Rheuma natürlich behandeln

Rheuma durch Kneipp und andere Maßnahmen der Naturheilkunde behandeln


Ausarbeitung, 2012

17 Seiten


Leseprobe

Ernährungstherapie bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises

Von Sven-David Müller, M.Sc., Diätologe

Rheuma gehört zu den schmerzhaftesten und belastendsten Volkskrankheiten überhaupt. Und hunderttausende sind davon betroffen. Immer wieder wird behauptet, dass Rheuma nicht durch Ernährungstherapie zu beeinflussen ist. Andererseits sprießen Empfehlungen für Rheumadiäten aus dem Boden. Was davon zu halten und was sagt die rheumatologische Forschung dazu? Wissenschaftliche Studien und Untersuchungen beweisen eindeutig, dass es eine Rheuma-Diät gibt und dass die Einhaltung von ernährungstherapeutischen Maßnahmen die Symptome der rheumatoiden Arthritis vermindert. Die moderne Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin konnte in einer Vielzahl von Studien nachweisen, dass die Ernährung einen bedeutenden Faktor in der Rheumatherapie darstellt. Leider profitieren heute noch viel zu wenig Menschen von den Möglichkeiten, die die Ernährungstherapie bei Erkrankungen des sogenannten rheumatischen Formenkreises bietet.

Schon Hippokrates wusste um die Effekte der Ernährung und setze bei Rheumapatienten auf diätetische Maßnahmen. »Lasst Eure Nahrungsmittel Eure Heilmittel sein und Eure Heilmittel Eure Nahrungsmittel!« sagte der griechische Arzt Hippokrates vor über 2400 Jahren. In den letzten Jahrzehnten jedoch wurde in den Industrienationen ein stetiger Anstieg chronischer nicht übertragbarer ernährungs(mit)bedingter Krankheiten festgestellt. Auch Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises können durch diätetische Maßnahmen (mit-)therapiert werden. Die Ernährungstherapie hat einen bedeutenden Stellenwert in der adjuvanten Therapie einiger Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Insbesondere Rheumaformen, die auf dem Boden entzündlicher Reaktionen entstehen, sind der Ernährungstherapie zugänglich. Die Ernährung ist für die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der Funktionen des menschlichen Organismus unerlässlich. Bei einer Vielzahl von Erkrankungen spielt die Ernährungsweise eine wichtige Rolle in der Erkrankungsentstehung und/oder der Erkrankungsbehandlung. Bei den entzündlichen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises kommt der Ernährungstherapie eine immer größer werdende Bedeutung zu. Eine arachidonsäurearme Kost, die reichlich Omega-3- Fettsäuren beispielsweise aus Fischölen enthält, wirkt ebenso wie der Mineralstoff Zink und das Vitamin E antientzündlich und ist damit ein wichtiger Bestandteil einer effektiven Rheumatherapie. Kneipp-Pfarrer Sebastian Kneipp, der auch der Ernährungstherapie bei Rheuma sehr zugewandt war, sagte einmal: „Der Rheumatismus ist wahrlich der ewige Judas unter den Krankheiten“.

Krankheiten des Bewegungsapparates - entzündlicher wie auch degenerativer Natur - stellen für die Praxis des Arztes 10 bis 15 Prozent der zu versorgenden Patienten dar. Dabei wird der Anteil der entzündlichen-rheumatologischen Erkrankungen - Rheumatoide Arthritis - in der Bundesrepublik Deutschland mit rund 2,5 bis 3 Prozent der Bevölkerung veranschlagt. Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur die Notwendigkeit einer aktuellen Information für Betroffene und Interessierte über die Vorbeugung, Diagnostik und Therapie der entzündlichen sowie degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates sondern widerspiegeln ebenso die gesundheitlichpolitische Relevanz dieser Krankheitsgruppe. Definiert man die rheumatischen Erkrankungen als Zustände, die mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen am Bewegungsapparat einhergehen, so sind Krankheiten der peripheren Gelenke von denen des Stammskeletts sowie der Weichteile abzugrenzen. Menschen, die unter rheumatoider Arthritis leiden, profitieren von einer entzündungshemmenden Ernährungstherapie, wie sie in diesem Buch beschrieben wird. Diese Kost ist arm an entzündungsförderlicher Arachidonsäure und reich an Omega-3-Fettsäuren, die entzündliche Reaktionen herabsetzen. Mindestens 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter rheumatoider Arthritis. Degenerative Gelenkerkrankungen (Arthrosen) sind durch einen vom Knorpel ausgehenden, fortschreitenden Zerstörungsprozess gekennzeichent. In der Ernährungstherapie profitieren Arthrosebetroffene von einer gesunden, ausgewogenen Kost, die Übergewicht abbaut oder vermeidet. Im übrigen profitieren die Arthrotiker angesichts der Häufigkeit und pathogenetischen Bedeutung entzündlicher Komplikationen (arthrtitifizierter Arthrose) von einer Kostgestaltung nach gleichen Gesichtspunkten wie bei rheumatoider Arthritis.

Rheumatologische Erkrankungen:

Ätiologie: unbekannt (immunologische Mechanismen)

Klinik: Schmerz, Schwellung, Rötung, Überwärmung

Mit Rheuma (von griech. rheo „ich fließe“) bezeichnet der Rheumatologe ganz allgemein Beschwerden und Krankheiten am Stütz- und Bewegungsapparat mit fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen. Diese gehen oftmals mit funktioneller Einschränkung einher. Die medizinisch korrekte Bezeichnung für Rheuma ist „Krankheiten des rheumatischen Formenkreises“. Die traditionellen Begriffe Rheuma und Rheumatismus wurden erstmals im „Liber de Rheumatismo et Pleuritide dorsali“ von französischen Arzt Guillaume de Baillou (1538-1616) verwendet. Die von Ärzten verwendete „Internationalen Klassifikation der Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes“ unterscheidet 200 bis 400 einzelne Krankheiten, die sich im Beschwerdebild, Verlauf und Prognose deutlich unterscheiden. Daher sind die Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises kaum zu überblicken und schwierig zu diagnostizieren. Es ist tatsächlich so, dass „Was man nicht erklären kann, sieht man gern als Rheuma an.“ Für viele Patienten und Ärzte gilt. Die Rheumaforschung ist noch lange nicht abgeschlossen. Etwa jeder 10. Erwachsene in Deutschland leidet unter den Symptomen von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Als Rheuma bezeichnet man im Volksmund Krankheiten mit Schmerzen in den Bewegungsorganen (Gelenke, Wirbelsäule oder Muskulatur). Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises gibt es in zahlreichen, unterschiedlichen Ausprägungen. Rheuma ist eine Sammelbezeichnung für mehr als 100 unterschiedliche Erkrankungen. Allen ist der Schmerz der Bewegungsorgane und eine eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke gemein. Zudem kommt es zu Schwellung und unter Umständen zum teilweisen oder vollständigen Funktionsverlust der betroffenen Körperregionen. Die den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises zugrundeliegenden immunologischen Mechanismen sind nur unzureichend bekannt und Bestandteil der medizinisch wissenschaftlichen Forschung. Neben erblichen Faktoren, die sowohl bei den entzündlichen als auch den degenerativen rheumatischen Erkrankungen als wesentliche Rolle spielen, gelten bakterielle Infektionen, Streß sowie chemikalische und physikalische Einwirkungen als wichtigste Auslöser. Für die entzündlichen Reaktionen, die bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen auftreten, sind die sogenannten Eicosanoide und Zytokine als Vermittler der Entzündung (= Entzündungsmediatoren) wesentlich mitverantwortlich. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises sind einer Ernährungstherapie zugänglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Schulmedizinische Therapie“

Die medikamentöse Therapie erfolgt in erster Linie auf die Beschwerden bezogen. Die am häufigsten eingesetzten antirheumatischen Medikamente, die nichtsteoridalen Antirheumatika, Cortison und Basistherapeutika richten sich vorrangig gegen die Entzündung. Die nichtsteoridalen Antirheumatika wirken zusätzlich unterschiedlich stark gegen den Rheumaschmerz. Nachteil dieser Medikamente stellen die relativ häufig auftretenden unerwünschten Wirkungen (Nebenwirkungen) teils schwerwiegender Natur dar sowie Kontraindikationen, die den Einsatz bei Patienten verbieten. Die medikamentöse Rheumatherapie ist hochwirksam aber auch reich an Nebenwirkungen. Die Ernährungstherapie ist wirksam und ohne Nebenwirkungen. Natürlich kann die in diesem Buch beschriebene Ernährungstherapie eine klassische Rheumatherapie nicht ersetzen aber sehr wirkungsvoll ergänzen. Die Ernährungstherapie kann den Bedarf herabsetzen und die Effektivität von Rheuma-Medikamenten erhöhen.

- Klassische Rheumatherapie
- Medikamente (cortisonfreie Entzündungshemmer (NSAR) und Cortison)
- Krankengymnastik
- Physikalische Therapie (z. B. Wärme, Kälte, Massagen)
- Ergotherapie (z. B. Gelenkschutztraining)
- Chirurgische Maßnahmen (z. B. Korrekturoperationen)
- Psychologische Maßnahmen (z. B. Entspannungstechniken)
- Rheumadiät

Mehr als nur eine Behauptung: Es gibt eine Rheumadiät!

Leider profitieren heute noch viel zu wenig Menschen von den Möglichkeiten, die die Ernährungstherapie bei Erkrankungen des sogenannten rheumatischen Formenkreises bietet. Bereits dem griechische Arzt Hippokrates (460 bis 377 v. Chr.) und dem großen deutschen Mediziner Paracelsus (1493 bis 1541) war Rheumatismus und dessen Behandlung bekannt. Die Ernährungstherapie ist inzwischen durch wissenschaftliche Studien belegt und trotzdem gehört sie bei vielen Medizinern noch nicht zur Standardtherapie. Rheumatische Erkrankungen sind der Oberbegriff einer Vielzahl verschiedener Erkrankungen. Ihr gemeinsames Hauptmerkmal ist der Lokalisationsort das Stütz- und Bindegewebe des Bewegungsapparates. Von den rheumatischen Veränderungen sind der Bewegungsapparat mit seinen Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern, aber auch Erkrankungen des Bindegewebes, betroffen. Der Begriff Rheumatismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet fließen, strömen. Es ist die veraltete, ungenaue Bezeichnung für die verschiedendsten Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, die mit fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen am Bewegungsapparat einhergehen. Ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland - also rund 20 Millionen Menschen - leidet an Gelenkbeschwerden. Typische Anzeichen dafür sind Schmerzen und Steifheit in Muskeln, Gelenken oder Wirbelsäule, geschwollene Gelenke und Gliedmaßen, Entzündungen der Sehnen, Sehnenscheiden und Schleimbeutel. Nur die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen wie die chronische Polyarthritis sind einer sinnvollen und wissenschaftlich begründeten Ernährungstherapie zugänglich. Erst in jüngster Zeit zeigen wissenschaftliche Studien, daß nur in tierischen Nahrungsmitteln Stoffe enthalten sind, die die Entzündung der Gelenke fördern. Die Entzündung steht in engem Zusammenhang mit einer erhöhten Belastung des Körpers mit Arachidonsäure. Sie kommt nur in tierischen, fettreichen Nahrungsmitteln vor. Die ersten Hinweise einer Rheumadiät stammen bereits von Hippokrates. Über Jahrzehnte galt in der Rheumatologie: »Es existiert keine Rheumadiätetik«. In den vergangenen Jahren verzeichneten jedoch Ernährungsmediziner eine Vielzahl von positiven Studien, die signifikant nachweisen, dass eine arachidonsäurearme Kost, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist, positive Effekte bei den entzündlichen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises aufweist. In einer Rheumadiät werden fettreiche tierische Lebensmittel - Fleisch, Wurst, Käse sowie Milch und Milchprodukte - durch ihre fettarmen Alternativen ausgetauscht, und tierische Fette sowie Butter sollten gemieden werden. Arachidonsäurefrei sind Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Zucker, Honig, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Getreideprodukte sowie pflanzliche Öle und Fette. Rheuma ist sicher keine ernährungsbedingte Krankheit, jedoch profitieren Rheumatiker mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, wie beispielsweise der chronischen Polyarthritis, von einer rheumagerechten Ernährungsweise. Um messbare antiinflammatorische (...) Effekte erzielen zu können, müssen aufgrund der jetzt vorliegenden Therapiestudien 1-10 Gramm langkettiger Omega-3-Fettsäuen täglich aufgenommen werden. Diese Dosen werden auch mit sehr hohem Fischverzehr nicht erreicht, sodass hier nur der Einsatz von Fischölpräparaten praktikabel erscheint (Zitat: Professor Dr. med. Heinrich Kasper, Ernährungsmediziner von der Universitätsklinik Würzburg aus dem Jahr 2000). Rheuma kann scheinbar auch auf Lebensmittelintoleranzen zurückzuführen sein. Seit Jahrzehnten gibt es Einzelfallberichte über Lebensmittelintoleranzen bei rheumatoider Arthritis. Viele Rheumapatienten fasten zu Beginn der diätetischen Therapie. Fasten hat tatsächlich positive Effekte. Diese sind auch den abnehmenden Arachidonsäurespiegel zurückzuführen. Gleiches gilt für vegane Ernährung, die arachidonsäurefrei ist. Es sollte aber eine proteinreiche Form des Fastens gewählt werden. Diese heißt proteinmodifiziertes Fasten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Arachidonsäure fördert Entzündungen und Omega-3-Fettsäuren wirken dagegen Entzündliche Reaktionen werden von so genannten Entzündungsmediatoren übertragen. Je weniger Entzündungsmediatoren gebildet werden, desto besser ist das für Rheumatiker. Mediatoren (»Vermittler«), die für entzündliche rheumatische Erkrankungen von Bedeutung sind, gehören zur Gruppe der Eicosanoide, die über einen oxidativen Prozess aus Arachidonsäure gebildet werden. Daher sollte bei Rheuma die Zufuhr von Arachidonsäure möglichst gering sein. Die durchschnittliche Arachidonsäureaufnahme in Deutschland liegt nach Berechnung des Deutschen Kompetenzzentrum Gesundheitsförderung und Diätetik bei etwa 300 Milligramm pro Tag. Dem steht ein Verbrauch von nur 0,1 Milligramm gegenüber. Sind im Körper genügend Omega-3-Fettsäuren vorhanden, können sie den Stoffwechsel der überschüssigen Arachidonsäure blockieren und so verhindern, dass es zu Entzündungen kommt. Ein verringerter Arachidonsäurespiegel vermindert die Bildung von Entzündungsmediatoren.

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Details

Titel
Rheuma natürlich behandeln
Untertitel
Rheuma durch Kneipp und andere Maßnahmen der Naturheilkunde behandeln
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V197807
ISBN (eBook)
9783656243670
ISBN (Buch)
9783656244998
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rheuma, Diät, Sven-David Müller, Kneipp, Kneipptherapie, Naturheilkunde
Arbeit zitieren
M.Sc. Sven-David Müller (Autor), 2012, Rheuma natürlich behandeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197807

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