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Eine lexikalisch-semantische Analyse politischer Sprache

Am Beispiel der Regierungserklärung Gerhard Schröders zur Beteiligung Deutschlands am Krieg in Afghanistan

Title: Eine lexikalisch-semantische Analyse politischer Sprache

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 33 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Nils Heinichen (Author)

Speech Science / Linguistics
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Nach den Terroranschlägen am 11. September 2011 entschied sich die USA militärisch gegen die Verantwortlichen Al Kaidas vorzugehen. Man vermutete die Drahtzieher in Afghanistan aufzufinden, der damaligen Hochburg des Terrorismus. Früh stellte sich schließlich auch die Frage, wer die USA bei dem Einsatz unterstützen würde. Bundeskanzler Gerhard Schröder verkündete Mitte November 2001 in einer Regierungserklärung, dass Deutschland Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus leisten werde, was gerade bei den Bürgern zu geteilten Meinungen führte. Fast kein politisches Thema wurde in den letzten Jahren so häufig diskutiert wie die Beteiligung der Bundeswehr am Afghanistan-Krieg. Bis heute ist man sich uneins, ob die damalige Entscheidung der Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder richtig war oder nicht.
Diese Frage steht im weiteren Verlauf dieser Arbeit jedoch nicht im Mittelpunkt. Viel eher soll anhand einer Rede Schröders gezeigt werden, wie es dem damaligen Kanzler gelang, eine deutsche Kriegsbeteiligung als unumgänglich zu erklären.
Um ihre Ziele zu erreichen, verwenden Politiker verschiedene Strategien und besondere Wortschätze. Politik ist ohne Sprache gar nicht möglich.
„Politik wird durch (mit) Sprache entworfen, vorbereitet, ausgelöst, von Sprache begleitet, beein-flußt [sic!], gesteuert, geregelt, durch Sprache beschrieben, erläutert, motiviert, gerechtfertigt, verantwortet, kontrolliert, kritisiert, be- und verurteilt.“
Aus dieser kurzen Definition vom Sprachwissenschaftler Horst Grünert geht hervor, dass Handeln und Sprache in der Politik sehr stark zusammenhängen. Heiko Girnth spricht in diesem Kontext vom sogenannten sprachlichen Handeln.
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Fragestellung, welche sprachlichen Mittel von Schröder in seiner Rede eingesetzt worden sind, um sein Ziel – die Überzeugung seines Publikums von einer Kriegsbeteiligung – zu erreichen. Welche Besonderheiten sind in der Rede Schröders zu finden? Durch welche lexikalischen Mittel versucht Schröder seine Zuhörer von einer Kriegsteilnahme zu überzeugen?
Eine lexikalisch-semantische Analyse soll zu der Beantwortung dieser Fragen die nötigen Erkenntnisse liefern.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Politischer Zeithintergrund

3 Lexikologie

3.1 Institutionsvokabular

3.2 Ideologievokabular

3.3 Allgemeines Interaktionsvokabular

3.4 Ressortvokabular

4 Euphemismen

5 Analyse

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die linguistischen Strategien in der Regierungserklärung von Gerhard Schröder vom 8. November 2001 zur Beteiligung Deutschlands am Afghanistan-Krieg. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der damalige Bundeskanzler durch den gezielten Einsatz lexikalischer und semantischer Mittel – insbesondere von Schlagwörtern und Euphemismen – die Akzeptanz für eine militärische Beteiligung bei der Bevölkerung zu sichern versuchte.

  • Politolinguistische Analyse politischer Sprache
  • Untersuchung von Institutions-, Ideologie- und Ressortvokabular
  • Funktionsweise von Euphemismen als Verschleierungstaktik
  • Vergleichende Betrachtung verschiedener Reden Schröders zum Terrorismus
  • Die sprachliche Konstruktion von Legitimität für militärische Auslandseinsätze

Auszug aus dem Buch

3.1 Institutionsvokabular

Das Institutionsvokabular umfasst nach Klein Bezeichnungen für alle fachsprachlichen Termini. Zwar gebe es in der Politik „kein Sachgebiet mit einem klar abgrenzbaren Lexikon“9, was bedeute, dass Politik keine eigene Fachsprache aufweise wie beispielweise die Medizin, doch nähern sich die Lexeme des Institutionsvokabulars einer solchen Fachsprache zumindest an.

„Das Institutionsvokabular umfasst Bezeichnungen für die einzelnen Institutionen, ihre Aufgaben und formale Praktiken wie z. B. Bundesrat, Entwicklungshilfe, Misstrauensvotum.“10

Dieser Definition ist nichts hinzuzufügen. Dass es keine richtige politische Fachsprache gibt liegt daran, dass politische Wörter sowohl politisch von Belang sind, zugleich jedoch auch einen gesellschaftlichen Aspekt umfassen. So seien etwa Wörter wie Regenwald, Rechtschreibereform oder Atomkraft nicht ausschließlich der Politik zuzuordnen.11 Josef Klein differenziert noch einmal innerhalb des Institutionsvokabulars, was für diese Arbeit jedoch nicht elementar ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Situation nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ein und definiert die Fragestellung zur sprachlichen Überzeugungsarbeit in Schröders Regierungserklärung.

2 Politischer Zeithintergrund: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext der Anschläge und der daraus resultierenden politischen Entscheidungen zur Beteiligung am Krieg in Afghanistan.

3 Lexikologie: Das Kapitel gliedert den politischen Wortschatz in die vier Kategorien Institutions-, Ideologie-, Interaktions- und Ressortvokabular und legt damit die theoretische Basis für die Analyse.

3.1 Institutionsvokabular: Hier wird die Rolle von Fachtermini untersucht, die Institutionen und deren formale Praktiken bezeichnen, um politische Legitimität zu erzeugen.

3.2 Ideologievokabular: Dieses Kapitel widmet sich Wörtern, die Denkmuster und Wertvorstellungen vermitteln, sowie der Funktion von Schlagwörtern und der ideologischen Polysemie.

3.3 Allgemeines Interaktionsvokabular: Es wird analysiert, wie Wörter zwischen Alltags- und Politiksprache vermitteln und für Handlungszusammenhänge genutzt werden.

3.4 Ressortvokabular: Dieses Kapitel befasst sich mit der spezifischen Fachsprache politischer Ressorts, die primär der internen Kommunikation dient.

4 Euphemismen: Das Kapitel erläutert, wie verschleiernde Begriffe eingesetzt werden, um negative Sachverhalte wie Krieg positiv oder handlungstaktisch orientiert darzustellen.

5 Analyse: Im Hauptteil wird die Regierungserklärung von Schröder unter Anwendung der erarbeiteten Kategorien linguistisch untersucht und mit einer weiteren Rede in Beziehung gesetzt.

6 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, wobei betont wird, dass Schröder durch bewusste Wortwahl gezielt versuchte, sein Publikum von einer Kriegsteilnahme zu überzeugen.

Schlüsselwörter

Politolinguistik, Regierungserklärung, Gerhard Schröder, Krieg in Afghanistan, Ideologievokabular, Euphemismen, Schlagwörter, Persuasion, politisches Handeln, Sprachwissenschaft, Terrorismus, Solidarität, Diskursanalyse, politische Sprache, Semantik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sprachliche Gestaltung der Regierungserklärung von Gerhard Schröder im November 2001, um zu zeigen, mit welchen rhetorischen Mitteln er die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Krieg vor dem Bundestag rechtfertigte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der Politolinguistik, der Kategorisierung des politischen Wortschatzes in Institutions-, Ideologie- und Ressortvokabular sowie der Untersuchung von Euphemismen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schröder durch den bewussten Einsatz von Sprache (Schlagwörter, emotionale Aufladung, Verschleierung) sein Publikum von der Unausweichlichkeit der Kriegsbeteiligung überzeugte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine lexikalisch-semantische Analyse auf Basis politolinguistischer Theorien, insbesondere unter Einbezug von Modellen zur Wortschatzkategorisierung nach Josef Klein und Heiko Girnth.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Regierungserklärung vom 8. November 2001 chronologisch. Dabei wird untersucht, wie Schröder durch die Einbindung von Institutionen, die Verwendung von Schlagwörtern wie "Terrorismus" oder "Solidarität" und den Einsatz von Euphemismen wie "militärische Maßnahmen" eine kriegsbefürwortende Rhetorik konstruiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagwörter sind Politolinguistik, Ideologievokabular, Euphemismen, Persuasion und Diskursanalyse im politischen Kontext.

Wie unterscheidet Schröder zwischen den Institutionen in seiner Rede?

Schröder nennt gezielt Institutionen wie den Bundestag, die Bundesregierung, den Sicherheitsrat der UN und den NATO-Rat, um seine Entscheidung in ein Geflecht aus legitimierenden Instanzen einzubetten und sich so der Alleinverantwortung zu entziehen.

Warum spielt das Wort „Krieg“ eine besondere Rolle in der Analyse?

Das Wort „Krieg“ taucht in der Regierungserklärung laut Analyse kein einziges Mal auf, da Schröder stattdessen neutralisierende Begriffe oder Euphemismen nutzt, um negative Konnotationen beim Bürger zu vermeiden.

Welche Funktion hat das Wort „Solidarität“ im Text?

Solidarität fungiert als „Fahnenwort“, das positiv besetzt ist und dazu dient, die programmatischen Inhalte der Partei zu stützen und eine moralische Verpflichtung zur Beteiligung zu erzeugen.

Wie bewertet die Arbeit Schröders Vergleich mit einer früheren Rede?

Die Arbeit stellt fest, dass die Parallelen zwischen der Regierungserklärung vom November und einer Rede vom September 2001 frappierend sind, was auf eine sehr präzise und zielgerichtete sprachliche Vorbereitung der Reden hindeutet.

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Details

Title
Eine lexikalisch-semantische Analyse politischer Sprache
Subtitle
Am Beispiel der Regierungserklärung Gerhard Schröders zur Beteiligung Deutschlands am Krieg in Afghanistan
College
RWTH Aachen University
Grade
2,0
Author
Nils Heinichen (Author)
Publication Year
2012
Pages
33
Catalog Number
V197818
ISBN (eBook)
9783656239826
ISBN (Book)
9783656240051
Language
German
Tags
eine analyse sprache beispiel regierungserklärung gerhard schröders beteiligung deutschlands krieg afghanistan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nils Heinichen (Author), 2012, Eine lexikalisch-semantische Analyse politischer Sprache , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197818
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