsums bei Kindern und Jugendlichen. So geben 91 % der 11 bis 13- jährigen Jungen und Mädchen an täglich fernzusehen oder Video zu schauen (Lampert et al., 2007b). Bei der Nutzung elektronischer Medien sind bis auf bei dem Fernseh- und Videokonsum alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede zu erkennen. Der Medienkonsum nimmt mit dem Alter zu und ist bei Jungen in der Regel höher als bei Mädchen. Der Computer und das Internet werden von 76,4 % der 11-13-jährigen Jungen und 65,2 % der Mädchen täglich genutzt. 36,8 % der 11-13-jährigen Jungen hören täglich Musik, im Vergleich dazu sogar 56,6 % der Mädchen (Lampert et al., 2007b). Während 11 bis 13- jährige Mädchen häufiger das Handy benutzen, dominieren Jungen bei den Spielkonsolen. Neben alters- und geschlechtsspezifischen Unterschieden zeigen sich in der KiGGS-Studie auch deutliche Unterschiede hinsichtlich der Nutzung elektronischer Medien nach Sozialstatus, Schulbildung, Migrationshintergund und Wohnregion (Ost/West) (RKI, 2008b). Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien und geringer Schulbildung verbringen wesentlich mehr Zeit in ihrer Freizeit mit elektronischen Medien. Dies zählt ebenfalls für Mädchen und Jungen aus den neuen Bundesländern und für Jungen, aber nicht für Mädchen mit Migrationshintergrund (Lampert et al., 2007b).

International liegen unzählige Studien zum Thema Kinder und Medienkonsum vor, die sich allerdings hauptsächlich auf das Fernsehen konzentrieren. Der Medienkonsum von Kindern ist nicht nur in Deutschland sehr hoch. US- amerikanische Kinder beispielsweise beschäftigen sich im Durchschnitt 45 Stunden mit elektronischen Medien wie Fernsehen, Videospiele, Computer/Internet und Kino und damit wesentlich mehr als für den Schulbesuch (30 Stunden) oder den Kontakt mit ihren Eltern (17 Stunden) (Nunez-Smith et al., 2008). Nach der HBSC-Studie von 2008 verbringen international 61% der elfjährigen Kinder mindestens zwei Stunden täglich unter der Woche vor dem Fernseher. In der Spitzengruppe der Länder, in denen Kinder einen hohen Fernsehkonsum aufweisen, sind hauptsächlich Osteuropäische Länder wie Bulgarien (80,5 %), Ukraine (77 %), Litauen (77 %) und Rumänien (76 %) vertreten (WHO-Report, 2008).

1.2.2 Folgen von übermäßigem Medienkonsum auf die Kindergesundheit

Die gesundheitlichen Folgen von übermäßigem Medienkonsum werden kontrovers diskutiert und sind umstritten (Sachverständigenrat, 2009). Als Folge von übermäßigem Medienkonsum werden neben psychosomatischen Beschwerden, entwicklungspsychologische Problemen und Verhaltensauffälligkeiten insbesondere auch Übergewicht bei Kindern genannt (Mühlendahl, 2007).

Das systematische Review von Nunez-Smith et al. (2008) untersucht den Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Gesundheit bei Kindern. Dabei fassen sie 173 Studien zu diesem Thema zusammen und kommen zu dem Ergebnis, dass 82 % der Längsschnittuntersuchungen einen Kausalzusammenhang zwischen der Intensität des Medienkonsums und negativen gesundheitliche Folgen wie Übergewicht oder gesundheitlichem Risikoverhalten wie Rauchen, Alkohol und Drogen aufweisen. Übergewicht und Adipositas wird bei Kindern je nach Intensität durch Zunahme des Medienkonsums erhöht (Nunez-Smith, 2008; Spitzer, 2005). Ähnliche Ergebnisse sind in der KiGGS-Studie zu beobachten, wo ebenfalls bei den 11- 13-jährigen Kindern ein Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Adipositas deutlich wird. Außerdem lässt sich bei den Mädchen, aber nicht bei den Jungen, ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von Computer/Internet und Adipositas erkennen (Lampert et al., 2007b). Für Adipositas haben Mädchen und Jungen bei der Mediennutzung von Fernsehen und Computer allerdings erst ab einer Dauer von sechs Stunden ein signifikant höheres Risiko (Lampert et al., 2007b). Ein Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Adipositas bei Kindern weisen auch Pardee et al. (2007) in ihrer Studie auf. Demnach haben Kinder mit übermäßigem Medienkonsum ein erhöhtes Risiko für Adipositas und Bluthochdruck (Pardee et al. 2007).

Es gibt allerdings eine Reihe weiterer gesundheitlicher Folgen, die im Zusammenhang mit übermäßigem Medienkonsum in Verbindung gebracht werden können. Die spätere Raucherquote ist beispielsweise bei Kindern, die mehr als drei Stunden elektronische Medien nutzen, doppelt so hoch. Des Weiteren sind Zusammenhänge für den späteren Alkoholkonsum zu beobachten (Nunez-Smith et al., 2008).

[...]

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen täglichen Schulsports in der Grundschule auf den Medienkonsum bei Kindern - das Projekt „fit für pisa“
Hochschule
Medizinische Hochschule Hannover  (Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung)
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2009
Seiten
93
Katalognummer
V197806
ISBN (eBook)
9783656239550
ISBN (Buch)
9783656240075
Dateigröße
1115 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Setting Schule, Täglicher Sportunterricht, Prävention und Gesundheitsförderung, Körperlich-sportliche Aktivität, Kinder und Jugendliche, Medienkonsum
Arbeit zitieren
MPH Mustapha Sayed (Autor), 2009, Auswirkungen täglichen Schulsports in der Grundschule auf den Medienkonsum bei Kindern - das Projekt „fit für pisa“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197806

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