Die Planung der Gemeinkosten ist einer der elementaren Bestandteile einer flexiblen Plankostenrechnung (PKR). Allgemein ist eine PKR dadurch charakterisiert, dass die Kosten nicht aus Werten der Vergangenheit abgeleitet werden, sondern aus der betrieblichen Planung hervorgehen. Ziel einer PKR ist es auch, bestimmte Faktoren, die auf die Kosten einwirken durch Vorausplanung der Kosten einer bestimmten Planungsperiode aus der Abrechnung zu eliminieren. Solche Einflüsse können sich durch Güterpreisschwankungen, Mengenverbrauchsschwankungen oder durch Schwankungen des Beschäftigungsgrades ergeben. Um eine Kostenkontrolle und eine Kalkulation ungestört durch solche Einflüsse durchführen zu können, verrechnet man statt der Istkosten geplante Kosten. Plankosten sind nicht nur im Voraus geplante Kosten, sondern sie haben auch Vorgabecharakter. Um der betrieblichen Kontrolle dienlich zu sein, stellt eine PKR mit Hilfe eines Soll-Ist-Vergleichs die Differenzen zwischen geplanten und tatsächlich angefallenen Kosten fest und analysiert diese. Die flexible PKR zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Anpassung an Plandatenänderungen vornimmt. So werden z.B. Änderungen der technischen oder personellen Kapazität, der Losgröße oder der Produktionsverfahren berücksichtigt. Zwar gibt sie die Plankosten der Kostenstellen (KST) auf der Basis eines als Jahresdurchschnitt erwarteten Planbeschäftigungsgrades vor, rechnet die Plankosten aber auf den tatsächlich erreichten Ausnutzungsgrad (Istbeschäftigung) der einzelnen Abrechnungsperioden (z.B. Monaten) um. Diese Plankkosten der jeweiligen Istbeschäftigung werden als Sollkosten bezeichnet. Die Gemeinkosten treten bei der Auflösung der Plankosten in fixe und variable bzw. proportionale Bestandteile wieder in den Fordergrund. Die Gemeinkostenplanung beschreibt demnach eine planmäßige Festlegung der einzelnen Gemeinkostenarten je Kostenstelle mit Hilfe von Bezugsgrößen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Grundsätze der Gemeinkostenplanung
3. Die Bedeutung der Kostenstelleneinteilung für die Gemeinkostenplanung
4. Die Auswahl von Bezugsgrößen der Kostenverursachung
4.1. Grundsätze und Verfahren der Bezugsgrößenwahl
4.2. Direkte Bezugsgrößen
4.2.1. Direkte Bezugsgrößen bei homogener Kostenverursachung
4.2.2. Direkte Bezugsgrößen bei heterogener Kostenverursachung
4.3. Indirekte Bezugsgrößen für Hilfs- und Nebenkostenstellen
4.4. Bezugsgrößenwahl für Material-, Verwaltungs- und Vertriebskostenstellen
5. Die Bestimmung der Planbezugsgrößen
5.1. Die Kapazitätsplanung
5.2. Die Engpassplanung
5.3. Vergleich von Kapazitäts- und Engpassplanung
6. Die Methoden der Gemeinkostenplanung
6.1. Gemeinkostenplanung mit statistischen Methoden
6.2. Die einstufige analytische Gemeinkostenplanung
6.2.1. Die planmäßige Kostenauflösung als Grundlage der einstufigen Gemeinkostenplanung
6.2.2. Bewertung der einstufigen Gemeinkostenplanung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit befasst sich mit den methodischen Grundlagen der Gemeinkostenplanung im Rahmen der flexiblen Plankostenrechnung. Ziel ist es, die systematischen Anforderungen an die Kostenstellenplanung, die Auswahl geeigneter Bezugsgrößen zur Kostenverursachung sowie die verschiedenen Planungsansätze für Primär- und Sekundärkostenstellen kritisch zu erläutern und einzuordnen.
- Grundprinzipien der Gemeinkostenplanung und Kostenstelleneinteilung
- Differenzierung und Auswahl direkter sowie indirekter Bezugsgrößen
- Methoden der Planbezugsgrößenbestimmung (Kapazitäts- vs. Engpassplanung)
- Analytische Verfahren zur Kostenauflösung bei homogener und heterogener Kostenverursachung
- Grenzen der Anwendbarkeit flexibler Kostenplanungskonzepte in verschiedenen Unternehmensbereichen
Auszug aus dem Buch
Die Auswahl von Bezugsgrößen der Kostenverursachung
Die Durchführung einer GKP ist untrennbar an die Voraussetzung gekoppelt, geeignete BG der KV zu finden. Dabei sind für jede Kostenstelle eine oder mehrere Maßgrößen der KV festzulegen. Dies geschieht parallel zu der Kostenstelleneinteilung. Dieser Maßstab der KV, also die BG, muss in einer proportionalen Relation zu den in einer KST angefallenen Kosten stehen. Um mit den BG Einflüsse unterschiedlicher Seriengrößen oder intensitätsmäßiger Anpassungsprozesse messbar zu machen, müssen diese sehr weit differenziert sein.
Das alleinige Grundprinzip der BGW stellt das sog. Verursachungsprinzip dar. Demnach ist eine Kalkulation nur dann möglich, wenn es zu einer Aufdeckung proportionaler Beziehungen zwischen den Kosten und den auf sie wirkenden Einflüsse kommt. Dadurch ist es in vielen KST nötig mehrere Maßgrößen nebeneinander zu verwenden. Nur so kann eine genaue Kalkulation und eine wirksame Kostenkontrolle durchgeführt werden. Festzuhalten ist weiterhin, dass sich nur für variable Kosten BG i.S.d. Verursachungsprinzips finden lassen. Ausschließlich bei dieser Konstellation können die BG ihre drei Hauptaufgaben erfüllen. Dies sind die Planung und Kontrolle der Gemeinkosten, die Verrechnung innerbetrieblicher Leistungen und die Verrechnung von Gemeinkosten auf Kostenträger.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Grundlagen der flexiblen Plankostenrechnung und erläutert den Zweck sowie den Aufbau der Seminararbeit.
2. Allgemeine Grundsätze der Gemeinkostenplanung: Behandelt die notwendigen Rahmenbedingungen wie Planungszeiträume, Abrechnungsperioden und die Bedeutung der beteiligten Kostenplaner.
3. Die Bedeutung der Kostenstelleneinteilung für die Gemeinkostenplanung: Analysiert den Zusammenhang zwischen der Abgrenzung von Verantwortungsbereichen und der Notwendigkeit verursachungsgerechter Maßgrößen.
4. Die Auswahl von Bezugsgrößen der Kostenverursachung: Untersucht die Verfahren der Bezugsgrößenwahl unter Anwendung des Verursachungsprinzips sowie Differenzierungen für homogene und heterogene Kostenstrukturen.
5. Die Bestimmung der Planbezugsgrößen: Gegenüberstellung der Kapazitäts- und Engpassplanung als Verfahren zur Ermittlung monatlicher Plankostenansätze.
6. Die Methoden der Gemeinkostenplanung: Erläutert analytische Ansätze zur Kostenauflösung und bewertet die einstufige analytische Methode im Vergleich zur statistischen Planung.
7. Fazit: Fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Notwendigkeit einer differenzierten Gemeinkostenplanung trotz praktischer Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Gemeinkostenplanung, flexible Plankostenrechnung, Kostenstellenrechnung, Bezugsgröße, Kostenverursachung, Verursachungsprinzip, Kostenauflösung, Planbezugsgröße, Kapazitätsplanung, Engpassplanung, Sollkosten, Kostenkontrolle, Betriebsbereitschaft, Kostenstellen, Kostenart.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die methodischen Grundlagen und Anforderungen, die bei der Planung von Gemeinkosten innerhalb einer flexiblen Plankostenrechnung zu beachten sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Kostenstelleneinteilung, die Wahl geeigneter Bezugsgrößen, die Bestimmung von Planbezugsgrößen sowie die methodische Kostenauflösung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine systematische Planung der Gemeinkosten eine effektive Kostenkontrolle und Kalkulation trotz unterschiedlicher betrieblicher Anforderungen realisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Diskussion betriebswirtschaftlicher Standardliteratur zur flexiblen Plankostenrechnung und Gemeinkostenplanung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Kostenstellenstruktur, die detaillierte Auswahl von Bezugsgrößen, die Verfahren zur Kapazitäts- und Engpassplanung sowie die analytische Zerlegung von Kosten in fixe und variable Bestandteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Gemeinkostenplanung, Bezugsgröße, Verursachungsprinzip, flexible Plankostenrechnung und Planbezugsgröße.
Warum ist die Kostenstelleneinteilung für die Planung so wichtig?
Die Einteilung bildet die Basis für Verantwortungsbereiche; je feiner die Einteilung, desto exakter können Bezugsgrößen definiert und Kosten kontrolliert werden.
Was unterscheidet Kapazitätsplanung von Engpassplanung?
Während die Kapazitätsplanung auf technisch-organisatorischen Daten basiert, richtet sich die Engpassplanung konsequent nach dem sogenannten „Minimumsektor“ der Gesamtplanung aus.
- Arbeit zitieren
- Mark Lönnies (Autor:in), 2003, Die Grundlagen der Gemeinkostenplanung in der flexiblen Plankostenrechnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19789