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Das Weblog als modernes Tagebuch? Der Wandel der diaristischen Kulturpraxis vom 18. Jahrhundert bis heute

Title: Das Weblog als modernes Tagebuch? Der Wandel der diaristischen Kulturpraxis vom 18. Jahrhundert bis heute

Bachelor Thesis , 2011 , 68 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jana Richter (Author)

Cultural Studies - Miscellaneous
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Fremde Tagebücher zu lesen, übt auf die meisten Menschen einen unwiderstehlichen Reiz aus; eine Mischung aus voyeurhaften Vergnügen und Schuldgefühlen. Denn Tagebücher gelten als
sehr persönliches Medium seines Verfassers, als das Intimste, das ein Mensch verfassen kann und sind aufgrund dessen nicht für die Augen von neugierigen Mitlesern bestimmt. So die klassische Auffassung über Tagebücher, und die Buchindustrie macht sich Neugier der Leser
zunutze und veröffentlicht Tagebücher berühmter Persönlichkeiten oder Menschen, die etwas Außergewöhnliches erlebt haben. Derartige Veröffentlichungen wie jüngst das Tagebuch von
Marilyn Monroe finden einen großen Absatz.1
Auch die Tagebücher von Kurt Cobain (1967 -1994), Sänger und Gitarrist der Grungerockband Nirvana, wurden im Jahr 2002 posthum veröffentlicht. An den Beginn seines Tagebuchs schrieb er eine Mahnung, die wahrscheinlich der eine oder
andere Diarist ebenfalls seinem unverschlüsselten Tagebuch voranschickt: „Lies nicht in meinem Tagebuch, wenn ich weg bin.“2
Ungewöhnlich erscheint jedoch der nachfolgende Satz, der einer gewissen Ironie nicht entbehrt:„Ok, ich geh jetzt zur Arbeit. Wenn du heut morgen auswachst, lies bitte mein Tagebuch.
Durchwühl meine Sachen und mach dir ein Bild von mir.“3
Die explizite Aufforderung hätte wohl so manchen Schnüffler abgeschreckt; der Eintrag Cobains macht jedoch einen Aspekt der Tagebuchführung deutlich: das Diarium wird nicht nur für sich
selbst, sondern auch immer im Hinblick auf eine – auch unerwünschte –Leserschaft hin geführt. Dabei kann es sein, dass der Diarist die Öffentlichkeit ausschließt und sein Tagebuch sorgfältig
verschließt oder versteckt, manch einer entwickelt sogar eine Geheimschrift.4 Andere dagegen schreiben ihre Tagebücher bewusst für die Veröffentlichung oder entscheiden zu einem späteren
Zeitpunkt, dass diese veröffentlicht werden sollen.
Ende des 20. Jahrhunderts fand die diaristische Kulturpraxis auch Eingang in die öffentliche Sphäre des Internet; in Online-Tagebüchern und Weblogs veröffentlichen Menschen unter anderem private Inhalte und Gedanken, die vordem nur im papierenen Tagebuch notiert wurden,
für eine meist persönlich unbekannte Leserschaft.
Ein zweiter Aspekt, der der zweite Satz von Cobains Präambel mit dem Aussage „mach dir ein Bild von mir“ verdeutlicht: Das Lesen eines Tagebuchs scheint geradezu prädestiniert dafür zu sein, das wahre Ich des Verfassers zu erkennen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

1. Das Tagebuch

1.1. Formale Eigenschaften

1.2. Vom Sinn des Tagebuchführens

1.3. Die Dialogstruktur im Tagebuch

1.4. Selbstdarstellung, Selbststilisierung und Selbstbehauptung

1.5. Das private und literarische Tagebuch

2. Die Genese des Tagebuchs vom 18. bis ins 20. Jahrhundert

2.1. Frühe Formen des Tagebuchs

2.2. Zwischen Religion und erwachenden Selbstbewusstsein – Johann Caspar Lavaters Geheimes Tagebuch

2.3. Rückzug in die eigene Psyche - Friedrich Hebbels Tagebuch als deutsches Beispiel für ein journal intime des 19.Jahrhunderts

2.4. Schreiben, um zu existieren – Franz Kafkas Tagebücher

II. 1. Das Weblog

1.1. Was ist ein Weblog?

1.2. Die Entstehung der Blogosphäre

1.3. Kategorien von Weblogs

1.4. Alter und Geschlecht der Blogger

1.5. Motive des Bloggens

1.6. Das Verschwimmen der Grenzen zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit im Weblog

1.7. Die Potentiale des Weblogs

B. Resümee

C. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die Medialität und den Wandel der diaristischen Kulturpraxis vom klassischen, analogen Tagebuch hin zum modernen Weblog. Dabei wird analysiert, inwiefern sich Konzepte wie Selbstdarstellung, Identitätsbildung und die Grenze zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit durch den digitalen Kontext verändert haben.

  • Historische Entwicklung der Tagebuchkultur vom 18. bis zum 20. Jahrhundert.
  • Strukturelle Vergleiche zwischen privaten Diarien und Weblogs.
  • Die Rolle der Öffentlichkeit und der "Tyrannei der Intimität" in digitalen Medien.
  • Motivanalyse von Bloggern und das Potential von Weblogs als alternative Öffentlichkeit.
  • Fiktionalisierung des Ichs in schriftlichen Selbstzeugnissen.

Auszug aus dem Buch

1.1. Formale Eigenschaften

Das Tagebuch in seinen formalen Eigenschaften zu definieren, erscheint auf den ersten Blick einfach: es ist ein Buch oder manchmal nur ein Heft, in dem der Schreibende täglich oder mit längeren Unterbrechungen persönliche, private bis hin zu intimen Gedanken, Gefühlen, Beobachtungen und Ereignissen aus seinem alltäglichen Leben notiert.

Die landläufige Vorstellung ist, dass der Großteil der Diaristen ihre Tagebücher für sich allein schreibt und sie vor Mitlesern ein Leben lang sorgfältig verborgen hält. Dass es jedoch auch Tagebücher gibt, die veröffentlicht oder auf eine Veröffentlichung hin geschrieben wurden, wird diese Arbeit noch zeigen.

Systematisch wird zwischen temporären Diarien und Tagebüchern, die für ein Leben lang konzipiert sind, unterschieden: In Lebenswerken wird das Schreiben um des Schreibens willen als fester Bestandteil des Tages kultiviert und ist thematisch durchlässig für alles Alltägliche und die Werkstatt, für den Kalender und die Chronik. Temporäre Tagebücher haben in der Regel einen konkreten Anlass und sind auf eine zentrale Lebensfrage gerichtet.

Zu den temporären Diarien zählen Zeitzeugentagebücher, „die durch ein umwälzendes äußeres Ereignis initiiert sind und die solange Zeugnis ablegen wollen, bis sich die Umstände wieder normalisieren“, und Reisetagebücher.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Hier wird das Interesse am Tagebuch als Medium beleuchtet und die Forschungsfrage nach dem Wandel der diaristischen Praxis hin zum Weblog formuliert.

1. Das Tagebuch: Dieses Kapitel definiert die formalen Eigenschaften und Funktionen des Tagebuchs als Medium der Selbsterkenntnis und Identitätsbildung.

2. Die Genese des Tagebuchs vom 18. bis ins 20. Jahrhundert: Es wird der historische Aufschwung des Tagebuchschreibens anhand der Beispiele Lavater, Hebbel und Kafka nachgezeichnet.

II. 1. Das Weblog: Hier wird das Weblog als digitales Pendant zum Tagebuch eingeführt und in seinen technischen sowie soziologischen Aspekten definiert.

B. Resümee: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden zusammengefasst und die Koexistenz von analogem Tagebuch und Weblog betont.

C. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Tagebuch, Weblog, Blogosphäre, diaristische Kulturpraxis, Selbstdarstellung, Identitätsbildung, Öffentlichkeit, Privatsphäre, Intimität, Medialität, Johann Caspar Lavater, Friedrich Hebbel, Franz Kafka, digitale Identität, autobiographisches Schreiben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel des Tagebuchschreibens von einem ursprünglich rein privaten Medium zu einer öffentlichen digitalen Praxis im Weblog.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die diaristische Kulturpraxis, die Entwicklung der Öffentlichkeit im Internet und die literarische sowie psychologische Bedeutung des Schreibens über sich selbst.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, wie sich die Medialität des Tagebuchs verändert hat und welche Konsequenzen die Öffentlichkeit des Internets für die diaristische Praxis hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche und medientheoretische Analyse anhand von Primärquellen (Tagebücher berühmter Autoren) und aktuellen Studien zur Blogosphäre durchgeführt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen des klassischen Tagebuchs (inklusive historischer Genese) und anschließend das Weblog als neues, interaktives Medium analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Medialität, Tagebuch, Weblog, Selbstdarstellung, Intimität und Öffentlichkeit.

Welche Rolle spielt die "Tyrannei der Intimität" in dieser Untersuchung?

Der Begriff von Richard Sennett dient dazu, den Prozess zu erklären, bei dem öffentliche und private Sphären verschwimmen, da persönliche Befindlichkeiten zunehmend ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken.

Wie unterscheidet sich das Tagebuch-Ich vom realen Autor?

Die Arbeit verdeutlicht, dass das im Text konstruierte Ich stets eine Fiktionalisierung darstellt, egal ob im analogen Tagebuch oder im digitalen Weblog.

Ist das Bloggen eine "Seuche" oder ein kreatives Potential?

Die Arbeit zeigt beide Seiten: Kritische Stimmen sehen eine Banalisierung, während die Untersuchung aufzeigt, dass Weblogs durchaus als kreative Werkzeuge und Orte für alternative Öffentlichkeit fungieren können.

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Details

Title
Das Weblog als modernes Tagebuch? Der Wandel der diaristischen Kulturpraxis vom 18. Jahrhundert bis heute
College
Dresden Technical University  (Institut für Germanistik)
Course
Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaft
Grade
1,7
Author
Jana Richter (Author)
Publication Year
2011
Pages
68
Catalog Number
V197849
ISBN (eBook)
9783656239505
ISBN (Book)
9783656239925
Language
German
Tags
tagebuch weblog medialität wandel kulturpraxis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Richter (Author), 2011, Das Weblog als modernes Tagebuch? Der Wandel der diaristischen Kulturpraxis vom 18. Jahrhundert bis heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197849
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